Stuttgart – die Entstehung

Geschichte Stuttgarts – Mittelalter

Daten Geschichte
Um 700 In einer Urkunde des alemanischen Herzogs Gottfried wird zum ersten Mal der Ortsname „Chanstada“ (Cannstatt) erwähnt. Heute ein Stadtteil von Stuttgart.
746 Cannstatter Blutgericht (alemanisch – fränkisch). Cannstatt ist eines der politischen Zentren im südwestdeutschen Raum. Erste Anlage eines Tiergartens.
Um 950 Herzog Liutolf von Schwaben, ein Sohn Kaiser Ottos des Großen gelangt in den Besitz des Geländes um Cannstatt und legt ein Gestüt an, den Stuotgarten.Das Gestüt wurde wahrscheinlich gegründet, um Kriegspferde zu züchten, die für die Bekämpfung der Ungarn (Ungarneinfälle) dienen sollten.
Es gibt Hinweise auf einen Ort Frankenbach (heutiger Charlottenplatz), der zur Zeit der Merowinger errichtet, dann wieder aufgegeben wurde.Ein Weiler Immenhofen (Immenhofer Straße) ist zwar nicht urkundlich bekannt, wird aber am heutigen Wilhelmsplatz vermutet. Straßenverläufe weisen darauf hin.
Nach 1089 Erster Burgenbau durch den vertriebenen Bischof Brunno von Calw.
Etwa zeitgleich beginnt Konrad von Württemberg ebenfalls mit dem Burgenbau und errichtet hoch über dem Neckartal eine Burg. Die bis heute bekannte Grabkapelle des Hauses Württemberg bei Rotenberg markiert die Stelle.Ein gefundener Weihestein bezeugt die Fertigstellung der Burgkapelle im Jahr 1089. Am 7. Februar des Jahres 1089 durch den Wormser Bischof Adalbert.
Der Name Württemberg wird in diesem Jahr erstmals in einer Urkunde genannt, es ist von einem Conradus de Wirdeberch die Sprache, der aber nie mit einem Adelstitel benannt wird. Man geht davon aus, dass ihm nur die Burg Wirtemberg und Rotenberg als Ort gehörte.Im Stutengarten hatten wohl andere Adelsfamilien Einfluss und Recht.
1110 Nennung der Namens Stuttgart in einer Schenkungsurkunde. Hier wurden Weinberge im Stuttgarter Tal vermacht. Auch der Weinbau als solcher ist bereits zu dieser Zeit in der Region ein wichtiges Gewerbe.
Um 1130 Im Bereich der oberen Schulstraße entwickelte sich ein Quartier für und von Kaufleuten.
1156 und 1164 Aufführung eines Hufo de Stuokarten als Herr der Siedlungen am Nesenbach in den Jahrtagsverzeichnissen des Klosters Hirsau.
1175 Steine der Stiftskirche weisen darauf hin, das Stuttgart zu diesem Zeitpunkt nicht mehr eine Häusersiedlung mit Gestüt war, sondern bereits ein Adelssitz mit Kirche.
Um 1200 bis 1219 Stuttgart bekommt nach und nach Einzelrechte zugestanden, die eigentlich eine Stadt ausmachen. Eine förmliche Erhebung zur Stadt ist höchstwahrscheinlich nicht erfolgt.Zweifelhaft:Markgraf Hermann V. von Baden erhebt Stuttgart zur Stadt
1229 Erstmals wird Stuttgart unter Papst Gregor IX. in einer Urkunde erwähnt, er bestätigt dem Kloster Bebenhausen seinen Besitz im Stuttgarter Tal.
1220 bis 1240 Erste Stadtmauern um Stuttgart werden errichtet. Man geht davon aus, dass Markgraft Hermann V. von Baden die Stadt erstmals eingefriedet hat.Verlauf entlang der Königsstraße, Eberhardstraße und Karlsstraße. Hinzu kamen drei Stadttore.

Eines war in der Marktstraße, beim heutigen Breuniger-Kaufhaus, eines am Ende der Breiten Straße und das einzige, was einigermaßen auf die Mauern und Durchgänge hinweist, ist der Kanzleibogen beim Durchgang vom Schillerplatz zur Königsstraße.

