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Streitgespräch mit der Zeit

Mrz
13

Sie musste einmal zur Rede gestellt werden. So konnte es einfach nicht mehr weitergehen, also nahm ich sie mir.
„Wo bist du nur geblieben?“ fragte ich sie offen.
„Die Frage verstehe ich nicht, ich bin doch da.“ entgegnete sie recht verdutzt.
„Nein, ich meine warum bist du so schnell vergangen. Wenn ich zurück schaue, dann kann ich es kaum glauben, dass Vieles schon so weit zurück liegt.“
„Der Eindruck täuscht dich. Glaube mir.“ kam als flapsige Antwort.
„Warum bist du dann nie da, wenn ich dich brauche? Ich bin abgehetzt und schaffe es einfach nicht fertig zu werden, mit den Dingen, die ich zu tun habe.“
„Dafür kann ich doch nichts.“ gab sie zurück.
„Es gibt viele Dinge zu tun und von dir gibt es so wenig!“ fuhr ich sie an.
„Für jeden gibt es gleich viel. Der eine oder andere weiß einfach besser mit mir umzugehen. Es liegt als ganz allein an dir.“
„Du machst doch nur was du willst. Du läufst davon, manchmal scheinst du sogar zu fliegen.“ versuchte ich ihr zu erklären.
„Ich bin immer gleich und habe mich nie verändert und falls du es genau wissen willst, ich habe es auch nicht vor.“ schnauzte sie mich an.
„Das stimmt nicht. Es gibt Augenblicke an denen du einfach nicht vergehen willst. Du ziehst dich unnötig in die Länge und lässt mich warten auf wichtige Geschehnisse und auf den Bus!“ fauchte ich sie an. Warum war sie nur so unnahbar?
„Tue ich nicht. Du weißt nur nichts mit mir anzufangen in solchen Momenten!“ sagte sie seelenruhig.
„Willst du mir etwa unterstellen, ich würde dich verschwenden?“ schrie ich sie an. Mit ihrem gleichmäßigen Lauf brachte sie mich zur Weißglut.
„Ja, das tust du. Das tut ihr alle und dann beschwert ihr euch, dass ihr zuwenig von mir habt. Ihr kommt mit mir nicht klar und anstatt die Gründe und Ursachen dafür bei euch zu suchen, gebt ihr mir die Schuld.“ war ihre leicht schnippische Antwort.
„Und heilen kannst du auch nicht. Du hast es noch nie gekonnt.“ sagte ich zu ihr.
„Ich habe nie behauptet, dass ich das kann. Auch das ist wieder eine deiner Unterstellungen.“ antwortete sie.
„Warum sagt man dann solche Sachen über dich? Warum sagt man du ziehst ins Land? Warum wirst du was zeigen? Warum spricht man von den Zeichen der Zeit?“ will ich nun von ihr wissen.
„Weil ihr versucht, mit mir Dinge zu erklären. Mehr nicht!“
„Was fällt dir eigentlich ein? Du kommst und gehst wann und wie du willst. Du bist da wenn du unnötig bist und vergehst wenn du man dringendsten gebraucht wirst. Dir ist alles egal und dann behauptest du auch noch wir seien an allem Schuld?!“ Ihre Antworten machten mich rasend.
„Ihr seid diejenigen, die mich in Jahre, Monate, Wochen, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden spaltet. Ihr seid es, die mich vermessen und anhand von Stücken meiner beurteilen, was ich tue oder nicht tue. Wie ich mich bewege und was ich anscheinend bin und kann.“ sagte sie.
„Wie sollen wir es denn sonst machen?“ wollte ich von ihr wissen, doch sie verrann mit dem letzten Sandkorn in das untere Glas.
„Und wo bist du nun schon wieder geblieben?“ fragte ich verzweifelt.
„Ich bin doch gar nicht weg gewesen.“ entgegnete sie schmunzelnd.

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