Archiv April, 2010

Schreiben als Handwerk

Apr
08

Handwerk Schreiben

Viele, vielleicht sogar alle Autoren, Journalisten und Schriftsteller sagen, das Schreiben ein Handwerk ist. Gut, das behaupten auch Chirurgen, wenn man sich mit ihnen über den Beruf unterhält. Es wird wohl kaum einen Beruf geben, der dies nicht von sich behaupten kann bzw. will. Jeden Beruf kann man als Handwerk auslegen, schließlich bedingt man sich in welcher Form auch immer der Hände und des Werkens.

Schreiben als Handwerk – weil man mit den Händen schreibt, mit Stift oder Keyboard?

Eine Fertigkeit, die uns im Kindesalter beigebracht wird. Man trainiert mit uns Buchstaben, ihre Form und gibt ihnen Bedeutung. Später bringt man uns bei, wie aus Buchstaben einzelne Worte gebildet werden, dann ganze Sätze, durchsetzt dieses Wissen mit Interpunktionsregeln und ergänzt es mit Grammatik. Im Laufe unserer Schulzeit lernen wir Aufsätze zu schreiben, Texte zu strukturieren, es wird uns beigebracht was eine Interpretation und Erörterung ist. Wir lernen zu sammeln, gliedern und auf Papier mit Zurhilfenahme eines Stiftes auszuführen. Man erklärt uns die Unterschiede zwischen Prosa und Lyrik, sogar Metaphern und Versmaß.

Eine Handwerksdefinition

Handwerk ist eine Tätigkeit, bei der mit erlernten Methoden und lange geübten Fertigkeiten Güter hergestellt werden.

Schreiben ist eine Tätigkeit, bei der mit erlernten Methoden und lange geübten Fertigkeiten Texte hergestellt werden.

Trifft diese Definition wirklich auf das Schreiben zu?

Im Gegensatz zu anderer Handwerkstätigkeit sind Texte doch viel mehr, als erstellte Güter. Sie vermitteln Inhalte. Sie sind neben Bildern und Gesprochenem eine der ältesten Formen der Kommunikation und Ausdrucksform. Und hier kann man die Frage stellen: Wo hört Handwerk auf und wie viel Handwerk benötigt man, um zu schreiben?

Es macht sicherlich einen Unterschied, ob man einen Brief, eine Erzählung oder einen Zeitungsartikel schreibt. Formulierung, Satzbau und Ausdruck lassen sich trainieren. Was aber ist mit den Inhalten? Was ist mit Wortschatz, mit Gefühl für die Wortwahl und Kreativität?

Wenn man zu zehn Tischlern sagt, baut einen Stuhl, dann werden sie in allen Fällen einen Stuhl bauen. Gibt man zehn Autoren, gerne auch Journalisten, die Aufgabe einen Text über die Stuhlherstellung zu schreiben, so tun sie es. Alles Erstellte kann in Vergleich zueinander gesetzt werden. Unter den zehn Stühlen wird es welche geben, die besser gearbeitet sind als andere, gleiches gilt für die Texte. Mit Sicherheit werden die zwanzig Beauftragten nach erlernten Regeln ihre Arbeit verrichten. Der eine vielleicht mit etwas mehr Engagement, andere mit mehr Erfahrung und Routine. Ja, in diesem Sinn ist Schreiben ein Handwerk, das vergleichbare Resultate hervorbringt.

Was aber passiert, wenn man zu den zehn Tischlern sagt, sie sollen das bauen, was sie möchten und zu den Autoren: „Schreibt irgendeine Geschichte.“ ?


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Pforten der Nacht

Apr
05

Brigitte Riebe

1338: Als Kinder schworen sie sich ewige Freundschaft: Esra, Neffe eines Rabbiners, und Johannes, Sohn eines wohlhabenden Kaufmanns. Beide begehren gegen ihre Familien auf: Esra wehrt sie gegen die engen Fesseln des Gettos, Johannes will Mönch werden. Aber die Freundschaft droht zu scheitern – denn beide kämpfen um die Liebe derselben Frau: Anna, die Halbwaise aus dem Färberviertel. Doch die Pest bricht aus, und das Schicksal kettet die Rivalen auf tragische Weise aneinander…

In 15 Kapiteln erzählt Brigitte Riebe nicht eine sondern unzählige Geschichten. Nämlich die Ihrer drei Protagonisten, die wohl gleichzeitig Antagonisten sein sollen und die ihrer Familien. Die Inhalte des Buches sind hervorragend recherchiert. Sie schafft es immer wieder einen Spannungsbogen aufzubauen, sodass man trotz unzähliger Charaktere das Buch weiter liest. Sehr schön sind die historischen Ereignisse und Erfindungen dieser Zeit in die Erzählungen eingearbeitet. Die Erzählungen umfassen mehrere Jahre der Geschichte Kölns und ihrer Bürger. Die knapp 500 Seiten lassen sich schnell und einfach durchlesen, das ist angenehm. Trotz der vielen Personen kann man sehr gut den Überblick behalten. Der erzählte Alltag des Mittelalters ist sicherlich authentisch dargestellt. Keine Frage, das ist in diesem Buch sehr gelungen.

