Archiv April, 2010

Berechtigte oder unberechtigte Kritik – eine Meinung

Apr
25

Vor einer Weile hatte ich mich an einer objektiven Kritik zu dem Kinderlied „Alle meine Entchen“ versucht. Das Experiment scheint gelungen.

Heute möchte ich mich an einer Meinung probieren und zwar zur Kritik selbst. Den Impuls gaben mir Kommentare in einigen Schreib- und Literaturforen, in denen sich größtenteils Hobbyautoren tummeln, aber auch hauptberufliche Schriftsteller und Journalisten. Oft in ähnlichem Wortlaut zu finden, aber prinzipiell meinen sie alle das gleiche. Hier drei Beispiele:

1. Der Harmloseste:

Versuchen Sie es mit Prosa, vielleicht klappt es da besser. Lyrik scheint Ihnen nicht zu liegen.“

2. Der Überheblichste (und hier packe ich mir selbst an die Nase, da auch ich ihn bereits öfters verwendet habe):

Erst nachdenken, dann schreiben.“

3. Der Dümmste:

Suchen Sie sich ein anderes Hobby, Schreiben ist wirklich nicht Ihr Ding.“

Wo hört Kritik an einem Text auf und wird zum Verriss bzw. zur Beleidigung?

Die Kritik an einem Text endet mit dem direkten Angriff des Autors. Hier kann man wahrscheinlich die klare Grenze ziehen. Solange sich ein Kommentator mit dem Text auseinander setzt, ist fast alles erlaubt, was nicht unter die Gürtellinie geht, denn es geht um die Arbeit des Autors, Ironie und Polemik hin oder her. Die und zwar die Arbeit im Form des Textes kann für jeden individuell sehr gut, mittelmäßig oder schlichtweg grauenvoll sein.

Jeder der bereits einen Text ins Internet gestellt hat, muss diese Erfahrung früher oder später machen, dass ein Text nicht besonders gut ankommt.

Der Harmloseste

Diesen Satz kann man als Autor noch hinnehmen, wenn man will. Vielleicht hat der Kommentator nicht unrecht. Man hat gute Ideen, will unbedingt Lyrik schreiben, aber es will aus welchen Gründen auch immer nicht klappen. Man könnte durchaus versuchen eins der Themen in Prosa zu schreiben.

Der Überheblichste

Über diesen Satz kann man denken, was man will. Er ist ein Widerspruch in sich. Denn jeder der etwas geschrieben hat, muss zuvor etwas gedacht haben. Was dabei rausgekommen sein mag, damit kann man, muss aber nicht, sich auseinandersetzen.

Der Dümmste

Bei diesem Satz ist mir wirklich die Spuke weggeblieben. Was denken diese Menschen und tun sie es überhaupt, bevor sie solche Knaller losschicken? Denn fall sie etwas denken, dann denken sie nicht bevor sie schreiben,  siehe hierzu auch “Der Überheblichste”. Forentrolle mal ausgeschlossen.

Tja, liebe Hobbyisten, jetzt geht es richtig ans Eingemachte! Ihr Freizeitsportler, Hobbygärtner, Bäckerinnen, Strickliesels, Bastler, Heimwerker, Sammler und und und. Lasst bitte sofort Euer Hobby bleiben, denn Ihr könnt es sowieso nicht so gut wie die Profis und erlaubt Euch auch keine Meinung zum Profitum, denn Euer semiprofessionelles Wissen ist eh nichts wert. Beschäftigt Euch am besten mit etwas anderem, vielleicht klappt es mit etwas anderem besser, z.B. fernsehen.

Ob es sich wohl lohnt einem solchen Kommentator zu erklären, was der Begriff Hobby bedeutet?


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Irre! Wir behandeln die Falschen – Unser Problem sind die Normalen

Apr
23


Manfred Lütz

Dieses Buch ist eine scharfzüngige Gesellschaftsanalyse und zugleich eine heitere Einführung in die Seelenkunde. Was ist Depression, Angststörung, Panik, Schizophrenie, Sucht, Demenz und all das, und was kann man dagegen tun?

