Expedition nach LOVELYBOOKS

Sehr lange habe ich um Deutschlands größte Lese-Community, die zum Holtzbrinck-Imperium gehört, einen Bogen gemacht. Doch irgendwann muss man sich dem Unbekannten stellen. Browser auf – www.lovelybooks.de ich komme!

Mit einem Stück Cover als Profilbild, einigen Buchtiteln und Autoren, die mir bei der Anmeldung als Füllstoff für die Communityanzeige vorgeschlagen wurden, habe ich mir einen Account erstellt.

Lovelybooks 3 steckbriefMein Status:

  • 37 Eselohren (ich hasse das! Sollte man nur in Notfällen einem Buch antun.)
  • 16 Bücher
  • keine auf dem Wunschzettel
  • 2 Rezensionen
  • 11 Bewertungen (4,36 im Durchschnitt)
  • 4 Gruppen
  • und 0 Freunde

An meiner Pinnwand landen innerhalb von 48 Stunden nette Notizen zur Begrüßung und ich staune. So etwas gibt es nicht mehr oft in der digitalen Welt.

 

Der User und Leser

Als User und Leser habe ich eine Bibliothek. In dieser kann ich beliebig viele Regale anlegen. Über die „Bücher hinzufügen“-Funktion kann ich meine Bibliothek befüllen. Dabei greift das Portal nicht nur auf die eigene Datenbank zurück, sondern auch auf amazon und sucht dort nach den gewünschten Titeln. Noch viel lustiger wird es, wenn ich den „Jetzt bestellen“-Button auf LOVELYBOOKS klicke. Tatsächlich schickt mich Holtzbrinck meistens zu amazon! Irgendwie muss auch Holtzbrinck Geld verdienen. Verstehe ich. Es sind zusätzlich bei vielen Büchern die Funktionen „Lieblingsbuchhandlung“ oder „Buchversand Stein“ aktiv. Sie funktionieren für die großen Anbieter einwandfrei (im Stuttgarter Raum Wittwer und Osiander) und man kann die angeklickten Bücher online bestellen.

Einpflegen muss man die Bücher dennoch und das kostet Zeit. Dafür kann ich sie jetzt exportieren. Generiert wird eine kleine Textdatei mit zwei Spalten: ISBN und Buchtitel. Ein toller Service, aber wozu nur?

Lovelybooks 4 gruppen

Außerdem gibt es da noch die Gruppen, die ich kurz angeschaut habe. Nun, die meisten sind nicht aktiv, also wie bei allen Plattformen dieser Welt. Selbst auf Facebook kann man dieses Phänomen beobachten. Belustigt haben mich nur die Titel der Gruppen.

 

Bücher

Hier wird es spannend. Da haben wir also die Bücher, natürlich nach Genre unterteilt. Prima, denke ich und stutze:

  • Krimi und Thriller
  • Fantasy
  • Romane
  • Liebesromane
  • Jugendbücher
  • Historische Romane

Weitere Genres werden erst mit Klick auf „mehr Genre“ sichtbar. Okay, die Lieblinge dieser Community sind damit bekannt.

Zuversichtlich klicke ich auf „Fantasy“ und lande auf einer gut gestalteten Seite, die mir eine Autorenkolumne anpreist. „Fantasy ist tot – es lebe die Fantasy!“ – ein genialer Titel, fast so phantasievoll wie mein „Expedition nach LOVELYBOOKS“.

Neben der Autorenkolumne gibt es die Fantasy-Experten. Es sind 6 ausgesuchte, in Fachkreisen würde man sie Heavy-User schimpfen, Mitglieder, auf deren Profile verwiesen wird. Tatsächlich findet sich bei dreien eine Vielzahl von Rezensionen zu Büchern dieses Genre. Allerdings ist nur eine Expertin dabei, die

bereits durch ihren Blog https://armariumnostrum.wordpress.com/ bekannt ist.

Hinzu kommen „Tipps der Redaktion“ und Buchverlosungen.

Was mir ausgesprochen gut gefallen hat, sind hier die Listen zu den besten Neuerscheinungen. Diese kann man als Leser aktiv beeinflussen, in dem man für die Bücher votet.

 

Autoren

Selbstverständlich kann man sich mit vollem Namen als Autor bei LOVELYBOOKS registrieren, ein Profilbild hochladen und seinen Lebenslauf einstellen, der als Freitext eingegeben wird. Auf dieser persönlichen Autorenseite werden die eigenen Bücher präsentiert, zu denen Rezensionen der Leser erscheinen. Eine interessante und gute Idee. Dem Autorenprofil werden auch Leser und „Follower“ ähnlich Twitter zugeordnet. Die Ausbeute ist allerdings bei der schieren Masse an Autoren sehr mickrig. Da ist es kein Wunder, dass Verlagsautoren besser abschneiden als Selfpublisher. Dennoch finden sich hier einige und traurigerweise erkennt man sie oft am Profil. Es fehlt ein Bild, meist auch der Lebenslauf und wenn die Funktion genutzt wird, dann füllt diesen Platz Werbung oder eine lieblose Beschreibung. Sehr schade!

lovelybooks 12 autorenlistenZudem bietet das Portal die Rubrik Debütautoren. Hier werden ausschließlich Erstlingswerke deutschsprachiger Autoren gelesen. Voraussetzung ist, dass das Buch in einem Verlag erscheint und man muss sich aktiv für diese Aktion anmelden. Trotzdem bekommt man so Kontakt zu den Lesern, die sich zu entsprechenden Challenges und Aktionen anmelden.

