Archive for the ‘Sachbücher’ Category

Liebe – Ein unordentliches Gefühl

Aug
22

Richard David Precht

Die Liebe zwischen Mann und Frau ist das beliebteste Thema des Menschen. In unzähligen Romanen wird sie beschworen, kaum ein Film, der auf sie verzichten kann, und was wäre die Musik ohne sie? Die Liebe bewegt uns wie nichts anderes, sie vermag unser Leben auf den Kopf zu stellen und jegliche Ordnung zu Fall zu bringen. Dennoch wissen wir eigentlich gar nicht so genau, was sie ist – die Liebe. Richard David Precht bringt Ordnung in dieses unordentlichste der Gefühle: von der Biologie der Gene über die Psychologie unserer Leidenschaft bis zu den persönlichen und gesellschaftlichen Problemen der Liebe heute. Er zeigt uns, das Abenteuer Liebe mit ganz neuen Augen zu sehen.

Wer Precht liest, muss sich auf einiges gefasst machen. Er behandelt in seinen Büchern viele Zusammenhänge, reißt Thesen und Theorien aus Philosophie, Biologie und Soziologie an und setzt sich mit diesen auseinander. Geballtes Wissen zu einem Thema, diesmal die Liebe.

In diesem Buch versucht Richard David Precht die Frage „Was ist Liebe?“ zu beantworten und holt dabei gewaltig aus. Das muss er wohl auch, denn wer sich diese Frage selbst stellt, wird gewiss merken, dass einem die Antwort nicht so einfach über die Lippen kommt. Was ist nun also die Liebe zwischen Mann und Frau? Wie ist sie entstanden? Warum lieben wir überhaupt? Wie definieren wir dieses Gefühl, dass uns einmal glücklich und das andere mal unglücklich macht? Und wie manipulativ sind wir?

In den einzelnen Kapiteln werden viele Ansätze der Wissenschaft aufgegriffen und kritisch behandelt, ohne das man als Leser den Faden verliert. Precht schafft es immer wieder das Wissenschaftliche schnell und prägnant zu erklären. Sehr lesenswert ist die Kritik an vielen dieser Theorien, denn die Argumente sind für jeden von uns nachvollziehbar, auch ohne ein Studium der Philosophie, Psychologie und anderer Disziplinen absolviert zu haben. Auch hinterfragt er die vielen Ratgeber, die sich ausgerechnet mit der Liebe, Beziehung und Ehe befassen.

Von Darwin, über die evolutionären Psychologen, die Biochemie, die Romantik bis zur heutigen Konsumgesellschaft, für die Liebe mehr und mehr ein Produkt zu werden scheint, erklärt Precht sehr schön, was wir über dieses Gefühl wissen und manchmal auch eben nicht.

Dieses Buch ist eine etwas anspruchsvollere Lektüre. Wer Precht liest, sollte ein bisschen Zeit mitbringen, wenn er sich mit den zahlreichen Themen und den aufkommenden Fragen beschäftigen will. Belohnt wird das Lesevergnügen mit verständlichen Erklärungen und einer angenehmen Prise Humor.

Die Antwort auf die Frage „Was ist die Liebe?“ wird man in diesem Buch nicht finden, aber sucht man sie tatsächlich?

Ein empfehlenswertes Buch, wenn man sich mit einfach scheinenden Fragen genauer auseinander setzen möchte.


Persönliche Meinung:

Für alle, die bereits „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ gelesen haben, wird die Herangehensweise von Precht nicht neu sein. Trotzdem scheint dieses Buch etwas komplexer, als das vorherige. Oft muss man Abschnitte nochmal lesen, da er an einigen Stellen vorgreift oder sich in späteren Kapiteln auf vorherige bezieht. Da in diesem Buch doch einige Theorien abgehandelt werden, kommt man hier und da ein bisschen ins Schleudern.

Wieder einmal sehr schön ist die Art der Fragestellungen, die Kritik, die Precht übt und vor allem die Vielseitigkeit, mit der er dieses Thema, die Liebe, behandelt.

