Vorfreude auf neue Lyrik von Lindemann

Mai
23

Der Oktober ist nicht so weit, wie er momentan scheint. Gute vier Monate. Doch die Zeit kann lang sein, wenn man warten muss und auf dieses Buch warte ich schon eine ganze Weile. Nach „Messer“ freue ich mich riesig auf den neuen Gedichteband aus der Feder von Till Lindemann, der als Sänger der Band Rammstein auch den größten Teil der Songs geschrieben hat. Mehr als zehn Jahre liegen nun zwischen dem ersten Buch und der kommenden Neuerscheinung. Eine lange Zeit.

Bereits der Titel „In Stillen Nächten“ verspricht einige interessante Zeilen, die immer wieder aufs Neue gelesen werden möchten.

In stillen Nächten
Erscheinen wird dieses Buch im Kiepenheuer & Witsch Verlag, den man eher unter der Abkürzung KIWI kennt. Bereits das Cover lässt auch dieses Mal auf einen provokanten Inhalt schließen, mit dem man sich auseinander setzen wollen muss. Ja, ich will und muss mich noch gedulden. Gespannt bin ich ebenfalls auf das Vorwort von Alexander Gorkow und die Illustrationen von Mattias Matthies. Werden sie mit den ausdruckstarken Bilder aus „Messer“ mithalten können? Egal was da kommt, ich freue mich!

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Von der Sau Lena

Mai
22

Lena war ein rosa Schwein,
denn rosa soll ein Schwein auch sein.

Der Rüssel schwebte immer oben,
das ließ so manchen Eber toben.

Das Ringelschwänzchen ging kokett,
das fanden viele sehr adrett.

Doch Eber fanden sie nur nett,
denn sie war dünn und gar nicht fett.

“Was will ich mit ner dünnen Sau?
Sie ist nicht hübsch, vielleicht nur schlau.
Die verliert man gleich im Dreck,
einmal gesuhlt und sie ist weg!”

Doch Lena hörte gar nicht hin,
sie war ein Schwein und sie war dünn.

So kam es, wie es kommen musste,
ein strammer Eber, der viel wusste.

“Lena, du bist mir schon ne Harte,
komm her, an meine dicke Schwarte.
Ich bin sehr fett und auch sehr klug,
hab für uns beide Speck genug!”

 

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Nachtaktiv

Mai
10

Nachtaktiv
Sophie Senoner

Der Berliner Winter ist hart. Vor allem, wenn man Single ist – so wie Heloise und ihre Freundinnen. Gemeinsam ziehen sie durch die Clubs der Stadt und suchen zwischen One-Night-Stands und durchtanzten Nächten die große Liebe.

 

Heloise, Mia und Luise sind an Silvester nicht nur betrunken, sondern auch auf irgendwas drauf. So beginnt die Erzählung, die in Form von Tagebucheinträgen ein Jahr lang das Leben der Protagonistin schildert. Heloise hat sich vorgenommen, als Berlinerin den richtigen Mann fürs Leben zu finden. Prompt begegnet er ihr in der Silvesternacht: der Handschuh-Mann! Seinen wahren Namen kennt sie nicht und schließlich ist da noch Philipp, ihr Verflossener. Zwischen Partys, Uni, schwulem Vater mit neuem Freund, Job, einem ordentlichen Dauersuff und Facebook, versucht Heloise endlich von ihrem Ex-Freund loszukommen. Erst als sie ihm nach Indien folgt, wird ihr klar, dass nichts mehr so sein wird, wie früher.

Senoner erzählt das Leben einer jungen Frau, die nicht nur auf der Suche nach Mr. Right, sondern sich selbst ist. Ihre Protagonistin ist recht einfach gestrickt. Ein Mädchen mit vielen Vorurteilen, die für nichts und gegen alles ist. Eine echte Berlinerin, die denkt etwas sein zu müssen, was sie gar nicht sein möchte. Vielleicht auch nur, um in das Gesamtbild der Zeit zu passen. Erst als ihre beiden engsten Freundinnen Mia und Luise eigene Wege gehen, stellt sie fest, dass ihre Welt und damit die eigene Vorstellung nicht dem entspricht, was die anderen immer Realität nennen.

Eigentlich schreibt Senoner sehr nüchtern und kaum übertrieben. Die Charaktere nimmt man ihr als Leser ab, auch die Geschichte, die sich sehr schnell und angenehm entwickelt. Allerdings hat die Geschichte im letzten Drittel einige Längen und man weiß schon sehr früh worauf die Sache hinausläuft. Doch am Ende gibt es dann doch das erwartete Happyend

 

Eigene Meinung

Eine nette Erzählung für junge Frauen. In dem einen oder anderen Charakter findet man sich selbst etwas wieder. Ein paar Klischees werden von Senoner bedient. Die drei Freundinnen erinnern ein bisschen an Sex and the City, mit ein bisschen weniger Sex, dafür mehr City. Man muss allerdings der Autorin zugestehen, dass die Sexszenen gelungen sind. Sie lesen sich natürlich. Keine seltsame Wortwahl oder übertriebene Darstellung. Das gefällt und überzeugt. Trotzdem hat man immer den Eindruck, dies ist ein Roman von einer Berlinerin für andere Berliner. Ein Hauch Lokalpatriotismus schwingt immer mit.