Ein Highlight sind die Livestream-Lesungen, hier findet man auch die großen Namen wie Kerstin Gier, Kai Meyer, Markus Heitz, Anna Todd und Ken Follett. Dies ist auch schnell: So eine Lesung muss der Autor bezahlen.

 

Technisch TOP!

Eins muss man den Machern lassen: Das Portal ist technisch hervorragend aufgebaut. Obwohl es unzählige Funktionen, Verlinkungen und aktive Elemente gibt, sind die Anwendungen schnell und die Menüs sehr benutzerfreundlich aufgebaut. Das Konzept in sich ist stimmig und auch grafisch haben sich die Entwickler sehr viele Gedanken gemacht. Es ist sehr ansprechend und es macht Spaß auf den Seiten zu surfen.

Im Gegensatz zu amazon kann man auf LOVELYBOOKS wesentlich besser nach neuen Büchern stöbern. Das gefällt mir ausgesprochen gut. Auch übertrifft es vorablesen.de um Längen.

 

Zielgruppe

Gut, man braucht sich eigentlich nur die Optik dieses Portals anschauen, dann wird einem schnell klar, dass sich hier zum größten Teil Mädchen und Frauen registrieren. Jungs und Männer finden sich als Leser nur in bestimmen Genre, an der Stelle seien Sci-Fi, Thriller und Sachbücher genannt. Dies mag wohl auch daran liegen, dass es unter den Buch-Bloggern mehr weibliche als männliche Schreiber gibt.

Betrachtet man die Bücher, die auf LOVELYBOOKS hoch gerankt sind, wird auch hier deutlich, wer mehrheitlich in der Community aktiv ist. Es erstaunt also nicht, dass gerade Romane wie „After Passion“ ganz oben auf den Ranglisten zu finden sind.

 

Nutzen

Für Autoren, die noch am Anfang stehen, ist dieses Portal tatsächlich eine Option die Nähe zu vielen Lesern zu finden. Wie bei allen anderen sozialen Netzwerken gilt dennoch: wer nicht aktiv ist, wird nicht wahrgenommen. Der Vorteil liegt im Themenbezug. Auf LOVELYBOOKS tummeln sich lesende Menschen, die ein Interesse an Büchern haben und das ist schon sehr viel. Zudem wird man nicht durch andere Produkte abgelenkt, wie bei amazon, wo dem User DVDs, CDs, Socken und Waschmaschinen um die Ohren fliegen. Das Buch bleibt im Vordergrund.

Für Leser ist dieses Portal eine sehr gute Möglichkeit neue Bücher zu entdecken, bestellen und gelesene Bücher zu verwalten. Hat man keine Lust auf einen eigenen Blog und nur rezensiert ungern auf amazon, ist das die beste Alternative.

 

Wie LOVELYBOOKS Geld verdient

Ob Holtzbrinck eine Kooperation mit amazon und anderen Buchhändlern betreibt, ist ziemlich offensichtlich, auf jeden Fall wird immer irgendein Parameter (z.B. lovebook-21 bei amazon) übergeben, so dass die Händler genau wissen, woher die Buch-Besteller kommen. Umsonst wird LOVELYBOOKS diesen Traffic garantiert nicht dorthin lenken.

lovelybooks 11 preislisten

Eine zweite Einnahmequelle sind die Medialeistungen, die das Portal anbietet. Hierzu zählen die moderierten Leserunden, Livestream-Lesungen, Buchverlosungen und Werbung in den Newslettern. Hier muss man LOVELYBOOKS ein Marketing-Lob aussprechen, denn die Werbeaktionen sind so genial in die Plattform eingebettet, dass man sie kaum bis gar nicht erkennt. Dies mag bei Büchern auch wirklich einfacher sein als bei anderen Produkten. Trotzdem sind 5.000 EUR für 5.000 garantierte Klicks (auf was, kann man so leicht aus der Übersicht nicht ersehen) schon ein ordentliches Sümmchen.

 

Ich blicks nicht so ganz

In den letzten Tagen habe ich mich intensiv mit diesem Portal auseinander gesetzt. Jetzt bin ich verwirrt und staune immer noch über die Ideen, die hier umgesetzt wurden wie z.B. die Autorenlisten, bei denen man Punkte für seine Lieblingsautoren vergeben kann. Ein wirklich netter Zeitvertreib.

Viele Fragen bleiben offen:

  • Wozu die Exportfunktion bei der Bibliothek?
  • Wer liest diese Unmengen an Kommentaren, Beiträgen und anderen Content?
  • Wie funktioniert das Belohnungssystem dieses Portals? Geht es darum die meisten Eselsohren zu erhaschen?
  • Was ist der Nutzen für bekannte Autoren und hat man als Selfpublisher oder kleiner Verlag dort eine Chance?

Vielleicht gehöre ich aber auch gar nicht zu der Zielgruppe.

 

Wer selbst schon Erfahrungen mit diesem Portal gemacht hat, bitte einfach melden. Ich bin auf Eure Meinungen gespannt.

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