Der Bestsellerautor Manfred Lütz, einer der bekanntesten deutschen Psychiater und zudem noch Kabarettist, verspricht: Alle Diagnosen, alle Therapien und das noch unterhaltsam: Irre!

Auf genau 185 Seiten schafft Manfred Lütz, einem die sehr junge Wissenschaft Psychiatrie und Psychoanalyse zu erklären. Jung im Verhältnis zu anderen Disziplinen der Medizin. Einfache Erklärungen und Beschreibungen räumen nicht nur mit Vorurteilen auf, sondern verdeutlichen auch wie viel Blödsinn mittlerweile im Umlauf ist, wenn es um diese Themen geht. Er schreibt offen über Behandlungsmethoden und deren Wirkung, an vielen Stellen sehr humorvoll. Mitunter lässt er es sich nicht nehmen, Gesellschaftskritik zu üben. Hart, aber gerecht und aus einer etwas anderen Perspektive, denn als behandelnder Psychiater eröffnen sich einem doch Sichtweisen, die ein Normaler auf Anhieb vielleicht nicht nachvollziehen kann.

Wer meint in diesem Buch eine wissenschaftliche Abhandlung der Psychiatriegeschichte zu finden, oder aber haarsträubende und belustigende Schilderungen von Krankheitsverläufen, der wird mehr als enttäuscht sein. Auch ist dieses Buch kein Ratgeber oder Fachliteratur für Hobby-Psychoanalytiker und solche die es werden wollen.

Dieses Buch ist zur Aufklärung gedacht. Manfred Lütz rechnet mit den Normalos unserer Gesellschaft ab, stellt sich klar vor seinen Beruf und seine Patienten. Er beschreibt die Sorgen und Nöte dieser Menschen, allerdings sachlich.

Kritik an der heutigen Gesellschaft zu üben, ist nicht leicht. Was ist schon normal? Wesentlich interessanter sind Aspekte der Toleranz und Freiheit, die Manfred Lütz ganz deutlich in den Vordergrund stellt.

Seit einigen Jahren ist es in Mode gekommen zu einem Personal-Coach zu gehen, auch Psychotherapie liegt stark im Trend. Die Psychiatrie hingegen bringen wir immer noch mit grausigen Schilderungen und Vorurteilen, vielleicht sogar Hirngespinsten in Verbindung. Wer heute etwas anders ist, als die anderen, ist nicht normal. Betrachtet man die Castings-Shows samt Dieter Bohlen im Fernsehen oder die Social Communities und Networks im Web, sollte man von Zeit zu Zeit tatsächlich einmal inne halten und sich selbst fragen: Wer ist hier eigentlich tatsächlich irre?

Ein tolles Buch!


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Charles M. Schulz – Die Peanuts

Apr
20

Jeder der liest, hat sehr wahrscheinlich Comics gelesen oder liest sie immer noch. Sie gehören einfach dazu, man kommt um sie nicht herum. Vielleicht sind Comics, ähnlich den Bilderbüchern, eine Zwischenstufe. Zwischen dem reinen „Wort“ und „Wort und Bild“.

Was dem einen Micky Mouse, Donald, Häger, Garfield oder Lucky Luck sind mir und werden es immer bleiben die Peanuts und vor allem Snoopy.

Charles M. Schulz hat mit seinen Comic-Figuren die Gesellschaft auf so wunderschöne Weise illustriert und auf den Arm genommen, dass ich heute noch Tränen lache, wenn ich eins der Bücher lese. Jede Figur für sich ist eine Persönlichkeit, die unverwechselbar in das Peanuts-Universum passt und so herrlich real wirkt. Man kann mit jeder leiden und sich freuen. Sie sind ein Spiegel der Gesellschaft. Sie sind wir, mit allen Stärken und Schwächen und deswegen herzallerliebst, auch wenn das vielleicht ein viel zu schnulziges Wort in diesem Zusammenhang sein mag.

Charlie Brown – der ewige Verlierer, in dem sich jeder einmal wiederfinden kann.

Linus – der Held mit der Schmusedecke. Ein Dichter und Denker.

