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Sachbücher

Schwein gehabt! Redewendungen des Mittelalters

Aug
20

Schwein gehabt
Gerhard Wagner

Viele werfen die Flinte ins Korn, weil sie bei Redewendungen mit ihrem Latein am Ende sind. Es geht ja auch auf keine Kuhhaut, wie viele Menschen alte Redensarten nicht mehr verstehen und von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, weil ihnen diese Ausdrücke spanisch vorkommen. Aber anstatt dazustehen wie die Ölgötzen, sollten sie lieber diese Scharte auswetzen. Denn wenn sie alles auf die lange Bank schieben, können sie nur Maulaffen feilhalten.

In diesem Buch wird keinem ein X für ein U vorgemacht. Die Herkunft von 200 Redewendungen wird erklärt, ob tatsächlich oder nur scheinbar aus dem Mittelalter…

Auf 120 Seiten finden sich Redewendungen und Sprüche, die ihren Ursprung größtenteils im Mittelalter haben, sortiert nach ihrer Entstehungsgeschichte. In sechs Kapiteln geht vom „Ritterlichen“ bis hin zum „Öffentlichen“. Wagner hat hierbei eine bunte Mischung der wohl bekanntesten Redensarten zusammen getragen, die jeder von uns entweder aus dem Alltag kennt oder zumindest bereits einmal gehört oder gelesen hat.

Besonders interessant sind die Erklärungen von Sprüchen, bei denen man denkt, die Herkunft leicht ableiten zu können, da es sich scheinbar um Redewendungen aus einem Berufsbild oder Sachverhalt handelt. So sind einige durch die Veränderung der Worte entstanden, wie z.B. „Hals und Beinbruch“.

Das kann kein Schwein lesen

Ebenso finden sich Beispiele für früher positiv belegte Sprichwörter, die heute nur noch im negativen genutzt oder auch falsch geschrieben werden und damit den Sinn völlig verfremden. Das wohl bekannteste Beispiel ist wohl „Wer zuerst kommt, malt zuerst.“, hier wird sehr gerne das „h“ bei „mahlt“ vergessen oder fälschlicherweise weggelassen und der Sinn verändert sich. Selbst Redewendungen, die wesentlich jünger sind, aber trotzdem dem Mittelalter zugeschrieben werden, sind in diesem Buch zu finden.

Erstaunlich wie viel in unserem sprachlichen Alltag von damals noch übrig geblieben ist. Wie lange es sich wohl halten wird?

Ein sehr schönes Buch mit ausgewählten Illustrationen und Bildern, die zu den Redewendungen passen. Wirklich hilfreich auch das Stichwortverzeichnis am Schluss. Durch die Aufmachung eignet sich das Buch hervorragend als Geschenk für Sprachliebhaber und Mittelalterfans.

ISBN 978-3-939722-31-1


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Das wirklich wahre Leben

Mai
31

Das wirklich wahre Leben

Olli Dittrich

mit Anne Ameri-Siemens

 

Wer kennt nicht den „Spocht“, die Figur des „Dittsche“, die Doofen: Olli Dittrich hat die deutsche Comedy geprägt wie kaum ein anderer. Hier erzählt er in Gesprächen mit Anne Ameri-Siemens und in Geschichten, Szenen und Liedern, wie das „wirklich wahre Leben“ ist.

 

Ein wunderschönes Frage/Antwort-Spiel ist dieses Buch, in dem der Weg und das Leben von Olli Dittrich von ihm selbst erzählt wird. Mit geschickten und interessanten Fragen führt Anne Ameri-Siemens den Leser durch ein spannendes und kurzweiliges Interview mit dem Comedian. Ebenfalls sehr gelungen ist die Auswahl der Bilder und Dokumente, die die Erzählungen umso lebendiger machen.

Sehr nachdenklich stimmt einen die Schilderung Dittrichs über die weniger schöne Lebensphase, die er im Laufe seiner Karriere durchlebt hat. Ehrlich, aber nicht theatralisch, an keiner Stelle überzogen, dafür erstaunlich offen. Hier haben Autor und Mitautorin genau das richtige Maß gefunden. Sowas liest man selten. Hervorragende Arbeit.

Trotz des sehr ernsten Abschnittes kann man mit diesem Buch auch herrlich lachen. Wer kommt schon auf die Idee, eine Freundschaft mit einem umfangreichen Vertrag aus dem rechtsfreien Raum zu holen? Wer schafft so geniale Reime wie „Kroko – Willst Du Schoko? – Und ‘ne Mütze…“? Und wer kann schon von sich behaupten, im Vorprogramm von Bon Jovi gespielt zu haben?

Nicht zuletzt ist es die sehr angenehme und positive Art, in der Olli Dittrich über sich erzählt und das bis zur letzten Seite.

Fazit: Ein sehr unterhaltsames und schönes Buch und zwar nicht nur für Fans von Olli Dittrich. Kurzweilig und gern gelesen.

Ein herzliches Dankeschön geht an den Piper Verlag für das Rezensionsexemplar. Ein toller Lesespaß.

