Lesen und Schreiben

Seltsame Fragen

Apr
30

Beantworten wir nicht täglich eine Menge von Fragen? Oft sind es ziemlich belanglose, z.B. „Schmeckts?“, „Was hörst du da?“ oder „Wie ist das Wetter bei Euch?“. Von Zeit zu Zeit müssen wir uns allerdings auch Fragen stellen, die unser Leben stark verändern oder uns völlig aus der Bahn werfen, denn nur die wenigsten müssen eine Antwort auf „Willst du mich heiraten?“ mehr als einmal geben und noch viel weniger eine auf „Sollen die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt werden?“. Sicherlich, die zwei letzten Fragen sind nicht einfach zu beantworten und schon gar nicht voreilig. Auch wenn man bei diesen Entscheidungen lange überlegen muss, findet man letzten Endes gezwungenermaßen eine Antwort, außer der Lauf der Dinge kommt einem zuvor.

In einer aufgeklärten Zeit, in der man Gelegenheit zum Nachdenken und fast uneingeschränkten Zugang zu Informationsquellen hat, sind Fragen nach dem Sinn und Leben fast zur Routine geworden. Reizvoll also, wenn man über eine wie diese stolpert: Gibt es einen größeren Irrtum als die Annahme, die Erde sei eine Scheibe? So gelesen in einem Artikel auf SPIEGEL online. Da muss man schon eine ordentliche Erklärung parat haben, wenn einem undurchdachten Ja/Nein als schnelle Antwort, eine weitere Frage folgt.

Wir schmettern den Fragenden ein überzeugendes „Nein!“ entgegen

Der Fragende schmunzelt nur und seine prompte Frage lautet: „So? Wir sind also allein im Universum? Es gibt einen Gott? Wir finden die Formel für das ewige Leben?“

An dieser Stelle lassen sich unzählige ähnlicher Fragen anführen und alle laufen nur auf die Tatsache hinaus, dass wir viele Dinge noch nicht oder nie werden beweisen und damit beantworten werden können. Der Glaube, die Erde sei eine Scheibe hat aber eine ganze Zeitlang das Denken und Handeln der Menschheit bestimmt. Erst als ein Beweis diese Vorstellung widerlegen konnte, wusste man, dass man sich geirrt hatte. Eine weitreichende Erkenntnis, nicht nur für die damalige Zeit. Denn schließlich waren zu der Zeit Leben, Gesellschaft, Religion und Politik auf ein bestimmtes Weltbild ausgelegt und bestimmten selbst die Wissenschaft. Man kann also mit Recht behaupten, dass diese Annahme die größte der Menschheit ist. Man konnte sie zumindest widerlegen. Doch was war mit der Erkenntnis, dass nicht Gott die Menschen erschaffen hat und schon gar nicht die Frau aus der Rippe eines Mannes, sondern wir allesamt von den Affen abstammen bzw. dieselben Vorfahren haben? Jetzt kann man sich herrlich streiten und weitere von der Wissenschaft aufgedeckt Irrtümer aufführen, die den Verlauf und die Entwicklung der Menschheit gravierend verändert haben.

Beantworten wir diese Frage mit einem beherzten „Ja!“

Welchen größeren Irrtum gibt es also, ist wohl die logische Frage, die unserer Antwort folgen wird. Die Bejahung scheint auf den ersten Blick wesentlich einleuchtender, als das Abstreiten. Doch was macht uns in diesem Fall so sicher? Wären die Menschen damals nicht los gesegelt, um zu schauen, was dort hinten an der Kante des Meeres ist, würden wir dann immer noch denken die Erde sei eine Scheibe? Vielleicht aber wären wir heute die Meinung, sie sei ein Würfel oder sogar ein Schiff, mit dem wir durch das Weltall fahren.

Zielt diese Frage also gar nicht auf den Beweis, sondern auf die Vorstellung ab? Sie ist nicht umsonst in der Gegenwartsform formuliert. Es wird heute keiner mehr bestreiten wollen, dass die Erde keine Scheibe ist. Was also ist der größst anzunehmende Irrtum unserer Zeit? Erst vor kurzem mussten die Wissenschaftler feststellen, dass der Weltraum immer schneller, anstatt langsamer, wie bisher angenommen, expandiert. Wir wissen immer noch nicht, was die Antimaterie ist. Hat Einstein Recht mit seiner These, dass die Lichtgeschwindigkeit die höchste ist, die jemals erreicht werden kann?

