Berechtigte oder unberechtigte Kritik – eine Meinung
Apr
25
Vor einer Weile hatte ich mich an einer objektiven Kritik zu dem Kinderlied „Alle meine Entchen“ versucht. Das Experiment scheint gelungen.
Heute möchte ich mich an einer Meinung probieren und zwar zur Kritik selbst. Den Impuls gaben mir Kommentare in einigen Schreib- und Literaturforen, in denen sich größtenteils Hobbyautoren tummeln, aber auch hauptberufliche Schriftsteller und Journalisten. Oft in ähnlichem Wortlaut zu finden, aber prinzipiell meinen sie alle das gleiche. Hier drei Beispiele:
1. Der Harmloseste:
„Versuchen Sie es mit Prosa, vielleicht klappt es da besser. Lyrik scheint Ihnen nicht zu liegen.“
2. Der Überheblichste (und hier packe ich mir selbst an die Nase, da auch ich ihn bereits öfters verwendet habe):
„Erst nachdenken, dann schreiben.“
3. Der Dümmste:
„Suchen Sie sich ein anderes Hobby, Schreiben ist wirklich nicht Ihr Ding.“
Wo hört Kritik an einem Text auf und wird zum Verriss bzw. zur Beleidigung?
Die Kritik an einem Text endet mit dem direkten Angriff des Autors. Hier kann man wahrscheinlich die klare Grenze ziehen. Solange sich ein Kommentator mit dem Text auseinander setzt, ist fast alles erlaubt, was nicht unter die Gürtellinie geht, denn es geht um die Arbeit des Autors, Ironie und Polemik hin oder her. Die und zwar die Arbeit im Form des Textes kann für jeden individuell sehr gut, mittelmäßig oder schlichtweg grauenvoll sein.
Jeder der bereits einen Text ins Internet gestellt hat, muss diese Erfahrung früher oder später machen, dass ein Text nicht besonders gut ankommt.
Der Harmloseste
Diesen Satz kann man als Autor noch hinnehmen, wenn man will. Vielleicht hat der Kommentator nicht unrecht. Man hat gute Ideen, will unbedingt Lyrik schreiben, aber es will aus welchen Gründen auch immer nicht klappen. Man könnte durchaus versuchen eins der Themen in Prosa zu schreiben.
Der Überheblichste
Über diesen Satz kann man denken, was man will. Er ist ein Widerspruch in sich. Denn jeder der etwas geschrieben hat, muss zuvor etwas gedacht haben. Was dabei rausgekommen sein mag, damit kann man, muss aber nicht, sich auseinandersetzen.
Der Dümmste
Bei diesem Satz ist mir wirklich die Spuke weggeblieben. Was denken diese Menschen und tun sie es überhaupt, bevor sie solche Knaller losschicken? Denn fall sie etwas denken, dann denken sie nicht bevor sie schreiben, siehe hierzu auch “Der Überheblichste”. Forentrolle mal ausgeschlossen.
Tja, liebe Hobbyisten, jetzt geht es richtig ans Eingemachte! Ihr Freizeitsportler, Hobbygärtner, Bäckerinnen, Strickliesels, Bastler, Heimwerker, Sammler und und und. Lasst bitte sofort Euer Hobby bleiben, denn Ihr könnt es sowieso nicht so gut wie die Profis und erlaubt Euch auch keine Meinung zum Profitum, denn Euer semiprofessionelles Wissen ist eh nichts wert. Beschäftigt Euch am besten mit etwas anderem, vielleicht klappt es mit etwas anderem besser, z.B. fernsehen.
Ob es sich wohl lohnt einem solchen Kommentator zu erklären, was der Begriff Hobby bedeutet?











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