Kurze Philosophie

Ein Dialog

Okt
09


„Gehe jetzt nicht!“

„Ich muss gehen und ich werde gehen.“

„Nein, verlasse mich nicht. Ich weiß nicht, was ohne dich wird. Doch, eigentlich weiß ich es ganz genau. Sie werden sterben und zwar alle und mit ihnen sterbe ich. Nicht wirklich, aber doch irgendwie.“

„Du wirst nicht sterben, auch nicht ein Teil von dir. Es wird sich lediglich etwas ändern.“

„Nein, du irrst. Ich bitte dich zu bleiben. Du bist meine treibende Kraft, sonst ist da nicht mehr viel.“

„Warum glaubst du, dass ich irre?“

„Wenn du gehst, dann habe ich nichts mehr, an dem ich festhalten kann. Keine Vorstellung von dem, was sein könnte und vielleicht sein wird. Du bist diejenige, die mich nachdenken und träumen lässt. Mir ein Ziel gibt, auf das ich zuarbeiten kann.“

„Ich?“

„Ja, nur du.“

„Und du bist sicher, dass du mich nicht verwechselst, mit einem Traum, einer Illusion oder schlichtweg Phantasie?“

„Nein.“

„Die Fakten und Tatsachen sprechen gegen dich und damit gegen mich. Es gibt keinen Grund, warum ich noch hier sein sollte. Bin überflüssig geworden. Es geht auch ohne mich.“

„Es sind genau die gleichen Fakten, die dein Dasein definieren. Sie sind es, warum ich dich brauche.“

„Vielleicht brauchst du mich nur als Vorwand. Damit es weitergehen kann, so wie es momentan ist. Damit es nicht endgültig ist. Wenn eine Entscheidung getroffen ist, wird nach mir keiner mehr fragen und du am wenigsten. Wirst du dann dastehen und sagen – Dich habe ich niemals und zu keinem Zeitpunkt aufgegeben? – oder eher – Es war mit dir doch alles umsonst?“

„Du bist grausam!“

„Nein, du machst mich grausam für dich selbst.“

„Das ist nicht wahr!“

„Doch, in gewisser Weise schon. Ich habe keine Macht über die Dinge, die passieren. Nicht die geringste. Ich kann sie weder vorantreiben, noch kann ich sie stoppen. Du verwechselst mich mit dem eigenen Willen, schiebst mich vor, um eine Entscheidung nicht treffen zu müssen und versuchst diese auf was abzuwälzen? Die Zeit?“

„Das reicht jetzt!“

„Nein, tut es nicht. Es ist ein Warten. Es ist immer warten. Ihr wartet und lasst mich mitwarten. Du auch. Das ist kein Vorwurf, verstehe mich nicht falsch. Es ist einfach so. Ihr wartet immer. Mal auf ein Wunder, ein Zeichen, sogar auf besseres Wetter.“

„Du vergleichst meine Situation mit dem Wetter?“

„Ich vergleiche das Prinzip mit dem Wetter!“

„Wenn das so ist, dann schere dich doch einfach zum Teufel!“

„Schon wieder?“

„Du findest das komisch?!“

„Irgendwie schon, ja.“

„Es ist einfach hoffnungslos. Lasse es gut sein. Ich komme auch ohne dich klar. Los, verschwinde. Will mich nicht auch noch mit dir auseinander setzen müssen, bei all den anderen Sachen, die anscheinend auch ohne dich früher oder später passieren werden oder auch nicht.“

„Dann scheinst du also doch kein hoffnungsloser Fall zu sein. Einsicht ist der erste Weg zu…“

„Halt doch einfach die Klappe!“

„Ich bin dann mal weg.“

„Hoffentlich bald!“

„Ja, schon gut. Bis zum nächsten Mal. Und denke immer daran: Nie die Hoffnung verlieren!“

Sie ging lachend davon. Es machte den Eindruck, sie lache einen aus.


