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Fantasy

Gesucht: Subbas

Jul
09

Bei Subbas handelt es sich höchstwahrscheinlich um einer Art Käfer,wobei man bis heute nicht sicher sagen kann, ob es sich tatsächlich um Käfer handelt.

Kopf und Leib lassen sich als zwei grüne Kugeln beschreiben, wobei der Körper bis zum dreifachen Umfang des Kopfs betragen kann. Auffällig sind die großen schwarzen Knopfaugen, die einen starken Kontrast zum hellen grün des Körpers bilden. Über den Augen sind dünne Fühler angesiedelt, die oft mit Augenbrauen verwechselt werden.

SubbaDas Subba besitzt vier kurz und sehr stämmig Füsse, mit denen es sehr schnell vorwärts trippeln, aber auch hüpfen kann. Zwar nicht hoch, aber häufig.

Mit seinem raffinierten Stoffwechsel kann das Subba seine Farbe wechseln. Treffen die oft als Einzelgänger lebenden Subbas auf Artgenossen, wird die Freude durch einen Farbwechsel in leuchtendes Gelb zum Ausdruck gebracht.

In vielen Dialekten wird das Subba auch als Suppa oder Schubba, manchmal sogar Super ausgesprochen. Besonders das Schubba, in seiner Verniedlichungsform als Schubi, ist durch das Kinderlied Schubidubidu zumindest begrifflich bekannt.

Gesucht werden Bilder von frei lebenden Subbas. Gerne Gruppen bei einem Treffen, aber auch Einzeltiere.


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New economy – Händler

Mrz
14

„Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise zwischen 2008 und 2010 hat mein Vater nach neuen Ideen gesucht.“, war die kurze Antwort von Thomas Eigner.

Lässig saß der Mittdreißiger in dem bequemen Ledersessel des Vorstandsbüros und nippte an einer Tasse Tee. Recht ungewöhnlich für einen Mann in seiner Position, wie auch sein Äußeres. Kein teurer Anzug, keine Krawatte und keine auf Hochglanz polierten schwarzen Schuhe. Einfaches weißes Hemd, blaue Jeans und Timberlands. Einzig die Steinhart am Handgelenk ließ erahnen, dass Thomas Eigner zu den wohl Besserverdienenden gehört. Ansonsten unterschied er sich nicht von seinen Angestellten.

„Nun ja, damals war es üblich in Gold zu investieren oder andere Metalle. Nachdem die Kreditblase platzte, wollten die Menschen wieder in greifbare Güter investieren. Ihre Angebote sind genau das Gegenteil davon.“, argumentierte sein Gesprächspartner, seines Zeichens Journalist.

„Können Sie mir zustimmen, Herr Droste, wenn ich sage, dass die damalige Situation ziemlich absurd war? Wie die aufgescheuchten Hühner haben die Leute damals ihr Gold entweder verkauft oder in Massen gekauft. Teure Erbstücke und billigen Schmuck mit geringem Goldanteil haben sie zu Ankäufern getragen. Per Post haben sie es an irgendwelche Firmen geschickt, um einige Hundert Euro zu erhalten. Erinnern Sie sich?“, warf Eigner schmunzelnd ein.

Das würzige Aroma des Tees breitete sich langsam im Raum aus. Es erinnerte an Weihnachten. Vielleicht Zimt oder Orange.

„Durchaus.“, erwiderte Droste kurz und nickte zustimmend, als der Vorstand der Tenseconds AG seine Teetasse zum zweiten Mal füllte. Jakob Droste hatte sich diesen Manager anders vorgestellt, obwohl er ihn bereits bei einer Pressekonferenz persönlich erlebt hatte. Jetzt, da er ihm gegenüber saß, wirkte dieser Mensch normal und langweilig. Eine beinahe unpassende Beschreibung für einen Menschen, der im Jahre 2031 den Weltmarkt revolutioniert hatte.

„Sie werden mir vielleicht ebenfalls zustimmen, wenn ich behaupte, dass der Handel mit Emissionsrechten in den 20er Jahren ebenfalls nicht sinnvoll war.“, fuhr Eigner fort, während er seinen Gesprächspartner anlächelte.