Wir wissen es nicht. Erst wenn wir an einem Tatbestand zweifeln können, hat unsere Vorstellung die Chance, einen Irrtum zu erkennen. Das allerdings ist der erste Schritt.


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Wie rechnen neobooks.com?

Apr
19

Ich habe mich tatsächlich bei neobooks angemeldet. Nicht um meine Geschichten und Gedichte zu publizieren, da bin ich überzeugter amazoniger KDPler. Eigentlich wollte ich mich nur etwas auf der Plattform umschauen und den Vertriebsvertrag studieren, als mir Folgendes ins Auge sprang:

neobooks screen autorenprov

Hm, seltsam. Wie kann es sein, dass neobooks.com seinen Autoren mehr Honorar zahlen kann, als amazon? Subventionieren die etwa den Verkauf über amazon? Was aber sollte ihnen das bringen?

Dann aber las ich den Absatz nochmal.

Ich erhalte als Autor 70% des Nettovertragserlöses. Würde also amazon für einen Verkaufspreis von 1,99 EUR tatsächlich 70% Tantiemen zahlen, was sie nicht tun, dann würde ich nicht die 1,17 EUR erhalten (70% aus den Nettoverkaufspreis, der bei 19% MwSt. auf E-Books bei 1,67 EUR liegt) sondern lediglich 0,78 EUR. Das sind aber weit weniger als die 70% aus dem Nettoverkaufspreis, aber es geht ja auch um den Nettovertragserlös. Wo ist also die Differenz von 0,39 EUR?

Nachdem ich mich spaßeshalber mal bei neobooks.com registriert habe, um einen Blick in den Vertriebsvertrag zu werfen, denn ohne Account-Erstellung ist der Download eines Mustervertrags nicht möglich, war mir klar, dass amazon.de bei weitem nicht die schlechtesten sind. neobooks.com zahlt erst ein Guthaben von 50 EUR aus. Bevor das nicht erreicht ist, erfolgt keine Auszahlung sondern lediglich ein Übertrag auf den nächsten Monat. Alles fein säuberlich in den AGBs nachzulesen.

Wer allerdings des Rätsels Lösung auf die ominösen 0,78 EUR hat und mir auch erklären kann, wie was wann wo berechnet wird und wann man bei amazon.de 70% Tantiemen bei einem Verkaufspreis von 1,99 EUR erhält, der ist angehalten mir zu schreiben. Bitte lasst mich nicht dumm sterben. Ich werde Euch auf ewig dankbar sein.


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Von amazon abhängig

Apr
07

Wir lassen uns gerne begeistern und faszinieren. Sehen wir die Chance, unser Leben zu verbessern oder bequemer zu machen, dann ergreifen wir sie und denken nicht gleich über alle Konsequenzen nach. Unser Konsum, der Wunsch nach Besitz, Unterhaltung, Statussymbolen und Anerkennung schaffen die Nachfrage zu den heutigen Angeboten.

Immer wenn ein Unternehmen besonders stark wird, sind Kritiker nicht weit. Und dann kommt ein altbekannter Vorwurf, der nicht selten eine Tatsache ist: Abhängigkeit. Nicht zu Unrecht. Heute sind wir abhängig von einer Suchmaschine, unserem Smartphone, Auto, sozialen Netzwerken und wahrscheinlich von vielen anderen Dingen.

Mit dem Selfpublishing-System KDP ist amazon ein großer Coup gelungen. Endlich können Autoren ohne einen Verlag ihre Werke publizieren und zugleich einem großen Käuferpublikum präsentieren. Im Grunde genommen der Traum eines jeden Handwerkers, der seine Waren selbst an den Mann bringen muss.