„…und ich denke: mein Gott, diese Kokser können aber viel auf einmal machen. Und dann fällt mir auch ein: Genau so ist dieses Boris-Becker-Besenkammer-Baby mit den orangen Haaren und dem Albino-Lächeln entstanden!…“

„…wie ein Zeichen Gottes: Was ihr macht, ist Sünde. Exfreunde sollen nicht miteinander schlafen. Zack bumm, Hitlerherpes!…“

„Die Basis jeder guten Diät ist eine Durchfallerkrankung.“

 

vorabelesen.de

Ein herzliches Dankeschön geht an vorablesen.de für das Rezensionsexemplar. Dieses Buch war auf jeden Fall eine Abwechslung und für jeden Berlinliebhaber ein Leseschmaus.

ullstein – ISBN-13: 978-3548284729

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Seltsame Fragen

Apr
30

Beantworten wir nicht täglich eine Menge von Fragen? Oft sind es ziemlich belanglose, z.B. „Schmeckts?“, „Was hörst du da?“ oder „Wie ist das Wetter bei Euch?“. Von Zeit zu Zeit müssen wir uns allerdings auch Fragen stellen, die unser Leben stark verändern oder uns völlig aus der Bahn werfen, denn nur die wenigsten müssen eine Antwort auf „Willst du mich heiraten?“ mehr als einmal geben und noch viel weniger eine auf „Sollen die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt werden?“. Sicherlich, die zwei letzten Fragen sind nicht einfach zu beantworten und schon gar nicht voreilig. Auch wenn man bei diesen Entscheidungen lange überlegen muss, findet man letzten Endes gezwungenermaßen eine Antwort, außer der Lauf der Dinge kommt einem zuvor.

In einer aufgeklärten Zeit, in der man Gelegenheit zum Nachdenken und fast uneingeschränkten Zugang zu Informationsquellen hat, sind Fragen nach dem Sinn und Leben fast zur Routine geworden. Reizvoll also, wenn man über eine wie diese stolpert: Gibt es einen größeren Irrtum als die Annahme, die Erde sei eine Scheibe? So gelesen in einem Artikel auf SPIEGEL online. Da muss man schon eine ordentliche Erklärung parat haben, wenn einem undurchdachten Ja/Nein als schnelle Antwort, eine weitere Frage folgt.

Wir schmettern den Fragenden ein überzeugendes „Nein!“ entgegen

Der Fragende schmunzelt nur und seine prompte Frage lautet: „So? Wir sind also allein im Universum? Es gibt einen Gott? Wir finden die Formel für das ewige Leben?“

An dieser Stelle lassen sich unzählige ähnlicher Fragen anführen und alle laufen nur auf die Tatsache hinaus, dass wir viele Dinge noch nicht oder nie werden beweisen und damit beantworten werden können. Der Glaube, die Erde sei eine Scheibe hat aber eine ganze Zeitlang das Denken und Handeln der Menschheit bestimmt. Erst als ein Beweis diese Vorstellung widerlegen konnte, wusste man, dass man sich geirrt hatte. Eine weitreichende Erkenntnis, nicht nur für die damalige Zeit. Denn schließlich waren zu der Zeit Leben, Gesellschaft, Religion und Politik auf ein bestimmtes Weltbild ausgelegt und bestimmten selbst die Wissenschaft. Man kann also mit Recht behaupten, dass diese Annahme die größte der Menschheit ist. Man konnte sie zumindest widerlegen. Doch was war mit der Erkenntnis, dass nicht Gott die Menschen erschaffen hat und schon gar nicht die Frau aus der Rippe eines Mannes, sondern wir allesamt von den Affen abstammen bzw. dieselben Vorfahren haben? Jetzt kann man sich herrlich streiten und weitere von der Wissenschaft aufgedeckt Irrtümer aufführen, die den Verlauf und die Entwicklung der Menschheit gravierend verändert haben.

Beantworten wir diese Frage mit einem beherzten „Ja!“

Welchen größeren Irrtum gibt es also, ist wohl die logische Frage, die unserer Antwort folgen wird. Die Bejahung scheint auf den ersten Blick wesentlich einleuchtender, als das Abstreiten. Doch was macht uns in diesem Fall so sicher? Wären die Menschen damals nicht los gesegelt, um zu schauen, was dort hinten an der Kante des Meeres ist, würden wir dann immer noch denken die Erde sei eine Scheibe? Vielleicht aber wären wir heute die Meinung, sie sei ein Würfel oder sogar ein Schiff, mit dem wir durch das Weltall fahren.