„Es gab unzählige Skandale bezüglich der Emissionsrechte, das stimmt. Allerdings ging es hierbei tatsächlich um etwas, das an der einen Stelle zu viel, an einer anderen zu wenig vorhanden war.“

„Und das ist bei unseren Produkten und Angeboten nicht der Fall?“

Jakob Droste schwieg. Genau diese Diskussion wollte er nicht führen. In einigen Minuten würde das Interview beendet sein. Damit hätte er bereits den zweiten belanglosen Beitrag in dieser Woche abgeliefert. Die Zeiten waren hart in der Branche und die Konkurrenz groß. Zwei Jahre hatte Jakob als Journalist gekämpft, um heute vor einem der wichtigsten Köpfe der Finanzwelt zu sitzen. Seine Bemühungen, die gute Recherche und letztendlich seine Hartnäckigkeit haben ihm 2049 den Arbeitsplatz bei einer der wichtigsten Nachrichtenagenturen eingebracht. Heute ging es nicht mehr um Nachrichten, sondern um Inhalte. Bereits Anfang des 21. Jahrhunderts verloren Printmedien an Bedeutung und die Verbreitung von Neuigkeiten und Informationen über das Internet und mobile Medien setzte sich schleichend aber schnell und unaufhaltsam durch. Eine neue Meldung war so kurzlebig wie ein Atemzug. Wer Beachtung finden wollte, musste in wenigen Sekunden viel Aufmerksamkeit erregen und vorallem eine Botschaft transportieren, auf die man reagierte. Jakob Droste gelang dieses Kunststück zuweilen. Es waren seine Interviews, die er mit bekannten Persönlichkeiten aus der Wirtschaft führte, die ihn zu einem gelesenen Journalisten der heutigen Zeit machten.

Seit Eigners letzter Frage schwieg Jakob. Die Antwort musste gut überlegt sein, damit das Interview nicht vorzeitig ein ungewolltes Ende fand.

„Haben Sie jemals Aktien besessen, Herr Droste?“, durchbrach Eigner das Schweigen.

„Selbstverständlich, ich besitze selbst heute noch welche.“

„Nein, ich meine, hatten Sie jemals welche daheim, auf Papier in einer Schublade oder in einem Bankschließfach, vielleicht sogar im Bücherregal zwischen die Seiten ihres Lieblingsbuches geklemmt?“

Jakob stutzte und schaute dem jungen Mann gegenüber fragend ins Gesicht.

„Ich glaube nicht.“

„Und Ihre Mutter? Vielleicht Ihr Großvater?“

„Ich habe wirklich keine Ahnung.“, gab Jakob achselzuckend zu.

„Verstehen Sie worauf ich hinaus will, Herr Droste?“, war die nächste Frage des Firmenchefs.

„Durchaus. Es macht keinen Unterschied ob die Waren bzw. die Werte greifbar sind.“

Jakob nickte zustimmend und war gleichzeitig sehr erleichtert, dass Thomas Eigner den Gesprächsfaden aufgenommen hatte.

„Trotzdem, Herr Eigner. Es ist doch ein Unterschied, ob man mit den Werten produzierter Güter handelt oder einer Einheit.“

Der Mann begann sich im Sessel hin und her zu wiegen. Seine Hände ruhten auf den Lehnen, während er über Jakob Droste hinweg sah.

„2027 haben Amerika und China angefangen mit Wasserrechten zu handeln. Zehn Jahre zuvor musste Ihre eigene Branche erfahren, was es heißt einen Artikel zu veröffentlichen und die Rechte darauf zu halten, sie selbst handeln mit Ihrem Wissen. Informationen wurden schon vor Jahrhunderten gehandelt. Insidertipps haben Geld gekostet. Die Menschheitsgeschichte ist gespickt mit delikaten Geschäften. Moralischen und unmoralischen Angeboten. Bereits in den alten Kulturen haben Frauen ihre Körper verkauft, Männer im Übrigen auch. Während der Kolonialzeit haben wir mit Menschenleben gehandelt. Russland hat zwei Drittel des Uralgebirges verkauft und seit Monaten diskutieren die Nationen darüber wie und nach welchem Prinzip die Grundstücksrechte auf Mond und Mars zu vergeben sind. Ende des 20. Jahrhunderts blühte der Handel mit Organen, bis die Reproduktionstechnologie soweit fortgeschritten war, dass man jetzt eine Leber per E-Mail bestellen kann.“, referierte Eigner weiter, während er sich auf dem Schreibtisch abstützte.

