Wie ich auf ein Fake-Profil bei Facebook hereinfiel

Ich habe mir eingebildet, mich in der digitalen Welt und den sozialen Medien auszukennen und falle ausgerechnet dort so richtig auf die Schnauze. Auf ein Fake-Profil bei Facebook bin ich reingefallen. Keine materiellen Schäden, auch keine öffentlichen, aber mein Glaube an das eigene Einschätzungsvermögen und die Menschenkenntnis sind gerade flöten. Kein schönes Gefühl.

 

Kurze Zusammenfassung der Geschichte

Ich bin in einer geschlossenen Gruppe mit sehr harter Diskussionskultur Mitglied. Dass dort viele nicht mit ihrem Klarnamen unterwegs sind, ist bekannt und toleriert. Es gibt natürlich auch solche wie mich, die mit ihrem normalen Account vertreten sind.

Bei einer sehr hitzigen Diskussion, an der ich mich beteiligte, war eine Userin mit Kommentaren vertreten, die mir sehr gut gefallen haben. Sie argumentierte zuerst freundlich, später auch mit Quellen. Als die Diskussion mit einem User ausartete (am Ende waren es ca. 1.200 Kommentare) wurde sie zwar etwas persönlich, aber nie besonders ausfallend oder gar nur beleidigend. Eigentlich schien alles normal. Als sie mir eine Freundschaftsanfrage schickte, dachte ich mir nichts dabei, schließlich hatte man sich ja schon eine ganze Weile gelesen und wir waren in vielen Punkten der Diskussion einer Meinung. Kurz darauf bewarb sie sich in der Gruppe als Moderator, wurde auch gewählt. Nach der Wahl stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen Typen handelte, der schon einmal wegen unterschiedlicher Dinge aus dieser geschlossenen Gruppe gekickt wurde, unter anderem auch, weil er anderen Usern etwas unterstellte. Die Beweislage war erdrückend, denn im Moderatoren-Forum hat dieser jemand so etwas wie ein Geständnis abgelegt (Voice bzw. Video). Weitere Infos sind mir nicht bekannt, zumindest ist dieses Profil nicht mehr in der Gruppe vertreten und auf Facebook geändert bzw. teilgelöscht worden. BÄMM!

 

Was habe ich getan?

Zuerst entfreundet, dann einmal trocken geschluckt. Zu diesem Zeitpunkt war ich unglaublich dankbar dafür, dass ausschließlich mein Mann meine Freundesliste bei Facebook sehen kann und kein anderer.

Und dann? Dann begann ich nachzudenken.

 

Fakes – Filme, Bilder, Nachrichten und Profile

Mittlerweile gibt es eine Software, die aus einem einzigen Foto sämtliche Gesichtsbewegungen und -züge des Menschen berechnet. Damit kann man eine beliebige Person in einen Film oder ein Überwachungsvideo einfügen. Es ist nahezu unmöglich zu unterscheiden, ob es Fake oder echt ist. Eine gefälschte Nachricht, kann man nur entlarven, wenn man selbst recherchiert und davon ausgeht, dass die angegebenen Quellen ebenfalls nicht einer Täuschung aufgesessen sind. Dies ist schon großen Agenturen passiert, als es plötzlich hieß, eine Bombe sei in einem Krankenwagen deponiert worden und deswegen musste ein Fußballspiel abgesagt werden (Hannover 2015). Dass mit Photoshop seit Jahren Bilder gefälscht werden, fliegt immer wieder auf. Doch wir lassen uns immer leichter durch Bilder und Überschriften manipulieren. Erst kürzlich wurde viel Wind um das Bild eines sterbenden Eisbären gemacht. Was nun tatsächlich Sache ist, weiß keiner (Spiegel 2017).

Wir haben schon mit den großen Medien Schwierigkeiten, wenn diese berichten. Noch komplizierter wird es bei einem Benutzerprofil in den sozialen Netzwerken. Hier hat man nur sehr wenige bis gar keine Anhaltspunkte, vor allem dann, wenn das Profil so eingerichtet ist, dass man quasi nur den Namen googeln kann, wenn es ein Klarname, also ein richtiger Name ist. Ansonsten verlassen wir uns immer noch auf den ersten Eindruck, die Sympathie, Gemeinsamkeiten, das Bauchgefühl und die Meinungen und Kommentare, die der User postet.

