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Geschichten

Erotik in Romanen und Erzählungen

Sep
16

Wer viel liest und das Genre ist wirklich nahezu egal, wird es garantiert schon einmal erlebt haben. Im Buch gibt es entweder eine ordentliche Liebesgeschichte oder sie plätschert zumindest als Nebenhandlung vor sich hin. Man kommt zu der Stelle, an der es so richtig zur Sache gehen soll und dann liest man und liest und liest und denkt: „Ja, igitt.“, „Netter Versuch.“, „Okay, hätte man auch weglassen können.“ im schlimmsten Fall legt man das Buch zur Seite und fragt sich, ob der Autor jemals selbst, also so richtig live und aktiv bei einem Geschlechtsverkehr dabei war. Wenn man Glück hat, ist die Szene so beschreiben, dass man wenigsten noch was zu lachen hat.

Nachdem ich meine eigene Rezension zu Pforten der Nacht nochmals gelesen habe, nachdem Frau Riebe meine Fragen beantwortet hatte, musste ich doch über meine Kritik und das Thema Sex in Romanen nachdenken. Erotische Romane außen vor. Wäre ja seltsam, wenn in diesen keine entsprechenden Stellen beschrieben wären.

Ich versuchte mich also an einige Bücher mit sehr guten erotischen Szenen bzw. sehr gut beschriebenen Szenen zu erinnern. Spontan sind mir nicht besonders viele eingefallen. Seltsamerweise musste ich an Butterfly von Kathryn Harvey und Das Unwetter von Régine Deforges denken. Das eine, weil es wirklich unglaublich schön viele weibliche Fantasien rund um Erotik und Sex beschreibt, das andere, weil es absolut exterm ist, aber hervorragend geschrieben. Was für eine Mischung!

Erotik schreiben ist wirklich nicht einfach und ich bewundere jeden, der das sehr gut kann. Irgendwie muss man es schaffen eine Fülle von Gefühlen in einen Akt zu packen, der auch noch so unglaublich viele Fassetten haben kann, dass fast alles erlaubt ist. Das ist wirklich nicht einfach. Man muss Frau Riebe schon Recht geben. Sex gehört einfach dazu. Selbst in einem meiner älteren Texte habe ich eine entsprechende Szene gefunden. Gelungen? Vielleicht. Auf jeden Fall ist Erotik in Erzählungen, wie im realen Leben einfach Geschmackssache.

…So streifte seine Hand vorsichtig über ihren Bauch, hoch zu ihrem Hals und von dort aus zu ihrem Busen, den er behutsam berührte, aber die Berührung allein verriet ihm, dass es ihr genauso ging wie ihm.

Wieder schaute er ihr in die Augen und sie lachte, zog sich mit beiden Armen an seinen Schulterblättern hoch, sodass er den Halt verlor und schließlich auf dem Rücken landete…

…Als sie die Augen öffnete schienen die Sterne, als seien sie Schneeflocken, die langsam zur Erde fallen und der Sand schlug Wellen gegen das ruhende Meer. Sie spürte ihn mit allen Sinnen. Die aufregend quälende Lust brachte sie um den Verstand…

…Nur langsam kam sein Atem zur Ruhe. Das Pulsieren in ihrem Unterleib schien in der ganzen Welt hörbar. Weder er noch sie wollte die Umarmung lösen, als sich beide Körper nach dem inneren Beben zu beruhigen begannen. Vorsichtig streichelte sie seinen Nacken und küsste ihm den Hals. Leise hörte sie ihn durch ihre Haare lachen und seine Umarmung wurde wieder fester, als sie leise in sein Ohr flüsterte: „Noch mal!“


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Gesucht: Subbas

Jul
09

Bei Subbas handelt es sich höchstwahrscheinlich um einer Art Käfer,wobei man bis heute nicht sicher sagen kann, ob es sich tatsächlich um Käfer handelt.

