Mittelalter

Bücher gestern und heute

Jan
20

Vor ca. 700 Jahren gehörte man bereits zu den sehr Wohlhabenden und Gebildeten, wenn man einige Bücher besaß. Wobei bereits drei bis vier als einige bezeichnet werden können. Nicht selten wurden Bücher genau so gehütet wie Gold und andere Schätze. Von Generation zu Generation vererbt und in Kriegen versteckt.
Kein Wunder. Zu dieser Zeit wurden die meisten Bücher tatsächlich noch von Hand abgeschrieben und mit aufwendigen Malereien verziert. Wer also ein oder mehrere Exemplare besaß, wusste genau, dass einige Menschen viele Stunden Arbeit damit verbracht hatten, es herzustellen.

Mit Gutenberg wurde eine neue Ära eingeläutet. Mit ihm wurden Berufe wie Papierer, Buchdrucker und Buchbinder zum gefragten Handwerk. Denn plötzlich wurden Bücher für die breite Masse erschwinglich und herstellbar. Kaum zu glauben, dass damals die Bücher noch per Hand und mit heute primitiv wirkenden Werkzeugen hergestellt und gebunden wurden.

Karfunkel 95

Einen wunderschönen Artikel zu genau diesem Thema findet man im Karfunkel Nr. 95. Zwar ist Hauptthema die Familie im Mittelalter, aber auf fünf Seiten ist eine tolle und bebilderte Anleitung zum Nachbau einer Heftlade aus der damaligen Zeit abgedruckt. Nicht nur für Mittelalter-Fans interessant.

Heute kaufen wir mit wenigen Mouse-Klicks ganze Bücher in wenigen Sekunden, die über WLAN auf kleine portable Geräte geladen werden. Diese Geräte fassen den Inhalt ganzer Regale und wiegen selbst teils weniger als ein Taschebuch. Wir tragen ganze Lastwagen an Lesestoff in unseren Taschen durch die Innenstädte und haben 50 Kg Bücher im Handgepäck, wenn wir in Urlaub fliegen. Luxus ist heute der neuste E-Reader nicht das Buch.
Zum Erstellen eines Buches braucht man heute nur noch einen Rechner und etwas Zeit. Die einfache Vervielfältigung wird mittlerweile mehr Fluch als Segen, denn Inhalte sind schnell und meist einfach kopiert.

Jetzt sprechen wir darüber, wie lange es noch das gedruckte Buch geben wird. Wie sich Verlage positionieren können und wollen. Spekulieren darüber, ob unsere Kinder noch lange schwere Schulbücher schleppen müssen.

Im Grunde genommen sind wir wieder in einer Art Gutenberg-Ära. Werden sich Kinder bald eher an ihren ersten E-Reader erinnern, anstatt das erste Buch? Wird es weiterhin Buch heißen? Wird in Zukunft das gedruckte Buch wieder Luxus, weil es in der Herstellung immer teurer wird durch sinkende Nachfrage? Wie werden wir wohl in 200 Jahren lesen?


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Schwein gehabt! Redewendungen des Mittelalters

Aug
20

Schwein gehabt
Gerhard Wagner

Viele werfen die Flinte ins Korn, weil sie bei Redewendungen mit ihrem Latein am Ende sind. Es geht ja auch auf keine Kuhhaut, wie viele Menschen alte Redensarten nicht mehr verstehen und von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, weil ihnen diese Ausdrücke spanisch vorkommen. Aber anstatt dazustehen wie die Ölgötzen, sollten sie lieber diese Scharte auswetzen. Denn wenn sie alles auf die lange Bank schieben, können sie nur Maulaffen feilhalten.

In diesem Buch wird keinem ein X für ein U vorgemacht. Die Herkunft von 200 Redewendungen wird erklärt, ob tatsächlich oder nur scheinbar aus dem Mittelalter…

Auf 120 Seiten finden sich Redewendungen und Sprüche, die ihren Ursprung größtenteils im Mittelalter haben, sortiert nach ihrer Entstehungsgeschichte. In sechs Kapiteln geht vom „Ritterlichen“ bis hin zum „Öffentlichen“. Wagner hat hierbei eine bunte Mischung der wohl bekanntesten Redensarten zusammen getragen, die jeder von uns entweder aus dem Alltag kennt oder zumindest bereits einmal gehört oder gelesen hat.

Besonders interessant sind die Erklärungen von Sprüchen, bei denen man denkt, die Herkunft leicht ableiten zu können, da es sich scheinbar um Redewendungen aus einem Berufsbild oder Sachverhalt handelt. So sind einige durch die Veränderung der Worte entstanden, wie z.B. „Hals und Beinbruch“.