 

Die Oberflächlichkeit siegt

Zugegeben: Mir hat das Profil der Person gefallen. Mir hat gefallen, was er/sie in der Diskussion geschrieben hatte. Es schien alles nachvollziehbar. Es war angenehm, wie die Person mit anderen Usern umgegangen ist. Das Profil zeigte ein passendes Titelbild zur Meinung, ein Foto, dass mittlerweile viele verwenden und die öffentlichen Postings waren nicht nur von den letzten Monaten, sondern lagen auch einige Jahre zurück. Es war also kein spontan erstellter Account. Was will man als privater Nutzer noch prüfen, wenn man eine Freundschafts-Anfrage geschickt bekommt?

Was also bleibt, ist der gute Glaube an die Menschheit und etwas Ist-mir-egal-Haltung. Wir lassen uns schlichtweg blenden, von dem was uns angezeigt wird und wir sind außerdem zu bequem, um jedes Mal zu hinterfragen, ob das auch alles tatsächlich so stimmt, wie es unser Gegenüber präsentiert. Manchmal jedoch haben wir auch keine Chance herauszufinden, ob uns jemand zum Narren hält.

Klar, solche Fake-Profile haben natürlich Vorteile. Man kann sich anders präsentieren, als gewohnt, braucht nicht zu fürchten, dass vielleicht Arbeitskollegen, Familie oder Freunde Dinge über einen erfahren, die man gar nicht preisgeben will. Es wundert mich daher nicht, dass sich viele solche Zweit- oder auch Dritt-Accounts anlegen, um entweder ihre tatsächliche Meinung in die weite Welt zu blasen oder Interessen nachzugeben, die eben nicht allen bekannt sind. Zwar will Facebook sowas nicht unterstützen, verhindern tut es der Konzern aber nicht. Wie sollte dies auch ohne weiteren Registrierungsaufwand gehen?

 

Tschüss Unbeschwertheit

Bei den Unmengen an Informationen, die täglich auf uns einstürmen und die wir uns selbst holen, fangen wir an zu selektieren. Doch unsere Selektion versagt online zuweilen, schließlich greifen wir auf die Erfahrungen zurück, die wir eher in der realen Welt gemacht haben und die helfen uns in der digitalen Welt nicht weiter. Dies kann natürlich auch ein Generationenproblem sein. Vielleicht haben die heute 14- bis 24-Jährigen ein wesentlich besseres Gespür für Fakes entwickelt. Weder können wir die Person sehen, mit der wir kommunizieren noch hören. Wir machen uns ein ganz anderes Bild von einem Menschen, wenn wir direkt mit ihm zu tun haben, als wenn wir nur Geschriebenes von jemandem lesen. Zwar können wir den Inhalt ggf. auf Richtigkeit prüfen, aber ob die Person die ist, für die sie sich ausgibt nicht.

Nach so einem Erlebnis, das eigentlich nicht weiter tragisch war, bleibt dennoch ein komisches Gefühl zurück, wenn ich nun Freundschafts-Anfragen erhalte von Personen, die ich nur aus der digitalen Welt kenne. Ich zögere und merke wie sich Misstrauen und eine bisher nicht dagewesene Unsicherheit eingeschlichen hat. Die Profile schaue ich noch genauer an, prüfe, ob man gemeinsame Freunde hat und wer diese Freunde sind.

Die bisherige Unbeschwertheit ist weg. Anstatt mich zu vernetzen und neue Leute kennenzulernen, gehe ich auf Abstand. Sicherlich ist eine gewisse Vorsicht nicht verkehrt, aber dennoch ist es sehr schade, da ich bereits einige Personen, die ich online zu lesen und schätzen gelernt habe, mittlerweile auch in der analogen Welt getroffen habe und es sind sehr angenehme und interessante Bekanntschaften entstanden. Dies möchte ich nicht missen und dafür sollten diese Medien schließlich auch da sein.

Und die Moral ist eine alte: Man lernt nie aus.

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