Wédora

Vorneweg: So richtig aufmerksam geworden bin ich auf Buch und Autor (klar, sein Name und einige seiner Titel waren mir geläufig) auf der Frankfurter Buchmesse 2016. Ich hörte Markus Heitz im Lesezelt bei einem Interview mit zwei weiteren Autoren. Hier hat er etwas zu den Sonderzeichen erzählt und genau das hat mich neugierig gemacht, da ich die Idee super fand. Ich wurde nicht enttäuscht.

 

Markus Heitz

Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédora. Sämtliche Handelswege der fünfzehn Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen, Kaufleute und Reisende finden Wasser und Schutz. Hierhin verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija. Die beiden kommen zum ungünstigsten Zeitpunkt in die Stadt, steht Wédora doch kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die geheimnisvollen Stämme der Wüste rufen zum Sturm auf die mächtige Stadt. Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für alle Seiten kriegsentscheidend sein können.

 

Trotz der Warnung seiner besten Freundin Tomeija steigt Liothan, der letzte Räuber in der Baronie Walfor, bei einem ziemlich unbeliebten, aber sehr reichen Kaufmann ein. Der Raubzug endet allerdings für ihn und seine Freundin, die ihm als Gesetzeshüterin auf den Fersen folgte, zwar nicht tödlich, dafür aber mit einer Reise, die sie weiter von der Heimat wegbringt, als sie je für möglich gehalten haben. Nachdem sich beide in einer Wüste wiederfinden und mit mehr Glück als Verstand gerettet werden, schaffen sie es Dank Liothans Temperament sofort in Schwierigkeiten zu geraten. Liothan fährt ins Gefängnis ein, Tomeija hingegen schlägt sich in der riesigen und vollkommen fremden Stadt durch. Schon bald muss sie feststellen, dass sie vielleicht besser nach Wédora passt als nach Telonia. Denn hier scheint man ihre Geheimnisse zu kennen. Liothan hingegen setzt alles daran, um zuerst aus dem Gefängnis und schnellstmöglich nach Hause, zu Frau und den Kindern, zurückzukehren. Dabei geht er nicht nur seltsame Vereinbarungen ein, er gerät fast gewollt in eine Verschwörung, deren Ausmaß er nicht begreifen kann. Getrennt suchen beide Freunde einen Weg in die Heimat und zudem sich gegenseitig, denn die Stadt ist riesig und ihre einzelnen Bezirke kann man nicht einfach so betreten. Obwohl alle Einwohner behaupten, dass noch nie ein Gestrandeter – so werden Leute genannt, die man in der Wüste findet – nachhause zurückgekehrt sei, geben beide nicht auf und suchen nach einem fähigen Hexer.

Auf über 600 Seiten erzählt Markus Heitz drei ineinander verwobene Geschichten. Zwei davon handeln in Wédora. Obwohl es die Helden dieses Romans in die gleiche Stadt verschlägt, verlaufen beide Handlungsstränge nur zu Beginn und am Ende der Erzählung gemeinsam. Für jede Figur hat sich der Autor eine eigene, vollkommen unterschiedliche Geschichte ausgedacht. Gemein ist ihnen lediglich, dass beide zusammen heimkehren möchten.

Bei Heitz merkt man recht schnell, dass er ein begeisterter Rollenspieler war/ist. Die Stadt Wédora ist hervorragend konstruiert. Hier steckt unglaublich viel Arbeit im Weltenbau, Sprache, Geschichte der Orte, Religion, Gesetze und Tiere, Feinde und Fehden, Magie, Lebensmittel und Versorgungswege – an alles hat der Autor gedacht und somit in diesem Roman eine Welt geschaffen, in die man als Leser hervorragend eintauchen kann. Darüber hinaus baut er gekonnt Spannung in den Handlungen auf. Trotz ausführlicher Beschreibungen von Orten oder Zusammenhängen wird es nicht langweilig. Vor allem schreibt Heitz sehr angenehm, so dass man gut vorankommt, muss aber dennoch aufmerksam lesen, um die Zusammenhänge nicht zu verpassen. Einige Dinge lässt der Autor auch offen. Dies mag der Länge geschuldet sein. Hier und da hätte man sich als Leser mehr Informationen gewünscht. Dafür gibt es mit viel Liebe zum Detail gestaltete Auszüge aus den Stadt-Chroniken, die jedes Kapitel beenden. Meist sind es zwei Buchseiten, die losgelöst von der Handlung dem Leser über Geschichte, Politik oder Besonderheiten Wédoras berichten.

 

Eigene Meinung

Zuerst macht es den Eindruck, als sei Liothan Protagonist der Geschichte. Doch recht schnell stellt sich heraus, dass es Tomeija ist. Diese Figur ist um einiges interessanter als der Räuber. Sie hat einfach mehr Geheimnisse und ihre Abenteuer in der Wüstenstadt sind spannender. Dies mag aber persönlicher Lesegeschmack sein.

Mich haben, neben den Hauptfiguren, die vielen anderen Charaktere begeistert, die der Geschichte unglaublich viel Leben eingehaucht haben. Hier möchte man als Leser gerne mehr erfahren, doch dann wäre das Buch wohl über 1.000 Seiten lang geworden. Geschadet hätte dies nicht.

Nach Abercrombie bin ich froh, dass ich Heitz eine Chance gegeben habe. Wieder ein Fantasy-Roman, der ohne schnulzige Liebesgeschichte auskommt und trotzdem eine geniale Story erzählt. Sowas gefällt!

Eine lustige Auffälligkeit im Buch: Alle Frauennamen enden mit „a“. Ob das wohl Absicht des Autors war?

 

Fazit: Ein sehr gelungenes Fantasy-Buch aus deutscher Feder, das ich gerne weiterempfehle. Der 2. Teil „Schatten und Tod“ ist bereits auf meiner Wunschliste. Weitere Bücher des Autors werden sicherlich auch folgen.

 

Mehr über den Autor findet Ihr unter http://www.mahet.de

 

„…Manche sagen dem Wasser eine heilende oder gar wunderhafte Wirkung nach. Scharlatane verkaufen es sogar als Pulver an Verzweifelte und Dumme…“

 

 „…Sei nicht dumm wie ein Stein und klopfe eben…“

 

„…Kaum waren sie gesprochen, vernahm sie einen lauten, wütenden Männerschrei. Lächelnd ging sie in den Tod…“

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