ARMAGEDDON TV

Okt
21

Christian von Aster

Hal Davidson will ein Vorbild sein, Sit Hatlogg sinnt auf Rache, Poe Network braucht die Quote. Und die Welt will einen Star. In einer nicht allzufernen Zukunft ist die mediale Macht fast vollständig in der Hand von Poe Network. Auf allen Kanälen liefern sich Sportler, von Werbepausen unterbrochen, brutale Kämpfe. Doch das Volk ist dem langsam überdrüssig. Die Zuschauerzahlen sinken. Ein neues Format muss her. Für dieses neue Spiel werden noch größere Geschütze aufgefahren. Und so findet sich eine Handvoll Menschen in den unbarmherzigen Mühlen der Medienmaschinerie wieder. ARMAGEDDON TV ist grandiose Social Fiction und eine bitterböse Mediensatire auf Big Brother, Popstars und den Krieg um die Quote.

Die Welt von Hal Davidson dreht sich nur um die eine Sache: den Sport. Als Spieler der äußeren Liga möchte er es endlich in die Innere schaffen, denn nur dort verdient man das wirklich große Geld. Erst dann könnte er seiner kleinen Familie all das bieten, was das Leben schön macht und genau dafür ist er bereit, alles zu tun, was notwendig ist. Kein Wunder also, dass er das Angebot von Poe Network, das ihm von Heidrich, der rechten Hand des mächtigsten Mannes in der Fernsehbranche, gemacht wird, sofort annimmt.

Das Duell, das er gegen einen Geschädigten führen soll, so werden ehemalige Spieler genannt, die in früheren Kämpfen Gliedmaßen verloren haben, erscheint ihm zuerst unfair. Doch der Ruhm und die Aufmerksamkeit der Medien haben Davidson längst in ihren Bann gezogen. Viel zu spät merkt er, wer tatsächlich sein Gegner ist. Trotzdem sieht er sich bis zum Schluss auf der Siegerseite, auch dann noch, als seine Frau Cybill sich immer mehr von ihm distanziert und sich sogar gegen seinen Willen für Glorygirl, das Schmuddelmagazin schlechthin, auszieht. Von den Machtkämpfen, die währenddessen auf der höchsten Etage des Senders ablaufen, bekommt er nichts mit, obwohl es dabei auch um sein eigenes Leben geht.

 

Von Aster hat an alles gedacht in diesem fiktiven Roman über die Gesellschaft und ihren teilweise absurde Blüten treibenden Medienkonsum: Ein riesiges Sender-Imperium mit  gewissenlosem Boss und seinen Angestellten, die alles dafür tun, um auf der erreichten Position zu bleiben, wobei Drogen und Alkohol die kleinsten Übel sind. Eine umsatzgeile Industrie, die alles und jeden sponsert. Intrigen, Bestechung, Erpressung, Gewalt, Sex und Mord. Alles ist dabei, und am Ende kommt es, wie es kommen muss: jeder bekommt das, was er verdient.

ARMAGEDDON TV

Eigene Meinung

Eins muss man von Aster lassen, er hat bei diesem Roman wirklich an viele tolle Details gedacht. Vor allem hat er aber seinen Protagonisten und Antagonisten sehr schön ausgearbeitet. Das hat mir sehr gut gefallen. Auch der Verlauf der Geschichte war spannend, wenn auch vorhersehbar aufgebaut. Sicherlich, dieser Roman ist durch die Überspitzungen und teilweise rohe Gewalt satirisch aufgelegt. Ob das aber tatsächlich böse und gesellschaftskritisch sein soll, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Zwar spricht der Autor viele Punkte an, aber der Ausgang der Geschichte ist so unglaublich nach Schema F konstruiert, das es langweilig ist. Erschreckenderweise erkennt man darin aber genau das Muster so unendlich vieler Formate, die tagtäglich auf den vielen privaten und staatlichen Sendern laufen, dass man sich fragen muss, ob man nicht bereits darauf trainiert ist, dass Geschichten genauso und nicht anders zu enden haben. Das zumindest ist einen Gedanken wert.

