Aus dem Alltag

Werbung

Mrz
13

Scheiße, schon wieder Werbung! Die privaten Sender sind echt nicht ganz sauber. Kaufen Sendelizenzen von den besten Filmen, schneiden die spannenden Szenen raus und zeigen dafür Werbung.
Toll, toll, toll! Eine halbe Stunde Film, 15 Minuten Werbung und dann wieder Film. Gott sei Dank habe ich “The Day after” schon einige Male gesehen.
Hey cool, es gibt nun Katzenfutter mit Lachs und Sahne für die anspruchsvollen Vierbeiner unter uns. Stark!
Ich frage mich tatsächlich, wie viele Leute Pate bei so einem Kind geworden sind, dass die immer bei der World Vision Werbung zeigen. Ob die Werbung überhaupt was bringt? Der Spot ist ziemlich lang. Hat bestimmt ein Schweinegeld gekostet. Wahrscheinlich von den Spenden finanziert die eingehen, wenn die Werbung gelaufen ist. Wenigstens gibt es in dieser Branche noch ein Return-on-invest mit funktionierendem Cashflow.
Ach, die gute Bankwerbung. “Leistung aus Leidenschaft”! So sieht es aus, meine Lieben. Die gesamte IT des Unternehmens nach Indien outsourcen, paar Tausend sparen, paar Tausend abschreiben, paar Hundert kündigen, nur um nach einem Jahr festzustellen, dass das alles doch nicht der Bringer war. Also alles wieder zurück, paar Tausend ausgeben, paar Tausend abschreiben, niemanden einstellen und laufen lassen. Das ist wirklich Leistung die Leiden schafft.
Binden und Tampons sind so ziemlich meine Lieblingsspots. Irgendeine nette Dame turnt auf einem Bein rum, Post-Its am Hintern, ein Wurf in die Menge bei einem Konzert, Zwicken im Schritt, das Ganze in Schwarz für die moderne Frau und selbstverständlich die Stringdinger. Glauben die Werbefachleute der ganzen Welt, dass Frauen nichts Besseres zu tun haben, als 24 Stunden am Tag an ihre Periode zu denken? Soviel kann man im Leben nicht voll bluten, wie da beworben wird. Dann noch das Extraduschgel für den Intimbereich, extra sanft und extra getestet und sowieso das Beste was einer Scheide beim waschen passieren kann. Ich frage mich was die da wie getestet haben.
Bei jeder Werbepause ist mindestens ein Promi dabei. Die glauben doch nicht ernsthaft, dass man das denen abnimmt. Während die Graf Kochkurse für italienische Köche gibt, geht Bohlen mit Ballack eine Waschmaschine kaufen, nachdem sie vorher durch das “Drive in” geschossen sind und feststellen mussten, dass es dort keinen Milchreis gibt. Währenddessen säuft die Nationalelf paar Liter Bier, um fit zu sein für die WM 2006. Wenn Beckenbauer nicht gerade Golf spielt, dann vercheckt er Handys zum günstigsten Tarif. Kein Wunder, dass ihn keiner gefragt hat wer neuer Nationaltrainer werden soll. Ist halt schwer beschäftigt der Mann. Zu allem Überfluss verschluckt sich der weltbeste Torwart an einem Schokoriegel. Schmidt bleibt hingegen beim Kaffee. Jauch versucht einen ISDN-Anschluss in der Sauna zu installieren. Frau Feldbusch scheint wegen jedem Scheiß die Auskunft anzurufen. Dass Gottschalk nicht persönlich Gummibärchen in die ganze Welt ausliefert grenzt schon an ein Wunder. Die Welt ist seltsam.
Die beste Erfindung der Tierfutterindustrie seit langem, ist die Zahnbürste für den Hund. Allein vom zuschauen stelle ich mir die Frage, warum ich eigentlich keinen Hund habe.
Von kleinen gesüßten Milchabfällen mit reichlich Bindemittel und naturidentischen Aromastoffen wird Ihr Kind größer, schneller, klüger und breiter. Wenn nicht, dann explodiert irgendwann sein Kopf, wenn es versucht eine bekannte Automarke nachzumachen. Ist aber dann auch nicht so schlimm, man kann ja Pate werden für ein Kind, das irgendwo von den EUR 50,00, die man monatlich zahlt einen gebrauchten Kugelschreiber bekommt, der vielleicht nicht mehr funktioniert. Die restlichen EUR 49,99 werden in einen neuen Spot investiert.
Großväter backen Schokokuchen, Frauen tragen Bierkästen, Katzen schlemmen Lachs mit feinem Sahnesößchen, Kinder kochen Kaffee für Papa, Großmütter wissen wie man die Mikrowelle bedient, man dankt Flecken für ihr Dasein und radiert den Dreck von den Wänden.
Für Männer gibt es bald den neusten Rasierer mit 8 Klingen, für eine noch gründlichere Rasur. Das zusätzliche Feature des Teils ist: Man kann sämtliche Gesichtsunebenheiten gleich mit wegrasieren.
Der Werbeblock endet mit einem kleinen doofen Kind das andauernd “Kaufen! Marsch, Marsch!” schreit. Als Mutter würde ich mich schämen und es zur Adoption freigeben, aber wer will die Göre jetzt noch haben?!
Der Film erscheint nach so einem Werbeblock gar nicht mehr so furchtbar. Erschreckend!


