Archive for the ‘Rain’ Category

Rammstein Interpretationen – Ich tu Dir weh

Mai
21

Vorneweg

Deutsches Grundgesetz I. Grundrechte– Artikel 5:

(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Ganz klar, dieser Text hat seinen Reiz. Aus einem einfachen Grund, dem Index! Diese zweite Interpretation habe ich so gut wie fertig gehabt, als mir plötzlich mehr als nur ein Gedanke durch den Kopf ging. Zuerst ging es nur um Provokation, dann Erklärungen, am Schluss wahrscheinlich Feigheit. Vielleicht ist dieser Eintrag eine Mischung aus allem. Wer den Songtext vollständig lesen möchte soll googlen. Er ist kinderleicht ihn zu finden und damit ein herzliches Willkommen in Absurdistan.

Der Text ist eindeutig und dieser Index ist in der heutigen Zeit purer Hohn, denn Google macht es möglich und zwar mit einer einfachen Suche, von Youtube ganz zu schweigen. Es wäre noch nicht mal mehr provokant hier den gesamten Songtext zu posten, auf ein Youtube-Video zu verweisen und und und…

Bedarf es bei diesem Songtext wirklich einer Interpretation und wenn ja, welcher? Des Inhalts oder der Gesellschaft? Beider?

Ich tu Dir weh

(Till Lindemann – Rammstein – Album Liebe ist für alle da)


Bei dir hab ich die Wahl der Qual

Und sei es nur einmal verbal.“

Wünsch’ dir was ich sag’ nicht nein

So willst Du es, so soll es sein.“

Du bist das Schiff ich der Kapitän

Wohin soll denn die Reise gehn’

Blind genug, um weg zu sehen.“

Schlau genug, um zu verstehen.“

Ich seh’ im Spiegel dein Gesicht

Du liebst mich denn ich lieb’ dich nicht

Bist du es oder bist dus nicht?“

Die einen fragt man, andre nicht!“

Nur für mich bist du am Leben

Jeder ist sich selbst der Nächste. Ein Anspruch auf das Tun, das gewünscht wird. Eigentum ist Macht.

Du blutest für mein Seelenheil

Hier könnte man auch den Satz „Jedem das Seine“ einfügen. Wer herrschen will, herrscht und wer beherrscht werden will, der wird beherrscht.

*hier steht ein Stück Wahrheit*

Der Reiz ist für jeden ein anderer. In dem Fall für einige nicht nachvollziehbar. Als Stichwort möchte man „Ritzen“ nennen, wenn auch in diesem Zusammenhang wahrscheinlich unpassend. Das Ziel ist aber identisch: Fühlen.

Der Körper schon total *ein Stück Wahrheit*

Entbehrt jeder Interpretation.

Egal – erlaubt ist was gefällt

Gleiches gilt für diese Zeile und vielleicht ist sie diejenige, die diesen Text so erschreckend ehrlich macht.

Wünsch’ dir was ich sag’ nicht nein

Alles beruht auf freiwilliger Basis. Das macht es zu dem, was es ist. Freiwillig und gewollt.

Keiner rümpft die Nase, wenn ein anderer den Wunsch äußert schön, reich und stark zu sein. Mittlerweile ist der Wunsch nach ewiger Jugend und Unsterblichkeit alltäglich.

Und *auch hier soll ein Stück Wahrheit sein*

Das Handeln einzelner wird nicht zwingend von der Mehrheit anerkannt und ist von dieser nachvollziehbar, d.h. noch lange nicht, das es nicht existent ist.

Fazit (ein Erstes):

rammstein liebe ist fuer alle da

Dieser Songtext ist definitiv provokant. Nicht des Inhalts wegen, sondern aufgrund der Tabus, die er anspricht. Betrachtet man ihn objektiv, ist er es nicht mehr. Denn er beschreibt einen Teil des Alltäglichen, der uns allen meistens verborgen bleibt. Wir lesen darüber heimlich in Büchern, Zeitungen und Internet. Sind Voyeure in den Nischen und schämen uns das Hinschauen zuzugeben und doch tun wir es, auch wenn es bei der Mehrzahl beim Hinschauen und -hören bleibt. Man möchte es eigentlich nicht wissen, doch die Neugier siegt, verbündet sich mit dem Gaffertum, nur um hinterher behaupten zu können, dass man sich geekelt hat und andere Perverse und Kranke sind. Befriedigung hinterher ist das “Mit auf dem Finger auf andere zeigen”-Können. Wir gaffen täglich am Fernseher das Unglück  eines Unbekannten an, auf der Autobahn den Unfall und wenn nebenan der Notarzt hält. Selbst wenn der Priester im Dorf zuschlägt, wird man nach Jahren sagen, dass er ansonsten ein so netter und warmherziger Mensch war. Wir betrachten nicht, wir urteilen der Masse nach.