Kopf und Leib lassen sich als zwei grüne Kugeln beschreiben, wobei der Körper bis zum dreifachen Umfang des Kopfs betragen kann. Auffällig sind die großen schwarzen Knopfaugen, die einen starken Kontrast zum hellen grün des Körpers bilden. Über den Augen sind dünne Fühler angesiedelt, die oft mit Augenbrauen verwechselt werden.

SubbaDas Subba besitzt vier kurz und sehr stämmig Füsse, mit denen es sehr schnell vorwärts trippeln, aber auch hüpfen kann. Zwar nicht hoch, aber häufig.

Mit seinem raffinierten Stoffwechsel kann das Subba seine Farbe wechseln. Treffen die oft als Einzelgänger lebenden Subbas auf Artgenossen, wird die Freude durch einen Farbwechsel in leuchtendes Gelb zum Ausdruck gebracht.

In vielen Dialekten wird das Subba auch als Suppa oder Schubba, manchmal sogar Super ausgesprochen. Besonders das Schubba, in seiner Verniedlichungsform als Schubi, ist durch das Kinderlied Schubidubidu zumindest begrifflich bekannt.

Gesucht werden Bilder von frei lebenden Subbas. Gerne Gruppen bei einem Treffen, aber auch Einzeltiere.


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New economy – Händler

Mrz
14

„Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise zwischen 2008 und 2010 hat mein Vater nach neuen Ideen gesucht.“, war die kurze Antwort von Thomas Eigner.

Lässig saß der Mittdreißiger in dem bequemen Ledersessel des Vorstandsbüros und nippte an einer Tasse Tee. Recht ungewöhnlich für einen Mann in seiner Position, wie auch sein Äußeres. Kein teurer Anzug, keine Krawatte und keine auf Hochglanz polierten schwarzen Schuhe. Einfaches weißes Hemd, blaue Jeans und Timberlands. Einzig die Steinhart am Handgelenk ließ erahnen, dass Thomas Eigner zu den wohl Besserverdienenden gehört. Ansonsten unterschied er sich nicht von seinen Angestellten.

„Nun ja, damals war es üblich in Gold zu investieren oder andere Metalle. Nachdem die Kreditblase platzte, wollten die Menschen wieder in greifbare Güter investieren. Ihre Angebote sind genau das Gegenteil davon.“, argumentierte sein Gesprächspartner, seines Zeichens Journalist.

„Können Sie mir zustimmen, Herr Droste, wenn ich sage, dass die damalige Situation ziemlich absurd war? Wie die aufgescheuchten Hühner haben die Leute damals ihr Gold entweder verkauft oder in Massen gekauft. Teure Erbstücke und billigen Schmuck mit geringem Goldanteil haben sie zu Ankäufern getragen. Per Post haben sie es an irgendwelche Firmen geschickt, um einige Hundert Euro zu erhalten. Erinnern Sie sich?“, warf Eigner schmunzelnd ein.

Das würzige Aroma des Tees breitete sich langsam im Raum aus. Es erinnerte an Weihnachten. Vielleicht Zimt oder Orange.

„Durchaus.“, erwiderte Droste kurz und nickte zustimmend, als der Vorstand der Tenseconds AG seine Teetasse zum zweiten Mal füllte. Jakob Droste hatte sich diesen Manager anders vorgestellt, obwohl er ihn bereits bei einer Pressekonferenz persönlich erlebt hatte. Jetzt, da er ihm gegenüber saß, wirkte dieser Mensch normal und langweilig. Eine beinahe unpassende Beschreibung für einen Menschen, der im Jahre 2031 den Weltmarkt revolutioniert hatte.

„Sie werden mir vielleicht ebenfalls zustimmen, wenn ich behaupte, dass der Handel mit Emissionsrechten in den 20er Jahren ebenfalls nicht sinnvoll war.“, fuhr Eigner fort, während er seinen Gesprächspartner anlächelte.