In jener Zeit wurde auch die bedeutendste Vorkirche der heutigen Stiftskirche errichtet, eine dreischiffige Basilika im spätromanischen Stil. Hier findet sich auch die Grabtumba des Grafen Ulrichs I. und seiner zweiten Frau Herzogin Agnes von Schlesien-Liegnitz, die beide kurz nacheinander im Jahr 1265 starben. Die Gebeine wurden allerdings erst zwischen 1285 und 1290 in die Stiftskirche überführt, im Auftrag Graf Eberhards des Erlauchten (1265 – 1325), Sohns des Grafen Ulrich.

1248 Erste urkundliche Nennung des Dorfes Rotenberg mit der wehrhaften Burg Wirtemberg, die genau zwischen der freien Reichsstadt Esslingen am Neckar und der Residenzstadt Stuttgart lag.
Die Markgrafen-Tochter Mechthild heiratet den württembergischen Grafen Ulrich I. („Ulrich mit dem Daumen“, „der Stifter“ – er hatte einen auffällig großen Daumen der rechten Hand). Hier fiel Stuttgart, als Heiratsgut an das Haus Württemberg, das ist aber nicht sicher.
1259 In einer Urkunde wird der Bruder Mechthilds immer noch als Oberherr über die Weingüter in Stuttgart geführt.
1260 Mechthild stirbt. Wahrscheinlich geht erst zu diesem Zeitpunkt Stuttgart vollständig in den Besitz der Württemberger über.
1285 Guss der Torglocke der Stiftskirche, die seit 1999 wieder im kleinen Turm hängt und zu besonderen Anläßen von Hand geläutet wird. Folgende Inschrift befindet sich auf der Glocke:Wenn ich, die Fromme, ertöne, gedenke des Volkes, Maria. Im Jahre des Herrn 1285. Anfang und Ende.

Sie diente als Signal zur Öffnung und Schließung der Stadttore und im Brandfall. Selbstverständlich wurde sie ebenfalls als Betglocke genutzt.

1286 Siebenwöchige Belagerung Stuttgarts durch König Rudolf von Habsburg. Er schaffte es allerdings nicht die Stadt einzunehmen. Man einigte sich auf einen Vergleich, doch Graf Eberhard sollte die Stadtmauern Stuttgarts niederreißen. Da dies nicht in dem Maße geschah, kam Rudolf nach einem Jahr wieder und brannte sieben Burgen in der Umgebung nieder. Man muss wissen, dass in der Umgebung um Stuttgart etwa 40 Burganlagen standen.Einige Standorte:

  • Ruine der Burg in Hofen
  • Mühlhausen im Bereich der Walpurgiskirche, ebenfalls noch Ruinen
  • Überreste der Burg Frauenberg am Killesberg
  • Dischinger Burgen über Weilimdorf
  • Rohr

Graf Eberhard schien streitlustig während seiner Regentschaft und geriet mit sechs Königen aneinander, darunter auch König Heinrich VII.

Wagenburg:Der Flurname, der bis heute erhalten geblieben ist (Wagenburgtunnel Richtung Stuttgart-Ost), stammt definitiv aus der Belagerungszeit Rudolfs von Habsburg. Zwischen der Uhlandshöhe und der Gänseheide hatte er sein Heerlager aufgeschlagen und durch aufgestellte Wagen abgegrenzt, die zugleich dem Schutz dienten.
Am 12.08.1286 wird in einer Urkunde dem Kloster Bebenhausen der Bau einer Kelter gestattet. In diesem Dokument wird erstmals ein Schultheiß, Richter und Stadtbürger genannt.Stuttgart ist spätestens ab diesem Zeitpunkt definitiv eine richtige Stadt.
1290 Erste Erwähnung des Stuttgarter Marktplatzes in einer Urkunde des Grafen Eberhard (forum mercatorium). Hier standen laut dieser in Latein verfassten Schrift bereits Häuser. Namentlich sind zwei Personen genannt, ein gewisser Meldelin und ein wohlhabender Priester (Heinrich Kalterstein).Kaltersteins Wohnung muss vermutlich an der Stelle gestanden haben, wo heute das Kaufhaus Haufler am Markt seine Geschäfte hat.

Der Marktplatz als solches existierte wohl noch nicht, es war eher eine verbreiterte Straße.