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Ups

Mrz
13

„Kann ich Ihnen weiterhelfen, der Herr?“ Die Stimme der Frau klingt freundlich und hilfsbereit. Fast befremdlich, wenn man daran denkt, dass es sich um eine Verkäuferin in einer Parfümerie handelt.
„Durchaus, ich suche ein Geschenk. Etwas besonderes, gerne auch ausgefallen.“, erhält sie als Antwort und der arrogante Klang der tiefen Männerstimme kommt mir seltsam bekannt vor. Es fällt mir allerdings schwer ihn zuzuordnen.
Von der Suche nach einem neuen Sommerparfum ist meine Nase samt Hirn von den unterschiedlichsten Düften leicht benebelt.
„Für ihre Frau zu einem besonderen Anlass?“, will nun die Verkäuferin wissen.
„Nicht direkt.“
„Also, eine Überraschung für die Gattin. Darf ich fragen welches Parfum Ihre Ehefrau normalerweise trägt, dann fällt die Auswahl leichter.“, versucht die Verkäuferin sich an den zu beratenden Kunden heranzutasten.
„Was interessiert mich das Parfum meiner Frau?!“
Ungewollt zucke ich bei der Aussage des Mannes merklich zusammen.
Schweigen gefolgt von einem hörbaren Einatmen der Angestellten.
Die schroffe Art des Kunden lässt mich erneut stutzen und bereitet ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Diese Stimme kennst Du doch, denke ich bei mir, während ich immer noch angestrengt drei unterschiedliche Teststreifen neuer Sommerdüfte unter meine Nase halte und langsam das Gefühl nicht loswerde, alle drei hätten den gleichen Geruch.
„Nun, welche Düfte bevorzugt die Dame normalerweise? Eher etwas Frisches, vielleicht mehr blumig oder schwere Düfte für den Abend?“, die Verkäuferin gibt noch nicht auf, doch noch einen Hinweis auf die zu Beschenkende zu erhalten, wobei die Betonung nun deutlich auf dem Wort Dame liegt.
Vor Neugier platzend drehe ich mich um. Nun will ich doch wissen, zu wem diese mir nicht unfremde Stimme gehört, die nun indirekt der Verkäuferin zu verstehen gegeben hatte, dass es gar nicht um die Ehefrau ging.
Mein Blick fällt auf eine perfekt sitzende dunkelbraune Männerfrisur, einen edlen dunklen Businessanzug, der einen circa 1,80m großen Geschäftsmann kleidete. Ein steifer blauer Kragen war der einzige farbliche Aspekt im gesamten Erscheinungsbild des lässig dastehenden Herren. Die eine Hand in der Hosentasche der mit perfekt sitzender Bügelfalte ausgestatteten Hose. In der anderen ein Handy. Polierte Schuhe.
„Ach du Scheiße!“, entfährt es mir und ich schlage mir selbst den Mund zu, als ich den Satz halb ausgesprochen hatte. Ruckartig drehe ich mich von den beiden weg und mein Herz fängt an zu rasen. Hoffentlich hatten sie mich nicht gehört. Adrenalin schiesst mir in die Adern.
Das ist der Hofmann. Der Hofmann aus dem Controlling! Daher kennst du die Stimme.
„Ich empfehle Ihnen diesen neuen frischen Sommerduft. Damit können Sie nichts falsch machen. Jung, dynamisch und sehr verführerisch.“, höre ich die Verkäuferin hinter mir das Produkt anpreisen.
Der Hofmann, ich glaub es nicht. Der Moralapostel vom Dienst, der liebende und fürsorgliche Familienvater, der Hüter der Werte in der Gesellschaft, der alles als obszön bezeichnet, was nicht den guten alten gesellschaftlichen Normen zu entsprechen scheint. Der Mann mit der reinen Weste. Streng, korrekt und gläubig. Dieser Hofmann?
Ja, dieser Hofmann steht da gerade hinter mir und kauft Parfum für seine. Ja, wen denn?
Tochter? Ne, hat er nicht, hat zwei Söhne und die sind beide noch nicht mal zehn.
Wie Schuppen rieselt es mir von den Augen. Ich drehe mich noch einmal um, lausche dem Gespräch. Schaue verstohlen zur Seite, ob er es auch wirklich ist. Ja, er ist es. Unglaublich! Diese heuchlerische Socke!
Die Verkäuferin reicht ihm eine auffallend große Verpackung eines Parfums, was ich selbst auf einem meiner Teststreifen habe. Okay, dieser Duft ist raus. Da hat mir einer die Entscheidung abgenommen.
„Ach ja und dann noch einen 50,00 Euro Geschenkgutschein.“, lässt Hofmann auf seine charmant herablassende Art verlauten.
„Sollte der Duft der Dame nicht gefallen, dann kann sie ihn gerne umtauschen, solange die Verpackung noch zu ist.“, versucht die Verkäuferin freundlich zu erklären.
„Der ist für meine Frau!“
Erneutes Schweigen seitens der Verkäuferin und ich muss ein lautes Lachen unterdrücken.
Ups.


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