„Es gab unzählige Skandale bezüglich der Emissionsrechte, das stimmt. Allerdings ging es hierbei tatsächlich um etwas, das an der einen Stelle zu viel, an einer anderen zu wenig vorhanden war.“

„Und das ist bei unseren Produkten und Angeboten nicht der Fall?“

Jakob Droste schwieg. Genau diese Diskussion wollte er nicht führen. In einigen Minuten würde das Interview beendet sein. Damit hätte er bereits den zweiten belanglosen Beitrag in dieser Woche abgeliefert. Die Zeiten waren hart in der Branche und die Konkurrenz groß. Zwei Jahre hatte Jakob als Journalist gekämpft, um heute vor einem der wichtigsten Köpfe der Finanzwelt zu sitzen. Seine Bemühungen, die gute Recherche und letztendlich seine Hartnäckigkeit haben ihm 2049 den Arbeitsplatz bei einer der wichtigsten Nachrichtenagenturen eingebracht. Heute ging es nicht mehr um Nachrichten, sondern um Inhalte. Bereits Anfang des 21. Jahrhunderts verloren Printmedien an Bedeutung und die Verbreitung von Neuigkeiten und Informationen über das Internet und mobile Medien setzte sich schleichend aber schnell und unaufhaltsam durch. Eine neue Meldung war so kurzlebig wie ein Atemzug. Wer Beachtung finden wollte, musste in wenigen Sekunden viel Aufmerksamkeit erregen und vorallem eine Botschaft transportieren, auf die man reagierte. Jakob Droste gelang dieses Kunststück zuweilen. Es waren seine Interviews, die er mit bekannten Persönlichkeiten aus der Wirtschaft führte, die ihn zu einem gelesenen Journalisten der heutigen Zeit machten.

Seit Eigners letzter Frage schwieg Jakob. Die Antwort musste gut überlegt sein, damit das Interview nicht vorzeitig ein ungewolltes Ende fand.

„Haben Sie jemals Aktien besessen, Herr Droste?“, durchbrach Eigner das Schweigen.

„Selbstverständlich, ich besitze selbst heute noch welche.“

„Nein, ich meine, hatten Sie jemals welche daheim, auf Papier in einer Schublade oder in einem Bankschließfach, vielleicht sogar im Bücherregal zwischen die Seiten ihres Lieblingsbuches geklemmt?“

Jakob stutzte und schaute dem jungen Mann gegenüber fragend ins Gesicht.

„Ich glaube nicht.“

„Und Ihre Mutter? Vielleicht Ihr Großvater?“

„Ich habe wirklich keine Ahnung.“, gab Jakob achselzuckend zu.

„Verstehen Sie worauf ich hinaus will, Herr Droste?“, war die nächste Frage des Firmenchefs.

„Durchaus. Es macht keinen Unterschied ob die Waren bzw. die Werte greifbar sind.“

Jakob nickte zustimmend und war gleichzeitig sehr erleichtert, dass Thomas Eigner den Gesprächsfaden aufgenommen hatte.

„Trotzdem, Herr Eigner. Es ist doch ein Unterschied, ob man mit den Werten produzierter Güter handelt oder einer Einheit.“

Der Mann begann sich im Sessel hin und her zu wiegen. Seine Hände ruhten auf den Lehnen, während er über Jakob Droste hinweg sah.

„2027 haben Amerika und China angefangen mit Wasserrechten zu handeln. Zehn Jahre zuvor musste Ihre eigene Branche erfahren, was es heißt einen Artikel zu veröffentlichen und die Rechte darauf zu halten, sie selbst handeln mit Ihrem Wissen. Informationen wurden schon vor Jahrhunderten gehandelt. Insidertipps haben Geld gekostet. Die Menschheitsgeschichte ist gespickt mit delikaten Geschäften. Moralischen und unmoralischen Angeboten. Bereits in den alten Kulturen haben Frauen ihre Körper verkauft, Männer im Übrigen auch. Während der Kolonialzeit haben wir mit Menschenleben gehandelt. Russland hat zwei Drittel des Uralgebirges verkauft und seit Monaten diskutieren die Nationen darüber wie und nach welchem Prinzip die Grundstücksrechte auf Mond und Mars zu vergeben sind. Ende des 20. Jahrhunderts blühte der Handel mit Organen, bis die Reproduktionstechnologie soweit fortgeschritten war, dass man jetzt eine Leber per E-Mail bestellen kann.“, referierte Eigner weiter, während er sich auf dem Schreibtisch abstützte.