(Für D.H. immer wieder eine Inspiration)


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Eingeständnis

Mrz
04

Da bist du nun, in meinen Gedanken. Zauberst mir ein Schmunzeln ins Gesicht und wenn ich die Augen schließe, stehst du vor mir und lachst. Höre deine Stimme, einzelne Sätze, nicht im Zusammenhang, völlig losgelöst. Fordere nichts und kriege zuviel. Einfach nur da sein reicht. Fühle dich am richtigen Fleck, auch wenn du nicht hier bist und sage laut und deutlich wie es ist, nur für mich, denn du weißt es sowieso und das schon lange. Warum also aussprechen. Denken tust du das gleiche. Vielleicht, aber nicht immer und das ist es, was dich ausmacht und mich zum lachen und denken bringt, damit du neu erfunden wirst, auch wenn es sich anders wiederholt. Ich bin dir rational haushoch überlegen und unterliege dir leidenschaftlich ohne Ausnahme. Deine bloße Anwesenheit macht mich zum unbesiegten Verlierer auf Platz 1.
Versetzt mich immer wieder in Erstaunen, wie oft man dich neu erfinden kann, ohne dich zu reproduzieren und doch wirst du kopiert, bis ins Unerträgliche.
Renne vor dir davon, um bei dir anzukommen und freue mich auf jeden Abschied der Wiederkehr. Kaum bist du weg, vermisse ich dich nach nur einem Augenschlag.
Ich muss lachen, über dich, ohne dich auszulachen, nur mich selbst.
Und manchmal machst du mich wahnsinnig, fast treibst du mich in ihn selbst. Verfluchen will ich dich dann, aber nicht für die Ewigkeit. Du gehst mir einfach auf die Nerven, raubst meine kostbare Zeit, um sie noch kostbarer zu gestalten.
Setzt mir Flausen in den Kopf, die Berge versetzen, wenn es sein muss und Täler fluten mit Freude. Lässt mich vergessen und erinnern. Weinen will ich über dich, ohne das Lachen zu verlernen.
Bist du die wahre Definition von Glück und Unglück?
So viele haben Visionen von dir, einige ein Leben lang die bloße Illusion.
Wie kann man mit so viel Reichtum armselig wirken und mit deinen Fanfaren glanzvoll untergehen?
Soll ich dir erzählen, wie oft ich mich wegen dir zum Affen gemacht habe und machen werde ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken?
Wie viele haben sich bereits wegen und in dir verloren ohne sich jemals selbst gefunden zu haben? Ich will es gar nicht wissen!
Du bist der beste Stratege und an Erfindungsreichtum und Ideen nicht zu überbieten! Kriege führst du an ohne einen Nutzen daraus zu ziehen. Es ist unglaublich: Wie kann man gleichzeitig soviel schaffen und zerstören?

Ich verstehe dich nicht und jedes Mal, wenn ich denke nur ansatzweise etwas verstanden zu haben, beweist du mir das Gegenteil. Habe mich selten im Leben, wegen dir so unverstanden gefühlt, obgleich ich dich begreife. Habe oft an Dir gezweifelt ohne dich tatsächlich bezweifelt zu haben.
Habe dich nie gefordert, du hast mich herausgefordert, tust es täglich und unermüdlich.
Drängst dich nicht auf, obwohl du dem ein oder anderen aufgedrängt wirst, wobei ich dich verdrängen möchte. Manchmal ungewollt, doch wissentlich.
Jeder fragt nach dir, irgendwann, und es nervt mich keine Antwort zu finden, die Sinn macht, an sich. Du bist Alles und in allem wohl Nichts und davon mehr als genug und dem Ende doch zu wenig. Gebraucht um ausgenutzt zu werden, von allen und jedem. Gegeben, um maßlos genommen zu werden.
Jeder ein Lügner, der dich verleumden kann, dich nicht zu kennen und gelernt zu haben. Gefühlte Armutszeugnisse sind dein persönliches Mitleid, hierzu mein herzliches Beileid. Du bist mir zu hoch, wenn auch nicht hochnäsig.
Geheiligte Hure und verdorbener Prediger zugleich!
Deine Moral ist zuweilen unmoralisch!
An dir ist nichts Schlechtes was nicht Gut sein kann.
Und nun sagen sie zu mir: „Schreibe doch endlich mal eine Liebesgeschichte.“

Ich kann es nicht!


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Schreibe nicht über mich!