Piper Verlag – ISBN-13: 978-3-492-05261-0


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Eine Couch für alle Felle

Dez
27

Eine Couch für alle Felle
Vorneweg:

Ob dieses Buch nun tatsächlich ein Sachbuch ist, läßt man dahin gestellt. Es mag wohl daran liegen, dass es genug Ratgeberbücher zur Hundeerziehung gibt und nicht nur zu diesem Thema.

Seit nun knapp sechs Wochen ist unser kleiner Quentin, seines Namens Labrador-Retriever, bei uns. Im Bücherregal finden sich gleich mehrere Hundebücher. Vorstellen möchte ich in erster Linie solche, die auch für Menschen interessant sind, die noch nie einen Hund besessen haben und mit dem Gedanken spielen sich einen anzuschaffen.

Martin Rütter – Bettina Böttinger (Hrsg.)

Seit Jahrhunderten ist der Hund des Menschen liebstes Haustier – und trotzdem wissen wir erstaunlich wenig darüber, wie wir mit ihm umgehen sollten, damit er sich im „Familienrudel“ wohlfühlt. Erziehungssünden, Vermenschlichung oder falsch verstandene Nachsicht führen fast zwangsläufig zu Problemen zwischen Hund und Halter. Tierpsychologe Martin Rütter hilft, die Verständigung zwischen Mensch und Tier wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Denn das Zauberwort heißt Kommunikation!

Dieses Buch erzählt acht Geschichten aus der WDR-Serie Eine Couch für alle Felle und schaut dem Tierpsychologen bei der Therapie über die Schulter. Dabei gibt Martin Rütter Hundehaltern und solchen, die es werden wollen, zahlreiche nützliche Tipps für ein harmonisches Zusammenleben mit den Vierbeinern – damit verwüstete Wohnzimmer und aufmüpfige Rebellen bald der Vergangenheit angehören!

Erzählt werden Geschichten von Hunden, die wirklich ein gutes Zuhause haben. Mal ist es ein Ausreißer, eine Diva oder die unermüdliche Jägerin. Schnell werden in den Geschichten die einzelnen Probleme zwischen Hund und Besitzer beschrieben und sind alle mit schönen Bildern der Vierbeiner und Halter bespickt. Auch die Schilderung über eine misshandelte Hündin, die jetzt zu neuen Besitzern gekommen ist, findet sich in diesem Buch. Nach jeder Geschichte gibt Martin Rütter Tipps und vor allem auch gute Erklärungen für das Verhalten der Hunde und wie man sie als Mensch lernen kann zu verstehen.

Die acht kurzen Geschichten zeigen sehr anschaulich, was alles zwischen Mensch und Hund schief gehen kann, obwohl beide bemüht sind, gut miteinander aus zu kommen.

Lesenswert macht das Buch vor allem die schöne Schreibweise und nicht zu vergessen die allgemeinen Tipps von Rütter am Ende des Buches.

Eigene Meinung

Dieses Buch ist wirklich für alle geeignet, die mit dem Gedanken spielen, sich einen Vierbeiner anzuschaffen. Es gibt massenweise Literatur zu Hundeerziehung, besondere Bücher für den Umgang mit Welpen und Ratgeber, was man alles beachten sollte, wenn man sich ein Hund anschaut. Bestimmt sind unter all diesen Wälzern hervorragende Bücher, aber wer mal wirklich über den Alltag mit Hunden lesen möchte, der sollte sich diese kleine Buch zu Gemüte führen. Mit knapp 120 Seiten ist es wirklich eine nette Lektüre für zwischendurch und gibt doch Einblicke in das Zusammenleben von Mensch und Hund.

Überrascht hat mich wirklich die Geschichte über einen kleinen Jack-Russell-Terrier-Welpen. Der Familie wurde geraten, den Hund wieder zurück zu geben. Man hat es schweren Herzens getan. Lieber eine Weile länger überlegen und erst dann entscheiden.


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Meide deinen Nächsten

Okt
07

Meide deinen Naechsten

Reinhard Mohr

Das Christentum sah den Menschen als Ebenbild Gottes, im Humanismus der Aufklärung triumphierte die Vorstellung vom allseits entwickelten freien Individuum, und im marxistischen Kommunismusmodell kulminierte der Glaube an das Gute im Menschen, der nur durch die ungerechten Besitzverhältnisse an seiner freien Entfaltung gehindert werde. Doch leider hat sich herausgestellt, dass der Mitmensch trotz aller Bemühungen um Erziehung, Emanzipation und Integration eben nicht immer hilfreich, edel und gut, sondern allzu oft eine arge Plage geblieben ist. Er ist weder rücksichtsvoller Zeitgenosse noch höflicher Gesprächspartner mit Witz und Manieren, sondern nicht selten ein Störenfried erster Ordnung. Schlimmer noch: In der unübersichtlichen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts lösen sich überkommene Traditionen, Regeln und Sitten auf, und mit den neuen Umgangsformen kann man so seine Schwierigkeiten haben. Reinhard Mohrs ebenso scharfsinnige wie (selbst)ironische Beobachtungen sind nicht nur eine witzige und unterhaltsame Sittenskizze, sondern auch ein kleines, böses Gesellschaftspanorama vom Zeitgeist 2010.

