Fliegende Fetzen

Terry Pratchett

Ein neues Land taucht auf im Runden Meer der Scheibenwelt. Die Bewohner von Ankh-Morpork sind der Meinung, dass die Insel ihnen gehört, doch das glauben auch die Bewohner von Klatsch. Es kommt zu diplomatischen Wirren, und als auf einen klatischianischen Abgesandten ein Attentat verübt wird, droht die Lage zu eskalieren. Schon setzen sich Schiffe beider Seiten in Bewegung, um den Gegner zu zeigen, wer das Sagen hat…

 

Es beginnt damit, dass plötzlich eine Insel im Runden Meer auftaucht und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt befinden sich ein morporkscher und klatschianischer Fischer an dieser Stelle. Klar, dass jeder die Insel für sein Land beansprucht. Schon bald ist ganz Ankh-Morpork in Aufruhr und selbst die dort seit vielen Jahren ansässigen Klatschianer bekommen den Fremdenhass der Bevölkerung zu spüren. Richtig unheimlich wird es aber erst, als Kommandeur Mumm mitbekommen muss, wie der Patrizier seines Amtes enthoben wird und dafür der Adel unter der Führung von Lord Rust das Kriegsrecht ausruft und ein Heer aufstellt. Damit hat Mumm nicht gerechnet und wirft seinen Posten als Kommandant der Wache hin. Gleiches tun Colon und Noobs, ohne zu wissen, dass der Patrizier sie schon bald mit einer ganz besonderen Aufgabe betrauen wird. Denn Dank der Erfindungen von Leonard von Quirm befinden sich bald alle auf dem Seeweg nach Klatsch, nachdem in Ankh-Morpork der Bruder des klatschianischen Prinzen beinahe ermordet wurde. Was seine Leibgarde 72-Stunden-Achmet damit zu tun hat, weiß Mumm zu dem Zeitpunkt noch nicht genau, doch er wird den Täter nicht einfach entkommen lassen. In Klatsch allerdings warten nicht nur Feinde, sondern auch eine ganz andere Kultur auf die Wachen und Nobby entdeckt auf dieser Mission unerwartet neue Seiten an sich selbst. Und über all dem schwebt der Geist der Diplomatie.

In diesem Roman beschäftigt sich Pratchett mit Politik, Fremdenfeindlichkeit, Diplomatie an sich und dem Krieg. Das Ganze projiziert er in die Scheibenwelt und stellt viele Sachverhalte überspitzt und damit urkomisch dar. Hierzu ist die Stadtwache und mit ihr die Charaktere von Mumm und Karotte gerade zu perfekt geeignet. Zudem zeigt er in diesem Roman etwas mehr vom Patrizier Vetinari, was Fans dieser Figur außerordentlich freuen wird. Als Kriegsgrund reicht ein einfacher Konflikt: Es geht um Land und wessen Anspruch darauf nun gerechtfertigt ist. Hinzukommen noch der Aspekt der Fremde und die Vorurteile gegen andere Kulturen. Klatsch ist eine Mischung aus Afrika und Asien und damit ein perfektes Gegenteil von Ankh-Morpork, das für die alte Welt steht. Die Erzählung spickt der Autor mit einer gehörigen Portion des bekannten Humors, allerdings versteht man viele Witze nur, wenn man einige vorherige Scheibenwelt-Romane gelesen hat. Das Ende ist ebenfalls sehr amüsant, wenn auch nahe an der Realität, doch wahrscheinlich muss das bei diesem Themenkomplex auch so sein. Schließlich lebt die Phantasie ein stückweit von der Wirklichkeit.

Diesen Scheibenwelt-Roman sollte man nicht als ersten oder Quereinsteiger lesen, sonst versteht man wirklich kaum von dem, warum einige Charaktere so agieren. Zumindest sollte man „Wachen! Wachen!“ gelesen haben und ggf. noch „Helle Barden“.

Übrigens gehört dieser Roman noch zu denjenigen, die kein neues Cover erhalten haben. Das von Josh Kirby gestaltete Bild passt hervorragend zur Erzählung.

 

Eigene Meinung

Wieder ein sehr schöner Scheibenwelt-Roman, der mir sehr gut gefallen hat. An manchen Stellen war die Geschichte allerdings ein bisschen wirr. Was ich überhaupt nicht verstanden habe, war die alternative Geschichte, die im letzten Drittel immer wieder in die Erzählung eingeflochten wird. Hier lässt Pratchett den Disorganizer Termine eines alternativen Mumms auftauchen, die ein anderes Ende der Geschichte zeigen sollen. Was der Autor damit bezweckt hat, bleibt mir verborgen. Lustig war es nur stellenweise. Sehr schön hingegen sind die Anspielungen auf Vorurteile gegenüber anderen Völkern und wie sie sich gegenseitig auf den Arm nehmen, wenn sie aufeinandertreffen. Mit Feldwebel Colon schafft er in diesem Roman den typischen Tollpatsch. Einen Urlauber, der sich in jedem Land zu blamieren weiß. Der Idiot jeder Kompanie, das Maskottchen der gesamten Truppe. An einigen Stellen musste ich sogar an „Die nackte Kanone“ denken.

 

Fazit: Ein lesenswerter Scheibenwelt-Roman, der aber auf jeden Fall in der Reihe der Wachen-Romane gelesen werden sollte, wenn man alle Anspielungen, Witze und Beziehungen verstehen möchte.

 

„…Lord Vetinari wirkte sehr aufmerksam. Schon vor langer Zeit hatte er herausgefunden, dass konzentriertes Zuhören andere Leute verunsicherte…“

 

 „…Einer der Vorteile von Pferden, auf den immer wieder hingewiesen wird, besteht darin, dass sie selten explodieren…“

 

„…Zauberformeln sind mehr als die Worte, aus denen sie bestehen…“

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