Was mir bereits beim ersten Buch aufgefallen ist, ist die Ehrlichkeit, die Precht hier aufzeigt im Bezug auf die Wissenschaft. Wir wissen heute einiges, aber eben nicht alles. Wir wissen, wie die Dinge funktionieren, aber nicht unbedingt warum sie ausgerechnet so funktionieren. In „Wer bin ich und wenn ja, wie viele?“ geht es in einem Kapitel darum, dass es das „Ich“ so im menschlichen Gehirn nicht gibt. Man kann es nicht mit einem Kernspin sichtbar machen, auch nicht mit der neusten Methode. So auch in diesem Buch. Die Liebe sieht man nicht, sie ist nicht greifbar, lässt sich nicht mit einer Definition erklären und trotzdem bewegt sie die Menschen ein Leben lang.

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Du sollst nicht lügen!

Jun
17

Du sollst nicht lügen

Jürgen Schmieder

Ohne Lügen geht es nicht, sagen die einen. Würden alle Menschen stets die Wahrheit sagen, wäre nicht nur Streit, sondern gar der 3. Weltkrieg vorprogrammiert. Andere dagegen wie der Philosoph Immanuel Kant etwa halten Ehrlichkeit für die wichtigste aller Tugenden.

Kann ein Mensch in einer Gesellschaft, die das Lügen nicht nur toleriert, sondern in den meisten Fällen auch noch belohnt, überhaupt überleben, wenn er nur noch die Wahrheit sagt? Der Journalist Jürgen Schmieder hat vierzig Tage lang versucht, konsequent ehrlich zu sein: im Ehebett, bei der Steuererklärung, beim Pokern – und natürlich gegenüber sich selbst. Herausgekommen ist ein urkomisches und doch nachdenkliches Buch.

22 Kapitel für 40 Tage. Doch 22 Kapitel reichen vollkommen aus, um den Protagonisten in allen uns nur zu gut bekannten Situationen zu erleben. Hier liest man Alltag und manchmal furchtbar langweilig. Da steht er also am Bahnhof, ist genervt von der Mitarbeiterin der Bahn und scheißt sie mal so richtig zusammen. Wer wünscht sich das nicht? Öfter mal den Mut zu finden endlich das zu sagen, was man gerade denkt. Im Büro bekommt er so richtig die Meinung gegeigt, er sucht nach den Lügen in der Religion, die Aussprache mit den Geschwistern, der Verrat am besten Freund und die Vorwürfe an die Eltern. Alles mit den entsprechenden erwarteten und unerwarteten Konsequenzen.

Jürgen Schmieder schildert Situationen aus unser aller Leben, in denen wir entweder uns gekonnt aus der Affäre ziehen, indem wir lügen oder lediglich etwas verschweigen oder aber ehrlich sind. Wobei manche nicht ehrlich sind, sondern einfach nur gemein.

Zwar schreibt Schmieder sehr gut und an vielen Stellen durchaus sehr lustig, das hat mir wirklich gut gefallen, aber er schreibt nun mal über sich. Fast bekommt man den Eindruck, dieses Buch ist der niedergeschriebene Selbstfindungstrip eines Kurz-vor-Dreißigjährigen, dem im Leben noch nie wirklich etwas Schlimmes passiert ist. Warum auch nicht? Sein Vergleich mit Dorian Gray und die Bezeichnung der Dorian Gray-Generation ist durchaus treffend. Bisher dachte jeder in diesem Alter er gehöre zur Generation X. Man findet sich in der ein oder anderen Situation wieder und kommt ein bisschen ins Grübeln, aber nicht wirklich.

Lesenswert? Wer sich gerne ein bisschen mit Gesellschaftskritik beschäftigt und trotzdem leichte Unterhaltung sucht, der wird an diesem Buch wirklich seine Freude haben. Jürgen Schmieder schreibt keineswegs langweilig, es sind eher die Situationen, auch schafft er es, nicht voll in irgendwelche Klischees abzudriften und diese ordentlich auszudappen.

Persönlich habe ich von diesem Buch etwas mehr erwartet. Nun gut, Geschmäcker sind verschieden.

