Die etwas unangenehmen Fragen an Buchblogger

Im September hat Stefan Mesch, seines Zeichens Literaturkritiker und Journalist, auf seinem Blog Fragen an Buchblogger von Stefan Mesch gestellt. Die meisten werden jetzt denken: „Ja, prima. Wieder so ein Stöckchen mit den üblichen ‚Warum bloggst du?‘-Fragen.“ Und damit habt Ihr nicht ganz Unrecht, wobei man Mesch schon zugestehen muss, dass seine Fragen gut sind. Hier könnt Ihr sie nochmal nachlesen und ggf. mitmachen.

Dies taten auch die Jungs von booknerds.de und noch viel mehr. Denn Chris Popp entwickelte den Fragebogen sogar weiter und fügte „andere unbequemere, stacheligere und kratzigere“ Fragen hinzu. Die sind ziemlich spannend und ich wage mich mal an die Beantwortung. Es heißt wohl auch die Hose runterzulassen.

 

Runde 1 – Gemischte Fragen an Blogger, Redakteure und mehr (softcore und medium):

Welche Daseinsberechtigung hat Dein Blog?
Ich kann mir keine Autorennamen und Buchtitel merken, zudem vergesse ich immer wieder, auf welchen Portalen was zu finden ist. Mein Blog ist eigentlich ein riesiger digitaler Merkzettel.

Der Blog oder das Blog?
Der Blog. Im Schwäbischen heißt es schließlich auch der Butter (Warum auch immer).

Einer Deiner Artikel wird von einem anderen Blogger oder beispielsweise einem Amazon-Rezensenten geklaut. Wie reagierst Du?
Ich frage mich insgeheim, was ihm/ihr das bringt, denn schließlich ist es mein und nicht sein Artikel, also auch meine Meinung.

Dein Blog ist urplötzlich offline, nichts geht mehr. Wie reagierst Du dann?
Etwas verärgert und frage meinen Mann, ob er bitte mal nachschauen könnte, was da los ist.

Du hast einen Gutschein erhalten, um 2.500 gleiche Artikel Deiner Wahl mit dem Logo Deines Blogs als Werbeartikel anfertigen zu lassen. Allerdings sind Flyer, Lesezeichen, T-Shirts und Kugelschreiber tabu. Welchen Artikel würdest Du auswählen?
Unterhosen oder Schlüsselanhänger. Von beiden kann man nie genug haben.

Nenne zwei Bücher und Deinen persönlichen perfekten Soundtrack dazu.
Ich verstehe gerade nicht, was ich hier nennen soll. Musik als Untermalung zur Lektüre oder ein Soundtrack, der ein Buch perfekt darstellt? Bin verwirrt!

Schreibst Du Deine Rezensionen handschriftlich vor?
Nein, das ist viel zu zeitraubend, sie dann nochmals abtippen zu müssen. Außerdem stöbere ich gerne nebenbei auf den Autoren- und Verlagsseiten.

Verunstaltest Du Bücher für deine Schreibarbeit mit Knicken, Markierungen etc. oder behandelst Du sie eher wie ein rohes Ei?
Noch Fragen?

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Wenn Du eine Schreibblockade hast – wie gehst Du vor, um diese zu überwinden?
Nicht ans Schreiben denken. Ich mache etwas anderes. Meistens gehe ich mit dem Hund spazieren oder schaue Serien und/oder lese.

Schreibe ein kleines Gedicht (mindestens Vierzeiler) über Dein(en) Blog.
Es fing so harmlos an

und größer wurde dann

der Blog mit all der Zeit

und`s Ende ist noch weit

nicht in Sicht.

Welch dummes Gedicht.

Du liest in einer anderen Rezension absoluten (tatsächlichen!) Unfug – sie quillt über vor inhaltlichen Fehlern. Wie reagierst Du? Kommentierst Du? Schreibst Du den Verfasser an? Oder hältst Du die Finger still?
Das kommt ganz darauf an, um welches Buch es sich dabei handelt.

Hast Du schon mal eine Idee von anderen Bloggern geklaut?
Zählt das Erstellen eines Stöckchens bereits zum Ideenklau? Dann ja.

Hast Du Dich schon mal einer Formulierung in einer anderen Rezension bedient, die Du gerne so ähnlich auch in einem Deiner Texte haben wolltest?
Interessante Frage. Unbewusst sicherlich, ich könnte jetzt aber kein konkretes Beispiel benennen.

Das exotischste Buch in Deiner Sammlung ist:
Goethes Faust I – mit französischem Vorwort und Bemerkungen aus dem Jahr 1881.