„Herr Eigner, Sie sagen es selbst. In all ihren Aufzählungen wird aber mit einem Gut gehandelt oder einer Dienstleistung, auch wenn ich Menschen nur ungern als ein Wirtschaftsgut bezeichne.“

Der Firmeninhaber lachte.

„Also gut, Herr Droste. Ich möchte Ihnen eine andere Frage stellen. Wenn Sie heute die Aktie einer Bank kaufen, welches Wirtschaftsgut erwerben Sie? Kaufen Sie wirklich einen Teil des Unternehmens? Ein Stück des Gebäudes? Erwerben Sie den Tresor, in dem die Goldvorräte lagern?“

„Natürlich nicht.“

Eigner nickte zufrieden.

„Herr Eigner, Sie und Ihr Unternehmen. Sie handeln mit Zeit. Das ist durchaus ein Unterschied.“, merkte Jakob an. Sie saßen bereits eine Weile zusammen und der Tee wurde kalt.

„Wo es Nachfrage und Bedarf gibt, wird es auch immer ein Angebot geben und zwar solange, wie unsere Wirtschaft funktioniert.“

„Da möchte ich gar nicht widersprechen.“

„Sehen Sie, das Prinzip war ein Einfaches. Irgend ein Unternehmer ist vor über 100 Jahren auf die glorreiche Idee gekommen, seinen Mitarbeitern anstatt Geld Zeit zu geben. Damals nannte man es noch Arbeitszeitkonto. Mitarbeiter sammelten damals Überstunden an, um früher in Rente gehen zu können. Sie arbeiteten quasi nicht mehr für Geld, sondern für Zeit und zwar Ihre eigene Lebenszeit, denn das ist die Frage, die Sie mir sicherlich als nächstes stellen werden.“

Jakob nahm einen großen Schluck Tee und nickte, sodass Eigner mit der Geschichte fortfuhr.

„Als die Unternehmen durch die erste Krise Anfang des 21. Jahrhunderts selbst in finanzielle Schwierigkeiten kamen, suchten sie nach Geldwerten in den einzelnen Firmen. Es dauerte eine Weile, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt oder durch den doofen Einfall eines Wirtschaftsprüfers wurde man auf die Arbeitszeitkonten aufmerksam. Der Rest ist Mathematik, wie Sie sich denken können. Wie viel ist die Arbeitszeit eines Angestellten wert und zwar heute und in zehn Jahren, wenn er befördert wird oder nur die normalen Gehaltserhöhungen bekommt. War einmal der Wert geschätzt, so hing auch ein Preis an dem Arbeitszeitkonto und Dinge die einen Preis haben, den fehlt nur selten ein Händler.“

Jakob begann zu begreifen.

„Es war eine Art Kapitalbeschaffung der Unternehmen selbst…“, begann er.

Wieder einmal musste Eigner lachen und er tippt mit dem Kugelschreiber auf seinen Schreibtisch.

„Genau das ist der Punkt, Herr Droste. Es musste sich nur noch jemand finden, der mit diesem Wert in irgend einer Form etwas anfangen konnte. Der Gedanke meines Vaters war folgender, was dem einen recht, ist dem anderen billig. Er kaufte also die Arbeitszeitkonten eines großen IT-Unternehmens auf, zu einem damals hohen Preis. Doch in all ihrem Kalkül haben die Consultants und Rechenkünstler der Unternehmen eins vergessen…“

„..den Wert für den Angestellten selbst.“, vollendete Jakob den Satz.

„Das zum einen, aber auch für andere Firmen. Ich brauche nicht weiter zu erklären, dass die Mehrheit der Angestellten einen Vorteil in diesem Vorgehen sahen. Höhere Abfindungen, bessere Altersvorsorge, Spekulationsgewinne und das Übliche halt. Geld oder Zeit, das war ab diesem Zeitpunkt die Frage.“, brachte Eigner seine Ausführung zu Ende.