 

Was mich wirklich sehr auf die Palme gebracht hat, waren die unglaublich vielen Fehler in dem Text. Entweder fehlen Worte, oder es sind welche zu viel, gleiches gilt für Buchstaben und Kommas, Grammatik, etc. Falls dieser Roman tatsächlich 2011 neu überarbeitet wurde, ist vielleicht als e-Book die falsche Datei eingestellt worden. Auf jeden Fall liefert mancher Indie-Autor für 2,99 EUR einen besser korrigierten Text ab, als diesen hier. Das sage ich ausgesprochen ungern, weil ich Christian von Aster als Erzähler und Vorleser sehr schätze und wirklich jedem empfehlen kann, eine seiner Lesungen zu besuchen. Es lohnt sich!

Fazit: Ganz nett, aber nicht überragend.

 
Wer mehr über den Autor erfahren will: Hier geht es zur Autorenseite.

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wondermags.com – create publish ka-ching

Okt
19

Eine neue Idee wie man das Digital Publishing revolutionieren kann, kommt nun aus Luxemburg und richtet sich nicht nur an die Profis, sondern an Blogger und alle diejenigen, die im Web ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Wer im Geld verdienen möchte, muss nicht nur gefragte Inhalte und Waren anbieten, sondern diese professionell präsentieren und genau an diesem Punkt setzt wondermags an.

 

wondermags – wieder eine neue Self-Publishing-Plattform?

Jepp! Genau das ist wondermags. So zumindest beschreiben es die Macher Stojan Rudan und Dennis Hering. Die Idee ist simpel und ziemlich genial. wondermags stellt den Usern eine Plattform zur Verfügung, in der man die eigenen Inhalte zu einem hervorragenden eMagazin gestalten kann, ohne zwingend über umfangreiche Kenntnisse zu CMS oder anderen Web-Apps zu verfügen. Hierzu werden Vorlagen für die eMags bereitgestellt, die man noch nach eigenem Bedarf und Geschmack editieren kann. Dies soll allerdings noch nicht alles sein. Neben der Möglichkeit einer professionell aussehenden Publikation bringt Wondermags auch gleich ein vollständig eingebettetes Affilate-Programm und Verkaufssystem, den wondermags Kiosk, mit. Also eigentlich alles, was man also Self-Publisher braucht.

 

Ein cleveres Prinzip in Zeiten des Self-Publishing

Nachdem die großen Verlage hauptsächlich damit beschäftigt sind, aus dem Trend des Self-Publishing irgendwie Profit zu schlagen, indem sie Portale wie neobooks.com aus dem Boden stampfen, eine Academy für angehende Schriftsteller anbieten wie Bastei Lübbe oder aber gleich Kooperationen mit bereits bestehenden großen Portalen eingehen wie Piper und wattpad.com, bewegen sich wondermags in eine ganz andere Richtung. Hier scheint es nicht um das Publizieren von Büchern zu gehen, sondern tatsächlich um die Ursprungsform eines Magazins. Berichte, Reportagen und Artikelsammlungen sollen auf diesem Self-Publishing-Portal zu einem individuellen eMagazin zusammengestellt werden, das nicht als PDF sondern als „echte Website“ veröffentlicht wird.

wondermags.com

 

Wer ist die Zielgruppe?

Die meisten Self-Publisher sind Einzelkämpfer, d.h. sie sind Journalist, Redakteur, Verlag, Marketing und Vertrieb in einer Person. Nicht nur das Aneignen von unglaublich viel Wissen kostet Zeit, sondern auch das Umsetzen. Nicht anders geht es denjenigen, die themenspezifische Portale zu Reisen, Sport, Musik, Vereinen oder anderen Hobbies betreiben.

Genau hier scheint wondermags potentielle Kunden zu sehen. Mit ihrem Angebot bringen sie alles mit, was man benötigt, um möglichst schnell mit den eigenen Inhalten Profit zu erwirtschaften, ohne sich alle Kenntnisse zu Webdesign, Bestellsysteme, Affiliate etc. aneignen zu müssen.

