Archiv März, 2010

Schotts Sammelsurium

Mrz
13

Ben Schott

Es ist ein Schweizermesser in Buchform. Wer es einmal besitzt, möchte es nie wieder missen, immer dabei haben.“ Elmar Krekeler, Die Welt.

Und dieser Aussage auf dem Buchdeckel kann man nur zustimmen. Bestimmt stehen in vielen Regalen Duden, teure Enzyklopädien (tolles Wort im Übrigen) und andere Nachschlagewerke, aber Schotts Sammelsurium hat seinen eigenen Reiz. Man kann es in einem Zug lesen, ohne das es langweilt.

Das Buch mit dem AHA-Effekt! Auf 158 Seiten findet sich interessantes, nützliches und völlig kurioses Wissen, das uns durchaus täglich begegnet. Über manche der Informationen hat man bestimmt schon einmal nachgedacht, aber selten irgendwo nachgeschlagen. Hier in diesem Buch sind sie enthalten.

Manchmal fragt man sich allerdings doch, wie Schott gerade auf diese Inhalte und Beschreibungen gekommen ist, denn die Mischung ist so kurzweilig, das diese Buch einfach Spaß macht.

Ein sehr schönes Geschenk für alle, die sich für die Welt und den Alltag an sich interessieren, aber auch für „Lesefaule“, denn gerade die werden mit den Kurzbeschreibungen, aufzählenden Erklärungen und Tabellen „schnell durch“ sein.

Mit diesem Buch als Geschenk kann man nichts falsch machen, außer der Beschenkte besitzt es bereits.

Interessantes: Das längste Palindrom in einem Wort kommt aus Finnland!

Nützliches: Der Planetenmerksatz

Kurioses: Ein berühmter Pferdehuf ist eine Schnupftabakdose…


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Das allererste Buch

Mrz
06

Kann sich jeder an das allererste Buch erinnern, dass er gelesen hat? Kein Schulbuch oder Bilderbuch vor der Grundschule, sondern das erste richtige Buch, das man ganz alleine gelesen hat, das so spannend und mitreißend war, dass man gar nicht aufhören wollte.

Das ist gar nicht so einfach. Mit Sicherheit kann man sich an seine Lieblingsbücher erinnern, aber welches war das erste und erinnert man sich überhaupt daran?

Spontan fällt mir nur eins ein, wobei ich nicht sicher bin, ob es tatsächlich das erste war. Es handelt sich hierbei um „Wir Kinder aus Bullerbü“ von Astrid Lindgren. Sehr überrascht musste ich feststellen, dass es heute noch das gleiche Cover hat, wie bereits in den 80er Jahren, als ich es geschenkt bekam. Manche Dinge ändern sich nicht und komischerweise kann ich mich selbst daran erinnern.

Allerdings kann es ebenso gut sein, dass das erste Buch „Andersens Märchen“ war. Noch heute kann man sich darüber streiten, ob die Brüder Grimm oder Hans-Christian Andersen, die besten Märchen geschrieben haben. Man möchte behaupten, dass die Erzählungen von Andersen gefühlvoller und die grimmischen belehrender sind.

Je länger man sich im Bücherregal der Vergangenheit umschaut, umso bewusster wird einem, welche Autoren einen in der Kindheit und Jugend begeistert haben.

Zum einen Astrid Lindgren, ganz klar. Im Regal standen die besagten Kinder aus Bullerbü und zwar alle Bücher! Es ging weiter mit den Kindern aus der Krachmacherstraße, Pipi Langstrumpf, Ronja Räubertochter, Ferien auf Saltkrokan und Karlsson.

Jim Knopf

Seltsamerweise kann ich mich ebenfalls sehr gut an Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer erinnern, vielleicht aus dem einfachen Grund, dass wir es in der Schule lesen mussten. Trotzdem konnte mich Michael Ende nicht begeistern. Zwar war der Film die unendliche Geschichte ein Muss und ist bis heute noch sehenswert, das Buch hingegen hatte keinen Reiz. Auch Momo konnte ich nichts abgewinnen.

