Archive for the ‘Belletristik’ Category

Die Nachtgänger

Sep
01

Die Nachtgänger

Ivo Stourton

Die Nachtgänger – das sind vier College-Studenten, die nur ein Lebensziel kennen: grenzenlose Freiheit. Sie fühlen sich unverwundbar. Francis, James, Jessica und Lisa sind intelligent, kreativ, gerissen und haltlos. Nichts finden sie langweiliger als ein arbeitsreiches Studentenleben, und mit dem Geld von Francis‘ Vater kommen sie ohne große Anstrengung durchs Leben. Als dieser seinen Sohn nicht mehr unterstützen will, gerät ihre grenzenlose Freiheit ernsthaft in Gefahr. Da hat Francis eine ebenso geniale wie riskante Idee: Sie tauschen ein wertvolles Gemälde aus dem College gegen eine Kopie und wollen es verkaufen. Die vier stürzen sich in diesen neuen Rausch – doch das Erwachen ist alles andere als harmlos…

Letztendlich geht es bei Stourtons „Die Nachtgänger“ um James. Dieser erzählt die Geschichte seiner Collegezeit. Der Grund hierfür ist das plötzliche Auftauchen von Jessica in seiner Anwaltskanzlei nach ca. zehn Jahren ohne jeglichen Kontakt. Beide fangen an, ihre Erinnerungen an die Studienzeit Revue passieren zu lassen. Zwischen einem Wechesl aus heute und damals erzählt James Jessica seine Erinnerungen an Zeiten, wie sie sich kennen gelernt haben und wie er einer von ihnen wurde. Nein, noch viel mehr: Wie er versucht hat ihnen zu gefallen, wie er von Anfang an dazu gehören wollte, zum elitären Club um Francis, um den es eigentlich in diesem Buch geht. Denn sowohl James, als auch Jessica sind diesem Menschen verfallen gewesen, sind es scheinbar immer noch.

Stourton schreibt diese Geschichte als Ich-Erzähler aus der Sicht von James. Als Leser bekommt man neben der Handlung einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt des Protagonisten, wobei er und die Nachtgänger zum Teil zur absoluten Nebenrolle werden. Denn um das Hobby des Nachts auf Gebäude zu klettern, geht es nur am Rande. Die Erzählung entwickelt sich um die Nebenfigur Francis. Er ist für die Freunde der Mittelpunkt und mehr oder weniger ihr Leben während der Collegezeit.
Neben der etwas klischeehaften Schilderung des englischen Studenten- und Kleinbürgerlebens plätschert die Handlung manchmal ein bisschen vor sich hin. Der Schluss ist allerdings doch sehr interessant, denn hier bekommen James und Jessica die Realität zu spüren. Eine Moral und Botschaft? Ja, die hat Stourton sicherlich in sein Buch gelegt. Sie lautet wohl: Man kann mit jemandem sehr gut befreundet sein und vieles teilen, dies bedeutet aber nicht, dass man ihn auch kennt.


Wer Collegegeschichten mag, wird an diesem Buch seine Freude haben. An dieser Stelle einen lieben Dank an Soleil, von der ich das Buch bekommen habe.

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Die Pestglocke

Jun
25

Die Pestglocke

Patrick Dunne

Die junge Archäologin Illaun Bowe entdeckt auf dem Pestfriedhof eines irischen Städtchens eine lange verschollene Madonna. Sofort beginnt sie, die Wahrheit hinter dem Mythos um die Heilkräfte der Statue zu erforschen. Da erschüttert ein brutaler Ritualmord den Ort. Und damit nicht genug! Offenbar wurde bei ihren Ausgrabungen ein Pesterreger freigesetzt. Nur Illaun erkennt, dass die Todesfälle auf teuflische Weise zusammenhängen – und ein Sterbender prophezeit ihr, dass dies erst der Anfang sei…

Achtung Verriss!

