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Beerholms Vorstellung

Jan
21

Beerholms Vorstellung

Daniel Kehlmann

Als Lehrling bei einem berühmten Magier findet Arthur Beerholm zu seiner Berufung. Bald füllt er die Säle der großen Städte mit begeisterten Zuschauern. Aber der beste Illusionskünstler aller Zeiten zu sein genügt ihm nicht. Er will über die Grenzen seiner Kunst hinaus, er will mehr als nur den Schein des Wunders.

Arthur fängt nochmal einmal ganz von vorne an und erzählt. Wie alles begann. Und mit Anfang meint er tatsächlich den Beginn seines Lebens. Nämlich seine Geburt. Danach erfährt man einige Dinge über seine Adoptivmutter und ihren tragisch seltsamen Tod, seine Schulzeit und das Studium, seine Zeit im Kloster, seine erbärmlichen Versuche als Zauberer zu überleben und seinen Entschluss Magier zu werden. Von seinem großen Aufstieg, der Magie und ihrer Macht und dem plötzlichen Moment, wenn der größte Wunsch scheinbare Wirklichkeit wird.

Kehlmann lässt seinen Protagonisten aus der Ich-Perspektive erzählen und erst nach einigen Seiten merkt man, dass dieser einen Brief schreibt. Sehr lange bleibt verborgen, an wen er schreibt und eigentlich ist es auch eine lange Zeit überhaupt nicht wichtig.
Als Leser bekommt man das Leben des jungen Beerholms erzählt und obwohl er kaum emotional ist, so kann man sehr gut mitleiden, sich schämen oder staunen. Kehlmann hat diesem Charakter mit wenigen Beschreibungen so viel Tiefgang gegeben, dass man Arthur zu kennen glaubt. Fast denkt man, ihn verstehen zu können und dann wird man doch an der Nase herumgeführt. Man versteht gar nichts. Denn Kehlmann spart zwar nicht mit Infromationen, aber er reduziert sie auf ein absolutes Minimum. Zeitweise schreibt sein Protagonist so intim, dass man das Gefühl hat, man sollte diese Zeilen gar nicht lesen. Sie sind nicht für den Leser bestimmt. Eine Illusion? Warum auch nicht? Durchaus gelungen. Schließlich geht es um einen begabten Illusionisten.

Auf dieses Buch muss man sich einlassen

Dies war mal wieder ein Buch, das mich sehr lange schwanken ließ und ich zeitweise nicht sicher war, ob es total langweilig, seltsam oder absolut genial ist. Doch jetzt, da ich es fertig gelesen habe, bin ich ziemlich sicher, dass es genial ist.
Man muss Kehlmann nur Zeit geben, den Charakter aufzubauen und alles was so scheinbar langweilig daher kommt, wird irgendwo zu einem wichtigen Detail, das zum richtigen Zeitpunkt eine Erklärung liefert.

Ohne lange Monologe, ohne schwere und komplizierte Formulierungen spielt Kehlmann mit Themen, die jeden von uns irgendwann im Leben beschäftigen. Dabei hat er einen eigenen Stil, der sehr angenehm, aber nicht immer einfach ist. Auch in diesem Buch findet die Mathematik ihren Platz in den Gedanken des Protagonisten und um ganz ehrlich zu sein: So habe ich Mathematik auch noch nie betrachtet.

„…Es gibt geringere Ursachen für Alpträume als die Entdeckung, daß im Herz der Mathematik der Keim des Wahnsinns liegt…“

„…Wer versteht sich schon selbst? Wer versteht schon irgend jemanden? Nur Idioten wagen die Behauptung, sie verstünden einen Menschen. Niemand tut das, vielleicht nicht einmal Gott….“

„…Auf keine Weise kommen wir dem Wundern so nahe wie in Begleitung von Zahlen. Die grauenhafte Unendlichkeit, die uns vom Jenseits trennt, wurde nur vom Auferstandenen überwunden und von der geometrischen Kurve; seltsam und erschreckend der Gedanke, dass sie eins sein könnten…“

Ein tolles Buch. Man muss nur die erste Hälfte durchhalten, denn man versteht sie erst, wenn man die zweite gelesen hat. Auf jeden Fall eine Empfehlung für alle, die gerne zwischen den Genres lesen, denn dieses Buch lässt sich schwer einordnen. Eine einfache Erzählung, ein Hauch Phantasie und doch realistisch, bis zum Schluss.