Das kann kein Schwein lesen

Ebenso finden sich Beispiele für früher positiv belegte Sprichwörter, die heute nur noch im negativen genutzt oder auch falsch geschrieben werden und damit den Sinn völlig verfremden. Das wohl bekannteste Beispiel ist wohl „Wer zuerst kommt, malt zuerst.“, hier wird sehr gerne das „h“ bei „mahlt“ vergessen oder fälschlicherweise weggelassen und der Sinn verändert sich. Selbst Redewendungen, die wesentlich jünger sind, aber trotzdem dem Mittelalter zugeschrieben werden, sind in diesem Buch zu finden.

Erstaunlich wie viel in unserem sprachlichen Alltag von damals noch übrig geblieben ist. Wie lange es sich wohl halten wird?

Ein sehr schönes Buch mit ausgewählten Illustrationen und Bildern, die zu den Redewendungen passen. Wirklich hilfreich auch das Stichwortverzeichnis am Schluss. Durch die Aufmachung eignet sich das Buch hervorragend als Geschenk für Sprachliebhaber und Mittelalterfans.

ISBN 978-3-939722-31-1


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Die ältesten Gebäude Stuttgarts

Apr
11

Die ältesten Gebäude Stuttgarts

Vor einigen Wochen kam ein interessanter Bericht in der Stuttgarter Zeitung. Mit Stuttgart21 wird sich in der Innenstadt einiges ändern. Anscheinend hat die Zeitung dies zum Anlass genommen mal die ältesten Gebäude der Innenstadt zu zeigen.

Mich persönlich hat das sehr gefreut, denn ausgerechnet ein Bild der Stadt aus dem Jahr 1592 ist abgedruckt worden (siehe unten). Die Geschichte der Stadt zu recherchieren ist gar nicht so leicht und jeder kleine Bericht zu den Anfangsjahren ist hilfreich. Liegt wohl daran, dass die Stuttgarter mit ihrer Stadturkunde doch ein klitzekleines Problem haben…

Stuttgart 1592

Stuttgart 1592 - Bildquelle Stuttgarter Zeitung März 2010

Wen es mal nach Stuttgart verschlägt, der sollte einen Blick auf Silke Amos – Kulturführungen werfen.

Geschichte
Hospitalkirche (1)
Die einzige Kirche in Stuttgart, an die ein Dominikanerkloster angeschlossen war. Im Übrigen das erste und einzige Kloster in ganz Stuttgart.

Zwischen 1471 bis 1493 erbaut, wurde die Hospitalkirche im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Erst in den 50er Jahren wurden Turm und Chor wieder errichtet.

Stiftskirche (2)
Siehe Stiftskirche
Fruchtkasten (3)
Der Fruchtkasten wird das erste Mal 1393 erwähnt. Das Gebäude liegt gegenüber der alten Kanzlei am Schillerplatz, gleich neben der Stiftskirche. Es diente als Zehntscheune, Kornspeicher und wahrscheinlich auch als Kelter.
Alte Kanzlei (4)
Erst 1542 wird dieses Gebäude unter Herzog Ulrich errichtet. Es trennt den heutigen Schillerplatz vom Schlossplatz (neues Schloss).

Ebenfalls noch übrig geblieben ist der Kanzleibogen, um den sich die Geschichte der weißen Frau rankt.

Der Turm an der Seite des Gebäudes entstand erst im Jahr 1598, der vergoldete Merkur ist noch wesentlich jünger, er stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Altes Schloss (5)
Die ersten Mauern stammen wohl aus dem 13. Jahrhundert. Als im 14. Jahrhundert die Grafen ihren Hauptsitz von Rotenburg nach Stuttgart verlegten, wurde der Bau erweitert. Die Dürnitz entstand. Im Laufe der Zeit wurde das Schloss ausgebaut. Es liegt am Schillerplatz zwischen Stiftskirche und der Alten Kanzlei.
Leonhardskirche (6)
Auch die zweitälteste Kirche Stuttgarts wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und in den 50ern neu errichtet.

Im Jahr 1337 entsteht die Feldkapelle Sankt Leonhard, die erst 1408 (Turmbau) und 1463 (Schiff) zur Kirche erweitert wird.

Hier liegt der Humanist Johannes Reuchlin begraben.

Schellenturm (7)
Der Kastkellereiturm ist fast der letzte Rest der Stuttgarter Stadtmauer. Ansonsten ist von dieser so gut wie nichts mehr übrig. Nur Straßenverläufe geben noch Anhalt darüber, wie die früheren Mauern verlaufen sind.

Der Turm wurde im Jahr 1564 erbaut.

Der Name Schellenturm stammt aus dem 19. Jahrhundert. Damals wurden Gefangene in ihm untergebracht. Diese mussten Schellen und Glöckchen an ihren Hosen tragen, damit man sie bei öffentlichen Arbeiten gleich erkannte.


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Zeitliche Einteilung

Nov
07

Das Mittelalter wird eigentlich in drei Abschnitte unterteilt:

476 n. Chr. bis ca. 900 n. Chr.

