Erotik in Romanen und Erzählungen

Das soll erotisch sein? Pfui Teufel!

Wer viel liest und das Genre ist wirklich nahezu egal, wird es garantiert schon einmal erlebt haben: Im Buch gibt es entweder eine ordentliche Liebesgeschichte oder sie plätschert zumindest als Nebenhandlung vor sich hin, man kommt zu der Stelle, an der es so richtig zur Sache gehen soll und dann liest man und liest und liest und denkt:

  • „Ja, igitt.“
  • „Netter Versuch.“
  •  „Okay, hätte man auch weglassen können.“

Im schlimmsten Fall legt man das Buch zur Seite und fragt sich, ob der Autor jemals selbst, also so richtig live und aktiv an einem Geschlechtsverkehr teilgenommen hat. Wenn man Glück hat, ist die Szene so beschreiben, dass man wenigsten noch etwas zu lachen hat.

Nachdem ich meine eigene Rezension zu Pforten der Nacht nochmals gelesen habe und nachdem Frau Riebe meine Fragen beantwortet hatte (was mich sehr gefreut hat, es kommt nicht oft genug vor, dass sich der Autor beim Blogger meldet), musste ich doch über meine Kritik und das Thema Sex in Romanen nachdenken. Erotische Romane außen vor. Wäre ja seltsam, wenn in diesen keine entsprechenden Stellen beschrieben wären.

Quelle: www. eni-art.de

Ich versuchte mich also an einige Bücher mit sehr guten erotischen Szenen bzw. sehr gut beschriebenen Szenen zu erinnern. Spontan sind mir nicht besonders viele eingefallen. Seltsamerweise musste ich an Butterfly von Kathryn Harvey und Das Unwetter von Régine Deforges denken.
Das eine, weil es wirklich schön viele weibliche Fantasien rund um Erotik und Sex beschreibt, das andere, weil es absolut exterm ist, aber hervorragend geschrieben. Was für eine Mischung!
Erotik schreiben ist wirklich nicht einfach und ich bewundere jeden, der das sehr gut kann. Irgendwie muss man es schaffen eine Fülle von Gefühlen in einen Akt zu packen, der auch noch so unglaublich viele Fassetten haben kann, dass fast alles erlaubt ist. Das ist wirklich nicht einfach. Man muss Frau Riebe schon Recht geben. Sex gehört einfach dazu. Selbst in einem meiner älteren Texte habe ich eine entsprechende Szene gefunden. Kritisch betrachtet muss ich mich nun fragen ob sie gelungen ist. Vielleicht. Auf jeden Fall ist Erotik in Erzählungen, wie im realen Leben auch, einfach Geschmackssache.

…So streifte seine Hand vorsichtig über ihren Bauch, hoch zu ihrem Hals und von dort aus zu ihrem Busen, den er behutsam berührte, aber die Berührung allein verriet ihm, dass es ihr genauso ging wie ihm.
Wieder schaute er ihr in die Augen und sie lachte, zog sich mit beiden Armen an seinen Schulterblättern hoch, sodass er den Halt verlor und schließlich auf dem Rücken landete…
…Als sie die Augen öffnete schienen die Sterne, als seien sie Schneeflocken, die langsam zur Erde fallen und der Sand schlug Wellen gegen das ruhende Meer. Sie spürte ihn mit allen Sinnen. Die aufregend quälende Lust brachte sie um den Verstand…
…Nur langsam kam sein Atem zur Ruhe. Das Pulsieren in ihrem Unterleib schien in der ganzen Welt hörbar. Weder er noch sie wollte die Umarmung lösen, als sich beide Körper nach dem inneren Beben zu beruhigen begannen. Vorsichtig streichelte sie seinen Nacken und küsste ihm den Hals. Leise hörte sie ihn durch ihre Haare lachen und seine Umarmung wurde wieder fester, als sie leise in sein Ohr flüsterte: „Noch mal!“
(c) Johanna Schließer

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