1. Online Autorenmesse

Dieses Jahr fand die erste Online Autorenmesse statt. Veranstaltet hat diese, in Kooperation mit BoD, Jurenka Jurk, Leiterin der Romanschule Schreibfluss am Bodensee. Interessierte Autoren und solche, die ihr erstes Buch in Angriff nehmen, konnten 30 Video-Interviews mit Kennern und Experten der Branche, online anschauen. Innerhalb der sieben Messetage wurden die Interviews nach Themenblöcken präsentiert, so dass täglich drei bis vier Redner ihre Vorträge hielten. Nach den ersten Aussagen der Veranstalterin haben über 3.300 Personen den Interviews gelauscht.

Die Teilnahme war für alle kostenlos, allerdings waren die 35- bis 60-minütigen Interviews lediglich 24 Stunden online abrufbar, ebenfalls die Specials, die einige der Referenten den registrierten Messebesuchern zur Verfügung stellten. Für einen sehr moderaten Messebeitrag von EUR 67 (nach der Messe EUR 87) konnte bzw. kann man alle Interviews uneingeschränkt nutzen.

Die Themen der Interviews bilden einen Querschnitt durch die Branche. So war die Vorstellung von Software für Autoren genauso zu finden wie Vorträge zur Charakterentwicklung bis hin zur Motivation beim Schreiben. Ebenso wurden das Marketing, Rechtliches und Schreiben als Handwerk angesprochen.

 

Kostenlos und online – taugt das was?

Jeder der einmal eine Messe besucht hat, weiß wie es läuft: Erst werden die großen Stände abgeklappert und es wird mitgenommen, was nicht angenagelt ist. Ob einen das Unternehmen und dessen Produkte interessieren, ist zweitrangig. Hauptsache es gibt eine Besucher-Bag und gute Häppchen. Zugleich ist man tief enttäuscht, wenn etwas Kostenloses nur einen Bruchteil der Erwartungen erfüllt, denn meist sind es vertrocknete Gummibärchen und billige Kekse sowie die gute Jutetüte.

In Deutschland ist man geizig und geil auf Kugelschreiber. Online-Veranstaltungen gibt es zwar, sie sind aber noch lange nicht so verbreitet wie in anderen Ländern. Hier haben wir definitiv Nachholbedarf. Bei einer Online Messe gibt’s noch nicht mal einen Keks! Welche Vorteile hat man also?

  1. Man spart Anreisekosten, ggf. auch die für eine oder mehrere Übernachtungen.
  2. Man ist flexibel in der Zeit, wann man die Videos anschaut und
  3. die kostenlosen „Kugelschreiber“ gibt es bei der Mehrzahl der Referenten dennoch, aber in digitaler Form.

Die technische Umsetzung war sehr gut, die Benutzeroberfläche angenehm und leicht verständlich, so dass auch nicht ganz Internet- und online-affine Teilnehmer gut folgen konnten. Bei dem Aufbau und der Gliederung der Website hat man sich genauso Gedanken gemacht, wie bei der Durchführung. Registrierte Nutzer erhielten jeden Tag eine E-Mail mit den Links zu den entsprechenden Interviews. Die Server liefen nach dem ersten Tag (man hatte wohl mit weniger Ansturm gerechnet) einwandfrei und ohne Ausfall, das Login klappte zügig und die Videos liefen ohne Probleme oder Hänger durch, alle Medien blieben die 24 Stunden abrufbar.

Interaktion mit den Referenten war über einfaches Kommentieren unter dem jeweiligen Interview möglich. Eine pragmatische, aber sehr effiziente Lösung. So hatten auch die Interviewpartner eine Möglichkeit, auf Fragen ohne Zeitdruck zu reagieren. Erfreulicherweise taten das auch viele, was den einzelnen Vorträgen mehr Leben einhauchte. Die Bild- und Tonqualität auf Seiten der Moderation waren immer top, bei den Referenten gab es hier und da ein paar Einschränkungen.

 

Eine Messe ist kein Kongress

Selbstverständlich war diese Online Autorenmesse eine Präsentations- und Verkaufsveranstaltung.

Dies ist Sinn und Zweck einer Messe. Die Interview-Partner sind selbst Autoren, Coaches oder andere Dienstleister in der Branche und bieten ihr Know-how größtenteils hauptberuflich auf dem Markt an.

Die Interviews sind ganz klar auch Werbung für das eigene Angebot, allerdings konnte man hier direkt die Unterschiede sehen und sich besonders von den Coaches ein gutes Bild machen. 40 bis 60 Minuten sind eine Menge Redezeit und zeigen sehr viel von der Person. Als Zuhörer kann man sich die ersten Gedanken machen, ob eine Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Referenten vorstellbar wäre oder dessen Ratgeber interessant genug, um ihn zu kaufen. Bereits nach den ersten Antworten weiß der Zuhörer, wer sich auf das Interview gut vorbereitet hat und wer davon ausging, die Fragen einfach nebenher beantworten zu können. Vor allem aber sieht man sehr schön, wie Botschaften transportiert werden und ob die Experten sich auszudrücken wissen. Darüber hinaus, ob sie wissen, wovon sie sprechen. Wer tatsächlich Profi ist und sich vorbereitet hatte, der hatte auch die besten Tipps gegeben. Die „Kugelschreiber“ waren entsprechend ansehnlich.