1310 Verhängung der Reichsacht über dem württembergischen „Fehden“-Grafen Eberhardt durch Heinrich VII., dieser eröffnete auch den Reichskrieg gegen den nun vogelfreien Grafen, dem nichts anderes übrig blieb, als zu seinem Vetter nach Besigheim zu fliehen.
1312 Im Juli 1312 nachdem bereits die meisten württembergischen Städte kapituliert hatten, tat dies auch Stuttgart. In der Kapitulationsurkunde ergab sich die Stadt dem Reich und der Stadt Esslingen.
Mit dieser Kapitulation war Stuttgart nun eine Reichsstadt mit minderen Rechten unter der Herrschaft Esslingens und gehörte somit nicht mehr zum Hause Württemberg.
Erstes Stuttgarter Stadtsiegel:Die Kapitulationsurkunde ist nicht nur der Beweis dafür, dass Stuttgart ab diesem Zeitpunkt zum Heiligen Römischen Reich gehört. Ihr angehängt ist wohl das älteste noch erhaltene Stadtsiegel der Stadt. Es zeigt zwei schreitende Pferde.
1315 Nach dem Tod Heinrichs VII. 1313 nutzt Graf Eberhard die Gunst der Stunde (Friedrich der Schöne von Österreich und Ludwig von Bayern konkurrieren) und schafft es Stuttgart als seinen Besitz wieder zu erlangen.
1316 Beginn mit dem Bau eines größeren Chores der Stiftskirche. Graf Eberhard hatte das Stift des Vaters bereits unter der Herrschaft Esslingens aus dem Remstal abgezogen und mit der Verlegung nach Stuttgart begonnen. Mit dem Stift und den entsprechenden Personen wurde in der Stiftskirche mehr Platz gebraucht.Das Stift mit seinen adeligen Chorherren entwickelte sich schnell zu reichsten geistlichen Einrichtung Württembergs.
Zeitgleich begann die Errichtung der Dürnitz des heutigen Alten Schlosses unter dem Baumeister Walther.
1340 – 1350 Fertigstellung der Grafenburg und des Stiftskirchenchors.Stuttgart ist innerhalb der Stadtmauern quasi in zwei Bereiche geteilt, den kaufmännischen und den geistlichen durch die Stiftsherren (um die Stiftskirche).
Zu der Zeit entwickelt sich ausserhalb der Stuttgarter Stadtmauern die erste jüdische Gemeinde.
1343 Das erste Mal in der Geschichte Stuttgarts wird ein Stuttgarter jüdischen Glaubens erwähnt, sein Name ist „Loew“ und er steht unter dem besonderen Schutz des Grafen von Württemberg, da selbst der Kaiser Ludwig von Bayern in der Schuld des reichen Kaufmanns steht.
1350 Stuttgart zählt ca. 4.000 Einwohner.In der Zeit entsteht auch die Ackerbürgerschicht. Freie Bauern ziehen in die Städte, um besseren Schutz vor den grassierenden Seuchen und Pestepidemien zu haben. Allein die Seuchen verhindern ein schnelles Bevölkerungswachstum in der Stadt.
Weinbau wird das wichtigste Gewerbe Alt-Stuttgart. Die Preise für Wein sinken, sodass man für einen Heller (die kleinste Münze) Unmengen des Getränks erhält. Zu der Zeit sind bereits 500 Hektar Weinberge erfasst.Die heutigen Namen Lerchenrain und Kaisemer stammen wohl von den klostereigenen Weinbergen ab, dem staufischen Hauskloster Lorch und Kaisheim.
1366 Gräfin Katharina stifte Stuttgart ein Hospital, dass in der heutigen Breite Straße stand.
1372 Urkunden nennen das Dorf Tunzhofen als bewohnte Siedlung, die wahrscheinlich nach der großen Pestepidemie verlassen wurde (heutige Tunzhofer Straße). Die Siedlung ging aber in die wachsende Stadt Stuttgart über.
Stuttgart besteht in der Größe, wie sie wohl mit den Mauern und den Toren eingegrenzt war. Ende des 14. Jahrhunderts entsteht eine Vorstadt.
1374 Kaiser Ludwig der Bayer erteilt dem Grafen von Württemberg das Münzrecht. In Stuttgart entsteht die erste Prägestätte für Münzen und Medaillen.
1378 Erneut belagern benachbarte Reichsstädte Stuttgart, doch die Mauern halten. Stattdessen werden die Weinstöcke herausgehauen und das Umland verwüstet.
1380 Graf Eberhard der Milde heiratet Antonia Visconti von Mailand. Immer mehr fremde Einflüsse erreichen Württemberg und es gewinnt an politischer Bedeutung.
1392 Die Errichtung der Vorstadt beginnt nach dem Prager Vorbild. Das Zentrum der Neustadt bildet hierbei ein Straßenmarkt, die heutige Hauptstätter Straße. Hinzukommend wurde die kleine Leonhardskapelle errichtet, daher auch der Name Leonhardsvorstadt.Hier ließen sich hauptsächlich Handwerker nieder, die den Nesenbach nutzten. Zu ihnen zählten die Färber, Gerber, Wagner und Weingärtner.
Der Name Hauptstätter Straße kommt nicht wie vermutet von Hauptstadt, sondern von der Enthauptungsstätte, die Mitte des 14. Jahrhunderts urkundlich nachweisbar ist. Am heutigen Wilhelmsplatz fanden die Hinrichtungen statt, daher Hauptstätter Straße.
1397 Heirat des Grafen Eberhard des Jüngeren mit Henriette von Mömpelgard. Württemberg geht für 400 Jahre in den Besitz der Montbéliard über.
1442 Stuttgart wird für ca. 40 Jahre nur noch Hauptort einer kleinen Grafschaft, da Graf Ulrich das Land mit seinem älteren Bruder Ludwig teilen musste.
1445 Heirat Ulrich V. mit seiner zweiten Frau Elisabeth von Bayern-Landshut.
1450 Stuttgart wächst weiter. Unter Graf Ulrich V. ( der Vielgeliebte) wird über eine zweite Erweiterung der Stadt nachgedacht.Der Graf ist in dritter Ehe mit Margarethe von Savoyen.
1451 Es findet eine Erweiterung des Marktplatzes statt. Das belegen Eintragungen im Zinsbuch der Stadt. Hier wird erwähnt, das acht Häuser, die an den Platz angrenzen, abgerissen werden. Dadurch entfallen Abgaben, unter anderem in Form eines Huhns.Zu der Zeit muss der Marktplatz wohl 1400 Quadratmeter groß gewesen sein.

