Archiv Juli, 2009

Herzsprung

Jul
26

Herzsprung

ldikó von Kürthy

Eifersucht? Liebeskummer? Rache!
Natürlich ist sie eifersüchtig. Sie hat ja auch alle Grund. Glaubt sie. Sie übergießt seine teuren Anzüge mit Rotwein – und haut ab. Setzt sich in ihr Auto und beschließt, endlich das zu tun, womit sie sonst immer nur gedroht hat. 48 Stunden und 950 unvergessliche Kilometer im Leben der Amelie Puppe Sturm.

Sie fühlt sich übergangen und missachtet und die letzte Nacht hat ihrer Beziehung zu dem Prominenten-Anwalt mehr als nur ins wanken gebracht. Als dann auch noch ein Anruf morgens im 6 Uhr ihre Vorahnung zu bestätigen scheint, bricht sie auf, zurück nach Hamburg. Doch soweit kommt sie gar nicht, denn Puppe ist es nicht gewohnt mit ihren Problemen selbst zurecht zu kommen. Probleme sind die besten, wenn man sie teilen kann, mit den Freundinnen und dem Friseur. Sie fährt, nach kurzem Trost durch den Friseur, nach Sylt, um doch wieder zurück nach Berlin zu fahren, zu genau einem Zweck: Rache!

Es ist schon eine Weile her, dass ich ein Buch so schnell durchgelesen hatte. Allen Frauen sei gesagt, dass man sich auf diesen 248 Seiten bestimmt an mindestens einer Stelle selbst wiederfindet. Und das schönste dabei, man kann so herrlich über den Protagonisten und sich selbst lachen. Denn die nahezu „harte“ Wahrheit dieses Buches ist so herz allerliebst ironisch und gleichzeitig tröstend, dass man sich für den Moment voll und ganz verstanden fühlt.

Ein wunderschönes Sommerbuch für den Strand.

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Tanz mit dem Schafsmann

Jul
18

Tanz mit dem Schafsmann

Haruki Murakami

Verführerischer Thriller, geistreiche Gegenwartskritik, erotische Liebesgeschichte um ein geheimnisvolles Hotel und eine verlorene Geliebte.“, so steht es auf dem Waschzettel dieses Buches.

Er ist 34 und hat einen guten Job, eine Ehe, den Tod des besten Freundes und mehr hinter sich gebracht und steht irgendwo zwischen sich und seiner eigenen Gedankenwelt. Dieser besagte Er, ist einfach er und mittlerweile schmeckt ihm sogar Käse.
Und so macht er sich auf eine verlorene Geliebte wieder zu finden, die er in einem alten mysteriösen Hotel verloren hat. Nein, nicht verloren, sie ist verschwunden.
Mit seiner Fahrt von Tokyo nach Sapparo beginnt eine Reise, die ihn in das neue Hotel Dolphin führt, das früher das mysteriöse Delfin war. Zuerst scheint alles normal, bis eine Angestellte mit der Sprache raus rückt.

Auf unheimlich leichte Weise und ungezwungen beschreibt Murakami die Welt seines Protagonisten, der im Grunde ein Niemand und der Leser selbst sein könnte. Absurditäten des Alltages erscheinen in einem anderen Licht. Wortspiele sind oft so treffend, dass man unweigerlich dem Protagonisten recht geben muss. Sei es der blödsinnige Name einer Musikband oder das Verhalten eines Geschäftsmannes. Indirekte Kritik an der Gesellschaft und die typischen Existenzängste schafft er brillant in eine Handlung einzubauen, von der man sich manchmal fragt, wo sie hinführen mag.

Man sollte beim Lesen dieses Buches nicht zwingend immer nach dem Sinn der Geschichte suchen, denn sie ist zu menschlich als das es einen gäbe. Keine tiefgründigen Gedanken, sondern die Erlebnisse, wie sie dem Protagonisten widerfahren, beschreibt Murakami und vielleicht ist es diese Schlichtheit, der man gerne folgt.

Dieses Buch ist Geschmackssache. Nicht jeder wird den Mix aus Alltag, Mysterie und etwas Thriller mögen. Zuweilen plätschert es so dahin und was da auf dem Klapptext als erotische Liebesgeschichte beschrieben wird, sind wenige Passagen in diesem Werk. Es war auf jeden Fall unterhaltsame Lektüre und damit mehr als manch anderes Buch.

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