„Herr Eigner, Sie sagen es selbst. In all ihren Aufzählungen wird aber mit einem Gut gehandelt oder einer Dienstleistung, auch wenn ich Menschen nur ungern als ein Wirtschaftsgut bezeichne.“

Der Firmeninhaber lachte.

„Also gut, Herr Droste. Ich möchte Ihnen eine andere Frage stellen. Wenn Sie heute die Aktie einer Bank kaufen, welches Wirtschaftsgut erwerben Sie? Kaufen Sie wirklich einen Teil des Unternehmens? Ein Stück des Gebäudes? Erwerben Sie den Tresor, in dem die Goldvorräte lagern?“

„Natürlich nicht.“

Eigner nickte zufrieden.

„Herr Eigner, Sie und Ihr Unternehmen. Sie handeln mit Zeit. Das ist durchaus ein Unterschied.“, merkte Jakob an. Sie saßen bereits eine Weile zusammen und der Tee wurde kalt.

„Wo es Nachfrage und Bedarf gibt, wird es auch immer ein Angebot geben und zwar solange, wie unsere Wirtschaft funktioniert.“

„Da möchte ich gar nicht widersprechen.“

„Sehen Sie, das Prinzip war ein Einfaches. Irgend ein Unternehmer ist vor über 100 Jahren auf die glorreiche Idee gekommen, seinen Mitarbeitern anstatt Geld Zeit zu geben. Damals nannte man es noch Arbeitszeitkonto. Mitarbeiter sammelten damals Überstunden an, um früher in Rente gehen zu können. Sie arbeiteten quasi nicht mehr für Geld, sondern für Zeit und zwar Ihre eigene Lebenszeit, denn das ist die Frage, die Sie mir sicherlich als nächstes stellen werden.“

Jakob nahm einen großen Schluck Tee und nickte, sodass Eigner mit der Geschichte fortfuhr.

„Als die Unternehmen durch die erste Krise Anfang des 21. Jahrhunderts selbst in finanzielle Schwierigkeiten kamen, suchten sie nach Geldwerten in den einzelnen Firmen. Es dauerte eine Weile, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt oder durch den doofen Einfall eines Wirtschaftsprüfers wurde man auf die Arbeitszeitkonten aufmerksam. Der Rest ist Mathematik, wie Sie sich denken können. Wie viel ist die Arbeitszeit eines Angestellten wert und zwar heute und in zehn Jahren, wenn er befördert wird oder nur die normalen Gehaltserhöhungen bekommt. War einmal der Wert geschätzt, so hing auch ein Preis an dem Arbeitszeitkonto und Dinge die einen Preis haben, den fehlt nur selten ein Händler.“

Jakob begann zu begreifen.

„Es war eine Art Kapitalbeschaffung der Unternehmen selbst…“, begann er.

Wieder einmal musste Eigner lachen und er tippt mit dem Kugelschreiber auf seinen Schreibtisch.

„Genau das ist der Punkt, Herr Droste. Es musste sich nur noch jemand finden, der mit diesem Wert in irgend einer Form etwas anfangen konnte. Der Gedanke meines Vaters war folgender, was dem einen recht, ist dem anderen billig. Er kaufte also die Arbeitszeitkonten eines großen IT-Unternehmens auf, zu einem damals hohen Preis. Doch in all ihrem Kalkül haben die Consultants und Rechenkünstler der Unternehmen eins vergessen…“

„..den Wert für den Angestellten selbst.“, vollendete Jakob den Satz.

„Das zum einen, aber auch für andere Firmen. Ich brauche nicht weiter zu erklären, dass die Mehrheit der Angestellten einen Vorteil in diesem Vorgehen sahen. Höhere Abfindungen, bessere Altersvorsorge, Spekulationsgewinne und das Übliche halt. Geld oder Zeit, das war ab diesem Zeitpunkt die Frage.“, brachte Eigner seine Ausführung zu Ende.

„Gut, aber wie ging es weiter?“, wollte Jakob wissen.

„Gleiches Prinzip, nur für die Gegenwart. Jeder Angestellte konnte nun ausrechnen, was sein Marktwert war und damit seine Arbeitskraft auf den Tag und die Stunde herunter gebrochen. Die ersten fingen an mit Ihrem Urlaub zu spekulieren. Es gab Anfragen zu 10 Tagen, 20 Tagen bis hin zum gesamten Jahresurlaub.“

Jakob runzelte die Stirn.

