Dazu!
Mrz
27
Wütend stand er vor dem Spiegel, sah sich selbst in die Augen und je länger er sich selbst betrachtete umso größer wurde die Wut.
Wo zum Teufel ist die Zeit hin?
Die Fragen donnerten durch seinen Kopf, ließen ihn nicht zur Ruhe kommen, zogen Bahnen in seinen Gedanken und egal, worüber er nachdachte, egal, mit welchem Thema er sich beschäftigte, alles lief auf ein und dieselbe Frage hinaus: Wo ist die Zeit hin?
Verloren, vergangen, weg, nicht mehr da, dahin!
Scheiße!
Er musste sich selbst disziplinieren, um nicht durchzudrehen, denn jeder Versuch diese Frage zu beantworten, mündete in der nächsten, die weitaus schlimmer schien als die erste: Wozu?
Wozu das alles?
Nichts gewonnen und auch nichts verloren, auf den ersten Blick zumindest.
Hatte er nicht alles, was er brauchte oder brauchte er so wenig oder ist das, was er brauchte, nicht das was er hatte, doch er hatte alles, wenn er sich umsah. In der Theorie.
Die Theorie versagt an der Praxis, sie scheitert am Leben, am Sein! Alles ist theoretisch möglich, doch ist nicht praktisch, praktikabel, machbar, umsetzbar, realistisch. Lebbar.
Kann man etwas analysieren, wenn es eigentlich nicht zu analysieren ist? Kann man das Leben rational erklären? Gibt es eine Logik im Handeln eines Menschen? Lassen sich Emotionen mathematisch darstellen? Kann man einen Beweis für das Dasein führen?
Eindeutige Lösungen, nein eineindeutig.
Eine Lösung.
Und dann?
Ein Ergebnis mit dem man nichts anfängt, aber ein Ergebnis. Welch glorreiche Errungenschaft des Denkens!
WOZU?
Seine Blicke schweifen über seine Besitztümer, sein Eigentum und er sieht nichts als Objekte der Vergänglichkeit. Nützlich, hübsch und wertvoll. Absolut wertlos, beim näheren hinsehen.
Objekte des Neides anderer Personen, die gerne hätten, was sie nicht haben, nur um zu besitzen, damit sie eine Definition ihrer selbst finden in einem Raum aus Käuflichem.
Er muss lachen. Es ist lächerlich.
„Sie haben keine Ahnung, was sie mir neiden! Sie wissen nichts! Laufen nahezu abstrusen Zielen hinterher, deren Bedeutung ihnen selbst manchmal nicht klar ist. Welch Primitivität, je länger man darüber nachdenkt. Aber sie laufen!“
Sie laufen ohne zu denken, sie tun ohne sich darum zu scheren was sein wird, Konsequenz als Fremdwort, nein als Unwort. Die große Unbekannte. Streich die verschissene Variable aus der Gleichung und so wird halt aus 1x = 1 dann ist 1 = 1 und wenn nicht, dann ist x = 1. Wen kümmert es schon und welche Bedeutung hat schon x! Zwei Striche.
Wo ist sie hin?
Kann man Zeit damit verbringen über die Berechtigung einer Variablen in einer Gleichung nachzudenken? Hat sie eine Daseinsberechtigung und wenn ja, welche?
Zeitverschwendung, wenn man am Ende feststellt, dass die Gleichung keinerlei Relevanz hatte. Gleichung gelöst und das Ergebnis ist eindeutig nichts sagend, unwichtig, uninteressant, gefällt nicht. Aber gelöst. Wie beruhigend. Ende.
Wozu?
War da nicht noch etwas? Eine Ungereimtheit, etwas übersehen vielleicht. Nein, nichts. Rational betrachtet Nichts. Trotzdem ist Nichts etwas oder nicht? Wenn aber Nichts ist, dann muss zwangsläufig etwas da gewesen sein, das zu Nichts werden konnte, aber wann ist das passiert und wieso? Was will man denn mit Nichts, wenn man scheinbar alles hat? Nichts! Nichts zu haben, nichts zu brauchen, nichts zu wollen, nichts zu wünschen, nicht zu fühlen, nicht zu sein!
Verfluchte Scheiße, wo ist sie hin?
Macht es Sinn etwas zu verstehen, zu erklären, was man nicht ist nur um zu wissen? Ein nutzloses Wissen, wenn es keine Anwendung findet. Im ersten Moment.
Wozu?
Einer Erkenntnis reicher zu sein ist Reichtum, ist Erfahrung, ist der Beweis gelebt zu haben ohne Bewertung des Lebens selbst.
Genau hierzu!
Da ist sie hin!
Einen Verlust verspürt man doch erst dann, wenn man zuvor etwas besessen hat. Besitz verpflichtet und Verpflichtungen schränken ein und Einschränkungen hindern einen, sie beschränken, Beschränkungen bedeuten Verzicht!
„Wo ist sie hin?“ ist die falsche Frage!
Auf was hast du verzichtet?
Auf was hast du die ganze Zeit verzichtet und wozu?
Mit einem Schmunzeln griff er zu Autoschlüssel und Geldbeutel. Jetzt!
(für C.H.)







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