Rammstein Interpretationen – Mann gegen Mann

Nachdem auf Affenknecht nachgelesen werden kann, dass Till Lindemann sich der Chiffrelyrik bedient, man in diesem Gott verdammten Internet kein wirklich ordentliches Beispiel für diese Form findet, ich ein ausgesprochener Fan von Lindemanns Lyrik und Songtexten bin, treibt es einen quasi zwingend in den Selbstversuch.
Wikipedia und andere Quellen beschreiben Chiffren in der Lyrik als verschlüsselte Worte in Texten, die in sich eine andere oft komplexe Bedeutung bergen. So bleibt die tatsächliche Aussage nur Eingeweihten vorbehalten. Über Interpretationen Außenstehender kann entweder geschmunzelt oder gestaunt werden.
Ein nicht unbekannter Philosoph machte eine Bemerkung zu Dichtern und denjenigen, die die Werke derer interpretieren, die sie schrieben. Er sprach den Interpretierenden wesentlich mehr Wissen über die Werke zu, als den Verfassern. Ob das nun Sokrates oder Platon war, weiss ich nicht mehr. Wahrscheinlich war es Nietzsche.
Auf der Suche nach den Chiffren…

Mann gegen Mann
Mann gegen Mann
(Till Lindemann – Rammstein – Album Rosenrot)

Das Schicksal hat mich angelacht

Annährend ähnliche Formulierungen findet man in vielen Werken. „Ein Hauch Schicksal“, „Das Schicksal herausfordern“, „Das ist Dein Schicksal“. Es geht um das Akzeptieren seiner selbst, so wie man ist. Eine positive Formulierung.

Und mir ein Geschenk gemacht

Positive Formulierung des Seins, wie es ist.

Warf mich auf einen warmen Stern

Hier kann man viele Punkte anführen. Stern als Synonym für eine doch sehr verschworene eigene Gesellschaft, eine andere Welt, die für sich existiert. „Warm“ als Anspielung auf „warmer Bruder“, kann, muss aber nicht.

Der Haut so nah dem Auge fern

Der Unterschied äußert sich in Gefühlen und Zuneigung, nicht im Aussehen. Denn letztendlich liegt der Unterschied nicht in der Optik.

Ich nehm mein Schicksal in die Hand

Klare Doppeldeutigkeit. Hat sowohl Gültigkeit für das eigene Leben als solches (Beruf, Karriere, Privatleben), als auch das Intime seiner selbst und anderer.

Mein Verlangen ist bemannt

Klare Formulierung, aber ein sehr schönes Wortspiel: Verlangen nach dem Mann.

Wo das süße Wasser stirbt
Weil es sich im Salz verdirbt

Erster Chiffrenverdacht!

Diese zwei Zeilen sind wirklich nicht einfach. Süßes Wasser kann an vielen Stellen „sterben“. Flüsse münden in das Meer, das Untergehen in der Masse? Das Salz als Synonym für den „giftigen“ Aspekt in einer „reinen“ Gesellschaft des Normalen? Süßes und salziges Wasser mischt sich nicht in ruhenden Gewässern. Vermischen sich die Gesellschaften nicht? Gibt es nur gewisse Berührgungspunkte, bei denen das Eine ins Andere übergeht und doch zu dem Einen, dem Wasser wird? Wasser sieht man nicht an ob es süß oder salzig ist, erst wenn man es kostet…

Trag ich den kleinen Prinz im Sinn

Schönes Wortspiel bezogen auf ein Märchen gekoppelt an das eigene Geschlecht. Nicht anrüchig, eher niedlich.

Ein König ohne Königin

Der Herrscher über sich selbst und sein Geschlecht, das andere ist überflüssig.

Wenn sich an mir ein Weib verirrt

Klare Aussage.

Dann ist die helle Welt verwirrt

Die „helle“ Welt kann man als die der „Heteros“, aber genauso gut als die der „Homos“ ansehen. Rein gesellschaftlich betrachtet macht es keinen Unterschied, denn letztendlich finden sich überall welche, die lächeln oder sich pikieren.

Mann gegen Mann

Hier könnte genau so gut „Frau gegen Frau“ oder „Mensch gegen Mensch“ stehen.

Der Geschlechterkampf schlechthin, „Mann gegen Frau. Ich gegen Dich. Ich gegen mich.“ Und wer ist schon ich?

