Letzten Samstag hat mich der Teufel geritten und ich habe gedacht ich müsste am Nachmittag doch noch mal kurz in den Supermarkt, um ein paar Dinge einzukaufen. Schließlich ist Morgen Sonntag und dann wieder die ganze Woche arbeiten, da findet man eh nicht die Zeit um Einkaufen zu gehen, also noch schnell am Samstag erledigen. Dachte ich. Mal eben so. Ganz kurz nur. Geht ja schnell. Einmal durchlaufen, an die Kasse und fertig. Eine Sache von höchstens 10 Minuten. Denkste! Wie kann man nur so naiv sein! Das ist Samstags Nachmittag noch nie gut gegangen. Egal in welchem Supermarkt ja! Ich also rein in den Supermarkt bei uns um die Ecke, dann muss ich ja nicht so weit tragen und aus der Stadt kommend war ich schon mit einigen Einkaufstüten beladen. Keinen Einkaufswagen, erstens ist es mir schon zu blöd nach einen Euro-Stück zu suchen und zweitens brauche ich ja nur ein paar Sachen, die kann ich ja auch so nehmen. Hätte ich einen Einkaufswagen nehmen wollen, wäre mir zumindest das erste Warnsignal nicht entgangen, denn erst bei rausgehen und einem Fast-Todes-und-Nerven-Kampf ist mir aufgefallen, dass keine Einkaufswagen mehr dastanden, wo sie sonst immer stehen. Ich sollte erfahren warum nicht:
Frohen Muts rein in die Obst und Gemüseabteilung und fast wäre ich schon wieder rückwärts raus, als ich sah was sich da tat, aber da war es bereits zu spät. Eine Oma mit Einkauftrolli und Krückstock hatte mir den Rückweg versperrt. Vor mir ein grausames Bild. überall Einkaufswagen und Leute, die um die letzten Tomaten und Salate kämpften. Es gab kein rankommen an die Früchte und das Gemüse. Alle Stände und Auslagen mit Einkaufswagen zugestellt.
„Verdammt! Scheiß Idee!“ dachte ich bei mir und kämpfte mich zwischen einem Einkaufswagen und einem Kinderwagen mit brüllendem Inhalt zu dem Plastiktütenhalter durch. Ich nahm gleich drei dieser dünnen und durchsichtigen Tüten mit, aus Angst, dass keine mehr da ist, wenn ich es schaffe mich zu den Tomaten durch zu schlagen und dann doch noch Äpfel ergattere. Ich also zu der Tomatenkiste. Da standen schon zwei genervte Mütter und sortierten wild in den Tomaten rum. Ich bin ja auch so ein Betaster und Drücker von Obst und Gemüse, aber die Damen haben bereits an der Stelle hausgemachtes Ketchup produziert. Nachdem ich mir die Sache genau 10 Sekunden angeschaut hatte, entschloss ich mich auf die Strauchtomaten zu verzichten und abgepackte Bio-Tomaten zu kaufen, die mich ein Vermögen kosten würden, aber immer noch besser, als später einen abgebrochenen Fingernagel irgendeiner irren Mami in der Tomaten zu finden. Der Inhalt des Kinderwagens brüllt die ganze Gemüseabteilung zusammen. Wo ist denn die Mutter von dem Kind? Drückt wahrscheinlich an den Erdbeeren rum oder so, anstatt mal nach dem Kind zu schauen. Ich mit der Packung überteuerter Bio-Tomaten drehe ich mich nach rechts und hechte zu den Äpfeln rüber. Das ging glatt. Schnell packe ich vier Äpfel in die tolle Tüte und ab zu Waage. Auch hier habe ich mich mal wieder zu früh gefreut. Vor der Waage steht ein älterer Herr so um die 70 oder 80 und starrt auf die Zahlen. Auf der Waage liegen 2 Bananen. „Sie Fräulein, was muss ich denn da jetzt drücke? Da sind ja gar keine Bilder drauf nur Zahlen. Also in den anderen Supermärkten sind da immer die netten Bilder von dem Obst drauf.