 

Wer verdient wann bei wondermags?

Jedes Mal wenn ein eMagazin über den Kiosk verkauft wird und danach eine Werbeanzeige angeklickt (genauer ist es nicht beschrieben) wird, die in dem eMagazin erscheint, verdienen die Herausgeber des entsprechenden eMags Geld. Viel mehr erfährt man an dieser Stelle noch nicht, da die Testphase erst Oktober startete bzw. startet.

Momentan wirbt wondermags mit dem Ausdruck “Ka-ching!” (musste spontan an den Song von Shania Twain denken) und dieses Geräusch werden die Macher auch jedes Mal selbst hören, wenn User tatsächlich Magazine in ihrem Kiosk einstellen und verkaufen. Ich kann mir vorstellen, dass hier dasselbe Prinzip wie bei amazon und allen anderen Anbietern dahintersteckt, sprich: wondermags verdienen an jedem Verkauf mit. Hinzukommen selbstverständlich die Werbeanzeigen. Hier kann man ebenfalls davon ausgehen, dass wondermags nicht nur an den Klicks und Weiterleitungen an die Werbetreibenden verdient, sondern sogar an den Platzierungen in den Magazinen und ggf. auch an daraus resultierenden Sales. Das ist allerdings alles Spekulation meinerseits.

 
Beta Testphase läuft ab Oktober

Das Projekt befindet sich wie bereits erwähnt in der Testphase und es werden noch Beta-Tester gesucht. Unter wondermags.com kann man sich bei Interesse bewerben. Wie das Portal und das Publishing funktionieren, wird sich zeigen. Zumindest gibt es einen weiteren Anbieter, der in diesem Bereich einen neuen und anderen Weg ausprobiert. Wir werden sehen, was daraus wird.

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Rainer Maria Rilke

Okt
15

Gunter Martens und Annemarie Post-Martens

Rainer Maria Rilke wurde zu dem Lyriker, der „das deutsche Gedicht zum ersten Mal vollkommen gemacht hat“, urteilte Robert Musli. Dieses Buch geht den Voraussetzungen und Bedingungen von Rilkes Entwicklung zum außerordentlichen Dichter nach und spürt in Biographie und Zeitgeschichte die Faktoren auf, die den Autor geprägt haben.

Geboren wurde er als René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke und genau da beginnt auch dieses kleine Buch über das Leben und die Erlebnisse des Lyrikers. Sicherlich ist es nicht umfangreich genug, um seine alle Werke erklären, die im Laufe der Zeit entstanden sind, aber dennoch bietet es einen guten Überblick über das Schaffen und die einzelnen Phasen im Leben dieses Künstlers. Auch gibt es Orientierungspunkte welche Einflüsse, Freundschaften, Beziehungen und Erlebnisse prägend für seine Gedichte waren.

Rainer Maria Rilke
Mit zahlreichen Bildern und kurzen, aber aussagekräftigen Beschreibungen schildern Martens und Post-Martens die Lebensabschnitte Rilkes, beschreiben wann welches Buch entstanden ist und vor allem unter welchen Voraussetzungen. Sehr schön gemacht ist auch die Zeitskala, die am oberen Rand fast jeder Seite mitläuft, so dass man gleich weiß, in welchem Jahr was passiert ist. Eine wirklich schöne Idee des Verlages. Als interessierter Leser erfährt man, wer die Lebensgefährtinnen Rilkes waren und es waren nicht wenige, wer ihn finanziell unterstützt hat und welche Länder er bereist hat.

Wer tatsächlich ausführliche Informationen zu bestimmten Phasen, Werken oder Personen aus dem Leben Rilkes sucht, wird mit diesem Buch nicht zufrieden sein. Es ist wirklich für einen Überblick gedacht. Für Kenner also zu oberflächlich.



Eigene Meinung

Bei diesem Buch muss man gleich von vorneherein entscheiden, warum man es lesen möchte. Mir ging es in erster Linie darum, einen Blick auf die Entstehungsgeschichte von Rilkes Werke zu werfen, ohne gleich einen ganzen Wälzer lesen oder ein Studium absolvieren zu müssen. Genau dafür ist es auch perfekt geeignet.