Meine Haut gehört den Herren

Na, wem denn sonst? Man ist doch selbst „ein“er und auch sein Eigener. Hoffentlich.

 

Gleich und gleich gesellt sich gern

Wer möchte da widersprechen?

Mann gegen Mann

Ich bin der Diener zweier Herren

Wieder eine Zweideutigkeit, die man aber definitiv nicht als Chiffren auslegen kann. Es ist ein geschicktes Wortspiel. Diene dir selbst und deinem besten Stück. Diene dir und dem, den du am meisten liebst.

Mann gegen Mann

Gleich und gleich gesellt sich gern

Ich bin die Ecke aller Räume<

Zweiter Chiffrenverdacht!

Hier kann man folgende Interpretation anbringen: Die Ecken sind die Aussenseiter des Ganzen, so fühlt es sich immer an, als sei man die Ecke der Gesellschaft, die das Ganze an sich abgrenzt, um überhaupt zu sein. Die Extremen der bunten Mischung eines klar eingegrenzten Seins. Dazugehörig, aber doch immer am Rande.>

Oder doch was ganz anderes?!

Ich bin der Schatten aller Bäume

Dritter Chriffrenverdacht!

Möchte man den Baum als Phalussymbol betrachten, dann ist der Baum das simpelste, das sich in der Natur findet. Der Schatten an sich, steht immer hinter einem selbst und jeder hat einen.

In meiner Kette fehlt kein Glied

Wenn die Lust von hinten zieht

DAS ist auf jeden Fall alles, aber garantiert kein Chiffre. Es ist ein wunderschönes Wortspiel. Sehr gelungen in seiner anmutigen Zweideutigkeit. Die Kette als Symbol eines geschlossenen Kreise. Das schwächste Glied ein Teil davon. Jeder gehört dazu und keiner verschmäht Schmuck und die Lust an sich, womit auch immer er sich schmücken mag. „Erlaubt ist, was gefällt.“

Mein Geschlecht schimpft mich Verräter

Hier geht es um die klassische Rolle des Mannes, als Mann, Vater, Versorger und Erzeuger. Mit „mein Geschlecht“ ist das „normale“ Männliche gemeint.

Ich bin der Alptraum aller Väter

Nun, auch diese Zeile entbehrt der Interpretation. Wobei man sich nicht mehr sicher sich sein kann. Will ein homosexuelles Paar zwingend ein homosexuelles Kind und welchen Wunsch verspüren die Großeltern? Man darf ruhig zweifeln. Die Meinungen sind interessant.

Mann gegen Mann

Meine Haut gehört den Herren

Mann gegen Mann

Gleich und gleich gesellt sich gern

Mann gegen Mann

Doch friert mein Herz an manchen Tagen

Zweifel an sich selbst. Vorwürfe und Angst vor der Einsamkeit. Vielleicht auch das Isoliertsein vor dem Coming-Out. Vorurteile der Masse, Liebeskummer (was allerdings geschlechtsneutral ist).

Mann gegen Mann

Kalte Zungen die da schlagen

Hier geht es um die üble Nachrede. Familie, Verwandschaft, Nachbarn und scheinbare Freunde.

Schwuler

Mich interessiert kein Gleichgewicht

Anspielung auf Ying und Yang, das Gleichgewicht beider Geschlechter? Geschlechterkampf schlechthin? Wer oder was ist denn im Gleichgewicht, wenn jede Art des Zusammenlebens Kompromisse birgt?

Das Gleichgewicht der Gesellschaft als solche. Wo bin ich? Wo ist mein Platz? Was bin ich? Wo darf ich sein? Wo will ich sein?

Mir scheint die Sonne ins Gesicht

Anstatt Ying und Yang wird die Sonne als Zentrum herangezogen. Sie ist und bleibt ein und der wichtigste Teil. Das Zentrum. Wir sind alle gleich. Alles dreht sich um die Sonne. Jedem scheint sie ins Gesicht. Der Unterschied beruht woanders, nicht im Sein als solches. Vielleicht weit hergeholt, aber erklärend.

Doch friert mein Herz an manchen Tagen >

Kalte Zungen die da schlagen

Schwuler

Mann gegen Mann gegen Mann

Hinweis: Der hier wiedergegebene Songtext ist urheberrechtlich geschützt. Sämtliche Rechte liegen bei der Band Rammstein bzw. den gesetzlichen Vertretern.

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