Einsamkeit
Jul
24
Party, Volksfest, Disco, ein Grillfest mit Freunden oder der gemütliche Abend in der Stammkneipe. Der Ort und die Zeit sind egal. Sie kommt!
Da sitzt du nun und bist von einer Menge Menschen umgeben.
Stimmen um Dich herum wie Fliegen. Die Gespräche werden zum nervtötenden Summen.
Es wird geredet, geflüstert, gemeckert und gejammert. Mal zusammen gelacht und dann wieder gestritten.
Plötzlich ergeben die Worte keinen Sinn mehr und du sitzt einfach nur da. Dein Blick wandert von einem zum anderen Gesicht.
Der eine nickt, die andere schüttelt den Kopf. Einer redet, ein andere ruft nach dem Kellner. Jemand neben Dir lacht und hinter Dir wird hitzig diskutiert. Du schaust dich um und der Raum scheint vor Geräuschen zu platzen.
Die drei Frauen dir gegenüber lästern im Flüsterton über eine Bekannte, die heute nicht kommen konnte. Die Gehässigkeit ist in ihre Gesichter geschrieben. Sie fühlen sich so sicher und unbeobachtet in einen Raum voller Menschen. Lärm macht anscheinend anonym. Die Kneipe ist verraucht und die Luft abgestanden. Die Typen hinter ihnen schauen belustigt herab. Wohl nicht anonym genug!
Der Mann links von dir führt eine Debatte über Weltpolitik und du fragst dich bereits jetzt, wer ihm überhaupt zuhört. Er klingt sehr überzeugend und aus der Melodie seiner Stimme hörst du die Arroganz eingebildeter Überlegenheit.
Das Pärchen rechts von dir ist mit sich selbst beschäftigt. Wahrscheinlich erzählt sie ihm gerade, dass sie ihre Eltern am Sonntag zum Essen eingeladen und die Waschmaschine mal wieder komische Geräusche gemacht hat. Vielleicht unterhalten sie sich aber auch nur über das Tagesgeschehen. Wen interessiert das?
Ein weiteres Pärchen gegenüber sitzt nur da und schweigt. Manchmal schauen sie sich an und lächeln. Wahrscheinlich halten sie unterm Tisch Händchen oder sie haben nichts zu sagen. Nichts mehr? Vielleicht auch nicht mehr. Sieht nett aus. Schweigen muss man können. Sie verstehen sich wohl ohne Worte. Schade!
Von den Gesprächen nimmst du immer weniger wahr. Zuerst sind es noch halbe Sätze die du hörst, dann nur noch Fetzen. Einzelne Worte. Ein lautes Lachen, das dich selbst zum schmunzeln bringt. Am Schluss ist alles nur noch ein fernes Rauschen.
Dein Kopf ist leer und es herrscht Stille. Das Lachen der Gesellschaft verliert sich auf dem Weg zu deinen Ohren. Du starrst an den Leuten vorbei und fragst Dich, was sie eigentlich die ganze Zeit miteinander reden.
Die Zeit scheint still zu stehen und du hast das Gefühl, dass um dich herum ein Glaskasten steht. Die Menschen sind da, aber so weit weg. Keinen scheint aufzufallen, dass du noch nicht mal mehr an der Runde teilnimmst.
Und dann kommt sie von hinten, packt und durchfährt dich. Für einen Augenblick spürst du sie in allen Fasern deines Körpers. Einsamkeit.
Du hörst deinen Namen und der Glaskasten platzt wie eine Seifenblase, lautlos und schnell. Eine Frage reißt dich aus sekundenlanger scheinbarer Taubheit.
Die Stimmen klingen klar und deutlich in deinen Ohren und dein Gesprächspartner schaut dir geradewegs in die Augen. Das Gespräch dauert an und du schaust zur Seite. Die Bekannte gegenüber starrt auf ihr Weinglas herab. Warum sollte es ihr anders ergehen?







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