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Bücher gestern und heute

Jan
20

Vor ca. 700 Jahren gehörte man bereits zu den sehr Wohlhabenden und Gebildeten, wenn man einige Bücher besaß. Wobei bereits drei bis vier als einige bezeichnet werden können. Nicht selten wurden Bücher genau so gehütet wie Gold und andere Schätze. Von Generation zu Generation vererbt und in Kriegen versteckt.
Kein Wunder. Zu dieser Zeit wurden die meisten Bücher tatsächlich noch von Hand abgeschrieben und mit aufwendigen Malereien verziert. Wer also ein oder mehrere Exemplare besaß, wusste genau, dass einige Menschen viele Stunden Arbeit damit verbracht hatten, es herzustellen.

Mit Gutenberg wurde eine neue Ära eingeläutet. Mit ihm wurden Berufe wie Papierer, Buchdrucker und Buchbinder zum gefragten Handwerk. Denn plötzlich wurden Bücher für die breite Masse erschwinglich und herstellbar. Kaum zu glauben, dass damals die Bücher noch per Hand und mit heute primitiv wirkenden Werkzeugen hergestellt und gebunden wurden.

Karfunkel 95

Einen wunderschönen Artikel zu genau diesem Thema findet man im Karfunkel Nr. 95. Zwar ist Hauptthema die Familie im Mittelalter, aber auf fünf Seiten ist eine tolle und bebilderte Anleitung zum Nachbau einer Heftlade aus der damaligen Zeit abgedruckt. Nicht nur für Mittelalter-Fans interessant.

Heute kaufen wir mit wenigen Mouse-Klicks ganze Bücher in wenigen Sekunden, die über WLAN auf kleine portable Geräte geladen werden. Diese Geräte fassen den Inhalt ganzer Regale und wiegen selbst teils weniger als ein Taschebuch. Wir tragen ganze Lastwagen an Lesestoff in unseren Taschen durch die Innenstädte und haben 50 Kg Bücher im Handgepäck, wenn wir in Urlaub fliegen. Luxus ist heute der neuste E-Reader nicht das Buch.
Zum Erstellen eines Buches braucht man heute nur noch einen Rechner und etwas Zeit. Die einfache Vervielfältigung wird mittlerweile mehr Fluch als Segen, denn Inhalte sind schnell und meist einfach kopiert.

Jetzt sprechen wir darüber, wie lange es noch das gedruckte Buch geben wird. Wie sich Verlage positionieren können und wollen. Spekulieren darüber, ob unsere Kinder noch lange schwere Schulbücher schleppen müssen.

Im Grunde genommen sind wir wieder in einer Art Gutenberg-Ära. Werden sich Kinder bald eher an ihren ersten E-Reader erinnern, anstatt das erste Buch? Wird es weiterhin Buch heißen? Wird in Zukunft das gedruckte Buch wieder Luxus, weil es in der Herstellung immer teurer wird durch sinkende Nachfrage? Wie werden wir wohl in 200 Jahren lesen?

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Nachgefragt bei Emily Bold

Jan
13

In Deutschland werden eReader und eBooks immer beliebter. Nicht zuletzt wegen Amazon. Mit dem  preislich erschwinglichen Kindle ist das Unternehmen nicht nur dabei seine Geräte in großen Stücken abzusetzen, sondern damit zeitgleich den Markt für Bücher und Autoren zu verändern.