Lucy – die perfekte Frau, Psychologin und Besserwisserin.

Sally – Schwester und Dummchen, aber herzensgut.

Schroeder – der talentierte Klavierspieler, der nur seine Kunst liebt.

Pepptermint Patty – Sportlerin und das einfach Mädchen von nebenan.

Marcie – die hochintelligente Unscheinbare.

Woodstock – interessanter Name für einen Vogel.

Und er, mein absoluter Liebling – Snoopy!

Ein verfressener Beagle, der alles kann. Hund, bester Freund, Joe Cool, Roter Baron – Fliegerass aus dem Ersten Weltkrieg, ein begabter Schlittschuhläufer, Pfadfinder, Osterbeagle und der beste Spieler im Baseball-Team von Charlie Brown, neben Pepermint Patty, die selbst bei Schneesturm Sandalen trägt. Nicht zu vergessen, Schriftsteller und alle seine Romane beginnen mit dem folgenden unvergesslichen Satz:

Es war eine dunkle und stürmische Nacht.

Ja, so fangen sie alle an und er lässt sich von keiner Absage eines Verlages entmutigen. Schreibt weiter.

Mittlerweile ist Charles M. Schulz zehn Jahre tot. In seinem Testament hat er bestimmt, dass seine Figuren nicht weitergezeichnet werden dürfen. Wozu auch? Sie sind in vieler Hinsicht zeitlos.


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Lesezeichen

Apr
13

Heute habe ich beim Surfen etwas ganz Tolles gefunden: Ein Lesezeichen.

Nicht irgendein Lesezeichen, sondern ein besonderes, eins das gebundene Bücher schont und noch dazu toll aussieht, wirklich ein Blickfang für jedes Regal. Zu finden unter book hook.


Dabei musste ich schmunzelnd daran denken, was für Gegenstände ich im Laufe der Zeit als Lesezeichen ge- und missbraucht habe.

Fangen wir ganz harmlos an mit, ganz klar, dem klassischen Lesezeichen von früher. Meist mit netten und aktuellen Motiven bedrucktes und zurechtgeschnittenes Plastik an einer einfachen Kordel. Eignet sich sehr gut für spannende Literatur, kann nämlich problemlos angekaut werden. Im Selbstversuch bereits erfolgreich getestet. War im Übrigen zu meiner Schulzeit ein sehr beliebtes Geburtstagsgeschenk. Seltsamerweise habe ich schon lange keins mehr verschenkt.


Eine Zeit lang waren auch große Metall-Klammern und diese seltsamen Einhänger (Schwanenhälse) in Mode. Damals in meinem Besitz ein Klammerherz und ein Schmetterlings-Schwanenhals-Einhänger.

Gut erinnern kann ich mich ebenfalls noch an die selbstgeflochtenen Lesezeichen, die wir in der Grundschule gebastelt haben. Irgendwann war der Arm mit Freundschaftsbändern voll, das Flechtfieber aber noch lange nicht abgeklungen. Mit Farbkombinationen, da würden einem heute die Augen tränen, wenn nicht sogar bluten und das beim Lesen.

Irgendwann mit 12 oder 13 ist man dazu übergegangen, Postkarten als Lesezeichen zu benutzen. Meist von der besten Freundin aus dem Urlaub (Hier ist soo langweilig, aber das Wetter ist toll. Morgen machen wir einen Ausflug und ich habe mich voll verliebt...). Oder Geburtstagskarten auf denen alle möglichen Freunde unterschrieben haben.

Je älter man wurde umso kurioser die Lesezeichen: Einkaufszettel, leere Briefumschläge, Kassenzettel, Strohhalme, Parktickets, Kinokarten, Post-Its, Taschentücher (unbenutzt versteht sich), Schnürsenkel, Bonbonpapier, Grashalme, sogar eine Vogelfeder war dabei und zu guter Letzt Klopapier (selbstverständlich ebenfalls unbenutzt, aber mit Blümchenmuster). Bevor man ein Eselsohr in ein Buch macht, sucht man irgendetwas, das der Funktion des guten alten Lesezeichens würdig ist.