Der Klappentext hat so gut wie gar nichts mit der Handlung zu tun. Die Geschichte geht sehr viel versprechend los, wenn auch anders dargestellt, als auf dem Waschzettel, denn bereits im Prolog wird die Leiche gefunden, die eine Zeit lang eine völlige Nebenrolle spielt. Die Protagonisten ist irgendeine Frau, eine Archäologin, die anscheinend die üblichen Probleme hat. Sie findet die Statue noch nicht mal selbst, sondern ihr Team. Als dann bei dem zufälligen Fund auch noch ein Bleisarg seinen flüssigen Inhalt auf einen Mitarbeiter entleert, denkt man das Buch wird richtig gut. Als auch noch der besagte Mitarbeiter im Krankenhaus an einer Krankheit stirbt, die weder zum Krankheitsbild Pest noch sonst was passt, liest man gerne weiter. Und dann….ja dann…kommt der Anfang vom Ende und das bereits auf Seite 79 von 378!

Plötzlich wird aus dem „Kelten“-Thriller eine Mischung aus Beziehungskrise der verlobten Protagonisten, ein Rassenkonflikt in einem irischen Nest in der Nähe von Dublin aufgrund des Ritualmordes, zu dem, wie sollte es auch anders sein, ein Spezialist aus Südafrika eingeflogen wird UND na, jetzt darf man raten, dieser selbstverständlich Ursache für die Beziehungsprobleme wird. Nebenher beschäftigt sich die Protagonistin selbstverständlich ebenfalls mit der pubertierenden Tochter ihrer besten Freundin, verkuppelt die Freundin mit dem Bullen, der irgendwie in allen Fällen ermittelt und man wird den Eindruck nicht los, dass in diesem Buch sowieso schon jeder mit jedem was hatte oder haben wird. Was das alles mit dem Fund zu tun hat und dem Mord? Gar nichts, ausser dem Südafrikaner, der selbstverständlich Pathologe ist!

Auf Seite 150 weiß man bereits, wer vermutlich der Mörder sein wird und kann erahnen, wer wie mit der Sache im Zusammenhang steht. Der einzig interessante Charakter eines Fremden, der plötzlich in dem unter Quarantäne stehenden Städtchen auftaucht, kommt viel zu kurz und mittendrin liegt auch noch der Vater der guten Illaun, aber auch das nur eine Nebensächlichkeit, die zur Handlung nichts beträgt, genau wie die vielen Charaktere, die in diesem Buch auftauchen, irgendeine völlig belanglose Rolle einnehmen, im Sterben.

Das beste ist aber der Titel des Buches, der ist entweder ein total hirnverbrannter Übersetzungsfehler (öhm ne, ist er nicht, auch der englische Titel macht nicht wirklich Sinn) oder aber so tiefgründig, dass es sich dem Leser nicht wirklich erschließt, was es damit auf sich hat (ausser Lazarus als Schutzpatron). Die Statue, ihr Fund und ihre Geschichte sind eher schmückendes Beiwerk in einer flachen Handlung. Bis Seite 79 wäre es eine wirklich gute Geschichte gewesen und dabei hätte es der Autor auch belassen sollen.

Schlecht, einfach nur schlecht!

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STUTTGART-tierisch gut?

Jun
08

Stuttgart - tierisch gut?

Fünfzig Raps, Geschichten und Gedichte über Stuttgart. Witzig und augenzwinkernd, nachdenklich, erfunden und wahrhaftig. Geschrieben von jungen Autorinnen und Autoren der Klassen 5 – 7.

Am Anfang war ein großer Tüftler und Zauberer. Dem kippten zwei Reagenzgläser um – Stuttgart war geboren! Kreuz und quer durch die Stadt geht es in den Texten: von der Königsstraße zum Fernsehturm, von der Wilhelma zum Eckensee. Einem Banküberfall am Hölderlinplatz folgt eine wilde Verbrecherjagd. Der Biber, Wappentier von Feuerbach, baut einen privaten Swimmingpool für seine anspruchsvolle Frau. Ein Scout vom VFB Stuttgart ist auf der Suche nach jungen Talenten und ein Obdachloser findet ein großes Glück…

Die Stadt hätte gut eine ganz andere sein können. München, Berlin, Frankfurt, Düsseldorf oder Hamburg, völlig egal. Denn hier geht es in erster Linie nicht um die Stadt, obwohl sie Thema ist, sondern darum mal wieder „anders“ zu lesen.