Zielt diese Frage also gar nicht auf den Beweis, sondern auf die Vorstellung ab? Sie ist nicht umsonst in der Gegenwartsform formuliert. Es wird heute keiner mehr bestreiten wollen, dass die Erde keine Scheibe ist. Was also ist der größst anzunehmende Irrtum unserer Zeit? Erst vor kurzem mussten die Wissenschaftler feststellen, dass der Weltraum immer schneller, anstatt langsamer, wie bisher angenommen, expandiert. Wir wissen immer noch nicht, was die Antimaterie ist. Hat Einstein Recht mit seiner These, dass die Lichtgeschwindigkeit die höchste ist, die jemals erreicht werden kann?

Wir wissen es nicht. Erst wenn wir an einem Tatbestand zweifeln können, hat unsere Vorstellung die Chance, einen Irrtum zu erkennen. Das allerdings ist der erste Schritt.

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Nicht mein Märchen

Apr
21

Nicht mein Märchen
E.M. Tippetts

Stellt euch vor, Robert Pattinson taucht an eurer Haustür auf und will euch mit Eiscreme füttern, aber ihr hattet nie Interesse daran, die Twilight-Filme zu sehen. Eure Mitbewohnerin und jede andere Frau in der Nachbarschaft werden fast ohnmächtig, aber irgendwie fühlt ihr euch zu dem Typen einfach nicht hingezogen. So ähnlich ergeht es auch Chloe Winters. Gezeichnet von einer schweren Kindheit war sie gezwungen ihr Leben sehr pragmatisch anzugehen, sie schlägt sich als Studentin in Albuquerque durch und gehört nicht zu den Leuten, die an Märchen glauben…

Eigentlich will Chloe gar nicht mitten in der Nacht als Statistin für den berühmten Jason Vanderholt auf dem Campus ihrer Uni stehen und frieren. Zudem interessieren sie weder der Schauspieler noch seine Filme und damit ist sie die Ausnahme unter den weiblichen Studentinnen. Doch ihrer Mitbewohnerin und besten Freundin Lori zuliebe kommt sie mit, genauso wie Matthew, ihr bester Freund, der aus Texas stammt, gut aussieht und einen Keuschheitsring trägt. Gerade als die drei mit den anderen Statisten in einer Reihe stehen und auf ihren Einsatz warten, kommt der Star vorbei und spricht Chloe an. Er kenne sie. Sie sei doch die Schwester eines Freundes. Doch Chloe wehrt ihn unter den neidischen Blicken der Umstehenden ab. Nach einer kurzen Unterhaltung, die ihr gar nicht angenehm ist, stempelt sie den Vorfall als erledigt ab. Als Jason aber plötzlich in dem Dinner auftaucht, in dem sie jobbt, ahnt sie nicht auf welches turbulente Abenteuer sie sich beim Tausch ihrer Telefonnummern einlässt. Denn eine Berühmtheit zu kennen, bringt nicht nur Vorteile. Zudem muss sich Chloe eigentlich um ihr Studium, ihre Mutter und den sich immer merkwürdiger benehmenden Matthew kümmern. Zu allem Überfluss wird sie durch die neue Bekanntschaft zu einem Superstar mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, die sie an so etwas wie Märchen gar nicht erst glauben lässt.

‚Nicht mein Märchen‘ ist das erste ins Deutsche übersetzte Buch von E.M. Tippetts. Sie schreibt sehr leicht und angenehm, sodass man zügig in die Handlung hinein findet. Die Protagonistin ist sympathisch und man freut und leidet gerne mit ihr, auch wenn die Probleme in der Handlung manchmal zu leicht gelöst werden. Doch dem Spannungsbogen schadet das nicht. Im letzten Teil allerdings hat die Geschichte einige Stellen, die die Story wiederholen. Das ist sehr schade, denn die hätte sich Tippetts durchaus sparen können. Ein Buch für Urlaub, Ferien und verregnete Nachmittage. Wer moderne Märchen mit einer Prise Romantik mag, dem wird die Geschichte sicherlich sehr gut gefallen.


Eigene Meinung

Wenn es so etwas wie Chik-Lit tatsächlich gibt, dann fällt dieses Buch sehr wahrscheinlich unter diese Kategorie. Zwar ist es wirklich eine sehr leichte und angenehme Lesekost, allerdings ist es sehr amerikanisch. Keuschheitsringe, „Das Gespräch“ und einige andere Dinge, die in den europäischen Büchern gar nicht thematisiert werden, tauchen hier auf. Das ist zumindest eine Abwechslung. An einigen Stellen ist das Buch sehr Dialog lastig, was im ersten Moment nicht stört, aber hier und da weiß man nicht mehr, wer was sagt. Nicht besonders gefallen hat mir die Story rund um die Nichte von Jason Vanderholt, die im zweiten Teil des Buches eine wesentliche Rolle spielen soll, der Charakter aber etwas lieblos und überzogen daher kommt. Anscheinend wollte die Autorin unbedingt noch einen belehrenden Aspekt in die Handlung aufnehmen. Aus meiner Sicht ist es nicht besonders gut gelungen. Wer aber Liebesgeschichten mit Happy End mag, dem wird die Geschichte gefallen. Mich konnte sie nicht in allen Punkten überzeugen.

Nichtsdestotrotz bedanke ich mich sehr herzlich für das Rezensionsexemplar. Dieses Buch war nicht ganz mein Märchen.

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