Wie eine Erfolgsstory im Kindle Direct Publishing aussehen kann, beweist die junge Autorin Emily Bold mit ihren Büchern Gefährliche Intrigen, The Curse Vanoras Fluch und Mitternachtsfalke. Alle drei Bücher sind in den Top20 der eBooks im Bereich Liebesromane. Hierbei macht die Autorin vom Cover bis zum Satz alles selbst. Ich wollte mehr erfahren, habe nachgefragt und freue mich sehr hier die Antworten von Emily Bold präsentieren zu können.

Wann hast Du Dich entschlossen, Deine Bücher selbst zu veröffentlichen?

Gefährliche Intrigen

Bereits zu Beginn von Amazon KDP fand ich die Möglichkeit, so endlich Leser für meine Geschichten gewinnen zu können, verlockend. Allerdings hätte ich es mich fast nicht getraut. Die Angst zu scheitern war wirklich groß und viel hatte ich mir ohnehin nicht davon versprochen. Mein Mann war schließlich die treibende Kraft. Ohne ihn lägen meine Texte heute noch in meinem Schreibtisch…

 

Was war für dich der ausschlaggebende Punkt für ebooks?

Die Möglichkeit es selbst zu tun. Ich habe natürlich Kleinauflagen meiner Bücher drucken lassen, aber die Druckkosten sind einfach zu hoch, um damit viele Menschen zu locken. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass dem ebook die Zukunft gehört. Amerika hat es vorgemacht und inzwischen ist dieser Trend auch in Deutschland angekommen.

Warum hast Du Dich für die Publikation über Amazon entschieden? Deine Bücher sind z.B. auch über beam-ebooks.de erhältlich.

Mit Amazons KDP-Programm habe ich meine ersten Schritte in die Welt der Wörter gewagt. Der überraschende Erfolg hat dann natürlich meinen Ehrgeiz geweckt und inzwischen sind meine Bücher fast überall erhältlich.

The Curse - Vanoras Fluch

Für das ebook “The Curse – Vanoras Fluch” hast Du vom Buchcover bis zum Satz alles selbst gemacht. Wie viel Zeit hast Du benötigt?

Diese Frage kann ich nicht genau beantworten. Mein Mann übernimmt hierbei viele Dinge, wie beispielsweise die Konvertierung. Die Cover kosten auch sehr viel Zeit und Mühe und alles in allem habe ich immer das Gefühl, das ganze Drumherum verschlingt mehr Zeit, als das Schreiben der Bücher.

Was war das schwierigste dabei?

Den Geschmack der Leser zu treffen, finde ich sehr schwer. Cover, Klappentext und Leseprobe sind das erste, was ein Leser zu sehen bekommt. Hier entscheidet sich, ob man gelesen wird, oder nicht. Das finde ich persönlich am Schwierigsten.

Wie hat es sich angefühlt, als eines Deiner ebooks das erste mal unter den Top10 Bestsellern bei Amazon gelistet wurde?

Das ging ja sehr schnell und hat mich echt überrascht. Dass alle 3 meiner Bücher so gut angenommen werden, erstaunt mich immer noch. Obwohl der ebook-Markt inzwischen immens gewachsen ist, scheinen sich die Leser immer noch für meine Bücher zu begeistern. In der Amazonkategorie Bücher – meist gewünscht, finden sich „Gefährliche Intrigen“ und „The Curse – Vanoras Fluch“ schon unter den Top 20 Büchern. Das finde ich großartig, zeigt es noch deutlicher als die Platzierungen, dass es sich nicht nur um Zufallskäufe handelt, sondern die Leser wirklich gezielt meine Bücher lesen wollen. Das fühlt sich großartig an und motiviert mich ungemein. Inzwischen steht „Blacksoul – In den Armen des Piraten“ kurz vor der Vollendung, muss dann aber natürlich noch ins Lektorat. Und auch die Arbeit am heißersehnten 2. Teil von „The Curse“ ist bereits in vollem Gange.