Okt
16

„Schreibe nicht über mich, ich mag das gar nicht!“
Er hatte sehr schlechte Laune, redete ziemlich schnell und unruhig. Ihm gefiel die Situation nicht.
„Aber wieso denn nicht? Jeder kennt dich, jeder denkt an dich und jeder weiß, wer du bist.“
Ich tat mein Bestes, um ihn von dem bescheuerten Gedanken abzubringen, diese Geschichte zu löschen. Es erweckte fast den Eindruck, als sei er schüchtern. Seltsam, ich glaube diese Eigenschaft traut ihm kaum einer zu, vor allem wenn man bedenkt, wie er manchmal mit den Menschen umging. Direkt, unverhofft, sadistisch, manchmal nur verachtend.
„Du stellst dich einfach nur an!“, spöttelte ich.
„Mich kennt jede Sau, mich hasst jede Sau und wenn man mich nicht gerade hasst, dann fürchtet man mich!“
Langsam fing er an sauer zu werden und mir wurde mulmig. Ich hatte mir das viel einfacher vorgestellt.
„Die Menschen sind doch alle gleich. Erst wenn es ihnen so richtig dreckig geht, sehnen sie sich nach mir, als sei ich das einzig wahre Glück im Leben. Purer Sarkasmus des Göttlichen! Ironie! Eigentlich Blasphemie.“
Ich schluckte schwer, er fing an mir Angst zu machen.
„Im Mittelalter hätten sie mich für so einen Satz verbrannt. Dummerweise hätten sie mich nicht gekriegt, wäre damals zu beschäftigt gewesen, im Job. Und wenn ich den ein oder anderen besuche, der gerade mitten im Leben steht und anscheinend alles genießt, bin ich wieder der Böse, wenn es mal einen Schlag auf den Hinterkopf gibt. Ihr schimpft das dann immer Schicksal oder Unglück. Dreck!“
Worauf hatte ich mich da eingelassen? Leicht pikiert ließ ich den Stift sinken. Er schien sich gerade selbst in Rage zu reden und ich suchte krampfhaft nach einer Ausrede, um glimpflich aus der Sache raus zu kommen.
„Ja, so ist es nämlich! Das solltest du schreiben und nicht dieses Gefasel über Sein und Nichtsein. Geblubber über Geburt und Reinkarnation. Irgendwelche schwachsinnigen Texte über erfülltes Leben und Leben im Augenblick“, schrie er mir ins Gesicht.
„Hm, okay.“
Das war das einzige, was ich noch raus brachte. Sichtlich eingeschüchtert rutschte ich in meinem Sessel Richtung Boden. So hatte ich mir das alles wirklich nicht vorgestellt. Ich dachte, man könnte das Thema von der positiven Seite beleuchten.
Eine sehr unangenehme Stille machte sich breit.
„Also, ich will das nicht. Schreibe es nicht. Sie werden es nicht lesen, weil sie es nicht wollen. Keiner will es. Wenn ich Du wäre, würde ich es auch nicht wollen, mich mit mir beschäftigen müssen, meine ich.“
Ich war verwirrt.
„Ja, aber…“, versuchte ich ein letztes Mal ein vernünftiges Argument für meinen Text zu finden.
Doch wieder unterbrach er mich.
„Nichts aber! So ist es nun mal. So ist es schon immer gewesen. Es wird sich auch nicht ändern. Mein Job macht mich zu dem was ich bin. Also höre auf damit, hier irgendwas schön zu reden oder schreiben. Es bringt nichts und mir ist das unangenehm. Und um genau zu sein, ist es mir ziemlich peinlich!“
Sein Tonfall hatte sich geändert. Er schien nachdenklicher, was aber an der Bedrohlichkeit nichts änderte, die er seit je her ausstrahlte.
„Was glaubst Du, wie es wäre, wenn ich mir mal erlauben würde so über Euch zu schreiben?“
Ich schwieg verblüfft. Auf so eine Frage war ich nicht vorbereitet. Sie schien mir zu abwegig. Er versuchte doch nicht etwa mich zu überrumpeln? Ein Anflug von Panik machte sich in mir breit. Mit einem tiefen Atemzug rang ich um Fassung. Meine Stimme sollte ruhig klingen.
„Also, ich denke, das wäre sehr interessant.“
Kaum ausgesprochen, bereute ich meine Äußerung.
„Interessant ist einzig und allein die Tatsache, dass ihr Vollidioten auch noch meint mit mir spielen zu müssen oder dürfen und dann darf ich auch noch so einen Scheiß über mich lesen, den eigentlich keiner lesen will. Falls das deine Auffassung von Humor ist. Ich finde es nicht witzig.“
Jetzt war er richtig wütend und machte Anstalten zu gehen. In einem Anflug von Größenwahn wurde ich mutig.
„Wohin gehst Du?“
„Keine Sorge, Kleines. Ich komme wieder. Irgendwann!“
„Wieso soll ich nicht über dich schreiben?“