Frühes Mittelalter

  • Nach dem Ende des Weströmischen Reiches.

  • Zeit der Merowinger und Karolinger

900 n. Chr. bis ca. 1250 n. Chr.

Hochmittelalter

  • mit Heinrich I. und Otto d. Großen

  • den Staufern (Barbarossa)

  • Blütezeit der Ritter

  • Kreuzzüge

Ab 1250 bis 1519 n. Chr. Spätmittelalter

  • Zeit der Kurfürsten
  • Die Pest
  • Der hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England
1347 bis 1353 Der Schwarze Tod

  • Die Pest kommt nach Europa
1450 bis 1750 n. Chr. Bis Neuzeit

  • Hexenverfolgung durch die Kirche in Mitteleuropa
  • Besonders im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648)


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Die Stiftskirche in Stuttgart

Nov
07

Stiftskirche Stuttgart

Daten Geschichte
10. oder 11. Jahrhundert Bis vor einiger Zeit hatte man angenommen, dass Stuttgart im Mittelalter wirklich nichts weiter war als ein Pferdedorf, das nach und nach zu einer Stadt wurde. Es war daher auch nicht sehr wahrscheinlich, das in der heutigen Innenstadt größere Bauten, geschweige denn Kirchen entstanden.Heute jedoch weisen Funde im Altarbereich darauf hin, dass bereits um das 11. Jahrhundert die erste Kirche dort stand, wo heute die Stiftskirche zwischen Marktplatz und Karlsplatz steht.

In der damaligen Zeit handelte es sich wohl um einen einschiffigen frühromanischen Kirchebau.

1240 Als das benachbarte alte Schloss in Stuttgart entsteht, wird auch die kleine Dorfkirche erweitert. Erst unter Graf Ulrich dem I., auch „der Stifter“ und „mit dem Daumen“ (er hatte einen auffällig großen Daumen an der rechten Hand) genannt, wächst Stuttgart zu einer Stadt.Der einschiffige Bau wird zu einer dreischiffigen Kirche erweitert. Es wurden zwei Türme vorgesehen, doch leider nur einer gebaut, der heutige Südturm. Vom Nordturm gibt es lediglich ein angefangenes Fundament.
1285 Aus diesem Jahr stammt die älteste Glocke der Stiftskirche, die heute wieder im Südturm hängt. Sie kann nur per Hand geläutet werden und erklingt zu besonderen Anlässen.Der Gießer ist unbekannt.

Die Torglocke (auch Angelus- bzw. Betglocke genannt) ist eine der ältesten Glocken Deutschlands.

Um 1320 Die Stuttgarter Kirche wird durch das päpstliche Dekret zur Stiftskirche erhoben. Mittlerweile herrscht Graf Eberhard der Erlauchte von Wirtemberg über Stuttgart.Letztendlich stirbt Graf Eberhard der Erlauchte im Jahre 1325 und wird in der Stiftskirche begraben.
1327 bis 1347 Auf Grund der großen Anzahl an Priestern, Chorherren und Vikaren wird der Chor vergrößert. Er ist heute noch in seiner ursprünglichen Form erhalten.
1380 Der Südturm erhält sein 4. Geschoss.Um diese Zeit erhält die Stiftskirche wohl auch ihre erste Orgel, die von Mailand nach Deutschland gebracht wird. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch der Lettner.
Um 1400 Das 5. Geschoss des Südturms wird errichtet.
Ab 1436 In dieser Zeit entsteht der heutige Westturm und damit der vorläufig Abschluss beim Bau der Stiftskirche. Mehr als der Turm ist kaum erhalten.Zur damaligen Zeit herrscht Graf Ulrich der V., der auch zum ersten mal eine Steuer erhebt, um die Bauten an den Kirchen zu finanzieren, denn gleichzeitig lässt er auch die Leonhardskirche und die Hospitalkirche bauen.

In dieser Zeit gibt es einen unterirdischen Gang zwischen dem alten Schloss und der Stiftskirche. Er führt in die Sakristei. Leider wurde dieser Gang unter Graf Eberhard „im Bart“ wieder abgebrochen.

Neun Altäre im Inneren der Kirche wurden in diesen Jahren geweiht.

1463 bis 1446 Der Südturm erhält sein 6. Geschoss.
1480 bis 1482 Die Stiftskirche erhält eine neue Uhr.
1490 bis 1531 Der große Westturm wird errichtet, der Baumeister ist Marx. Danach gelangen auf Grund der Reformation die Bauten ins Stocken. Es fehlen Steuern und Spenden, um weitere Bauvorhaben voran zu treiben.Aus dieser Zeit stammt auch das Aposteltor, von dem nicht mehr alle Figuren erhalten sind.

Im Kirchenschiff befindet sich das Wappen des Erbauers, Aberlin Jörg, sowie die Garbinschrift von Hermann von Sachsenheim, der als letzter Minnesänger 1458 starb.


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