„Also spekulierten die einen auf eine bessere Marktsituation in 12 Monaten, verkauften ihre Urlaubstage, als Anlage, um dann anstatt z.B. 30 Tagen nur 15 für das gleiche Geld arbeiten zu müssen.“, mittlerweile sprach der Journalist mehr mit sich selbst, als seinem Gegenüber.

„So die Idee.“, bestätigte Eigner.

Beide Männer schauten sich an.

„Ich danke Ihnen vielmals für die Antworten und die Zeit, die Sie sich hierfür genommen haben, Herr Eigner.“

„Es war mir ein Vergnügen.“

Jakob Droste stoppte den Livestream über sein Netbook, das auf dem Schreibtisch stand. Die Männer standen auf und verabschiedeten sich.

„Darf ich eine letzte Frage stellen, Herr Eigner?“

Jakob konnte sich diese eine Sache nicht verkneifen.

„Nur zu!“

„Was sind die besten Deals in dieser Branche?“

Der Manager schaute kurz zu Boden, bevor er antwortete.

„Die besten Deals sind immer noch die, bei denen die Angestellten ihren klaren Menschenverstand einsetzen und anstatt der Gelder ihre verdiente Zeit einfordern.“


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Steindrachen

Jun
29

Kasimir

Draussen im Garten schläft ein Drache. Direkt unterm Lavendelstrauch hat er sich zusammen gerollt, die Schnauze auf den Pranken liegend.


Sein Name ist Kasimir und er gehört zur Gattung der Steindrachen.


Steindrachen schlafen den ganzen Tag und lassen sich die Sonne auf die Schuppen scheinen. Das hat seinen Zweck, denn nur mit der Hitze und dem Licht der Sonne können diese Drachen in der Nacht Feuer speien.


Wenn es dunkel wird und sie sich unbeobachtet fühlen, stehen sie vorsichtig und sehr langsam auf. Oft hört man ein ganz leises Knistern und Splittern, so als würden sich kleine Steinchen von einem Felsen lösen. In Wirklichkeit sind es die Schuppen, die kaum hörbare Geräusche machen, wenn Kasimir aufwacht und sich streckt. Meistens schlägt er einige Male träge mit den Flügeln, bevor er sich in die Nacht aufmacht.


Pünktlich zum ersten Sonnenstrahl nimmt er seinen Schlafplatz ein. Was er wohl die ganze Nacht treibt? Ich sollte ihn einmal fragen.


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Blicke

Jul
05

Die Fußgängerzone war übersät mit Menschen an diesem Samstagvormittag. Das schöne Wetter schien die Kauflust der Leute geweckt zu haben. Auch die der beiden jungen Frauen, die sich aufgeregt unterhielten, während sie versuchten sich einen Weg durch die entgegen kommenden Menschen zu bahnen.

So schenkten sie auch der alten Frau keine Beachtung, die sich langsam durch das Gedränge bewegte, obwohl ihre Erscheinung deutlich aus der Menge hervorstach. Ein runzeliges, braungebranntes Gesicht. Die schwarzen Haare mit weißen Strähnen zu einem Dutt zusammengebunden. Der lange, bunte Rock und das ebenso farbenreiche Tuch um ihre Schultern machten sie völliger, als sie war. Lange, silberne Ohrringe mit Perlen und unzählige Ketten ließen die Alte wie einen Fremdkörper in der Innenstadt wirken. An ihrer Seite ein junges Mädchen, vielleicht acht, höchstens zehn Jahre alt, in einem abgetragenen Kleid mit leicht zerzausten Haaren. Zigeuner.

Ins Gespräch vertieft und lachend schoben sich Patricia und Jessica weiter Richtung Schlossplatz durch Grüppchen aus Jugendlichen, wichen Kinderwagen aus und überholten Paare. Fast unbemerkt und wie durch Zufall kreuzte die Alte mit dem Mädchen den Weg der jungen Frauen, sodass Patricia stehen bleiben musste, damit sie die Alte nicht überrannte.

„Entschuldigung“, sagte sie höflich lächelnd zur Alten und wollte weiter, ihrer Freundin bereits zugewandt, als die Alte sie am Arm festhielt.

„Junge Frau, ich sehe in Ihrer Zukunft große Veränderung. Lassen Sie mich aus ihrer Hand lesen. Unheil kann man abwenden.“

Die Stimme der Alten klang rauchig und tief. Die Aussprache zeugte von fremder Herkunft. Vielleicht Rumänien.