Gelesen wird von Rilke auf jeden Fall das Stundenbuch, wahrscheinlich beide Teile.

„Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.“

„Wenn wir immerfort im Lieben unzulänglich, im Entschließen unsicher und dem Tode gegenüber unfähig sind, wie ist es möglich, da zu sein?“

„Der Mensch hat sich einen Himmel, ein Paradies erfunden, die christliche Religion hat diese Vision ins <Jenseits> befördert und den Tod als Grenze gesetzt.“

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Doofe E-Mail von Rowohlt

Okt
06

Wer jetzt denkt, hier kommt wieder so ein Mimimimimi-Beitrag, der hat vollkommen Recht. Ich muss jetzt ein bisschen nörgeln und die letzte E-Mail, die ich vom Rowohlt-Verlag erhielt, ist einfach nur doof.

 

Rezensionsexemplare – ein leidiges Thema

Zugegeben, ein Verlag ist nicht verpflichtet, an jeden dahergelaufenen Leser, Blogger oder Pressemenschen ein Rezensionsexemplar zu schicken. Trotzdem kann ich wenigstens eine einigermaßen humane Antwort erwarten, wenn ich eine höfliche E-Mail schreibe oder seid Ihr da anderer Meinung?

Es kommt wirklich selten genug vor, dass ich ein Rezensionsexemplar bei einem Verlag anfrage. Das Buch muss mich brennend interessieren oder ich bin Fan des Autors. Dann schaue ich bei den Verlagen nach dem Ansprechpartner, falls ich nicht bereits einen habe, formuliere eine ordentliche E-Mail, warum ich ausgerechnet dieses Buch haben möchte, beschreibe, was die Verlage erhalten (Blogartikel, Link und Rezension als PDF) und oben drauf schicke ich Referenzartikel anderer Verlage. Also eine ganze Menge Chichi.

Von einem namhaften Verlag dann aber die Antwort „Wir haben mit Beginn des letzten Jahres unsere Vergabepraxis für Rezensionsexemplare umgestellt. Seitdem gibt es einen monatlichen Blogger-Newsletter mit exklusiven Angeboten, um die Sie sich bewerben können.“ zu erhalten, finde ich mehr als Panne. Verlagspolitik hin oder her. Ich will mich nicht für irgendwelche Bücher bewerben, die mich vielleicht interessieren könnten. Ich will genau das eine Buch, weswegen ich dem Verlag schreibe. Halten die einen für bescheuert? Ich schreibe doch nicht eine höfliche und ausführliche E-Mail nur um wahllos Bücher zu erhalten. Was soll denn das?

Warum erachten es Verlage mittlerweile als sinnvoller für 3.100 EUR pro Titel zzgl. Buchkosten einschlägige Portale zu bedienen, auf denen 75% der User zu jedem Buch „Oh, das ist ja sooo toll, das will ich fertig lesen.“ tippen, nur um möglichst viele Exemplare abzustauben, anstatt die Dinger an wirklich gewillte Leser zu verteilen? In dem ganzen Werbebudget ist also kein Buch mehr drin für Fans und Liebhaber? Muss man denn alles für gekaufte Amazon-Rezensionen rausblasen, die womöglich sowieso vom Portalbetreiber wieder gelöscht werden? Das ist doch mittlerweile sowas von bescheuert.

 

Bei manchen Autoren braucht man wohl auch keine Blogger – Herrndorf

Herrndorf ist ein bekannter Autor und sein tragischer Tod hat wohl auch das Übrige zum Bekanntheitsgrad getan. Ich kann gut verstehen, dass es hier nicht zwingend notwendig ist, viel Trara um das neue bzw. letzte Buch zu machen. „Bilder deiner großen Liebe“ wird auch so in den Top 10 der Bestsellerlisten landen. Es ist jetzt schon auf Platz 26 bei amazon.de – wozu also noch zusätzliche Rezensionen?