Eigene Meinung:

Manche sind sich der dunklen Seiten ihrer Seele bewußt, andere starren in die Tiefen derer, die hinabsteigen. Geschwiegen wird, wo der Mut zur Wahrheit fehlt und für manchen scheint es besser, dass die Wahrheit nicht zu offensichtlich ist. Solange Einigkeit herrscht, sollte nicht geurteilt werden. Kinder sind zu schützen, aber viel wichtiger ist es, sie frühzeitig zu lehren, sich selbst zu schützen. Verbote sind verführerischer als Gebote. War es jemals anders?

Der Text ist nicht das Problem, das Problem ist, falls es eins gibt, was wir daraus machen.

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Rammstein Interpretationen – Mann gegen Mann

Mai
01



Nachdem auf Affenknecht nachgelesen werden kann, dass Till Lindemann sich der Chiffrelyrik bedient, man in diesem Gott verdammten Internet kein wirklich ordentliches Beispiel für diese Form findet, ich ein ausgesprochener Fan von Lindemanns Lyrik und Songtexten bin, treibt es einen quasi zwingend in den Selbstversuch.

Wikipedia und andere Quellen beschreiben Chiffren in der Lyrik als verschlüsselte Worte in Texten, die in sich eine andere oft komplexe Bedeutung bergen. So bleibt die tatsächliche Aussage nur Eingeweihten vorbehalten. Über Interpretationen Außenstehender kann entweder geschmunzelt oder gestaunt werden.

Ein nicht unbekannter Philosoph machte eine Bemerkung zu Dichtern und denjenigen, die die Werke derer interpretieren, die sie schrieben. Er sprach den Interpretierenden wesentlich mehr Wissen über die Werke zu, als den Verfassern. Ob das nun Sokrates oder Platon war, weiss ich nicht mehr. Wahrscheinlich war es Nietzsche.

Auf der Suche nach den Chiffren…

Mann gegen Mann

(Till Lindemann – Rammstein – Album Rosenrot)

Das Schicksal hat mich angelacht

Annährend ähnliche Formulierungen findet man in vielen Werken. „Ein Hauch Schicksal“, „Das Schicksal herausfordern“, „Das ist Dein Schicksal“. Es geht um das Akzeptieren seiner selbst, so wie man ist. Eine positive Formulierung.

Und mir ein Geschenk gemacht

Positive Formulierung des Seins, wie es ist.

Warf mich auf einen warmen Stern

Hier kann man viele Punkte anführen. Stern als Synonym für eine doch sehr verschworene eigene Gesellschaft, eine andere Welt, die für sich existiert. “Warm” als Anspielung auf “warmer Bruder”, kann, muss aber nicht.

Der Haut so nah dem Auge fern

Der Unterschied äußert sich in Gefühlen und Zuneigung, nicht im Aussehen. Denn letztendlich liegt der Unterschied nicht in der Optik.

Ich nehm mein Schicksal in die Hand

Klare Doppeldeutigkeit. Hat sowohl Gültigkeit für das eigene Leben als solches (Beruf, Karriere, Privatleben), als auch das Intime seiner selbst und anderer.

Mein Verlangen ist bemannt

Klare Formulierung, aber ein sehr schönes Wortspiel: Verlangen nach dem Mann.

Wo das süße Wasser stirbt

Weil es sich im Salz verdirbt

Erster Chiffrenverdacht!

Diese zwei Zeilen sind wirklich nicht einfach. Süßes Wasser kann an vielen Stellen „sterben“. Flüsse münden in das Meer, das Untergehen in der Masse? Das Salz als Synonym für den „giftigen“ Aspekt in einer „reinen“ Gesellschaft des Normalen? Süßes und salziges Wasser mischt sich nicht in ruhenden Gewässern. Vermischen sich die Gesellschaften nicht? Gibt es nur gewisse Berührigungspunkte, bei denen das Eine ins Andere übergeht und doch zu dem Einen, dem Wasser wird? Wasser sieht man nicht an ob es süß oder salzig ist, erst wenn man es kostet…

Trag ich den kleinen Prinz im Sinn

Schönes Wortspiel bezogen auf ein Märchen gekoppelt an das eigene Geschlecht. Nicht anrüchig, eher niedlich.

Ein König ohne Königin

Der Herrscher über sich selbst und sein Geschlecht, das andere ist überflüssig.

Wenn sich an mir ein Weib verirrt

Klare Aussage.