Emily Bold

Emily Bold wohnt mit Mann und Kindern, sowie Katze in Mittelfranken. Auf ihrer Autorenseite www.emilybold.de  erfahrt Ihr mehr über die Autorin, ihre bereits erschienenen Bücher und die neusten Projekte. Ich bedanke mich recht herzlich bei Emily für die Beantwortung der Fragen. Wünsche weiterhin viel Erfolg und bin gespannt auf die kommenden Bücher.

 

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Twitterreime VII

Jan
07

Es ist schon erstaunlich, was man alles in 140 Zeichen packen kann. Man braucht sie noch nicht mal vollständig auszunutzen.

 

Herr Müller war ein Handwerksmeister

und rührte oft Tapetenkleister.

Denn beim Malen

klappte es nur nach Zahlen.

 

Eva hatte am Hinterkopf

einen schön geflochtenen Zopf

und wenn sie mal zu heftig log,

der Mark ihr an dem Zopfe zog.

 

Sie stritten um den Grund vom Satz

und des Wortes größeren Schatz.

Kämpften mutig und sehr echt

im harten Buchstabengefecht.

 

Wirf Nesseln in den Kessel,

wollen uns ne Suppe brauen.

Ist noch Platz im Ohresessel?

Kann man hören und auch schauen.

 

Glücklich ist das Komma,

wird es korrekt gesetzt.

Anders oft der Sinn

wenn man es versetzt.

 

Fleißig wie ein Bienchen

hungrig wie ein Bär.

Träume von Apfelkuchen,

was für ein Dessert.

 

Weitere Reime: Twitterreime VI

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Tüte im Zahn

Jan
06

Tüte im Zahn
Daniela Karg

Ob Mißverständnisse, Verwechslungen, körperliche Unannehmlichkeiten oder andere Malheure – Daniela Karg läßt kaum eine der vielen Varianten aus, mit denen der Alltag uns peinigen kann. Ihre heiteren Kurzgeschichten basieren auf peinlichen Mißgeschicken und absurden Beobachtungen. Seien es verschwundene Schuhe oder erste pubertäre Erfahrungen mit Tampons, ein Urlaub in der Kaserne mit unerwarteten Extras oder Schwierigkeiten mit der modernen Kommunikation – es gibt viele Steine, die dem Ahnungslosen im Weg liegen können. Schwungvoll und ironisch, mit Liebe zum Detail und scharfem Blick für das Besondere berichtet Daniela Karg von den Widrigkeiten des Alltags, die viel zu amüsant sind, um ie beschämt zu verschweigen – schließlich ist Schadenfreude die schönste Freude.

Auf 48 Seiten finden sich 26 Geschichten und auf den letzten Seiten einige Gedichte aus dem Alltag, inkl. einer Seite Danksagung. Mitunter sind einige Geschichten fast genau so lang, wie der Text auf der Rückseite des Buches. Allzu Alltägliche Missgeschicke dominieren alle Geschichten, die zum Großteil eher kurze Beschreibungen einer Situation sind.

Eigene Meinung – einfach erstaunlich schlecht

Noch nie habe ich einen Rückseitentext gelesen, der dem Inhalt des Buches so sehr geschmeichelt hat. Um ganz ehrlich zu sein, ist dieser Rückseitentext das beste an diesem Buch, obwohl er sich auf der Außenseite befindet. Die Ideen der Geschichten, bzw. die wahren Begebenheiten sind schon komisch, aber die Autorin schafft es irgend wie nie, dem Leser die Situationskomik zu vermitteln, denn es sind ausschließlich Themen, die von der Art Humor leben.

Eine Geschichte beginnt mit dem Titel „Begrüßungszeremonie“ und endet mit dem Satz:

„Natürlich hat besagter Herr seine Aktentasche wieder mitgenommen, das ist nicht die Pointe dieser Geschichte.“

Dummerweise findet man in den vorherigen 14 Sätzen (länger ist diese kurze Kurzgeschichte nicht) diese besagte Pointe auch nicht.

Ich bedanke mich auf jeden Fall beim Frieling-Verlag Berlin für dieses Rezensionsexemplar. War wohl nicht die richtige Wahl.

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