Archiv März, 2010

Gut gegen Nordwind

Mrz
28


Daniel Glattauer

Emmi Rothner möchte per Email ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder Emails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?

Daniel Gattauer erzählt von der ersten bis zur letzten Seite eine wunderschöne Liebesgeschichte nur aus Emails bestehend. Das Einzige sind die Zeitangaben zwischen den Emailtexten, die dem Leser einen zusätzlichen Anhaltspunkt geben.

Schritt für Schritt lernt man als Leser die beiden Schreiber kennen, bei denen man geradezu heimlich mitliest, man ist quasi immer BCC und jede Buchseite ist eine weitere Papier-Email. So tänzeln beide Protagonisten schreibend und lesend um einander herum. Mal mit einem Satz mal mit Ausschweifungen. Oft wiederholend, aber nie langweilig.

Ein sehr gelungenes und in seiner Schreibweise interessantes Buch von Daniel Gattauer mit einer durchaus authentischen Darstellung des weiblichen Prots. Dieses Buch funktioniert. Daniel Gattauer schafft es mit sehr wenigen Informationen den Leser in eine Handlung zu verwickeln, sodass man sich andauernd selbst fragen möchte, was in der nächsten Email stehen wird.

Die Idee aus einer Anreihung von Emails eine Geschichte zu schreiben, mag vielleicht nicht neu sein, in diesem Buch aber super umgesetzt. Man sympathisiert sofort mit den beiden Email-Schreibern. Mal stimmt man dem einen, mal dem anderen zu.

Besonders auffällig ist tatsächlich der Schreibstil an sich, denn das ganze Buch über behält er einen einfachen und flüssigen Stil bei, eben wie in einem stinknormalen Emailtext an gute Bekannte üblich.

Das Buch liest sich in einem Zug durch. Sehr gute Reiselektüre oder für den Strand geeignet.

Eine Frage bleibt offen: Was ist eigentlich ein Graupelbär?


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Stöckchen

Mrz
25

Also das mit den Stöckchen war mir schon immer suspekt. Trotzdem ist mir dieses hier bei einigen Blogs aufgefallen und nachdem Evi mir einen Kommentar hinterlassen hat und ich etwas in ihrem Blog gestöbert habe und erneut auf dieses jenes welches da unten gestoßen bin, nahm ich es probeweise mit.

Kommen wir also zu dem mitgenommenen Stücken Stöckchen:

1. Leser sind Katzenliebhaber.

JEIN. Unser Katzer ist die wahre „terror cat from hell“! Aber es geht auch nicht mehr ohne ihn. Wir haben uns auf ein friedliches Miteinander geeinigt. Schnurren beruhigt ungemein.

2. Leser sind sonnenscheu.

Ne, das ist ein Gerücht.

3. Leser sind Bauchmenschen.

Jepp!

4. Leser sind romantisch.

Definitiv nicht.

5. Leser sind solange kinderlieb, bis das Lieblingsbuch mit Buntstiften verschönert ist.

Solange kein mit Spuke mühevoll eingeweichter Butterkeks kraftvoll zwischen die Seiten gedrückt wird, ist die Welt in Ordnung.

6. Leser sind Sammler, nicht nur von Büchern.

Jepp!

7. Leser lieben Kuchen und Kaffeeklatsch.

Ja, am liebsten selbst gebacken mit Schoki. Dazu ein frischer herrlicher Tee…toll!

8. Leser haben beruflich mit Menschen zu tun.

Jepp!

9. Leser essen bio.

Nein, auch das ein Gerücht.

10. Leser schreiben selber oder haben es als Kind gemacht.

Ja, da ist was dran.

11. Leser waren als Kind Einzelgänger und Stubenhocker.

JEIN, dat is zu allgemein.

12. Leser haben gute Freunde, aber davon nicht viele.

Wie viele gute Freunde braucht man? Also wirklich gute Freunde.

13. Leser spielen gerne.

Jepp!

14. Leser sind hilfsbereit und gut.

Aber sicher!

15. Leser träumen gerne.

Wer tut das nicht? :-)

16. Leser fahren kleine Autos.

Öhm, nö!

18. Leser bevorzugen lieber Bücher als Filme usw. im TV.

Kommt auf den Film an. Ich liebe Kino.

19. Leser haben immer ein Buch dabei, wenn sie länger unterwegs sind.

Das stimmt. Sinnvoller Zeitvertreib auf langen Reisen, wenn kein guter Gesprächspartner da ist.

20. Leser lesen auch anderes neben Büchern gerne.

Zeitung und Blogs :-)

21. Leser haben mit den Augen Probleme.

Nö, alles prima!

22. Leser können sich Stundenlang in einem Buchladen aufhalten.

Das liegt am anderen Zeitverlauf an diesen Orten!

Umgerechnet entsprechen 10 Minuten Buchhandlungszeit einer Stunde Realzeit.

23. Leser haben mindestens 2 signierte Bücher im Regal stehen.

Uff!