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Runde 2 – Gemischte Fragen an Blogger, Redakteure und mehr (medium+ und hardcore):

Stell Dir vor, man böte Dir an, Dein(en) Blog oder zumindest Deine Internetadresse für einen ordentlichen Batzen Geld zu verkaufen. Was würdest Du tun?
Sehr wahrscheinlich es gar nicht glauben und als Fake abtun.

Geld verdienen mit Deinem Blog – wie weit würdest Du gehen?
So weit, dass ich die Dinge mit meinen Überzeugungen und Werten vereinbaren und vor allem auch vertreten kann.

Hast Du schon mal heimlich ein Buch gelesen/einen Film gesehen/eine Serie geschaut, obwohl Du eigentlich sagtest: „Den Mist? Never ever!“?
Ich glaube schon. Allerdings nur, um festzustellen, dass es tatsächlich Mist ist.

Liest Du Dich selbst gern?
Stellenweise. Dann denke ich: Oh, da hattest du aber einen der seltenen Geistesblitze.

Besonders bei Gedichten geht es mir so. Meistens finde ich die Sachen aber eher durchschnittlich, wenn nicht sogar schlecht.

Man lobt Dich für einen Deiner Beiträge oder gar für Dein ganzes Blog total in den Himmel. Wie gehst Du mit diesem Lob um?
Ich bekomme Angst. Meistens steckt hinter so etwas eine bestimmte Absicht und die ist selten gut. Über einen netten Kommentar freue ich mich aber sehr.

Man attestiert Dir aufgrund einer Kritik keine Ahnung. Wie reagierst Du auf so etwas?
Ich fange an zu recherchieren, um zu prüfen, ob ich tatsächlich einen oder mehrere Fehler begangen habe. Falls das nicht der Fall ist, frage ich beim Kritiker gerne nach, was er genau meint.

Man wirft dir als Blogger/Journalist vor, Du übtest Deine Arbeit nur aus, um so möglichst viele Rezensionsexemplare abzugreifen. Wie begegnest Du diesem Vorwurf?
Zwar ist mein Blog nur privater Natur, aber tatsächlich bekomme ich auch Rezensionsexemplare angeboten. Dennoch kaufe ich die den Großteil meiner Bücher selbst. Da Lesen für mich zwar angenehmer und unterhaltsamer Zeitvertreib, dennoch Zeitaufwand ist, lese ich nur noch das, was mich interessiert.

Ein Autor oder Verlag verlangt von Dir, Deine Rezension abzuändern oder gar zu löschen. Wie wirst Du handeln? Oder ist Dir das gar passiert? Falls ja: Wie hast Du gehandelt?
Ist mir so noch nicht passiert. Solange ich mit der Rezension weder jemanden beleidige, noch die Rechte anderer verletze, werde ich die Rezension nicht ändern oder löschen.

Der Autor/Verlag droht mit einer Klage, wenn Du die Rezension nicht abänderst/löschst. Und nun?
Ich frage befreundete Anwälte, was man am besten tun kann/soll/muss.

Hast Du bei Rezensionen schon mal geschummelt (beispielsweise das Buch nicht zu Ende gelesen und trotzdem eine vollständige Rezension geschrieben)?
Nein. Ich quäle mich durch fast alle Bücher, die ich angefangen habe, egal wie schlecht sie sind. Nur ganz selten breche ich eins ab.

Sind Zugriffszahlen/Like-Zahlen und Followerzahlen wichtig für Dich? Wie wirken sie sich hinsichtlich Motivation aus?
Gar nicht. Ich glaube sowieso, dass mein Blog nur von einer Handvoll Menschen gelesen wird.

Liest Du auf dem Klo?
Heute nicht mehr. Früher schon. Komisch eigentlich.

 

Runde 3 – Zur Entspannung. Du als Konsument (softcore und seicht):

Gab es schon mal einen Protagonisten in einem Buch oder eine Figur in einem Film oder einer Serie, und Du dachtest: Verflucht, kennt der Autor mich?
Ähm, ja.

Stell dir vor, Du könntest die Protagonisten oder beliebige andere Figuren aus zwei Büchern/Filmen/Serien miteinander vertauschen. Wen und warum?
Ich glaube, ich würde gerne die Klonenkrieger und die Jedi-Ritter in „Der Hobbit: Die Schlacht der Fünf Heere“ sehen. Das wäre die episch epische Epic-Schlacht.

Welches ist Dein peinlichstes Lieblingsbuch/Dein peinlichster Lieblingsfilm/Deine peinlichste Lieblingsserie?
Puh! Ich mag Vin Diesel in Riddick. Ist das peinlich?