Seit Harry Potter schämt sich wohl kein Erwachsener mehr auch Kinder- und Jugendbücher im Regal stehen zu haben. Hier geht es um die Geschichten der Kinder und Erwachsenen von Morgen. Was sie denken, was sie fühlen und wie sie die Welt erleben, begreifen und erzählen. Als Leser bekommt man einen kleinen Einblick in die Köpfe derer, die in fünf bis sieben Jahren in die Arbeitswelt eintauchen werden, mit einer Lehre oder vielleicht doch vorher ein Studium. Doch in diesem Buch erzählen sie über ihr Stuttgart.

Geschichten zum schmunzeln und staunen. Ein kleines Buch, das einem die Gedankenwelt der ganz jungen Gesellschaft zeigt. Die Ängste, Hoffnungen und auch Träume, aber auch Kritik. Durchaus eine sehr erfrischend Abwechslung zu den Bestsellern und Sachbüchern.

Im Übrigen ist dieses Buch aus einem Projekt entstanden, einem Geschichten-Wettbewerb an den Schulen in und um Stuttgart. In der Jury saßen nicht ausschließlich weltberühmte Kritiker und wichtige Persönlichkeiten, sondern unter anderem auch Auszubildende der Buchhandlung Wittwer und der Kinderbuch-Autor Manfred Mai.

Auch in der kleinsten Stadt gibt es bestimmt viele Geschichten, die darauf warten erzählt zu werden. Auf jeden Fall nachahmenswert und tolle Lektüre für Zwischendurch, die 125 Seiten lassen sich am Stück lesen. Eine Abwechslung allemal!

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Wachen! Wachen!: Ein Roman von der bizarren Scheibenwelt

Jun
05

wachen wachen

Terry Pratchett

Eine geheime Bruderschaft ruft mittels eines magischen Buchs einen Drachen herbei. Das Fabelwesen soll helfen, einen neuen König einzusetzen, der den Verschwörern gefügig ist. Doch der Drache setzt sich selbst als Herrscher ein, schläft er doch so gern auf den gemütlichen Goldreserven der Stadt. Nur eine Handvoll Wachen begehrt gegen den geschuppten König auf: Hauptmann Mumm, der beinahe zwei Meter große Zwerg Karotte und eine adlige Sumpfdrachenzüchterin machen sich auf, den Tyrannen zu vertreiben.

In Ankh-Morpork gibt es eine Nachtwache. Diese Nachtwache besteht aus genau drei Personen, dem Hauptmann Mumm, der eigentlich ein Alkoholiker ist, dem Feldwebel Colons und dem sehr seltsamen Korporal Nobby, der nicht nur seltsame Kleidung trägt, sondern genauso aussieht und riecht. Diese drei verrichten ihren Dienst in der Scheibenwelt-Metropole Ankh-Morpork, wie es sich eben für die Nachtwache gehört: angepasst an die Gegebenheiten. Die Meuchelmörder meucheln, die Diebe dieben und auch um zwölf Uhr Nachts ist alles gut, wenn die Nachtwache es sagt.
Eigentlich ist die Nachtwache der Bodensatz der Stadt, egal ob es um den Sold geht oder die Anerkennung durch die anderen Bürger, doch das ändert sich schlagartig, als der Gefreite Karotte,   ein Adoptivsohn aus dem Zwergenvolk sich freiwillig für den Dienst in der Nachtwache meldet.
Als dann noch in der Stadt ein Drache auftaucht und zwar mehr oder weniger aus dem Nichts, läuft Hauptmann Mumm zur Hochform auf, wahrscheinlich auch wegen Lady Käsedick, der adeligen Sumpfdrachenzüchterin. Denn sie erklärt dem Hauptmann erst, was es alles mit Drachen auf sich hat, sodass er seine Ermittlungen aufnehmen kann, unterstützt vom Bibliothekar der unsichtbaren Universität, der bekannterweise ein Orang-Utan ist. Ein spannender Krimi auf der Scheibenwelt, eine nebenbei gestreute Liebesgeschichte und ein bisschen Märchen.

