Berechtigte oder unberechtigte Kritik – eine Meinung

Vor einer Weile hatte ich mich an einer objektiven Kritik zu dem Kinderlied „Alle meine Entchen“ versucht. Das Experiment scheint gelungen.

Heute möchte ich mich an einer Meinung probieren und zwar zur Kritik selbst. Den Impuls gaben mir Kommentare in einigen Schreib- und Literaturforen – gerne auch Foren, die sich gerne so nennen – in denen sich größtenteils Hobbyautoren tummeln, aber auch hauptberufliche Schriftsteller und Journalisten. Oft in ähnlichem Wortlaut zu finden, aber prinzipiell meinen sie alle das gleiche. Hier drei Beispiele dieser Kommentare unter diversen Texten:

  1.  Der Harmloseste:
    „Versuchen Sie es mit Prosa, vielleicht klappt es da besser. Lyrik scheint Ihnen nicht zu liegen.“
  2. Der Überheblichste (und hier packe ich mir selbst an die Nase, da auch ich ihn bereits öfters verwendet habe):
    „Erst nachdenken, dann schreiben.“
  3. Der Dümmste:
    „Suchen Sie sich ein anderes Hobby, Schreiben ist wirklich nicht Ihr Ding.“

 

Wo hört Kritik an einem Text auf und wird zum Verriss bzw. zur Beleidigung?

Die Kritik an einem Text endet, wenn sie zum direkten Angriff auf den Autor übergeht. Hier kann man wahrscheinlich die klare Grenze ziehen. Solange sich ein Kommentator mit dem Text auseinander setzt, ist fast alles erlaubt, was nicht unter die Gürtellinie geht, denn es geht um die Arbeit des Autors, Ironie und Polemik hin oder her. Die Umsetzung einer Erzählung, eines Berichts etc. soll hier beurteilt werden und zwar die Arbeit in Form des Textes. Diese kann für einen Leser sehr gut, mittelmäßig oder schlichtweg grauenvoll sein.
Zwar hört man am liebsten Lob, wenn man publiziert, dennoch muss man darauf gefasst sein, dass es auch mal unschöne Kommentare hagelt. Die Gründe könne schlechte Ausführung oder ein ideenlos hingerotzter Text sein. Jeder der bereits Texte ins Internet gestellt hat, muss diese Erfahrung früher oder später machen. Irgendwann publiziert man eine Arbeit zur falschen Zeit im falschen Forum und dann geht es los. Wie geht man aber mit Kommentaren um, die einen als Verfasser angreifen?

Der harmloseste Kommentar (1.):
Diesen Satz kann man als Autor noch hinnehmen, wenn man will. Vielleicht hat der Kommentator nicht unrecht. Man hat gute Ideen, will unbedingt Lyrik schreiben, aber es will aus welchen Gründen auch immer nicht klappen. Man könnte durchaus versuchen eins der Themen in Prosa zu schreiben.

Der überheblichste Kommentar (2.):
Über diesen Satz kann man denken, was man will. Er ist ein Widerspruch in sich. Denn jeder der etwas geschrieben hat, muss zuvor etwas gedacht haben. Was dabei rausgekommen sein mag, damit kann man, muss aber nicht, sich auseinandersetzen.

Der dümmste Kommentar (3.):
Bei diesem Satz ist mir wirklich die Spuke weggeblieben. Was denken diese Menschen und tun sie es überhaupt, bevor sie solche Knaller losschicken? Denn falls sie etwas denken, dann denken sie nur an sich. Hier wird gnadenlos Frust abgelassen. Wer solche Kommentare an andere Autoren schickt, hat wirklich Minderwertigkeitskomplexe oder unterliegt einem Größenwahn. Forentrolle mal ausgeschlossen.

Tja, liebe Hobbyisten, jetzt geht es richtig ans Eingemachte! Ihr Freizeitsportler, Hobbygärtner, Bäckerinnen, Strickliesels, Bastler, Heimwerker, Sammler und und und. Lasst bitte sofort Euer Hobbys bleiben, denn Ihr könnt es sowieso nicht so gut wie die Profis und erlaubt Euch auch keine Meinung zum Profitum, denn Euer semiprofessionelles Wissen ist nichts wert. Beschäftigt Euch am besten mit etwas anderem, vielleicht klappt es mit etwas anderem besser, z.B. fernsehen.

Oder aber Ihr lest solche Kommentare, zuckt mit den Achseln und denkt insgeheim: Was für eine arme Sau!

Ob es sich wohl lohnt einem solchen Kommentator zu erklären, was der Begriff Hobby bedeutet? NEIN!

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