Je mehr das Unternehmen seine Vormachtstellung in diesem Segment ebooks weiter ausbaut und festigt, umso öfter hört man lauter werdende Warnungen, zuweilen sogar Kritik. Zuerst sei es die Abhängigkeit, schon bald würde die Diktatur folgen. Die Argumentation ist so simpel, wie einleuchtend: Mit dem geschlossenen System des Kindles und dem eigenen ebook-Format zwingt amazon seine Kunden ihre eBooks ausschließlich über die eigene Plattform zu kaufen. Zeitgleich bindet das Unternehmen die Autoren und kann die Preise und das Erscheinen bzw. Nichterscheinen der Bücher diktieren.

Man will nicht widersprechen. Bereits jetzt diktiert amazon indirekt die ebook-Preise. Wer 70% Tantiemen haben möchte, muss seine Werke im Rahmen eines gewissen Preisspektrums anbieten. Wer drunter oder drüber liegt, erhält lediglich 35%. Das Argument, dass das Unternehmen jederzeit die Konditionen anpassen kann und zwar zu Ungunsten der Selfpublisher ist nachvollziehbar. Lösen wir uns einmal vom Geld und betrachten die Sache einmal aus kaufmännischer Sicht.

  1. Warum sollte ich mein Produkt nicht mehr über diejenige Plattform anbieten, die die meisten Käufer und Interessenten erreicht?
  2. Warum sollte ich meine Werke nicht über ein Unternehmen vertreiben, dessen System dem Kunden den einfachen und schnellen Kauf und die Funktionalität gewährleistet?
  3. Welchen guten Grund gibt es, letztendlich über Dienstleister (epubli, neobooks, xinxii) zu gehen?

Bisher konnte mir keiner diese drei Fragen plausibel beantworten. In Bezug auf die Veröffentlichung und damit die Auswahl der Bücher konnte mir keiner erklären, wo der Unterschied zu Verlagen ist. Sicherlich, die Indie Autoren sind von amazon abhängig, aber diese Abhängigkeit ist unwahrscheinlich bequem.


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E-Reader und Bücher im schnellen Wandel

Mrz
10

Vor einem guten Jahr habe ich einen kleinen Artikel zum Thema „Bücher gestern und heute“ geschrieben. Seit dieser kurzen Zeit hat sich im Bereich E-Books einiges getan, besonders im Hinblick auf die E-Reader. Die Entwicklung dieser Geräte ist rasant. Noch vor drei Jahren wäre den meisten Kobo, E-Pub und Kindle oder mobi kein Begriff, wahrscheinlich wären die Oberbegriffe E-Reader und E-Book nicht sehr bekannt. Doch in den vergangenen Monaten ist so viel passiert, dass man sich nur wundern kann.

Alte Geheimnisse auf Kindle FireAus den Medien, der Werbung und aus den Berichten anderer E-Bookleser erfährt man eine ganze Menge. Wie die neuen E-Reader funktionieren, welche Formate sie darstellen können und welche Zusatzfunktionen angeboten werden. Doch wenn man das eigene Buch einmal auf einem ca. 1,5 Jahre alten Gerät sieht und dann auf einem neuen, staunt man schon nicht schlecht. So zumindest ist es mir mit dem Kindle Fire ergangen, als ich das erste Mal bei meiner Mutter die Gelegenheit hatte, das Cover von Drachenfeuerjagd – Alte Geheimnisse auf dem bunten Display zu sehen. Was für ein Unterschied zu den anderen E-Readern, die die Cover und eingebundenen Bilder nur Schwarz-Weiß darstellen können! Wahnsinn!

Drachenfeuerjagd Kindle

Das Tempo in dem die E-Reader entwickelt und auf den Markt gebracht werden ist rasant. Zwar unterscheiden sich die meisten Modelle noch weitestgehend von Tablets, aber die Grenzen verschwimmen immer mehr. Das hat deutliche Auswirkungen auf das Leseverhalten der Kunden. Wenn ich die Chance habe, etwas Online zu kaufen, zu kommentieren, mit jemandem die eigene Meinung direkt zu teilen ohne das Endgerät wechseln zu müssen (z.B. von E-Reader auf Notebook), dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich es auch tue. Für Verlage und Indieautoren bieten sich somit zahlreiche neue Möglichkeiten, aber auch Gefahren. Ein Bestseller oder totaler Verriss wird zu einer Sache von Stunden oder Tagen. Nur eine falsche oder gar keine Reaktion kann die Meinung vieler Leser und potentieller Käufer beeinflussen.