Wer allerdings in den Vorträgen echten Know-how Transfer erwartet hatte, oder gedacht hat, es würde sich um Online-Kurse für EUR 0 handeln, der möge zu recht enttäuscht sein. Denn sind wir doch mal ehrlich: Keiner verschenkt sein Wissen und seine Erfahrung einfach aus Nächstenliebe. Und das ist auch okay. Dafür gibt es Workshops und Kongresse, bei denen der Teilnahmepreis entsprechend angesetzt ist. Da kann man auch etwas anderes erwarten und angemessen enttäuscht sein, wenn nicht geliefert wird.

 

Meine persönlichen Highlights dieser Messe

Diana Hillebrand [SCHREIB & WEISE]: Sehr gutes Interview mit Kernaussage, dass man Erfahrung sammeln soll und muss durch schreiben, schreiben und schreiben. Wichtigkeit von Schreibgruppen. Was ein Schreibcoach leisten kann, warum Schreibratgeber gut sind und gelesen werden sollten, warum sie nicht einschränken, sondern helfen. Die beste aller Aussagen war, dass das Schreiben aus Spaß geschieht und dass man sich für das Schreiben aktiv entscheidet.

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

 

Barbara Drucker [AVENTIURE]: Sehr schöne Tipps zu Kampfszenen – die Figur muss etwas zu verlieren haben. Grenzen – was kann die Figur in einem Kampf leisten? Womit rechnet der Gegner nicht? Gedanken in Stress-Situationen: Keiner denkt grammatikalisch korrekt in Kampfszenen, keine hat philosophische Gedanken.

HA!

 

Ronny Rindler [RINDLERWAHN]: Tatsächlich tolle Bühnen-Beispiele für show, don’t tell. Was unerfahrene Schauspieler und Autoren gemeinsam haben (Drama statt echte Szene). Was ist das Ziel meiner Figur?

 

Wolfgang Tischer [literaturcafe.de]: Hier spricht einfach ein Kenner der Branche mit vielen Jahren Erfahrung. Ehrlich und wohl für viele ernüchternd. Ich empfehle jedem einmal den Vortrag zum Self-Publishing zu besuchen. Das lohnt sich wirklich. Top!

 

Diese Referenten, neben Sebastian Fitzek und Andreas Eschbach, wussten genau, wovon sie sprachen und waren Klasse vorbereitet. Klare anschauliche Beispiele wurden gut erklärt. Tipps während des Interviews wurden genannt, über die eigenen Erfahrungen geplaudert. Da hat es richtig Spaß gemacht zuzuhören.

 

 

Fazit

Eine gelungene Veranstaltung, zu der man Jurenka Jurk gerne gratuliert. Der Schritt diese Veranstaltung online durchzuziehen erfordert Mut und daher meinen vollen Respekt vor der Leistung. Ganz wenige Partner musste sie durch das Interview treiben. Professionell fasste sie etwas wirre Antworten zusammen und zog gekonnt eine Quintessenz für den Zuhörer. Hier hat die Moderatorin einen hervorragenden Job gemacht. Das gehört aber wohl genauso dazu wie die ausgezeichneten Interviews, von denen es sehr viele gab. Bei einigen Themen hätten 30 Minuten vollkommen gereicht.

 

Als Zielgruppe kann man Autoren anführen, die ihr erstes Buch planen oder bereits geschrieben haben und nun darauf aufbauen möchten, die weiteren Input oder Werkzeuge brauchen, z.B. zur Vorbereitung einer Lesung oder Textbearbeitung. Für diejenigen, die bereits etwas mehr mit der Branche zu tun haben, ist es dennoch interessant zu sehen, was die anderen machen, welche Möglichkeiten es gibt oder einfach mal zu lauschen, was die Konkurrenz erzählt und anbietet. Gut investierte Zeit ist es allemal.

 

Persönlich

Nach einigen Interviews habe ich gleich ToDos für mein aktuelles Projekt notiert. Sogar Ideen sind mir gekommen, was in der Handlung passieren sollte, was ich überarbeiten und nochmals anschauen muss. Außerdem werde ich einigen Websites einen ausführlichen Besuch abstatten.

Und damit habe ich mehr erhalten, als ich vor der Veranstaltung erwartet habe.

 

Hoffentlich gibt es nächstes Jahr wieder eine Online Autorenmesse. Ich würde mich sehr freuen und jedem angehenden Autor empfehlen, sich dann anzumelden und einfach zu lauschen.

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