Welches war das frustrierendste Buchende/Filmende/Serienfinale für Dich? Wie hätte es ausgehen sollen? Warnung an die Leser der Antworten: Spoileralarm!
Hier geht’s schon wieder los. Hätte ich darüber gebloggt, wüsste ich es sicherlich noch. Ich fand die gesamte Serie Vikings ziemlich schrecklich. Gilt das?

Wenn Dein Leben oder Deine persönliche momentane Situation als Buch oder Film veröffentlicht würden: Wie hieße das Buch/der Film?
Marley und ich

Unser Labrador macht mich manchmal echt fertig und hat temporär was von Marley, aber lange böse sein, kann man ihm nicht.

Welches Buch/welcher Film/welche Serie hat Dich derart beschäftigt und aufgewühlt, dass Du tagelang an kaum etwas anderes denken konntest?
The Ring (USA 2002)!

Der Film war echt gruselig und hat mich sehr lange verfolgt. Vor allem ist das Ende ja quasi „interaktiv“. Das hatte einen Effekt auf mich, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Gänsehaut!

Hast Du schon einmal einer Figur aus einem Buch, einem Film oder einer Serie nachgeeifert? Oder wurdest Du hierdurch zu einer Handlung/Tat inspiriert?
Nein, bisher nicht.

 

Runde 4 – Drei Dinge, die…

…das Schreiben schreibenswert machen:

  • gute Geschichten
  • eine facettenreiche Ausdrucksform
  • uraltes Handwerk, das man über Jahre mit viel Übung erlernt.

…Dir bei manch anderem Blog mächtig auf die Nerven gehen:

  • Blogs mit überwiegend 5-Sterne Rezensionen. Lesen die nie ein schlechtes Buch?
  • Fehlendes Impressum
  • Pink

…Du Dir bei deinem eigenen Blog schon ewig vorgenommen, aber noch nicht verwirklicht hast:

  • Alte Artikel endlich ordentlich Korrektur lesen.
  • Tote Links aktualisieren.
  • Mehr über Stuttgart schreiben.

…Dir das Lesen spontan madig machen:

  • Kilometerlange Sätze, bei denen man am Ende nicht mehr weiß, worum es am Anfang ging.
  • Seltsame Zeitsprünge
  • Zufälle als Konfliktlösung

…Du gerne als Ausrede nutzt, nur um mehr Zeit zum Lesen zu haben:

  • „Das hat noch Zeit.“
  • „Das hat noch Zeit.“
  • „Das hat noch Zeit.“

…nicht so wichtig sind wie dein Blog:

  • Ablage
  • Seltsame E-Mailanfragen
  • Fernsehprogramm

…Dir definitiv wichtiger sind als dein Blog:

  • Familie und Freunde
  • Dinge und Erlebnisse, bei denen ich etwas dazulernen kann.
  • Bezahlter Job

Runde 5 – ein paar Sätze zum Vervollständigen:

Amazon ist…
…wohl eins der mächtigsten Unternehmen der Welt.

In meinem Wohnort…
…gibt es viel zu viel Stau.

Ein Autor schreibt Bücher, weil…
…er etwas zu sagen hat und es Menschen gibt, die seine Geschichten lesen.

Marcel Reich-Ranicki fand ich…
… überschätzt, polemisch und unsympathisch.

Hysterisierung und Pathetisierung in der Literatur…
… ist ein nerviges, dennoch notwendiges Übel.

Was ich im Literatur-/Film-/Serienbusiness niemals verstehen werde, ist…
…wie die es immer wieder schaffen, gute Bücher schlecht zu verfilmen.

Wenn ich die Bibliographie eines bestimmten Autoren/einer bestimmten Autorin einfach auslöschen könnte, dann die von _________, weil __________.
Das steht mir einfach nicht zu und es sollte keiner tun, außer wir reden über Schwerstverbrecher, aber selbst dann, käme es darauf an, was er/sie geschrieben hat.

Ich würde unheimlich gern eine Literatur-Diskussionsrunde mit folgenden Personen sehen:
Wolfgang Herrndorf, Heinz Erhardt und Terry Pratchett. Dummerweise sind alle drei tot, aber lustig und interessant wäre es sicherlich.

Wie kann man eigentlich nur solch ein Kultursnob sein wie _______!
Was genau soll ein Kultursnob sein?

Ich fände es großartig, wenn _____ auf meinem Blog einen Gastbeitrag schreiben würde.
Marc Uwe Kling und sein Känguru dies täten.

Ich würde ______ gerne mal fragen, ob _______ …
Ich würde Gott gerne mal fragen, ob es ihn wirklich gibt.

Ich würde ______ gerne mal sagen, dass _______ …
Ich würde Charlie Brown gerne mal sagen, dass er einfach mal bei dem rothaarigen Mädchen klingeln soll.

Booktuber…
…sind eine Spezies für sich.

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