Weiter fanden sich auch Bücher wie Max und Moritz und die kleine Hexe im Bücherregal, doch sie hatten nicht die fesselnde Wirkung von Astrid Lindgren. X-fach gelesen, die Einbände total zerfleddert, Kakaospuren auf manchen Seiten und mittlerweile Jahrzehnte alte Kekskrümel dazwischen. Hier und da ein Eselsohr und Tesafilm. Im Sommer so lange lesen dürfen, bis es richtig dunkel wird…

Was wäre wohl die “Lese-” Kindheit ohne die Bücher von Astrid Lindgren?


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Messer

Mrz
02

Messer

Till Lindemann

Dein Fleisch ist ein zerrissenes Segel

Es ist bereits das Vorwort von Gert Hof, das einen Künstler vorstellt, der vielleicht mehr ist als Sänger einer Band.

In diesem Buch findet sich die Sammlung von Gedichten aus den Jahren 1995 bis 2002, sowie die Fotografien von Gert Hof und Jens Rötzsch. Die Ansage im Vorwort ist klar: Die Bilder sollen die Gedichte nicht illustrieren. Sie sind eine Inszenierung. Zuweilen möchte man daran zweifeln.

Keine Interpretationsversuche?

Vielleicht!

Widersprüche und Wiedersprüche.

Verstehe es wer will, nicht wer kann.

Ein Experiment.

Vorwort

„Poesie ohne Rückkehr“

Bereits hier will man Gert Hof widersprechen, denn zu was will man zurück kehren als Leser? Meist ist man angekommen. Jeder auf seine Art. Die Furcht besteht darin, sich in einem Satz wiederzufinden. Und als ob das nicht bereits schlimm genug wäre, es nachzuempfinden. Schreibt Lindemann doch nie von der heilen Welt. Diese Gedichte sind kein Riss durch die Realität, sie sind jener schöne grausige Teil des Lebens, den wir nur allzu gerne in der Bildzeitung lesen. Von Höllenhunden und dem Teufel höchstpersönlich, der neben uns hauste und Kinder fraß, während er sich zweimal die Woche mit der blonden Ziege von gegenüber paarte.

„…Eine lyrische Abrechnung, eine Vollstreckung. …“

„…Diese Gedichte sind ihr eigener Feind. …“

Wenn der Spiegel des Spiegelbildes Feind ist, dann ist das Opfer sein bester Freund.

Diese Gedichte sind keine leichte Kost. Sie sind nicht distanziert. Das macht sie klar und grausam. Manche so offensichtlich, fast Situationskomik, sodass man lachen muss, obwohl einem zum Heulen sein sollte. Gewollt oder ungewollt. Jeder Literaturkritiker wendet sich wohl jetzt verachtend ab, als erster Marcel Reich-Ranicki in der Arroganz des Alters.

Nein, diese Gedichte sind wahrlich keine Lösung, aber sie haben eine Meinung und das ist in unserer Zeit mehr, als man zu hoffen wagt.

Kaum verwunderlich, dass sowohl Till Lindemann, wie auch die Band Rammstein erfolgreich ist. So trifft das Vorwort und die Bilder zu, wenn Gert Hof von einer Kunstfigur unter Kunstfiguren schreibt. Nicht ungern würde man sich mit Till Lindemann über einige Gedichte unterhalten. Wiederholungen. Wiederkehrende Metaphern, Bilder. Für alle Rammstein-Fans und Lyrik-Fans, die sich an einer zum Teil nicht einfachen Interpretation versuchen wollen auf jeden Fall ein Buchtipp. Man nimmt dieses Buch mehr als einmal zur Hand.

Umso mehr hat es mich belustigt, in diesem Buch auf Seite 56 das Gedicht “Sautod” zu lesen.

Waidmanns Heil, Herr Lindemann,

und eine von den vielen Fragen,

die ich an Sie richten möchte.

Kann man Gefühle in Worte betten?

Auf einigen Seiten scheint es gelungen.


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