Man braucht kein Stadtneurotiker sein, um Mohrs Gedanken folgen zu können. In kurzen Texten lässt er ordentlich vom Stapel und zwar über Nachbarn, Mütter, Touristen und Arbeitskollegen. Rücksicht war gestern, Privatleben gehört ins Zugabteil und die Gespräche des Tischnachbarn im Restaurant sind oft skurril und nervig.

Liest sich alles wie schon einmal gelesen und auch dafür liefert Mohr die einleuchtende Erklärung: Über all die Themen, die er in seinem Buch abhandelt wurde bereits geschrieben, sei es Tucholsky, Wittgenstein oder Kant. Wer sich in den beschriebenen Situationen nicht selbst als „Gestörter“ oder „Störer“ wieder erkennt, der ist herzlich zu beglückwünschen.

Mittlerweile hasse ich es, in Büchern über Latte Macchiato lesen zu müssen. Bereits in Generation Golf wurde dieses Espresso-Milch-Mixgetränk ausreichend in Verbindung mit normalen und anscheinend weniger normalen Menschen beschrieben. Ob nun Lifestyle oder andere Vorlieben, irgendwann muss Schluss sein mit Latte Macciato in Büchern.

Was Neues erfährt man in Mohrs Werk nicht. Das Leben in der Großstadt ist mit vielen Phänomenen verbunden. Zuweilen hat man das Gefühl, der Autor schreibe eine Hasspredigt auf die Mitmenschen, doch dem ist nicht so. Auf sehr angenehmen Niveau schreibt Reinhard Mohr über sich und seine Mitmenschen und damit uns alle. Denn man muss ihm zu guter Letzt Recht geben. Störenfriede sind stets die anderen.


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Die illustrierte Kurze Geschichte der Zeit

Sep
27

Die illustrierte Kurze Geschichte der Zeit

Stephen Hawking

«Es ist der Glaube an die Existenz der Weltformel, der die theoretische Physik beseelt.» (Der Spiegel, 1999) «Der Erfolg der ‘Kurzen Geschichte der Zeit’ lässt darauf schließen, dass es ein weitverbreitetes Interesse an den Grundfragen unserer Existenz gibt … Die illustrierte Ausgabe enthält eine große Zahl von Abbildungen, die das Verständnis erleichtern sollen. Selbst wenn Sie nur die Bilder und ihre Beschriftung betrachten, dürfte Ihnen in groben Zügen klarwerden, worum es geht.» (Stephen Hawking aus dem Vorwort)

In kurzen, aber gut durchdachten Kapiteln erklärt Hawking die Geschichte des Universums und er beginnt ganz vorne, bei den ersten Gedanken der Griechen, erzählt über die Entdeckungen und Weltanschauungen im Mittelalter, Galilei und selbstverständlich Newton. Erstaunlicherweise schafft Hawking etwas, dass viele Physiklehrer, Professoren und Wissenschaftler einfach nicht hinbekommen, nämlich einen komplexen Sachverhalt einfach darzustellen und auch mit Bildern begreiflich zu machen. Wer sich unter dem Spin eines Teilchens nichts vorstellen kann, wird in diesem Buch zumindest ein sehr schönes Beispiel finden, verdeutlicht anhand von Spielkarten. Einfach, aber genial.

Mit Sicherheit ist „Die illustrierte Kurze Geschichte der Zeit“ kein Lehrbuch, trotzdem gewährt das Buch einen tollen Einblick in die Geschichte der Physik und nicht nur das: Man kann staunen, wie früh bereits die Menschen Theorien aufgestellt haben, die wir heute „beweisen“ können. Wer sein Physikwissen auffrischen möchte, daran interessiert ist, was es mit Schwarzen Löchern auf sich hat, warum wir von Zeit sprechen und dies überhaupt können, der wird an diesem Buch seine Freude haben.

Persönliche Meinung:

Auch wenn Hawking genug Kritiker hat, so muss man ihm eins lassen. Er erklärt. Sehr gefallen haben mir die Schilderungen über die Irrtümer der Wissenschaftler, die vielen Ansätze und die immer noch andauernde Suche nach der vereinheitlichten Theorie über das Universum. Auch die Definition über Theorien allgemein, dass sie nur solange Gültigkeit haben, bis sie etwas nicht mehr Vorhersagen können, ist einleuchtend. Viele Fragen sind offen, aber es ist wirklich spannend, einmal als Laie ein bisschen in die Erklärungen der Wissenschaft hinein zu schnuppern. Wie ist das Universum entstanden und wie funktioniert es?

Die Physik beantwortet die Frage nach dem „Warum wir existieren“ nicht, aber vielleicht irgendwann vollständig die Frage nach dem „Warum wir existieren können“. In einem Punkt allerdings möchte ich an der Physik zweifeln: Sie wird nie das Fühlen und Verhalten eines Menschen vorhersagen können, egal wie gut die Theorie sein mag.

Sehr gerne gelesen.


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