Patricia drehte sich verdutzt der Frau zu.

„Was?“, brachte sie erstaunt hervor.

„Komm, lass und weiter gehen, Pat. Die erzählt Dir nur, dass etwas Furchtbares passieren wird und dann will sie Geld“, meinte Jessica und wollte weiterlaufen, doch Patricia blieb beharrlich stehen, genau wie die Alte.

Die Zigeunerin griff nach der Hand der jungen Frau und schaute zu ihr hoch. Sie war um einiges kleiner. Die Blicke trafen aufeinander. Braune Augen der Alten und die blaugrünen der jungen. Sekunden vergingen.

Starr, kalt und klar.

Schweigen.

Nur langsam neigte sich der Kopf von Patricia, während sie sich mit ihrem Gesicht den Augen der Alten näherte. Ihre Augen schienen den Anblick der Frau zu mustern, doch sie ruhten die ganze Zeit in ihren. Diese hingegen riss merklich mehr und mehr die Augen auf, sodass das Weiß einen starken Kontrast zum Braun der Pupille bildete.

Jessica wurde unruhig.

„Los, Pat. Lass die Alte. Gehen wir weiter!“

Doch die junge Frau schien wie ausgewechselt und stierte der Alten ins Gesicht, die zunehmend unruhiger wurde und langsam, kaum merklich, begann den Kopf zu schütteln. Das kleine Mädchen hielt sich am Rock der Alten und vergrub das Gesicht im Stoff.

„Nama, Nama“, nörgelte sie, während sie am Rock zog.

Die Stimme der Kleinen klang verängstigt. Sie wollte weiter.

„Patricia, was ist denn los? Komm jetzt.“

Auch Jessica gefiel die Situation nicht mehr, denn beide Frauen standen sich wie versteinert gegenüber und ließen nicht voneinander ab. Die eine lächelnd, die andere immer mehr eingeschüchtert.

Patricia reagierte nicht auf ihre Freundin. Ihre Blicke blieben in den Augen der Alten und sie wiegte ihren Kopf leicht hin und her. Ihre Hand hatte die der Alten gepackt und drückte vorsichtig zu.

Die Alte wollte sich befreien, doch Patricias Griff wurde stärker und ein bedrohliches Grinsen, welches Jessica noch nie an ihrer Freundin gesehen hatte, erschien auf ihrem Gesicht.

Patricia wandte sich kurz der Freundin zu, lachte und war wieder mit dem Blick bei der Alten, die nun mit der anderen Hand versuchte sich zu befreien, doch konnte sie dem Blick Patricias nicht widerstehen und blickte in eiskalte funkelnde Augen.

Jessica stockte der Atem, als sie plötzlich die Stimme ihrer besten Freundin hörte, die nun zu der Alten sprach. Patricia schien zu flüstern, doch sie hörte die Worte der Freundin so deutlich, als würden deren Lippen an ihrem Ohr sein. Die Stimme war tief, gefühllos und unverständlich alt.

„Was willst du junges Ding mir erzählen, was ich nicht bereits seit Langem weiß?“

Das Kind neben der Alten begann zu weinen.

Patricia ließ langsam von der Frau ab. Diese begann sofort in einer für Jessica unverständlichen Sprache zu reden und machte seltsame Gesten, die eine Mischung aus Bekreuzigung und Fächeln waren. Dann verbeugt sich die Alte vor Patricia, packte das Kind bei der Hand und zog es mit sich in die Menschenmenge.

Lachend wandet sich Patricia ihrer Freundin zu.

„So, der habe ich nun ordentlich Angst gemacht. So ein Scheiß mit dem Wahrsagen.“

Die Stimme war wieder recht hoch, leicht schrill und voller Leben.

„Du hast nicht nur der Alten Angst gemacht, Pat!“, entgegnete Jessica ein wenig verwirrt und als sie ihrer Freundin in die Augen schaute, glaubte sie ein silbernes Funkeln zu sehen.