Stuttgart wird nach und nach ein wichtiger Warenumschlagplatz zwischen den südlichen Fildern und dem nördlichen württembergischen Unterland.

An den Rändern des vergrößerten Platzes beginnt Graf Ulrich V. mit dem Bau eines Herrenhauses, was im Erdgeschoss vor allem als Kaufhaus, aber auch Gerichtsgebäude und Versammlungshalle bei Festen diente.
1455 Nördlich der Stadt wird mit der Erweiterung begonnen. Hier liegt noch der Rittertunierplatz des Grafen brach.Fertigstellung des Herrenhauses am Marktplatz. Der Graf gibt sein altes „gräfliches Rathaus“ auf, das seinen Platz am heutigen Haufler am Markt hatte (das Haus von Kalterstein) und bezieht das neue Herrenhaus.

In diesem Kaufhaus boten hauptsächlich Bäcker, Metzger, Tuchmacher und Gerber ihre Waren an.

Da Ulrich der Vielgeliebte auch die Gerichtsbarkeit inne hatte, standen wohl neben dem Herrenhaus ebenfalls die Strafinstrumente, wie Pranger und Schnappgalgen.Der Rat der Stadt saß weiterhin in dem Vogteibau, dieser hatte seinen Standort, wo sich heute der Rathausturm erhebt.

Insgesamt hatte Stuttgart 12 Mitglieder im Rat und Gericht, denen der Schultheiß vorstand.