Unabhängig von einem guten Inhalt, wird es immer wichtiger, dass das Cover interessant und von guter Qualität ist, damit es auf den Endgeräten ordentlich dargestellt wird. Sowohl unabhängige Autoren als auch Verlage müssen schnell und gezielt auf Meinungen und Kommentare der Leser reagieren. Werbeaktionen im Internet sind mittlerweile genauso wichtig wie die alten Mittel à la Flyer, um die Werbetrommel zu schwingen. In immer kürzerer Zeit sind neue Vermarktungsstrategien zu entwickeln. Für alle Beteiligten dieser Branche eine große Herausforderung. Doch viel spannender ist die Frage, wie diese Entwicklung wohl weitergeht.

Hier einige Ideen:

  1. Animierte Buchcover, die nicht nur starr ein Bild anzeigen, sondern eine kleine Animation darstellen. Vielleicht sind wir von den Zeitungen, wie sie bei Harry Potter beschreiben werden, gar nicht mehr so weit entfernt.
  2. Animierte Inhalte innerhalb der Bücher oder Filmsequenzen, die ein Kapitel einleiten.
  3. Optionen den weiteren Handlungsverlauf der Geschichte an einigen Stellen frei wählen zu können.
  4. Direkt mit dem Autor zu kommunizieren.
  5. Die Verbindung zwischen Buch und Hörbuch. Wenn man keine Lust mehr hat selbst weiterzulesen, kann man sich das Buch ab einer gewünschten Stelle weiter vorlesen lassen.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, was sich bis nächsten März getan haben wird.


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Genug – erschienen bei koibooks

Mrz
04

Genug
Georg Schneider

Die 28-jährige Anne Czerwinski arbeitet als Angestellte einer großen Versicherung in Frankfurt und ist glücklich verheiratet – jedenfalls war sie das, bis ihr Mann vor drei Jahren arbeitslos wurde. Seither entwickelt sich das Leben zu Hause mehr und mehr zu einem Martyrium: Wird Anne es schaffen, einen Ausweg aus der eskalierenden Gewalt zu finden?

Erzählt wird die dramatische Geschichte von Anne, die zusehen muss, wie die Arbeitslosigkeit und der Alkohol aus ihrem geliebten Mann ein Monster macht, der sich letzten Endes an der eigenen Frau gewaltsam auslebt.

Die Kurzgeschichte behandelt ein aktuelles Thema und einen Fall, der sich überall in der Nachbarschaft oder im Bekanntenkreis ereignen kann. Arbeitslosigkeit, Gewalt in der Ehe und Hilflosigkeit sind Basis für eine teilweise brutale Handlung, die sehr kurz, aber prägnant daherkommt. Ohne große Umschweife treibt Schneider die Geschichte voran, wobei die Szenen der Gewalt durch den Ehemann besonders geschildert sind und ein beklemmendes Gefühl hinterlassen.

Eigene Meinung

Etwas zu kurz geratenes Drama mit dem Schwerpunkt auf einem besonders brutalen Ende. Die Charaktere bedienen Klischees, was kein Kritikpunkt sein soll. Manchmal wünscht man sich ein bisschen mehr Beschreibung, etwas Detail. Sehr schnell weiß man als Leser, worauf die Situationen hinauslaufen werden, zudem wird dem Ende zu Beginn vorgegriffen.

Handwerklich ist die Geschichte allerdings hervorragend gestaltet. Weder an Orthographie noch am Schreibstil gibt es etwas auszusetzen. Die Sprache ist klar und angenehm. Eine Kurzgeschichte für zwischendurch, die sich als ebook schön lesen lässt, als Abwechslung zu den vielen Happyends.

 

koibooks.de

Ich bedanke mich vielmals bei koibooks für dieses interessante Rezensionsexemplar. Auf koibooks.de kann die Geschichte ebenfalls als Hörbuch heruntergeladen werden. Mit vielen Leistungen zum Korrektorat, Lektorat, Covergestaltung und Hörbucherstellung bietet koibooks unbekannten und jungen Autoren professionelle Unterstützung bei der Publikation und Vermarktung. Ein Konzept, das gerade im Bereich Hörbuch für viele Indieautoren interessant sein kann.


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