„Ich bin der Tod!“


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So lernt man sich kennen

Mai
22

Jetzt sitzt du da und erzählst mir, wie interessant ich doch sei. Ich würde dich faszinieren. Ich sei so anders als die anderen. Und die Worte verlassen deinen Mund, schlagen auf in meinem Kopf und mein Gehirn kann sich das Lachen kaum verkneifen.
Was willst du mir damit sagen? Hast gerade an der Oberfläche meines Wissens gekratzt, meine Identität beschnuppert, meinen Worten zugehört, dich über meine Ansichten gewundert. Mehr auch nicht.
Nicht einen Abgrund meiner Seele kennst du. Nicht die kleinen und großen Grausamkeiten, die ich erschaffe und wieder vernichte um nach außen hin den Eindruck von Normalität vorzutäuschen.
So stehst du nun da und bist schockiert über die eine oder andere Überzeugung. Hingerissen von der ein oder anderen Argumentation und fragst mich nach Moral.
Moral?
Ja, wir sind doch alle liebe Menschen. Wissen, was Moral und Ethik sind. Anstand. Gute Erziehung und die korrekte Einstellung. Fleißig, sauber und immer zuvorkommend.
Schön. Ganz schön langweilig.
Weshalb würdest du sonst hier sitzen und so was von dir geben ohne eine Sekunde darüber nachgedacht zu haben, was du sagst.
Ich höre mich lachen und bin doch stumm, lächle dir ins Gesicht.
Willst du in diese Abgründe reisen?
Willst du hinabtauchen und sehen, wie hässlich ich bin?
Glaubst du, du erträgst meine Wahrheit zu hören?
Willst du tatsächlich wissen was ich denke?
Das einzige Interesse, dem du Aufmerksamkeit schenkst, ist der Spiegel, in den du gerade schaust, wenn sich unsere Blicke treffen und das Spiegelbild ist so wunderschön hässlich. Wie beruhigend es scheint, dass man nicht sein Gegenüber ist.
Die Menschen sind so geil. Sie sind geil auf Macht, Geld, Sex und alles, was mit Macht, Geld und Sex zu tun hat. Macht ist Geld und Geld kauft Sex und alles endet in Schmerz. Irgendwie. Einfaches Prinzip.
Nicht du, immer nur die anderen.
Gaffen, nicht schaffen.
Und doch wäre man gern selbst der Spiegel und nicht das Spiegelbild. Lieber Täter als Opfer.
Das arme Opfer, aber wen interessiert schon das Opfer, wenn man Täter ist.
Im Kopf. In den Augen. In der Seele.
So stehst du da und schaust in meine Augen und hoffst, dass keiner erkennt, was du tatsächlich denkst. Verbirgst deine Phantasien unter dem braven Bürger, bist ein funktionierender Teil der Gesellschaft, hoffst sie endlich von meinen Lippen lesen zu können. Die Unmoral.
Lieber du als ich. Ich will es ja nicht, aber erzähle du mir, wie es ist, du zu sein, damit ich weiß, dass es so ist, wie ich es mir vorstelle sein zu können, wenn ich nicht wäre, was ich sein muss, um sein zu können. Ein Feigling. Du bist die Gesellschaft.
Stellst mir Fragen, wie ich nur solche Sachen denken und sagen kann. Es sei grausam und ungerecht. Entspricht nicht der allgemeinen Meinung. Ist nicht gesellschaftsfähig. Anrüchig und primitiv, vielleicht menschenverachtend? Man könne es als pervers bezeichnen.
So sei es denn, wenn du es so willst.
Und es funktioniert.
Sonst würdest du nicht hier sitzen und mir erzählen, wie faszinierend ich sei, wie interessant meine Ansichten doch wären und wie anders meine Meinung.
Und so sitze ich da und lasse dich an der Oberfläche meiner Persönlichkeit kratzen, bis deine Nägel blutig sind und du glaubst, gefunden zu haben, was du glaubst verstehen zu wollen.
Dummdreist sitze ich dir gegenüber und frage mich ernsthaft, ob du mich tatsächlich kennen lernen willst.
„Ich habe schon gestandene Männer zum Weinen gebracht.“ So deine Worte.
Ich muss schmunzeln.


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Dazu!