Und beim googlen bin ich auf noch etwas gestoßen. Es gibt tatsächlich ein Lesezeichenmuseum.

Wenn ich jetzt noch meine Lesezeichen, die guten bookmarks nämilich, anschaue, dann heißt es: Sortieren und ausmisten! Die vermehren sich nämlich wie die Kaninchen.


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Die ältesten Gebäude Stuttgarts

Apr
11

Die ältesten Gebäude Stuttgarts

Vor einigen Wochen kam ein interessanter Bericht in der Stuttgarter Zeitung. Mit Stuttgart21 wird sich in der Innenstadt einiges ändern. Anscheinend hat die Zeitung dies zum Anlass genommen mal die ältesten Gebäude der Innenstadt zu zeigen.

Mich persönlich hat das sehr gefreut, denn ausgerechnet ein Bild der Stadt aus dem Jahr 1592 ist abgedruckt worden (siehe unten). Die Geschichte der Stadt zu recherchieren ist gar nicht so leicht und jeder kleine Bericht zu den Anfangsjahren ist hilfreich. Liegt wohl daran, dass die Stuttgarter mit ihrer Stadturkunde doch ein klitzekleines Problem haben…

Stuttgart 1592

Stuttgart 1592 - Bildquelle Stuttgarter Zeitung März 2010

Wen es mal nach Stuttgart verschlägt, der sollte einen Blick auf Silke Amos – Kulturführungen werfen.

Geschichte
Hospitalkirche (1)
Die einzige Kirche in Stuttgart, an die ein Dominikanerkloster angeschlossen war. Im Übrigen das erste und einzige Kloster in ganz Stuttgart.

Zwischen 1471 bis 1493 erbaut, wurde die Hospitalkirche im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Erst in den 50er Jahren wurden Turm und Chor wieder errichtet.

Stiftskirche (2)
Siehe Stiftskirche
Fruchtkasten (3)
Der Fruchtkasten wird das erste Mal 1393 erwähnt. Das Gebäude liegt gegenüber der alten Kanzlei am Schillerplatz, gleich neben der Stiftskirche. Es diente als Zehntscheune, Kornspeicher und wahrscheinlich auch als Kelter.
Alte Kanzlei (4)
Erst 1542 wird dieses Gebäude unter Herzog Ulrich errichtet. Es trennt den heutigen Schillerplatz vom Schlossplatz (neues Schloss).

Ebenfalls noch übrig geblieben ist der Kanzleibogen, um den sich die Geschichte der weißen Frau rankt.

Der Turm an der Seite des Gebäudes entstand erst im Jahr 1598, der vergoldete Merkur ist noch wesentlich jünger, er stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Altes Schloss (5)
Die ersten Mauern stammen wohl aus dem 13. Jahrhundert. Als im 14. Jahrhundert die Grafen ihren Hauptsitz von Rotenburg nach Stuttgart verlegten, wurde der Bau erweitert. Die Dürnitz entstand. Im Laufe der Zeit wurde das Schloss ausgebaut. Es liegt am Schillerplatz zwischen Stiftskirche und der Alten Kanzlei.
Leonhardskirche (6)
Auch die zweitälteste Kirche Stuttgarts wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und in den 50ern neu errichtet.

Im Jahr 1337 entsteht die Feldkapelle Sankt Leonhard, die erst 1408 (Turmbau) und 1463 (Schiff) zur Kirche erweitert wird.

Hier liegt der Humanist Johannes Reuchlin begraben.

Schellenturm (7)
Der Kastkellereiturm ist fast der letzte Rest der Stuttgarter Stadtmauer. Ansonsten ist von dieser so gut wie nichts mehr übrig. Nur Straßenverläufe geben noch Anhalt darüber, wie die früheren Mauern verlaufen sind.

Der Turm wurde im Jahr 1564 erbaut.

Der Name Schellenturm stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals wurden Gefangene in ihm untergebracht. Diese mussten Schellen und Glöckchen an ihren Hosen tragen, damit man sie bei öffentlichen Arbeiten gleich erkannte.


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