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Irre! Wir behandeln die Falschen – Unser Problem sind die Normalen

Apr
23


Manfred Lütz

Dieses Buch ist eine scharfzüngige Gesellschaftsanalyse und zugleich eine heitere Einführung in die Seelenkunde. Was ist Depression, Angststörung, Panik, Schizophrenie, Sucht, Demenz und all das, und was kann man dagegen tun?

Der Bestsellerautor Manfred Lütz, einer der bekanntesten deutschen Psychiater und zudem noch Kabarettist, verspricht: Alle Diagnosen, alle Therapien und das noch unterhaltsam: Irre!

Auf genau 185 Seiten schafft Manfred Lütz, einem die sehr junge Wissenschaft Psychiatrie und Psychoanalyse zu erklären. Jung im Verhältnis zu anderen Disziplinen der Medizin. Einfache Erklärungen und Beschreibungen räumen nicht nur mit Vorurteilen auf, sondern verdeutlichen auch wie viel Blödsinn mittlerweile im Umlauf ist, wenn es um diese Themen geht. Er schreibt offen über Behandlungsmethoden und deren Wirkung, an vielen Stellen sehr humorvoll. Mitunter lässt er es sich nicht nehmen, Gesellschaftskritik zu üben. Hart, aber gerecht und aus einer etwas anderen Perspektive, denn als behandelnder Psychiater eröffnen sich einem doch Sichtweisen, die ein Normaler auf Anhieb vielleicht nicht nachvollziehen kann.

Wer meint in diesem Buch eine wissenschaftliche Abhandlung der Psychiatriegeschichte zu finden, oder aber haarsträubende und belustigende Schilderungen von Krankheitsverläufen, der wird mehr als enttäuscht sein. Auch ist dieses Buch kein Ratgeber oder Fachliteratur für Hobby-Psychoanalytiker und solche die es werden wollen.

Dieses Buch ist zur Aufklärung gedacht. Manfred Lütz rechnet mit den Normalos unserer Gesellschaft ab, stellt sich klar vor seinen Beruf und seine Patienten. Er beschreibt die Sorgen und Nöte dieser Menschen, allerdings sachlich.

Kritik an der heutigen Gesellschaft zu üben, ist nicht leicht. Was ist schon normal? Wesentlich interessanter sind Aspekte der Toleranz und Freiheit, die Manfred Lütz ganz deutlich in den Vordergrund stellt.

Seit einigen Jahren ist es in Mode gekommen zu einem Personal-Coach zu gehen, auch Psychotherapie liegt stark im Trend. Die Psychiatrie hingegen bringen wir immer noch mit grausigen Schilderungen und Vorurteilen, vielleicht sogar Hirngespinsten in Verbindung. Wer heute etwas anders ist, als die anderen, ist nicht normal. Betrachtet man die Castings-Shows samt Dieter Bohlen im Fernsehen oder die Social Communities und Networks im Web, sollte man von Zeit zu Zeit tatsächlich einmal inne halten und sich selbst fragen: Wer ist hier eigentlich tatsächlich irre?

Ein tolles Buch!

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The Secret – Das Geheimnis

Mrz
21

Vorneweg:

Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich zu diesem Buch etwas schreiben soll. Neigen wir nicht alle dazu, Dinge zu hinterfragen, wenn sie unglaublich scheinen oder wenn man auf eine schwierige und sehr komplizierte Frage eine ganz einfache Antwort erhält? Es scheint tatsächlich in der Natur eines jeden zu liegen, dass man zweifelt. Oft bewusst, meist unbewusst.

So ertappte ich mich nach dem Lesen dieses Buches tatsächlich dabei, einige Dinge zu analysieren. Geht es doch schließlich um Anziehung. Auf einer Buchseite schreibt die Autorin darüber, wie man das Buch in sein eigenes Leben gezogen hat.

Die Geschichte ist alltäglich: Eigentlich wollten wir Karten für eine Krimi-Lesung besorgen. Dummerweise war diese bereits ausverkauft und ich ärgerte mich über mich selbst nicht eher in die Stadt gegangen zu sein, um die Karten zu kaufen. Schließlich wollten auch einige Freunde mit, es sollte ein toller Abend werden.