“ Na vorher soll ich denn wissen was für eine Zahl die dummen Bananen haben .Ich habe mir doch gerade die 21 für meine Äpfel gemerkt und das andere Zeug kann ich ja auch nicht auswendig. Aber man ist ja freundlich. „Da müssen Sie unten bei dem Schild an den Bananen schauen, da steht immer die Nummer drauf.“ antworte ich freundlich und versuche zu lächeln und frage mich wie viel Zeit es wohl dauern wird, bis der Mann seine Bananen abgewogen hat. „Die Bananen haben die 1.“ krächzt es hinter mir. Gerettet durch die Oma mit dem Einkaufstrolli. Es dauert genau eine Minute, bis die 1 gefunden ist auf der Tastatur. Wir lesen doch immer von links nach rechts und von oben nach unten oder? Warum denken die Leute, dass die Nummerierung auf diesen Waage von diesem Prinzip abweichen sollten und suchen die 1 irgendwo in der Mitte und nicht links oben. Dann noch das Etikett drauf. Die Bananen von der Waage und schauen was es kostet und dabei auch ja nicht ein Stück zur Seite gehen, damit andere rankommen, an die Waage. Aber irgendwann wars geschafft. Ich Kleber drauf und weiter durch das Horrorlabyrinth. Gekonnt weiche ich den Omis mit Ihre Spazierstöcken aus und versuche auch keins von den plärrenden Kids zu erwischen, die kreuz und quer in dem Supermarkt rumdüsen und andauernd komisches buntes Zeug in den Händen haben. Ich habe mich zu den Kühlregalen durchgekämpft und schon 10 mal den Satz gehört:
„Kann ich das haben Mami?“
„Nein, leg das bitte wieder zurück!“
„Bitte, bitte, bitte!“ „Nein habe ich gesagt.“
„Uahhhhhhhh.“
Es ist immer wieder das gleiche. Es endet im Gebrüll. Ich also vor dem Wurstregal. Zwei Packungen Aufschnitt müssen mit und auch Käse brauchen wir noch. Hier geht alles glatt. Ab zu Regal neben an. Eier. Taktischer Fehler. Drei Taschen aus der Stadt, die Biotomaten und die Tüte Äpfel, zwei Packungen Salami. Verdammt, wie soll ich nun in die Eierpackung reinschauen. Kurz entschlossen alles in die eine Tüte gepackt und zum Eierkarton gegriffen. „Die klaut!“ eine Stimme hinter mir. Fast hätte ich die guten Eier fallen gelassen. Neben mir eine rotzfreche Göre die mich anstarrt und auf die Tüte zeigt. Dahinter ein 35 Jahre alter Papa mit einem 250 EUR Designer Einkaufskorb, der mich streng anschaut. Was will man schon in so einer Situation tun? Ich überlege gerade, warum ein Mann um 15:30 Uhr am Samstag mit dem schicksten Fummel und seiner Tochter in so einem gewöhnlichen Supermarkt einkaufen geht. Den Daimler-Schlüssel in der Hand. Hat der Böhm Samstags zu oder hat er an der Markthalle keinen Parkplatz gefunden? Ich will ein Kommentar ablassen, mir fällt aber nichts ein. Ich konzentriere mich wieder auf die Eier und der Papa meint nur.
„Komm Anna-Katrin, die Dame wird schon wissen was sie tut.“
„Ja. Die Dame weiß, dass auch teures Parfum stinken kann wie Katzenpisse, blöder Sack!“ denke ich, als er an mir vorbei läuft und ich einen Hustenanfall unterdrücken muss, als sein Duftwässerchen meine Nase erreicht.