Eigene Meinung – Über dieses Buch kann man sicherlich streiten

Schon lange habe ich mich über ein Buch nicht so aufgeregt wie über dieses. Das kann Frau Riebe nun als Kompliment oder Beleidigung auffassen. Das erstere ist wohl zutreffend!

Entweder hat irgendjemand anderes die Rückseite dieses Buches verfasst oder die Autorin stand einfach neben sich oder aber ich habe es vollständig missverstanden. In diesem Buch geht es um Alles mögliche, aber garantiert nicht nur um drei Freunde. Denn die Freundschaft wird zeitweise zur Nebenhandlung, selbst die Pest wird in genau zwei Kapiteln abgehandelt und wie alles in diesem Buch etwas oberflächlich. Zwei Sachen fallen auf, die sich wie blutrote Fäden durch dieses Buch ziehen, es sind Sex und das Judentum. Durchaus interessante Mischung.

Trotz ausführlicher Beschreibung der einzelnen Personen bleiben alle irgendwie einfache Nebendarsteller einer Schilderung, die letztendlich nur die Zustände der Zeit beschreibt. Oft auf eine Sache reduziert: Wer, wann und wieso jemanden besteigt und mit welchen Folgen.

Alles läuft auf ein und die selbe Sache hinaus: Sex, Sex und Sex im Mittelalter und es bleibt dem Leser nichts erspart: die Liebesnacht, die Vergewaltigung durch wen auch immer, Inzest, der flotte Dreier, Sex zum eigenen Vorteil, Geliebte, Sex gegen Gefälligkeit, verschmähte Ehefrauen und Lebensgefährtinnen zweiter Wahl, Huren und Ehebruch, der schnelle Fick bei einem heidnischen Fest, dem selbstverständlich nur Christen beiwohnen.

Das ganze getränkt mit der Religion von Christen und Juden und irgendwo dazwischen das alltägliche Leben.

Gegen Religionen soll es auch nicht gehen. Die waren sicherlich ein sehr großer, wenn nicht sogar der Bestandteil des damaligen gesellschaftlichen Lebens. Das sei hier nicht zur Diskussion gestellt.

Erstaunlich hierbei, dass es nur auf Seiten der Christen „schlechte“ Menschen und Verfehlungen gibt. Ja, wirklich Tatsache in diesem Buch. Juden sind anscheinend von Grund auf gut. Es gibt keine Verfehlungen, abgesehen von Esra, der in Wirklichkeit dann doch kein wahrer Jude ist, sondern von einer christlichen Mutter stammt, das erklärt dann alles.

Dieses Buch ist verurteilend. Ein Lob an Brigitte Riebe, wie sie indirekt Seitenhiebe verteilt. Das gelingt der Autorin sehr gut. Gewollt oder ungewollt schreibt sie weiblich.

Viele Ideen sind hier in einer Erbsensuppe verrührt worden und ich weiß nicht, ob ich ein zweites Buch lesen will. Vielleicht doch, aus purer Neugier.

Falls ich zwei Fragen an Frau Riebe zu diesem Buch frei hätte, würde ich die Folgenden stellen:

 

  • Warum sind viele entscheidende Ereignisse nur so kurz und nahezu emotionslos abgehandelt?

  • Ging es im Mittelalter tatsächlich in zweiter Linie nur um Beischlaf?

 

Empfehlen oder nicht? Bei diesem Buch kann ich die Frage nicht beantworten. Dieses Buch ist auf jeden Fall eins: Eine Überraschung!

Für Liebhaber von historischen Romanen und Erzählungen auf jeden Fall lesenswert.


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Oxymora

Apr
02

–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–

Oxymora

Ganz schön hässlich,
diese Schlacht.

Stark geschwächt
in ihrer Macht.

Zahmes Wild
wolltet ihr sehen.

Leicht erschwert,
es zu verstehen.

Leise Laute
sind zu hören.

Bittersüß,
um zu betören.

In der Ecke
runde Kanten.

Der Linken Rechte
eine Zecke.

Wortgeflechte,
die genannten,

Und die anderen Dilettanten!

–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–o–


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