Klar, doch man kann auch davon ausgehen, dass ein Fan sich bei einer Rezension wesentlich mehr Mühe geben wird, als jemand, der vielleicht diesen Autor zum ersten Mal liest. Er wird sicherlich ausführlicher, kritischer und wahrscheinlich überschwänglicher schreiben als nötig und das ist doch genau das, was das Marketing immer will.

 

Was nun?

Ich schmolle jetzt noch eine Runde. Aus purer Gehässigkeit warte ich, bis das Buch als Taschenbuch erscheint und kaufe es erst dann. Damit bestrafe ich in erster Linie mich selbst, aber wer fies sein will, muss sich gedulden. Und auf Rowohlt bin ich gerade nicht besonders gut zu sprechen. Basta!

Herrndorf amüsiert sich sicherlich gerade köstlich über mich…

 

Den anderen Verlagen und deren netten Mitarbeitern danke ich sehr herzlich für das Vertrauen, die angebotenen Bücher und die Rezensionsexemplare. Nehmt es nicht persönlich, ich bin halt gerade ein bisschen angepisst.

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Helle Barden

Okt
04

Terry Pratchett

Helle Barden
In der größten Stadt der Scheibenwelt sorgen verschiedene Gilden dafür, dass sich das Verbrechen in geregelten Bahnen bewegt. Daher ist die Bestürzung groß, als der Assassinengilde das „Gfähr“ gestohlen wird, eine Waffe mit noch unbekannter Wirkung. Offenbar ist jemand freischaffend unterwegs. Und ziemlich schnell bekommen die mehr oder minder unbescholtenen Bürger von Ankh-Morpork das auch zu spüren. Allen voran der Zwerg Björn Hammerhock, den man mit einem Loch in der Brust aus dem Fluss fischt…

Es brechen neue Zeiten an. Nicht nur für Hauptmann Mumm, der endlich seine Lady Käsedick heiraten soll, sondern auch in den Ruhestand geschickt wird. Doch was soll aus der Stadtwache werden? Korporal Karotte ist noch zu unerfahren, die anderen wollen gar nicht und die neuen Rekruten, die aus einem Zwerg, Troll und einer Frau bestehen, eignen sich erst Recht nicht. Wer soll also Mumm nachfolgen? Wäre es nicht schon schlimm genug, dass der Patrizier die Wache dazu gezwungen hatte, gesellschaftliche Minderheiten der Stadt in die Wache aufzunehmen, wird ausgerechnet in der Assassinengilde eine Waffe geklaut. Das Gfähr! Bereits kurz darauf ist nichts mehr gut. Denn das erste Mal seit langer Zeit geschieht ein Mord in Ankh-Morpork. Ein sehr ungewöhnliches Ereignis, denn an den meisten Toden in der Metropole sind die Verstorben selbst schuld. Kein Wunder also, dass die Aufregung umso größer ist, als eins der Opfer ausgerechnet ein Zwerg ist. Das kann nur ein Troll gewesen sein! Recht schnell kommt es zu ersten Unruhen in der Hauptstadt.

Während Korporal Karotte versucht den Fall zu lösen, verfolgt die einzige weibliche Angehörige der Nachtwache gemeinsam mit Gaspode, dem sprechenden Streuner, ganz andere Spuren. Nach und nach muss Karotte feststellen, dass diese Frau ein Geheimnis hat, das wohl auch mit dem kleinen dreckigen Hund an ihrer Seite zusammenhängt.

Pratchett liefert mit diesem Scheibenweltroman einen witzigen Krimi ab. Vom depressiven Hauptmann bis hin zu den wildesten Verstrickungen und einer spektakulären Verfolgungsjagd ist alles dabei, was ein klassischer Krimi benötigt. Viele Verdächtige, unerfahrene Ermittler, die mehr Glück als Verstand haben, eine Romanze und ein Showdown. Das alles verpackt er in die Komik und die eigenen Gesetze der Scheibenwelt. Denn wo sonst gibt es einen Fluss, der so eigenwillig fließt, dass Leichen an seiner Oberfläche bleiben?