Das alte Haus des Grafen, das an der gleichen Stelle stand und wahrscheinlich das gleiche war, wie das Kaltersteins aus 1290, wurde ab diesem Zeitpunkt von dem Baumeister Aberlin Jörg bewohnt, der für den Bau der drei alten Kirchen Stuttgarts verantwortlich war.
1456 Graf Ulrich V. erteilt den Bürgern der Stadt das Recht eigene Häuser zu bauen und zu gebrauchen. Ausserdem erhielten sie das Recht in den Häusern Salz zu lagern, Zölle und Waaggeld zu verlangen. Dieses Recht hatte bis dahin nur der Graf gehabt.
1457 Der erste Stuttgarter Landtag wird abgehalten. Es entwickelts sich die erste Ehrbarkeit, ähnlich dem Patriziat in den Reichsstädten. Damit entstand in Stuttgart eine neue Oberschicht, der 30 Familien angehörten.
Die reichste Familie Württembergs, die Grempp, stammen aus Vaihingen an der Enz und zogen nach Stuttgart. Zu Reichtum kamen sie über den Fernhandel und geschickte Heiratsverbindung. Obwohl sie nie eine offizielle Standeserhöhung erhielten, stiegen sie in die Ehrbarkeit auf.
Eine weitere Familie ist die der Herren von Sachsenheim. Ein ehemaliges Haus des Klosters Herrenalb, das über die Stadtmauer hinweg erweitert wurde, diente der Familie als Stadtresidenz.Hermann der Ältere war einer der letzten Minnesänger und sein Sohn Hermann der Jüngere Landhofmeister und damit Stellvertreter des Grafen.
1471 Errichtung eines Dominikanerklosters im neuen Stadtviertel.
1473 Ankunft der ersten Dominikanermönche aus Nürnberg. Sie erhielten als Kreis Markgröningen und Waiblingen. In Stuttgart war ihnen das Betteln untersagt. Das Dominikanerkloster sollte das erste und letzte in Stuttgart errichtete Kloster bleiben.Trotzdem waren die Dominikanermönche in Stuttgart über Gebetsverbrüderungen stark mit anderen Städten verbunden. Dies erkennt man heute an dem erhaltenen Chorgestühl der Leonhardskirche. Hier findet man 22 Wand- und Vordersitze. Unter den Stadtnamen sind auch:

  • Speyer
  • Konstanz
  • Krems in Niederösterreich
  • Colmar im Elsass
  • Muri im Aargau
  • Worms
  • Zürich
1482 Wiedervereinigung der beiden Grafschaften mit dem Münsinger Vertrag. Graf Eberhard der Jüngere und Graf Eberhard im Bart legen am 14.12.1482 fest, dass Stuttgart die Hauptstadt des Landes sein soll. Warum man sich gegen Urach und Tübingen entschieden hatte, ist leider unbekannt. Wahrscheinlich hatte aber die zentrale Lage der Stadt zur Entscheidung beigetragen.
Johannes Reuchlin lebt bis zu seinem Tode in Stuttgart. Sein Haus stand neben der Stiftskirche und diente als Treffpunkt der geistigen Welt seiner Zeit. Bemerkenswert war darüber hinaus seine Bibliothek. Am 30.06.1522 verstarb Reuchlin und wurde in der Leonhardskirche beigesetzt.
Bis 1493 Das Langhaus der Leonhardskirche wird gebaut.Bereits 1432 wurde mit der Erweiterung der Stiftskirche angefangen. Die Treppen an der Kirchstraße verlaufen wie die alte Kirchenmauer.

Zeugnisse belegen, dass 1456 neun Altäre geweiht wurden. Zu diesem Zeitpunkt stand die „neue“ Stiftskirche also bereits.

Der große Turm allerdings wurde in der heutigen Höhe erst 1531 fertig gestellt.

1495 Erhebung Württembergs zum Herzogtum durch König Maximilian I.
1498 Beispiellos in dem damaligen Deutschland:Die Bürger Stuttgarts setzen den burtal regierenden Herzog Eberhard II. ab!

Sein elfjähriger Neffe Ulrich wird zum Herzog bestimmt.

Iniziert wurde die Absetzung hauptsächlich durch den damaligen Stuttgarter Bürgermeister Sebastian Welling, den Vogt Hans Gerstenberger und den Stiftspropst Ludwig Vergenhans.