Dann ist die helle Welt verwirrt

Die „helle“ Welt kann man als die der „Heteros“, aber genauso gut als die der „Homos“ ansehen. Rein gesellschaftlich betrachtet macht es keinen Unterschied, denn letztendlich finden sich überall welche, die lächeln oder sich pickieren.

Mann gegen Mann

Hier könnte genau so gut „Frau gegen Frau“ oder „Mensch gegen Mensch“ stehen.

Der Geschlechterkampf schlechthin, „Mann gegen Frau. Ich gegen Dich. Ich gegen mich.“ Und wer ist schon ich?

Meine Haut gehört den Herren

Na, wem denn sonst? Man ist doch selbst “ein”er und auch sein Eigener. Hoffentlich.

Mann gegen Mann

Gleich und gleich gesellt sich gern

Wer möchte da widersprechen?

Mann gegen Mann

Ich bin der Diener zweier Herren

Wieder eine Zweideutigkeit, die man aber definitiv nicht als Chiffren auslegen kann. Es ist ein geschicktes Wortspiel. Diene dir selbst und deinem besten Stück. Diene dir und dem, den du am meisten liebst.

Mann gegen Mann

Gleich und gleich gesellt sich gern

Ich bin die Ecke aller Räume

Zweiter Chiffrenverdacht!

Hier kann man folgende Interpretation anbringen: Die Ecken sind die Aussenseiter des Ganzen, so fühlt es sich immer an, als sei man die Ecke der Gesellschaft, die das Ganze an sich abgrenzt, um überhaupt zu sein. Die Extremen der bunten Mischung eines klar eingegrenzten Seins. Dazugehörig, aber doch immer am Rande.

Oder doch was ganz anderes?!

Ich bin der Schatten aller Bäume

Dritter Chriffrenverdacht!

Möchte man den Baum als Phalussymbol betrachten, dann ist der Baum das simpelste, das sich in der Natur findet. Der Schatten an sich, steht immer hinter einem selbst und jeder hat einen.

In meiner Kette fehlt kein Glied

Wenn die Lust von hinten zieht

DAS ist auf jeden Fall alles, aber garantiert kein Chiffre. Es ist ein wunderschönes Wortspiel. Sehr gelungen in seiner anmutigen Zweideutigkeit. Die Kette als Symbol eines geschlossenen Kreiese. Das schwächste Glied ein Teil davon. Jeder gehört dazu und keiner verschmäht Schmuck und die Lust an sich, womit auch immer er sich schmücken mag. “Erlaubt ist, was gefällt.”

Mein Geschlecht schimpft mich Verräter

Hier geht es um die klassische Rolle des Mannes, als Mann, Vater, Versorger und Zeuger. Mit “mein Geschlecht” ist das “normale” Männliche gemeint.

Ich bin der Alptraum aller Väter

Nun, auch diese Zeile entbehrt der Interpretation. Wobei man sich nicht mehr sicher sich sein kann. Will ein homosexuelles Paar zwingend ein homosexuelles Kind und welchen Wunsch verspüren die Großeltern? Man darf ruhig zweifeln. Die Meinungen sind interessant.

Mann gegen Mann

Meine Haut gehört den Herren

Mann gegen Mann

Gleich und gleich gesellt sich gern

Mann gegen Mann

Doch friert mein Herz an manchen Tagen

Zweifel an sich selbst. Vorwürfe und Angst vor der Einsamkeit. Vielleicht auch das Isoliertsein vor dem Coming-Out. Vorurteile der Masse, Liebeskummer (was allerdings geschlechtsneutral ist).

Mann gegen Mann

Kalte Zungen die da schlagen

Hier geht es um die üble Nachrede. Familie, Verwandschaft, Nachbarn und scheinbare Freunde.

Schwuler

Mich interessiert kein Gleichgewicht

Anspielung auf Ying und Yang, das Gleichgewicht beider Geschlechter? Geschlechterkampf schlechthin? Wer oder was ist denn im Gleichgewicht, wenn jede Art des Zusammenlebens Kompromisse birgt?

Das Gleichgewicht der Gesellschaft als solche. Wo bin ich? Wo ist mein Platz? Was bin ich? Wo darf ich sein? Wo will ich sein?

Mir scheint die Sonne ins Gesicht

Anstatt Ying und Yang wird die Sonne als Zentrum herangezogen. Sie ist und bleibt ein und der wichtigste Teil. Das Zentrum. Wir sind alle gleich. Alles dreht sich um die Sonne. Jedem scheint sie ins Gesicht. Der Unterschied beruht woanders, nicht im Sein als solches. Vielleicht weit hergeholt, aber erklärend.

Doch friert mein Herz an manchen Tagen

Kalte Zungen die da schlagen

Schwuler

Mann gegen Mann gegen Mann

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