Stern- und Geisterstunden

Stern- und Geisterstunden

Antonia S. Byatt

Wunderbar gruselige Geschichten von Antonia S. Byatt, der Meisterin des Untergründigen: In ihren Erzählungen lässt sie die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fantasie verschwimmen und öffnet dem Leser einen Blick auf eine andere, geheimnisvolle Welt.
Acht Geschichten wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und jede hat etwas für sich.

 

Antonia S. Byatt erzählt vom Alltäglichen, das nicht alltäglich ist. Alles beginnt normal mit einer Erzählung auf der Party, der ausführlichen Beschreibung einer Dame, dem Krankenhausalltag, sogar mit einem Schreibkurs. Die Geschichten entführen den Leser in eine seltsam anmutende Welt des scheinbar Gewohnten, Normalen. Byatt schreibt unterschwellig, die Geschichten gaukeln einem etwas vor, manchmal fühlt man sich wohl und auf der nächsten Seite schauert es einen. Oft denkt man den Höhepunkt der Erzählung erreicht zu haben, doch weit gefehlt. Die Pointe kommt viel später, sitzt aber immer, auch wenn sie sich bei einigen Geschichten erahnen läßt. Trotzdem sind nicht alle Geschichten gleich gut.
Die Art zu schreiben, die Wortwahl und den Stil dieser Autorin muss man mögen bzw. sich in ihn einlesen. Er ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Das ist mir allerdings schon bei einigen englischen Autoren aufgefallen, vielleicht liegt es auch an den Übersetzungen.
Nach den ersten Seiten schien es mir, dass dieses Buch einer der „Langläufer“ wird. Also immer wieder einmal paar Seiten lesen und sich mehr oder weniger durchquälen. Doch bereits einige Seiten weiter musste ich meine Meinung ändern. Byatt schafft es einen als Beobachter mitten in die Handlung zu holen, man kann in den Geschichten versinken.
Am meisten konnten mich die Geschichten „Körperkunst“, „Frau aus Stein“ und „Rohstoff“ begeistern und überzeugen. Die anderen sind auch nicht schlecht, aber vielleicht muss man ein gewisses Alter erreichen, um sie richtig zu verstehen, so ging es mir zumindest bei „Das rosefarbene Band“ und „Das Ding aus dem Wald“. Gar nicht gefallen hat mir „Juligeist“, dummerweise ist das die erste Geschichte und bei Kurzgeschichten picke ich mir keine raus, sondern lese von vorne nach hinten durch. Eine Geschichte habe ich überhaupt nicht verstanden, es ist Der Tag, an dem E.M. Forster starb. Ich kann noch nicht mal sagen, ob ich sie gut oder schlecht fand.

Fazit: Alles in allem sehr unterhaltsame Lektüre. Nicht immer mit angenehmen Themen versehen, eher etwas nachdenklich, aber ein angenehmes Niveau. Wer hinter dem Titel einfache Geister- und Gruselgeschichten vermutet, der wird allerdings enttäuscht sein. Einfach macht es Byatt den Lesern nicht.

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