Aus lauter Frust also zum Regal mit den Bestsellern der Woche. Warum mir „The Secret“ ins Auge fiel, kann man leicht beantworten: das wirklich schöne Cover, Format und der Titel haben mich neugierig gemacht und ohne nachzudenken oder die Rückseite zu lesen, habe ich es mitgenommen.

Soll dies tatsächlich das Gesetz der Anziehung sein?

Ist es das, was das Geheimnis ausmacht?

Man möchte es als Zufall bezeichnen, mit Sicherheit kann man es auch im Nachhinein psychologisch erklären. Doch letztendlich führt es zu einer anderen Frage: Sind die Fragen nach dem „Wieso ist das so?“, „Wie funktioniert das?“ und „Warum kann es funktionieren?“ immer wichtig genug, um wissenschaftlich beantwortet zu werden, nur damit sie logisch erklärt sind und von der Allgemeinheit geglaubt werden?




Rhonda Byrne

Es überdauerte die Zeiten, war heiß begehrt, wurde versteckt, geraubt und für große Reichtümer erworben. Die Smaragdtafel des Hermes Trismegistos zeugt von diesem Geheimnis. Platon, Leonardo da Vinci und Einstein haben um das Geheimnis gewusst wie alle großen Denker und Genies der Geschichte. Das Wissen ist auch in unserer Gegenwart vorhanden. 24 renommierte Weisheitslehrer geben es hier weiter.

Das Buch führt den Leser auf eine angenehme Weise durch die menschliche Gedankenwelt. Interessanterweise ist es sehr einfach geschrieben. Kurze Absätze erklären Einzelheiten und bringen sie präzise auf den Punkt.

Man liest, man versteht und erfreulicherweise: Man lächelt!

Dieses Buch gibt einem ein gutes Gefühl beim Lesen, es macht Spaß und bringt zum nachdenken. Oft hält man inne und muss erstaunt feststellen: „Huch, stimmt eigentlich.“

Es appelliert an das „Ich“, an die Wünsche des Einzelnen und an die eigenen Gefühle, wobei es nicht belehrt. An keiner Stelle wird einem etwas aufgezwungen.

Ein wirklich bemerkenswerter Absatz in diesem Buch ist, dass man das Buch weglegen soll, wenn es einem weder etwas bringt, noch gut tut oder man für sich selbst nichts darin findet.

Welcher Autor schreibt freiwillig, man solle sein Buch weglegen?

Ein Buch für jedermann, der sich gerne einmal auf sich selbst einlassen möchte. Ein Lesespaß allemal.

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Schotts Sammelsurium

Mrz
13

Ben Schott

Es ist ein Schweizermesser in Buchform. Wer es einmal besitzt, möchte es nie wieder missen, immer dabei haben.“ Elmar Krekeler, Die Welt.

Und dieser Aussage auf dem Buchdeckel kann man nur zustimmen. Bestimmt stehen in vielen Regalen Duden, teure Enzyklopädien (tolles Wort im Übrigen) und andere Nachschlagewerke, aber Schotts Sammelsurium hat seinen eigenen Reiz. Man kann es in einem Zug lesen, ohne das es langweilt.

Das Buch mit dem AHA-Effekt! Auf 158 Seiten findet sich interessantes, nützliches und völlig kurioses Wissen, das uns durchaus täglich begegnet. Über manche der Informationen hat man bestimmt schon einmal nachgedacht, aber selten irgendwo nachgeschlagen. Hier in diesem Buch sind sie enthalten.

Manchmal fragt man sich allerdings doch, wie Schott gerade auf diese Inhalte und Beschreibungen gekommen ist, denn die Mischung ist so kurzweilig, das diese Buch einfach Spaß macht.

Ein sehr schönes Geschenk für alle, die sich für die Welt und den Alltag an sich interessieren, aber auch für „Lesefaule“, denn gerade die werden mit den Kurzbeschreibungen, aufzählenden Erklärungen und Tabellen „schnell durch“ sein.

Mit diesem Buch als Geschenk kann man nichts falsch machen, außer der Beschenkte besitzt es bereits.

Interessantes: Das längste Palindrom in einem Wort kommt aus Finnland!

Nützliches: Der Planetenmerksatz

Kurioses: Ein berühmter Pferdehuf ist eine Schnupftabakdose…

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