„Gut, aber wie ging es weiter?“, wollte Jakob wissen.

„Gleiches Prinzip, nur für die Gegenwart. Jeder Angestellte konnte nun ausrechnen, was sein Marktwert war und damit seine Arbeitskraft auf den Tag und die Stunde herunter gebrochen. Die ersten fingen an mit Ihrem Urlaub zu spekulieren. Es gab Anfragen zu 10 Tagen, 20 Tagen bis hin zum gesamten Jahresurlaub.“

Jakob runzelte die Stirn.

„Also spekulierten die einen auf eine bessere Marktsituation in 12 Monaten, verkauften ihre Urlaubstage, als Anlage, um dann anstatt z.B. 30 Tagen nur 15 für das gleiche Geld arbeiten zu müssen.“, mittlerweile sprach der Journalist mehr mit sich selbst, als seinem Gegenüber.

„So die Idee.“, bestätigte Eigner.

Beide Männer schauten sich an.

„Ich danke Ihnen vielmals für die Antworten und die Zeit, die Sie sich hierfür genommen haben, Herr Eigner.“

„Es war mir ein Vergnügen.“

Jakob Droste stoppte den Livestream über sein Netbook, das auf dem Schreibtisch stand. Die Männer standen auf und verabschiedeten sich.

„Darf ich eine letzte Frage stellen, Herr Eigner?“

Jakob konnte sich diese eine Sache nicht verkneifen.

„Nur zu!“

„Was sind die besten Deals in dieser Branche?“

Der Manager schaute kurz zu Boden, bevor er antwortete.

„Die besten Deals sind immer noch die, bei denen die Angestellten ihren klaren Menschenverstand einsetzen und anstatt der Gelder ihre verdiente Zeit einfordern.“


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Steindrachen

Jun
29

Kasimir

Draussen im Garten schläft ein Drache. Direkt unterm Lavendelstrauch hat er sich zusammen gerollt, die Schnauze auf den Pranken liegend.


Sein Name ist Kasimir und er gehört zur Gattung der Steindrachen.


Steindrachen schlafen den ganzen Tag und lassen sich die Sonne auf die Schuppen scheinen. Das hat seinen Zweck, denn nur mit der Hitze und dem Licht der Sonne können diese Drachen in der Nacht Feuer speien.


Wenn es dunkel wird und sie sich unbeobachtet fühlen, stehen sie vorsichtig und sehr langsam auf. Oft hört man ein ganz leises Knistern und Splittern, so als würden sich kleine Steinchen von einem Felsen lösen. In Wirklichkeit sind es die Schuppen, die kaum hörbare Geräusche machen, wenn Kasimir aufwacht und sich streckt. Meistens schlägt er einige Male träge mit den Flügeln, bevor er sich in die Nacht aufmacht.


Pünktlich zum ersten Sonnenstrahl nimmt er seinen Schlafplatz ein. Was er wohl die ganze Nacht treibt? Ich sollte ihn einmal fragen.


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Der verkannte Buchstabe

Aug
24


Er ist so unscheinbar wie seine Position im deutschen Alphabet und wenn man etwas genauer darüber nachdenkt, so ziemlich der überflüssigste Buchstabe, den es gibt. Kaum ein anderer Buchstabe lässt sich mit so einer Leicht- und Vielfältigkeit ersetzten wie dieser. Die Rede ist vom Y.

Allein schon als Vorletzter genannt zu werden, macht ihn zur absoluten Nebensächlichkeit. Er fristet ein unansehnliches Dasein zwischen dem „X“ und „Z“. Das wäre nicht einmal so tragisch, viel schlimmer die Tatsache, dass dieser Buchstabe eigentlich kaum zu gebrauchen ist und vor allem sehr gut zu ersetzen durch andere, wie das gute alte „I“, das „J“ und sogar die Umlaute „Ö“ und „Ü“ lassen sich hervorragend nutzen, um ihm die Berechtigung als Buchstabe vollständig abzusprechen.