Nach unzähligen Kartons mit jeweils einem ramponierten Ei entschließe ich mich zu einer Umsortierungsaktion und weiter geht es zu den Knabbersachen. Eine Tüte Chips geht immer und weiter durch das Chaos aus Einkaufswagen, abgestellten Wasser- und Bierkisten. Schon sehe ich die Kassen von weitem und denke ich sei am Ziel, als ein fürchterlicher Schmerz meinen linken Fuß durchzuckt.
„Aua!“ sage ich laut.
Da ist tatsächlich so ein Blödmann mit seinem Wagen über meinen Fuß gerollt.
„Oh Verzeihung. Das tut mir schrecklich Leid. Ich habs so eilig.“,versucht ein Mittzwanziger sich bei mir zu entschuldigen.
„Nicht so schlimm.“,sage ich nur und versuche einem weiteren Gespräch zu entkommen. „Ihnen ist auch wirklich nichts passiert?“
„Nein, nein, alles in Ordnung. Nur der Schreck.“
Darauf habe ich wirklich keine Lust, nachher will er mich noch zum Kaffee einladen oder so. Ich sehe die Kasse.
Meine Rettung.
Gelogen!
Ich sehe die drei Schlagen vor den Kassen. In diesem Augenblick verfluche ich die Menschheit. Das wird dauern. Ich zur scheinbar kürzesten Schlange. Hier sammelt sich alles. Ich muss feststellen, dass die meisten der Einkäufer am Samstag Nachmittag ältere Herrschaften und Mütter mir Kindern sind. Ich frage mich was die eigentlich den Rest der Woche so machen. Haben die keine Zeit am Montagmorgen einkaufen zu gehen oder am Freitagmorgen, für das Wochenende? Nein, da sitzen sie dann beim Arzt und nehmen uns Arbeitenden die guten Termine weg und wenn wir dann am freien Samstag auch noch einkaufen gehen wollen, dann verstopfen sie auch noch die Kassen.
Wenn ich alt werde, dann mache ich das ganz anders. Das ist ja auch nichts für so ein schwaches Herz in dem Alter. Dieser Stress hier. Ist ja schlimmer, als bei der Arbeit mit den Kollegen zu streiten. Hier stehe ich also nur und warte, dass es voran geht. Es erscheint einem immer wie eine Ewigkeit. Die Omis packen ihre zwei Kompotts und die Packung Toastbrot aufs Band, dann die zwei Äpfel und das Bund Suppengrün und fangen an in ihren Taschen nach dem Geldbeutel zu suchen.
Die erste ist schnell abgefertigt. Hurra! Hoffnung keimt in mir hoch. Das könnte ja vielleicht gut gehen.
Dann ein junger Mann: Tiefkühlpizza, Yoghurt und ne Flasche Rotwein. Single, ist doch klar. Das geht auch schnell. Ich schaffe es vor 16:00 Uhr hier raus! Mutter mit Kind als nächstes und dann noch eine Oma und dann ich. Das wird gut ausgehen.
Die Mama packt ihre ganzen Krempel aufs Band und die junge Kassiererin macht ihren Job und wird mittendrin ausgebremst von: Wer hätte es gedacht? Einer Tüte nicht gewogener Tomaten. Das ist bestimmt eine von den Ketchup-Tanten denke ich noch und schon ist die Kassiererin aufgesprungen und auf und davon.
Hinter mir steht irgendein Typ mit starkem Körpergeruch und schnauft vor sich hin. Ich frage mich was schlimmer ist. Das Katzenpisse-Parfum oder dieser Schweißgeruch?
Ich entscheide mich doch für diesen Schweißgeruch und rücke der Oma auf die Pelle. Wie das Schicksal es so will spielt das blöde Kind mit einem Glas Marmelade, als die Mutter nicht hinschaut und schon passiert es. Runter vom Band mit dem Scheiß, Erdbeermarmelade schmeckt so oder so nicht und schon macht es klirr. Das darf nicht wahr sein!
Das Marmeladenglas auf den Boden die Mutter sauer, das Kind plärrt und ich stehe da und erlebe den Weltuntergang im Supermarkt!