Eine tolle Gesellschaftskritik hat Terry Pratchett in diesen Phantasieroman gepackt und er versteht es wie kein anderer das alltägliche Leben in die Scheibenwelt zu projizieren. Sei es nun Pflichtbewusstsein, Machtbesessenheit, Weltverbesserung und das Streben nach Erfolg. Alles gewürzt mit einer Prise herrlichen Humors und geschickten Witzes. Sehr gerne gelesen.

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Stern- und Geisterstunden

Mai
23

Stern- und Geisterstunden

Antonia S. Byatt

Wunderbar gruselige Geschichten von Antonia S. Byatt, der Meisterin des Untergründigen: In ihren Erzählungen lässt sie die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fantasie verschwimmen und öffnet dem Leser einen Blick auf eine andere, geheimnisvolle Welt.

Acht Geschichten wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und jede hat etwas für sich. Antonia S. Byatt erzählt vom Alltäglichen, das nicht alltäglich ist. Alles beginnt normal mit einer Erzählung auf der Party, der ausführlichen Beschreibung einer Dame, dem Krankenhausalltag, sogar mit einem Schreibkurs. Die Geschichten entführen den Leser in eine seltsam anmutende Welt des scheinbar Gewohnten, Normalen. Byatt schreibt unterschwellig, die Geschichten gaukeln einem etwas vor, manchmal fühlt man sich wohl und auf der nächsten Seite schauert es einen. Oft denkt man den Höhepunkt der Erzählung erreicht zu haben, doch weit gefehlt. Die Pointe kommt viel später, sitzt aber immer, auch wenn sie sich bei einigen Geschichten erahnen läßt. Trotzdem sind nicht alle Geschichten gleich gut.

Die Art zu schreiben, die Wortwahl und den Stil dieser Autorin muss man mögen bzw. sich in ihn einlesen. Er ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Das ist mir allerdings schon bei einigen englischen Autoren aufgefallen, vielleicht liegt es auch an den Übersetzungen.

Nach den ersten Seiten schien es mir, dass dieses Buch einer der „Langläufer“ wird. Also immer wieder einmal paar Seiten lesen und sich mehr oder weniger durchquälen. Doch bereits einige Seiten weiter musste ich meine Meinung ändern. Byatt schafft es einen als Beobachter mitten in die Handlung zu holen, man kann in den Geschichten versinken.

Am meisten konnten mich die Geschichten „Körperkunst“, „Frau aus Stein“ und „Rohstoff“ begeistern und überzeugen. Die anderen sind auch nicht schlecht, aber vielleicht muss man ein gewisses Alter erreichen, um sie richtig zu verstehen, so ging es mir zumindest bei „Das rosefarbene Band“ und „Das Ding aus dem Wald“. Gar nicht gefallen hat mir „Juligeist“, dummerweise ist das die erste Geschichte und bei Kurzgeschichten picke ich mir keine raus, sondern lese von vorne nach hinten durch. Eine Geschichte habe ich überhaupt nicht verstanden, es ist „Der Tag, an dem E.M. Forster starb“. Ich kann noch nicht mal sagen, ob ich sie gut oder schlecht fand.

Alles in allem sehr unterhaltsame Lektüre. Nicht immer mit angenehmen Themen versehen, eher etwas nachdenklich, aber ein angenehmes Niveau. Wer hinter dem Titel einfache Geister- und Gruselgeschichten vermutet, der wird allerdings enttäuscht sein. Einfach macht es Byatt den Lesern nicht.

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