24. Leser haben bestimmt schonmal für einen Romanhelden geschwärmt (oder schwämen für einen).

Nee, siehe Punkt 4.

25. Leser haben schon mal Orte in den Büchern bereist.

Ja, das stimmt. Spontan fällt mir Irland ein.

26. Leser haben ihre Stammautoren und wechseln nur selten.

Leider nein, es gibt einfach zu viele Bücher, die lesenswert sind.

27. Leser besuchen gerne Veranstaltungen rund um Bücher (ZB: Messen, Lesungen, Signierstunden….).

Jepp, bloss fehlt zu oft die Zeit.

28. Leser verleihen nur ungern ihre lieb gewonnenen Bücher.

Stimmt. Von manchen Büchern kann man sich nicht trennen.

29. Leser sind Nachtmenschen.

Jepp!

30. Leser würden sich nie von lieb gewonnenen Büchern trennen.

Stimmt absolut! Warum auch? Außer man findet einen mühevoll mit Spuke aufgeweichten Butterkeks zwischen den Seiten…


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Objektive Kritik – ein kleines Experiment

Mrz
22

Neulich war Martin Walser in einem Interview zu sehen und wurde zu seiner Auseinandersetzung mit Marcel Reich-Ranicki befragt. Es ist sehr erstaunlich, wie lange man sich als Schriftsteller mit Kritik beschäftigen kann. Dies soll aber nicht das Thema sein. Ich habe weder etwas von Walser gelesen, noch mag ich Marcel Reich-Ranicki.

Kritik soll begründet sein, so schreiben viele als Kommentar zu den Artikeln über Autor und Literaturkritiker auf Zeitungsportalen und in unzähligen Foren und vor allem bis zu einem gewissen Grad objektiv. Wobei man schon über Objektivität anfangen könnte zu streiten. Größte Teile einer Kritik sind immer subjektiv.

Versuch an einer objektiven, aber sehr stümperhaften, vermutlich völlig hinterwälderischen und absolut ungebildeten Kritik (Pfusch in Reinform sozusagen):

Das Opfer: Ernst Anschütz, Verfasser des Kinderliedes „Alle meine Entchen“

Fangen wir mit den ersten zwei Zeilen der ersten Strophe an:

Alle meine Entchen

schwimmen auf dem See,

Was fällt uns auf?

Richtig! Entchen schwimmen nicht auf dem See, sie treiben an der Wasseroberfläche und bewegen sich mit gleichmäßigen Paddelbewegungen ihrer mit Schwimmhäuten ausgestatteten Füße, für die es garantiert einen Fachausdruck gibt, vorwärts.

Schließlich heißt es auch „man schwimmt im Meer“ und nicht „auf dem Meer“. Fische schwimmen auch nicht im Meer, sich schweben im Wasser, falls sie eine Schwimmblase besitzen (selbst dieses Wort erscheint in dem Kontext falsch). Auch Wale und andere Säugetiere, die sich im Wasser aufhalten, schwimmen nicht im Meer, sondern tauchen. Wie sollte ein Delphin jemals auftauchen, wenn er vorher geschwommen ist? Es heißt nun mal nicht aufschwimmen.

Die Zeile ist also inhaltlich völliger Blödsinn und so was bringt man bereits kleinen Kindern bei!

Kommen wir zu den letzten zwei Zeilen der ersten Strophe:

Köpfchen in das Wasser,

Schwänzchen in die Höh’.

Auch diese Aussage ist schlichtweg falsch und das gleich in zweierlei Hinsicht:

  1. Gut der halbe Körper des Tieres verschwindet unter Wasser, nicht das Köpfchen!

  2. Enten und eigentlich alle Vögel haben keinen Schwanz!

Und zu guter Letzt reimt sich Höh’ nicht auf See.

Subjektiv betrachtet, ist das alles hier nicht wirklich ernst zu nehmen. Ernst Anschütz möge mir verzeihen.


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The Secret – Das Geheimnis

Mrz
21

Vorneweg:

Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich zu diesem Buch etwas schreiben soll. Neigen wir nicht alle dazu, Dinge zu hinterfragen, wenn sie unglaublich scheinen oder wenn man auf eine schwierige und sehr komplizierte Frage eine ganz einfache Antwort erhält? Es scheint tatsächlich in der Natur eines jeden zu liegen, dass man zweifelt. Oft bewusst, meist unbewusst.

So ertappte ich mich nach dem Lesen dieses Buches tatsächlich dabei, einige Dinge zu analysieren. Geht es doch schließlich um Anziehung. Auf einer Buchseite schreibt die Autorin darüber, wie man das Buch in sein eigenes Leben gezogen hat.

Die Geschichte ist alltäglich: Eigentlich wollten wir Karten für eine Krimi-Lesung besorgen. Dummerweise war diese bereits ausverkauft und ich ärgerte mich über mich selbst nicht eher in die Stadt gegangen zu sein, um die Karten zu kaufen. Schließlich wollten auch einige Freunde mit, es sollte ein toller Abend werden.