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Der Anfang – Teil 2

Apr
19

Abrupt blieb Christopher stehen. Er war also noch da!
„Dafür, dass du mich seit Jahren suchst, gibst du dich aber recht schnell geschlagen!“, die Stimme kam näher.
Christopher wusste nicht, was er tun sollte. Er hatte Angst erneut eine voreilige Antwort zu geben. Wie viele Versuche würde der Meister ihm wohl noch geben? Mit dem Rücken an die Säule gelehnt stand er da und starrte in das Schwarz der Kirche, in dem nur nochdas Ewige Licht einen Orientierungspunkt bot. Nach Minuten des Schweigens nahm Christopher seinen Mut zusammen.
„Ich weiß, dass da mehr ist. Ich weiß, dass die Welt mehr ist als das, was man täglich sieht! Es ist nicht nur das Leben und das Sterben und die Zeit dazwischen.“
„Was du nicht sagst. Da scheinst du ja mehr zu wissen als ich!“ Das Flüstern, das nun an sein rechtes Ohr gedrungen war, hinterließ einen Schmerz in seinem Kopf. Er stand direkt neben ihm und seine Anwesenheit war doch nicht wahrzunehmen. Völlig irritiert machte Christopher einen Schritt nach links um Abstand zu gewinnen.
„Ich weiß es nicht, aber ich glaube daran und du bist der Beweis!“ setzte Christopher erneut an.
„Was beweise ich denn?“
„Dass es eben doch mehr gibt als die Menschen.“
„Es wird immer besser. Ich bin also kein Mensch. Dann doch ein Monster oder ein Dämon?!“
„Nein. Ich meine, vielleicht! Nein, ich weiß es nicht! Ich weiß gar nichts!“ Christopher rutschte an der Säule hinab in die Hocke. Er hatte wieder mal nur dummes Zeug geredet.
„Schau an, schau an! Die erste weise Einsicht in dieser Nacht. Zumindest scheinst du kein vollkommener Dummkopf zu sein!“
„Es tut mir leid!“
„Und die zweite folgt so gleich. Ich staune!“
„Bitte schick mich nicht fort. Ich werde alles tun, was du sagst. Ich werde dein fleißigster Schüler. Ich werde dein loyalster Diener und dein bester Krieger.“
Christophers Worte verklangen im Kirchenschiff. Die einkehrende Lautlosigkeit ließ ihn aufs Neue bange werden. Ohne Vorwarnung packten ihn zwei Hände von hinten am Hals und rissen ihn in die Höhe, sodass das Gewicht seines Körpers den Kopf, über dem Griff, nach hinten fahren ließ. Er spürte seine Wirbelsäule, wie sie sich in seinem Inneren bog. Er wollte schreien, aber aus dem offenen Mund drang kein Ton. Er wurde in die Luft geschleudert und versuchte mit beiden Händen den Griff um seinen Hals zu lockern, der ihm die Luft nahm. Wild mit den Beinen strampelnd versuchte er wieder seinen Rücken in eine normale Position zu bringen, wobei die jetzige ihn immer noch ins Hohlkreuz zwang. Vergeblich! Todesangst ergriff ihn und die Tatsache, dass er in der Luft schwebte, nahm er nicht wahr. Die Schmerzen an der Kehle raubten alle anderen Gedanken. Er hatte das Gefühl, sein Kehlkopf würde jeden Moment zerquetscht und mit einem Mal wurden seine Arme taub und fielen an den Körper. Die Augen weit aufgerissen starrte er in die Dunkelheit. Ein brennender Schmerz durchfuhr seine Eingeweide und er verlor das Bewusstsein.