Kurz vor einem Nervenzusammenbruch stehe ich da und kann es nicht fassen, als die Mutter weg rennt um ein neues Glas zu holen.
Kind flennt.
Oma in Aktion um es zu beruhigen.
Kassierern kommt zurück. Sieht das Desaster. Springt wieder auf und verschwindet in den Weiten der Regale.
Mutter kommt zurück mit neuer Marmelade.
Kind schon fast blau angelaufen im Gesicht.
Oma verzweifelt.
Alles schaut zu unserer Kasse und ich das Stinktier im Rücken.
HILFE!
Denke ich nur. Mutter entschuldigt sich tausendmal. Kind heult, als würde man es aufs schlimmste behandeln. Mutter schimpft, was die Sache nicht besser macht. Oma kriegt gleich Herzschlag und ich einen Wutanfall. Endlich taucht die Kassiererin auf mit Eimer und Lappen. Sie fängt an zu wischen und die Scherben aufzusammeln.
Ich denke nur: „Lass doch die Mutter machen und kassiere endlich weiter. War doch ihr Kind, was hier die Sauerei veranstaltet hat!“
Aber nein. Sie wischt und wischt und die Schlange hinter mir wird länger und ich fange mit Atemübungen an, während ich versuche jeden Kommentar runter zuschlucken, was mir auf der Zunge liegt. Nach etlichem Gewische ist das meiste der Marmelade weg und endlich geht’s weiter. Mutter mit Heulboje abgefertigt, Oma ist endlich dran und ich kann mein Zeug aufs Band legen. Noch ‘ne Schachtel Kippen und dann raus hier. Ich also einmal Marlboro Lights gedrückt, an diesen neuen Zigarettenautomaten, wo die Schachteln dann so raus geschossen kommen, wenn die Kassiererin es freigibt. Das Patent ist ja ganz toll, bloss kommt die Schachtel mit so einem Tempo da raus, dass sie in 90% aller Fälle über das Band hinausschießt und man sie fangen muss, wenn man kann. Ich konnte nicht und die Schachtel landet natürlich in den Marmeladenresten.
Ich wollte schon immer Kippen mit Erdbeergeschmack. Wäre ich bloß in den Großmarkt gefahren, dann könnte ich jetzt eine saubere nehmen, stattdessen habe ich eine klebrige. Geil. Oma zählt Kleingeld. Ist nicht so einfach, wenn man die Brille nicht dabei hat. Ich ersticke hier im Männerschweiß und die zählt seelenruhig Kleingeld. Unfassbar! Sie kapituliert und kippt das Münzgeld der Kassiererin in die Hände. Jetzt darf die suchen. Die findet wenigstens die Münzen auf Anhieb. Oma packt in Zeitlupe ihren Kompott ein. Ich bin dran. Unkonzentriert gehe ich freudig ein Schritt vor und stehe mit beide Schuhen in den Erdbeermarmeladenresten. Klasse jetzt kleben auch noch die Schuhsohlen. Was soll’s.
Ich will hier nur noch raus oder ich fange an zu schreien.
Vielleicht heule ich auch ein bisschen, wie die Kids hier drin.
Zahlen und raus. Bloß weg von dem Müffel-Mann, den Kindergeschrei und die Omas.
Das ist eine Nervenprobe.
Alles eingepackt.
Die Kippenschachtel nur widerwillig. Es trennen mich nur noch wenige Schritte vom Ausgang. Bei jedem Schritt machen meine Schuhe komische Geräusche und mit der tollen Marmelade dran sammle ich auch den ganzen Dreck vom Boden. Die vor der Haustüre ausziehen, denke ich noch und bin endlich frei und am Ende. Das ist schlimmer als ein Acht- Stunden Tag im Büro. Nie wieder Samstagnachmittags im Supermarkt. Zumindest die nächsten Samstage nicht.
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