Schweinsgalopp

Terry Pratchett

Als der Schneevater eines Winters verschollen bleibt, muss Gevatter Tod einspringen. Das fröhliche „Ho-Ho-Ho“ bringt er bald ganz gut heraus. Doch die Zauberer der Unsichtbaren Universität sind besorgt, denn das Verschwinden des Schneevaters hat ein Glaubens-Vakuum entstehen lassen. Die Bewohner der Scheibenwelt glauben nun an alles Mögliche, z.B. an Gnome, Wichte und Aufmunterungsfeen…

Lord Witwenmacher, der Ranghöchste der Assassine-Gilde bekommt kurz vor der Silvesternacht Besuch von den Revisoren. Sie wollen, dass er den Schneevater tötet. Wie aber inhumiert man ein gottgleiches Individuum? Zuerst will Lord Witwenmacher ablehnen, aber dieser Auftrag wird zum einen hervorragend bezahlt und bietet zum anderen die einmalige Chance den unheimlichen und sehr unbeliebten Jonathan Kaffeetrinken loszuwerden, der dem Ruf der Gilde nicht nur schadet, sondern gegen die Moral verstößt.

Währenddessen versucht Tods Enkelin Susanne, ein normales Leben zu führen, indem sie die Stelle einer Gouvernante angenommen hat. Dabei versucht sie alle Fähigkeiten, die sie in Zusammenhang mit ihren Großvater bringen könnten, abzustellen. Dies gelingt allerdings nicht, wenn es um den Schwarzen Mann und die Monster in Schränken und unter Betten geht. Die gibt es nämlich wirklich. Kein Wunder also, dass sie so gar nicht erfreut ist, als sie bemerkt, dass ausgerechnet ihr Opa die Vertretung des Schneevaters übernimmt.

Während Tod sich mit falschem Bart und Kissen unter dem Mantel durch die Traditionen der Silvesternacht kämpft, versucht Susanne herauszufinden, was dem Schneevater tatsächlich zugestoßen ist. Dabei findet sie unerwartet den Gott des Katzenjammers, Gallig, den es bisher gar nicht gegeben hatte. Auch die Zauberer der Unsichtbaren Universität müssen sich plötzlich mit ganz neuen Gottheiten, Gnomen und dem Sockenfressenden Monster auseinandersetzen. Denn mit dem Verschwinden des Schneevaters schwappt plötzlich ungebundener Glaube wild auf der Scheibenwelt herum.

 

In diesem sehr amüsanten Roman nimmt sich Pratchett dem Weihnachtsfest, dem Glauben und all den Traditionen an, die um diese Zeit herum immer noch am Leben erhalten werden. Dabei lässt er eine feine Kritik zum riesigen Konsum, der Schere zwischen arm und reich und die Absurdität einiger Rituale nicht aus. Doch am meisten beschäftigt er sich mit dem Glauben an das Mystische und was wohl passieren würde, wenn man sowohl den Kindern als auch Erwachsenen den Glauben an all die Mythen und Personen rauben würde. Das alles packt er in die Ereignisse einer Silvesternacht. Hinzukommt, dass er mit der Enkelin Tods eine kleine Parodie auf Mary Poppins einbindet.

 

Im Gegensatz zu manch anderem Scheibenwelt-Roman kann dieser wirklich außerhalb einer bestimmten Reihenfolge gelesen werden. Zwar wird man die eine oder andere Anspielung nicht ganz verstehen, das tut aber der Geschichte, die sehr witzig und im zügigen Tempo daherkommt keinen Abbruch.

Lustig sind zudem die Tippfehler in dieser GOLDMANN-Ausgabe. Es fehlen an einigen Stellen einfach Buchstaben.

Eigene Meinung

Dieser Scheibenwelt-Roman ist mal eine ganz andere Weihnachtsgeschichte und eignet sich wunderbar für die kalte Jahreszeit vor oder nach Weihnachten. Zudem ist Pratchett in diesem Buch auch der Geschichtenstrang mit den Zauberern, der Unsichtbaren Universität und Hex sehr gut gelungen.

Zwar sind die Themen, die er in diesem Roman verarbeitet nicht ganz so anspruchsvoll wie in einigen anderen vorherigen Büchern, dies kommt dem Unterhaltungswert aber sehr zugute. Für Urlaub und Feiertage angenehme, leichte und sehr unterhaltsame Lesekost.

 

Fazit: Ein toller und sehr lustiger Fantasy-Roman. Für Freunde von Tod ein Muß!

 

„…Das ist eine der Schwierigkeiten mit den Anfängen. Wenn man es mit okkulten Sphären zu tun hat, in denen die Zeit große Freiheit genießt, bekommt man die Wirkung manchmal vor der Ursache…“

 

„…Sie wussten: Um unsterblich zu sein, durfte man gar nicht erst leben…“

 

„…Wenn man sich eine kleine Boden-Luft-Rakete wünschte, bat man Johnson um einen Zierbrunnen – bei ihm lief dies auf das gleiche hinaus…“

 

„…‘Klug‘ bedeutet nicht unbedingt ‘vernünftig‘…“

 

 „…“Zahnfeen? Schneeväter, Kleine…“
JA. ALS ÜBUNG. MAN LERNT DAMIT, AN DIE KLEINEN LÜGEN ZU GLAUBEN.
„Damit wir an die großen glauben können?“
JA. GERECHTIGKEIT, GNADE, PFLICHT. SOLCHE SACHEN…“

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