1500 ENDE DES SPÄTMITTELALTERS
1502 Flucht des Hofes samt Herzog nach Blaubeuren.Die Pest tötete in Stuttgart die Hälfte der Bevölkerung, die zu dem Zeitpunkt zwischen 5.000 und 6.000 Einwohnern lag.
1511 Herzog Ulrich heiratet Sabine, die Herzogstochter aus Bayern. 16.000 Gäste werden in dem kleinen Stuttgart eine Woche lang bewirtet.Auch die Bürger waren zu diesem Fest eingeladen, selbst aus dem achtröhrigen Brunnen am Schloß floss roter und weißer Wein.
1514 Aufstand der Remstaler Bauern gegen den verschwenderischen Herzog Ulrich. Unter dem Namen „Armer Konrad“ rebellieren sie gegen die Steuererhöhungen und die Verminderung von Maß und Gewicht.Am 9. August des gleichen Jahres läßt Ulrich die Redelsführer auf dem Marktplatz hinrichten.

Stuttgart ist bereits völlig überschuldet.

Tübinger Vertrag legt die Rechte der Stuttgarter Bürger fest.

1517 BEGINN DER REFORMATION
1519 Vertreibung Herzog Ulrichs von Württemberg durch den Schwäbischen Bund. Selbst der Kaiser verhängt dreimal die Reichsacht über den brutalen und skrupellosen Herzog, der sogar seinen besten Freund eigenhändig ermordet hatte.Stuttgart unterwirft sich dem Bund. Seit diesem Zeitpunkt herrscht ein Statthalter des Bundes in Stuttgart.
1520 Die Ehrbarkeit sucht Hilfe bei den Habsburgern und richtet sich an Kaiser Karl V., dessen Bruder Erzherzog Ferdinand in Stuttgart einzieht, als Statthalter. Stuttgart gehört nun zu Österreich.
Der Geistliche Johannes Mantel (Leonhardskirche) wird aus Straßburg zurück gerufen, wo er die Schriften Luthers studiert hatte. Da er nun bekennender Anhänger Luthers war, wurde er von der österreichischen Regierung zu schwerer Kerkerhaft verurteilt, aus der er nach zwei Jahren bei einem Bauernaufstand befreit wurde. Er starb in der Schweiz.
1522 Die Obrigkeit in Stuttgart läßt folgenden Erlaß verlauten: Das Kaufen, Verkaufen und Lesen der Schriften Marin Luthers und seiner Anhänger ist „bei der höchsten, schwersten Ungnade und Strafe“ verboten.
Der Buchdrucker Johann Erfurt wird der Stadt verwiesen, da ihm das heimliche Drucken ketzerischer Schriften vorgeworfen wird.
1527 Trotz Verbot verbreitet sich die Lehre Luthers auch in Stuttgart. Die katholischen Messen werden nicht mehr zahlreich besucht und auch die Opfer für den Ablass gehen stark zurück.In diesem Jahr wird dem Statthalter berichtet, dass der Turmbau der Stiftskirche nicht weitergeführt werden kann, da die Spenden sich nur noch auf ein Zehntel der Vorjahre belaufen.
1531 Einführung der Reformation in Esslingen. Die Stuttgarter besuchen bis zu diesem Jahr die Predigten in Esslingen. In diesem Jahr wird den Bürgern der Besuch der Messen in Esslingen strengstens verboten.
1534 Herzog Ulrich schafft es nach einem gescheiterten Versuch im Jahre 1526 Stuttgart zurück zu erobern. Die Habsburger fliehen und hinterlassen ein schuldenfreihes und wohlhabendes Stuttgart.Die Herrschaft der Habsburger endet.
Am 15.05.1534 gehört Stuttgart wieder zu Württemberg.Bereits am nächsten Tag, einem Sonntag findet der erste offizielle evangelische Predigtgottesdienst in der Stiftskirche statt.

Die Reformation hält in Stuttgart Einzug.

1535 Lesung der letzten katholischen Messe am 02.02.1535 in Stuttgart.Priester, die katholisch bleiben wollten, wurden ihrer Ämter enthoben. Von den ca. 50 Priestern blieben am Ende nur noch sieben in Stuttgart.

Am 14.02.1535 wird in der Stiftskirche das erste evangelische Abendmahl gefeiert. Herzog Ulrich verpflichtet die Bürger zum Kirchenbesuch.

Stuttgart ist ab diesem Zeitpunkt evangelisch.

Sämtliche Bilder und Kirchengüter (Kelche und Messgewänder) werden von Herzog Ulrich verkauft und das Geld der Armenfürsorge gespendet.

(Quelle: “Wie Stuttgart wurde, was es ist” – Harald Schukraft – Silberburg Verlag – ISBN 978-3-87407-753-8)