Kaum ein Buchstabe wird so wenig verwendet wie das „Y“. Schon in der Schulzeit war einem dieser Buchstabe durchaus suspekt, denn selbst Lehrer hatten Schwierigkeiten ein Wort mit diesem Konsonanten zu finden und das Einzige was einem dazu heute noch einfällt, ist ein etwas falsch anmutendes Wort Yoghurt, das man in Wirklichkeit Joghurt schreibt. Nur die wenigstens Grundschullehrer würden auf die Idee kommen, Erstklässlern zu erklären, was Yoga ist, auch wenn dies wahrscheinlich für das „Y“ mehr Sinn machen würde, als Gymnastik.

Was also stimmt nicht mit dem Ypselon, das man bekanntlich Öpselon ausspricht?

Was hat dieser Buchstabe verkehrt gemacht im Laufe der Jahrhunderte?

Konnte es sich nicht richtig in die deutsche Sprache integrieren oder muss es grundsätzlich einen Außenseiter geben, damit andere, in dem Fall die restlichen 25 besser dastehen?

Ist der Rhythmus eins der wenigen Worte, der diesem Außenseiter Asyl gewährt und warum ist es ausgerechnet das Wort Asyl in dem der Buchstabe ebenfalls eine Zuflucht findet?

Was verleitet die Lyrik zu ihrem Y? Hat sie die Schönheit erkannt, die diesem Konsonanten innewohnt?

Vermissen würde wir das Y nicht, wenn es nicht mehr wäre. Selbstverständlich wäre ein Rhöthmus etwas gewöhnungsbedürftig, auch das Asül lese sich einige Wochen schräg und die Lürik wandelt sich im Laufe der Jahrhunderte sowieso mehr oder weniger ständig und frönt lieber dem Sinneschaos, als einer ordentlichen Schreibweise.

Vielleicht ist aber das Y gerade deshalb im Zynismus anzutreffen. Ist es der Wissenschaft doch wenigsten zu einem dienlich, nämlich das eine Geschlecht vom anderen zu unterscheiden, auch wenn es sich hierbei nur um ein winziges Chromosom handelt, das bei genauer Betrachtung eben so gut ein „V“ sein könnte.

Auch die Karriere in der Mathematik ist nicht so verlaufen, wie vielleicht erhofft, denn es ist letztendlich das „X“ nach dem immer gefahndet wird und das Y mehr ein Mittel zum Zweck und ebenfalls austauschbar durch jeden beliebigen Buchstaben. Denn in Formeln macht es keinen Unterschied, ob es nun das „Y“ oder das „W“ ist, das da stehen möge, als Variable und genau so ist wohl auch sein Schicksal variabel zu sein. Denn die Y-Achse wäre ebenfalls keine andere, würde sie V-Achse heißen.

Erstaunlicherweise hat es der Buchstabe noch weiter in die Wissenschaft geschafft, was wäre die Physik ohne das gewisse etwas oder die Physiologie und selbst die Psyche wäre seltsam anzuschauen, wäre sie bloß die Psüche. Und so stellt sich die Frage, ob es die Eigenschaft der Analyse an sich ist, die das „Y“ zu dem macht, was es ist.

Wahrscheinlich ist es die Gewohnheit, die uns an diesem kleinen Buchstaben festhalten lässt, denn so selten wie das Wort Xylophon, benutzen wir auch den verkannten Konsonanten zwischen „X“ und „Z“. Den ewig Vorletzten, für den sich niemand interessiert.

Mit Recht kann man sagen, das die deutsche Sprache Y-feindlich ist, denn selbst schön klingende Worte wie Symphonie sind die Ausnahme in einem geregelten Wortschatz.

Aus Zyklen werden Kreisläufe. Von Mythen wird es weniger geben, als mehr und werden sie oft schon Märchen und Erzählungen genannt. Ein Relikt im Alltag der Sprache, nur nützlich in Worten wie Hymne, zum Aussterben verurteilt, wie die Hieroglyphen und doch so hartnäckig wie das Wissen an sich, in einer Enzyklopädie.


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