Aus lauter Frust also zum Regal mit den Bestsellern der Woche. Warum mir „The Secret“ ins Auge fiel, kann man leicht beantworten: das wirklich schöne Cover, Format und der Titel haben mich neugierig gemacht und ohne nachzudenken oder die Rückseite zu lesen, habe ich es mitgenommen.

Soll dies tatsächlich das Gesetz der Anziehung sein?

Ist es das, was das Geheimnis ausmacht?

Man möchte es als Zufall bezeichnen, mit Sicherheit kann man es auch im Nachhinein psychologisch erklären. Doch letztendlich führt es zu einer anderen Frage: Sind die Fragen nach dem „Wieso ist das so?“, „Wie funktioniert das?“ und „Warum kann es funktionieren?“ immer wichtig genug, um wissenschaftlich beantwortet zu werden, nur damit sie logisch erklärt sind und von der Allgemeinheit geglaubt werden?




Rhonda Byrne

Es überdauerte die Zeiten, war heiß begehrt, wurde versteckt, geraubt und für große Reichtümer erworben. Die Smaragdtafel des Hermes Trismegistos zeugt von diesem Geheimnis. Platon, Leonardo da Vinci und Einstein haben um das Geheimnis gewusst wie alle großen Denker und Genies der Geschichte. Das Wissen ist auch in unserer Gegenwart vorhanden. 24 renommierte Weisheitslehrer geben es hier weiter.

Das Buch führt den Leser auf eine angenehme Weise durch die menschliche Gedankenwelt. Interessanterweise ist es sehr einfach geschrieben. Kurze Absätze erklären Einzelheiten und bringen sie präzise auf den Punkt.

Man liest, man versteht und erfreulicherweise: Man lächelt!

Dieses Buch gibt einem ein gutes Gefühl beim Lesen, es macht Spaß und bringt zum nachdenken. Oft hält man inne und muss erstaunt feststellen: „Huch, stimmt eigentlich.“

Es appelliert an das „Ich“, an die Wünsche des Einzelnen und an die eigenen Gefühle, wobei es nicht belehrt. An keiner Stelle wird einem etwas aufgezwungen.

Ein wirklich bemerkenswerter Absatz in diesem Buch ist, dass man das Buch weglegen soll, wenn es einem weder etwas bringt, noch gut tut oder man für sich selbst nichts darin findet.

Welcher Autor schreibt freiwillig, man solle sein Buch weglegen?

Ein Buch für jedermann, der sich gerne einmal auf sich selbst einlassen möchte. Ein Lesespaß allemal.


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Das mit den Musen

Mrz
14


Es ist erstaunlich, dass Wikipedia und Google bei den Musen so versagen. Es gibt nur wenige Infos und Bilder. Stattdessen werden einem Mussen vorgeschlagen, als ob man ein „e“ unterschlagen hätte.

Greifen wir also auf bewährte Mittel zurück, das Bücherregal! Und siehe da, man wird fündig in „Who’s who in der antiken Mythologie“ von Gerhard Fink, doch zu früh gefreut, denn auch hier findet man zu den guten Musen eher wenig, anstatt viel.

Klio oder auch Kleio wird mit genau zweieinhalb Zeilen abgetan, gefolgt von Thalia mit genau zwei Zeilen, Terpsichore gar mit einer. Wo zum Henker ist Kalliope, verantwortlich für Poesie, Philosophie und Rethorik?

So, da hätten wir also diese Musen, der Geschichtsschreibung, des Tanzes und der Lyrik und der Komödie und wissen genau so viel wie vorher, nämlich fast nichts. Falsche Bücher oder falsches Regal? Nein, am Regal kann es nicht liegen, also weiter zu „Griechische Mythologie“ von Robert von Ranke-Graves. Auch hier: Denkste! In diesem gut 700 Seiten fassenden Wälzer gibt es zu Klio und Thaila genau drei kurze Einträge, in denen Name und Abstammung genannt werden.

So, das war’s!

Das mit den Musen ist wohl tatsächlich Mythos!

Und dann doch noch ein Lichtblick auf Amazon. Es gibt tatsächlich zwei Bücher zu diesem Thema von Annette Vezin und Fancine Prose. Kaum verwunderlich, dass selbst in den Buchbeschreibungen steht, es handle sich zumeist um Frauen.

Was aber machen dann Künstlerinnen, Schauspielerinnen und Bestseller-Autorinnen (seltsames Wort Autorinnen!)?

Wer küsst sie?

Man gibt sich immer Illusionen hin über das letzte, was man geschrieben hat, und so habe ich übertriebenes Vertrauen zu dem Buch „Der alte Mann“…ich meine, wir sollten das, von dem wir wissen, dass wir es gut gemacht haben, nicht zu pessimistisch beurteilen, denn wir haben einen Lohn verdient, und der einzige Lohn ist in uns selbst.”

Ernest Hamingway 1954


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