Mrz
27

Wütend stand er vor dem Spiegel, sah sich selbst in die Augen und je länger er sich selbst betrachtete umso größer wurde die Wut.
Wo zum Teufel ist die Zeit hin?
Die Fragen donnerten durch seinen Kopf, ließen ihn nicht zur Ruhe kommen, zogen Bahnen in seinen Gedanken und egal, worüber er nachdachte, egal, mit welchem Thema er sich beschäftigte, alles lief auf ein und dieselbe Frage hinaus: Wo ist die Zeit hin?
Verloren, vergangen, weg, nicht mehr da, dahin!
Scheiße!
Er musste sich selbst disziplinieren, um nicht durchzudrehen, denn jeder Versuch diese Frage zu beantworten, mündete in der nächsten, die weitaus schlimmer schien als die erste: Wozu?
Wozu das alles?
Nichts gewonnen und auch nichts verloren, auf den ersten Blick zumindest.
Hatte er nicht alles, was er brauchte oder brauchte er so wenig oder ist das, was er brauchte, nicht das was er hatte, doch er hatte alles, wenn er sich umsah. In der Theorie.
Die Theorie versagt an der Praxis, sie scheitert am Leben, am Sein! Alles ist theoretisch möglich, doch ist nicht praktisch, praktikabel, machbar, umsetzbar, realistisch. Lebbar.
Kann man etwas analysieren, wenn es eigentlich nicht zu analysieren ist? Kann man das Leben rational erklären? Gibt es eine Logik im Handeln eines Menschen? Lassen sich Emotionen mathematisch darstellen? Kann man einen Beweis für das Dasein führen?
Eindeutige Lösungen, nein eineindeutig.
Eine Lösung.
Und dann?
Ein Ergebnis mit dem man nichts anfängt, aber ein Ergebnis. Welch glorreiche Errungenschaft des Denkens!
WOZU?
Seine Blicke schweifen über seine Besitztümer, sein Eigentum und er sieht nichts als Objekte der Vergänglichkeit. Nützlich, hübsch und wertvoll. Absolut wertlos, beim näheren hinsehen.
Objekte des Neides anderer Personen, die gerne hätten, was sie nicht haben, nur um zu besitzen, damit sie eine Definition ihrer selbst finden in einem Raum aus Käuflichem.
Er muss lachen. Es ist lächerlich.
„Sie haben keine Ahnung, was sie mir neiden! Sie wissen nichts! Laufen nahezu abstrusen Zielen hinterher, deren Bedeutung ihnen selbst manchmal nicht klar ist. Welch Primitivität, je länger man darüber nachdenkt. Aber sie laufen!“
Sie laufen ohne zu denken, sie tun ohne sich darum zu scheren was sein wird, Konsequenz als Fremdwort, nein als Unwort. Die große Unbekannte. Streich die verschissene Variable aus der Gleichung und so wird halt aus 1x = 1 dann ist 1 = 1 und wenn nicht, dann ist x = 1. Wen kümmert es schon und welche Bedeutung hat schon x! Zwei Striche.
Wo ist sie hin?
Kann man Zeit damit verbringen über die Berechtigung einer Variablen in einer Gleichung nachzudenken? Hat sie eine Daseinsberechtigung und wenn ja, welche?
Zeitverschwendung, wenn man am Ende feststellt, dass die Gleichung keinerlei Relevanz hatte. Gleichung gelöst und das Ergebnis ist eindeutig nichts sagend, unwichtig, uninteressant, gefällt nicht. Aber gelöst. Wie beruhigend. Ende.
Wozu?
War da nicht noch etwas? Eine Ungereimtheit, etwas übersehen vielleicht. Nein, nichts. Rational betrachtet Nichts. Trotzdem ist Nichts etwas oder nicht? Wenn aber Nichts ist, dann muss zwangsläufig etwas da gewesen sein, das zu Nichts werden konnte, aber wann ist das passiert und wieso? Was will man denn mit Nichts, wenn man scheinbar alles hat? Nichts! Nichts zu haben, nichts zu brauchen, nichts zu wollen, nichts zu wünschen, nicht zu fühlen, nicht zu sein!
Verfluchte Scheiße, wo ist sie hin?
Macht es Sinn etwas zu verstehen, zu erklären, was man nicht ist nur um zu wissen? Ein nutzloses Wissen, wenn es keine Anwendung findet. Im ersten Moment.
Wozu?
Einer Erkenntnis reicher zu sein ist Reichtum, ist Erfahrung, ist der Beweis gelebt zu haben ohne Bewertung des Lebens selbst.
Genau hierzu!
Da ist sie hin!
Einen Verlust verspürt man doch erst dann, wenn man zuvor etwas besessen hat. Besitz verpflichtet und Verpflichtungen schränken ein und Einschränkungen hindern einen, sie beschränken, Beschränkungen bedeuten Verzicht!
„Wo ist sie hin?“ ist die falsche Frage!
Auf was hast du verzichtet?
Auf was hast du die ganze Zeit verzichtet und wozu?
Mit einem Schmunzeln griff er zu Autoschlüssel und Geldbeutel. Jetzt!

(für C.H.)


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