Als er wieder zu sich kam, lag er auf den Stufen zum Altar. Er hatte keine Ahnung wie lange er ohnmächtig gewesen war, aber die Finsternis der Kirche ließ ihn erahnen, dass die Nacht noch nicht vorbei war. Stechender Schmerz ließ ihn zusammenzucken, als er versuchte zu schlucken und ein kurzer Schrei entfuhr ihm, dem erneut Schmerz folgte.
„Nun, wie hat Dir die Vorstellung gefallen?“ Die Stimme war ganz nahe und als Christopher seinen Blick nach oben richtete konnte er die Umrisse des Mannes, auf dem Altar sitzend, sehen. Drei Kerzen brannten auf dem Altar. Im Hintergrund konnte man die schwachen Farben der Ikonen erkennen. Sie schienen im tanzenden Schein der Flammen zu weinen.
„Bin ich nun einer….?“
„Nein. Bei weitem nicht. Nicht mal ein ganz kleines bisschen!“
„Aber,…“
„Das war nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was sein wird, wenn du immer noch das sein willst, was du sein willst!“ Der Mann stand vom Altar auf und kam zu Christopher. Mit einem Griff an die Kehle stellte er den jungen Mann wieder auf die Beine. Dieser unterdrückte den Schmerzensschrei. Er hatte das Gefühl, eine heiße Eisenstange hätte seinen Hals durchbohrt. Tränen schossen in seine Augen wie Wasserfälle und der Magen wollte seinen Inhalt loswerden.
Nach Luft ringend ging Christopher in die Knie. Mit beiden Händen versuchte er seinen Hals abzutasten um zu schauen, ob da eine klaffende Wunde war, die diese Schmerzen verursachte. Er konnte nichts fühlen.
„Bitte! Ich will es immer noch!“, brachte er mit letzter Kraft heraus.
Eine Hand packte seine Haare und drückte sein Gesicht gegen seinen Brustkorb. Er bekam fast keine Luft mehr. Die Kniescheiben schienen ihm zu brechen, denn ein schweres Gewicht fuhr auf seinen Rücken herab. Er versuchte zu schreien. Die Augen weit aufgerissen konnte er nur die tanzenden Schatten der Kerzen auf dem Steinboden sehen. Von Panik ergriffen versuchte er sich aufzurichten, doch diese Bewegung wurde durch einen härteren Druck auf seinen Rücken bestraft. Die Flammen der Kerzen begangen einen unheimlichen Tanz. Christopher hörte nichts, seine eigenen Atemgeräusche, die mal röchelnd und mal winselnd seinen Mund verließen. Eine andere Hand riss seinen Mantelkragen ab und er spürte die kalte Luft des Raumes in seinem Nacken. Die Haare stellten sich sofort auf und machten die glatte Haut zu Schmirgelpapier. Christopher wollte schreien. Die Schmerzen im Rücken ließen ihn fast wahnsinnig werden. Er versuchte den Kopf zu heben, aber auch dieser Versuch wurde durch eine unmenschliche Kraft vereitelt und stattdessen die Wirbel seines Nackens überspannt, sodass sein Kinn in seinem Brustkorb eindrang. Nun konnte er nicht mehr schreien, auch wenn die Haut am Nacken zum Zerreißen gespannt war. Das Blut schien sich im Kopf zu stauen und er wollte nur noch, dass es endlich vorbei war. Wann kam der erlösende Augenblick, an dem er wieder das Bewusstsein verlor? Der Augenblick wollte nicht kommen, stattdessen zogen sich die Sekunden wie eine Ewigkeit dahin, als plötzlich eiskalte Spitzen in seinen Nacken drangen und die Wirbelsäule von beiden Seiten zu umschließen schienen. Er spürte wie seine Körpersäfte aus seinem Leib gezogen wurden und mit ihnen seine Lebenskraft. Seine Glieder wurden schwer. So schnell wie sie gekommen waren, wurden die Spitzen aus seinem Fleisch gezogen und der Kopf nach hinten gerissen. Christopher schrie auf vor Entsetzen, als er auf den Altar starrte. Der Raum war hell erleuchtet und die Flammen der Kerzen rot.
„Aus meinem Blute sollst du hervorgehen!
Deine Körperhülle wird nie vergehen!
Deine Seele wird nun mein!
Von meiner Sippe sollst Du sein!
Das ewige Leben sei nun Dein!
So wolltest Du’s!
So soll’s nun sein!“
Die Stimme des Meisters verklang und mit ihr verschwanden die Griffe an Christophers Körper. Das Gewicht am Rücken ebenfalls. Christopher fiel vorne über und übergab sich. Er schien alles Leben auszukotzen. Magensäure und Blut mischten sich vor ihm und Krämpfe schüttelten seinen Körper. Unbekannte Kälte kroch in seine Blutbahnen. Er wollte weinen, aber es ging nicht. Er wollte schreien, aber jedes Mal wenn er den Mund öffnete, kam erneut ein Schwall Blut und Magensäfte aus seinem Inneren und flutete die Treppen des Altars. Die Kerzen erloschen und Christopher fiel in die Lache seiner Körpersäfte.
Aus dem Dunklen der Kirche tauchten zwei Gestalten auf. Sie traten rechts und links neben den leblosen und verdreckten Körper vor dem Altar und brachen bei seinem Anblick in Gelächter aus. Nach einer Weile nahm jeder einen von Christophers Armen und so zogen sie ihn erst auf die Beine und dann mit sich in die Höhe um den Dom durch den Glockenturm zu verlassen.


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