Zudem setzt sich Pratchett mit dem Rassenhass, Vorurteilen gegen einzelne Volksgruppen, Lobbyismus, Schusswaffen und einer Art Herrscherprinzip auseinander. Eine geniale Idee hat er mit dem Charakter der Angua entwickelt, denn sie ist nicht nur die einzige Frau bei der Nachtwache, sondern auch Werwolf. Wenn das mal keine Randgruppe ist! Interessant auch die Herangehensweise an die Problematik der Schusswaffen. Pratchett verleiht dem einzigen Gewehr, das selbstverständlich nie so bezeichnet wird, einen eigenen Willen. So richtig durch den Kakao zieht er Lobbyarbeit und in gewisser Weise das Streben nach Macht, denn in Ankh-Morpork gibt es sogar eine Hundegilde, deren Anführer sich zur Aufgabe gemacht hat, alle Hunde aus der Sklaverei durch die Menschen zu befreien und zeitgleich dieses Rudel fanatisch und diktatorisch führt.

 

Eigene Meinung

Auch dieser Roman gehört zu denjenigen, die man leider nicht einfach so lesen kann. Die Hauptcharaktere werden im zuvor erschienenen Roman Wachen! Wachen! richtig vorgestellt. Helle Barden knüpft an vielen Stellen an diese Handlung an. So wird es für alle Leser, die den Wachen-Roman nicht gelesen haben, schwer nachvollziehbar sein, was es mit Lady Käsedick und den Sumpfdrachen auf sich hat oder warum andauernd von einem Schwert die Rede ist, das aus einem Stein gezogen wurde. Diese Einzelheiten erklären aber einen Teil der Handlung im Zusammenhang mit Korporal Karotte und den anderen Mitgliedern der Wache.

Unglaublich gut gefallen, hat mir Pratchetts Idee mit der einzigen Schusswaffe der Scheibenwelt, dem Gfähr. Für uns gar nicht mehr vorstellbar. Wie muss es aber ausgesehen haben, als die ersten Gewehre im Kampf eingesetzt wurden? Was für eine Überlegenheit gegenüber der Armbrust oder dem Bogen! Ein absolutes Machtgefühl. Dies kombiniert Pratchett auch noch mit der Personifikation der Waffe, d.h. es ist das Gfähr, das schießt und tötet, nicht die Personen, die es in den Händen halten. Eine Ansicht, die bestimmte Waffenfanatiker garantiert unterschreiben würden. So liefert Pratchett auch die Ausrede, die wohl viele Personen benutzen, wenn sie plötzlich sehr viel Macht erhalten, nämlich nicht zu wissen, warum sie sich plötzlich anders verhalten und Dinge tun, die sie ohne eine Waffe oder eine andere erhaltene Macht, nicht getan hätten. Schönes Gedankenspiel und ein toller Scheibenweltroman, der sehr nachdenklich stimmt.

helle Barden altes cover

Zu guter Letzt muss ich doch noch ein paar Worte zum Cover loswerden: Es mag ja sein, dass der Manhatten Verlag meint, dass mit den modischen Covern sich die Scheibenweltromane besser verkaufen, aber ich werde mit diesen Motiven einfach nicht warm. Die alten waren so schön. Muss man denn immer alles verbessern müssen? Ausserdem, wer bitte soll das links neben Karotte sein? Ein Assassine? Mum? Bescheuert!

 

„…Es begann, wie so viele Dinge, mit einem Todesfall…“

 

„…Nimm mich zum Beispiel. Ich leide an chronischer Intelligenz. Was kann ein Hund damit anfangen…“

 

„…‚Fehlt irgendwas?‘
‚Schwer zu sagen. Es ist nicht hier‘
‚Was?‘
‚Das Fehlende‘, antwortete Karotte pflichtbewusst…”

 

„…Er verdient eine Menge Geld, indem er Zwergenrestaurants mit so genannten Glücksratten beliefert. Du weißt schon: Ratten mit kleinen Zetteln drin, auf denen die Zukunft geschrieben steht…“

 

Zur Rezension von Wachen! Wachen!

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