Ein Blogstöckchen zum Opfern

Ein Opferstöckchen für den Blog

Von @dgh_de, die Ihr auch gerne mal auf dgh-art.de besuchen könnt, habe ich ein Blogstöckchen zugeworfen bekommen und stutzte zuerst, weil es Opferstöckchen hieß. Doch das Wortspiel wird sofort klar, wenn man sich die Fragen einmal anschaut. Für alle, die mit katholischen und evangelischen Kirchensitten nicht viel am Hut haben, sei kurz erwähnt, dass als Opferstock meist ein Gefäß oder Korb bezeichnet wird, der in einem Gottesdienst herum gereicht wird und man eine Spende also ein „Opfer“ entrichten kann bzw. soll. Heutzutage für gute Zwecke, früher für die Kirche.
Auch wenn ich der Institution Kirche schon seit meinem 15. Lebensjahr abgeschworen habe, was nicht heißen soll, dass ich nicht an Gott bzw. das Göttliche glaube, sind die Fragen interessant, aber schaut selbst.

1. Kannst Du Dich an einen schönen Kirchenbesuch erinnern und was machte das Schöne daran aus?
Es ist schon ca. zehn vielleicht sogar 12 Jahre her. Wir sind zu fünft zum Zelten an den Bodensee gefahren. Da auf der Autobahn nicht viel los war, hat der Fahrer ordentlich Gas gegeben und wir überholten einige Laster. Obwohl die Laster mit großem Abstand zueinander unterwegs waren, wechselte plötzlich einer ohne zu blicken auf die linke Spur. Bis heute weiß ich nicht wie mein damaliger Freund es geschafft hatte das Auto zwischen Leitplanke und dem Sattelschlepper zu halten. Das gesamte Armaturenbrett leuchtete hell und wir hielten alle die Luft an, vielleicht schrien wir auch. Ich kann mich an die Augenblicke nicht genau erinnern. Alles was ich für wenige Momente sah, waren die riesigen Reifen des anderen Fahrzeugs. Auf der Fahrerseite konnte man spüren wie die Reifen über den dünnen Grünstreifen fuhren und die Elektronik versuchte den Wagen auf Spur zu halten, während der Laster uns immer weiter an die Leitplanke drängte. Nach einer starken Bremsung ließen wir den Laster wieder vor uns und der Brummifahrer wechselte wieder auf seine Spur.
Ich weiß nicht mehr wie der Ort oder die Kirche hieß, an der wir kurz darauf eine längere Pause machten, da jeder nervlich mitgenommen war. Ich weiß nur, dass es sehr beruhigend wirkte in diesem dunklen, kühlen und leeren Raum zu sitzen und einfach nur danke sagen zu können. Sich bedanken können, dass uns nichts passiert ist. Das war der einzig richtige Ort dafür.

2. Welche Bedeutung hat die Kirche heute für Dich / oder welche sollte sie Deiner Meinung nach haben?
Heute sind die religiösen Gebäude und ihre Geschichte, die mit den einzelnen Bauwerken verbundenen historischen Tatsachen und Mythen wesentlich interessanter, als der ihnen eigentlich zugedachte Zweck.
Was die Institution Kirche angeht, so bin ich oft sehr gespaltener Meinung. Ich kann mich nicht mit den oft überholten Überzeugungen identifizieren, gleiches gilt für Regeln wie Zölibat und die Rolle der Frau. Allerdings sollte man nicht vergessen, welchen Nutzen die Gesellschaft aus dieser Institution immer noch zieht. Viele Werte, die unser Miteinander bestimmen, werden von kirchlichen Einrichtungen vermittelt und gelebt. Bedauerlicherweise scheint die Kirche den Bezug zur Entwicklung der Gesellschaft zu verlieren. Etwas, was vor 200 Jahren anstandslos akzeptiert oder toleriert wurde, ist heute einfach das, was es ist: ein Skandal. Sei es Geldwäsche im Vatikan, der Größenwahn einzelner Bischöfe, nicht zu vergessen der Umgang mit sexuellem Missbrauch. Wir sind viel zu aufgeklärt, um solche Dinge als gottgegeben ansehen zu können. Wir sind auch mittlerweile viel zu frei, um uns unser Leben von einer Kirche diktieren zu lassen. Zumindest hier in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Welt. Stück für Stück verlieren wir den Glauben. Verlieren wir dann auch Prinzipen wie „du sollst nicht töten“? Wir sind stärker vom Glauben geprägt, als wir gerne zugeben wollen. Doch dieses Phänomen wird von den Verantwortlichen der heutigen Kirche vollkommen ignoriert. Stattdessen gibt man sich der Illusion hin, dass die Dinge weiterhin so zu funktionieren haben wie sie es über Jahrhunderte taten. Ist das nicht Hochmut, der sich hier den Mantel der Tradition anzieht?

3. Wie muss Deiner Meinung nach ein guter Geistlicher heute sein?
Ich habe noch nicht einmal eine klare Vorstellung davon, was ein Geistlicher ist. Nur weil jemand jahrelang Theologie studiert, die Bibel rezitieren und ihre Texte interpretieren kann und irgendwelche Priesterseminare besucht hat, ist er noch lange kein Geistlicher, sondern ggf. Experte auf einem Gebiet. Geht es um die Vermittlung der Inhalte einer Religion, reicht es, wenn der Geistliche ein guter Lehrer ist. Möchte man von einem guten Seelsorger sprechen, dann wird es schwierig. Hier bewegen wir uns in den Bereich der Psychologie und Lebensberatung. Wie viele gute Psychologen gibt es eigentlich und was macht einen guten Psychologen aus? Kennt Ihr einen Psychologen, der gleichzeitig ein hervorragender Geschichtslehrer ist? Viele wird es nicht geben.

Ich habe mich ein bisschen durch die Blogs geklickt und musste feststellen auf welche interessante Weise sich die Fragen geändert haben. Vor einigen Blogs lautete die erste Frage „ Wer hat Dir zuerst von Gott oder dem Göttlichen erzählt?“ – eine sehr gute Frage.

Stöckchen werfe ich sehr ungern weiter. Deswegen gilt auch diesmal, wer es aufnehmen will, greife zu und gebe mir Bescheid. Eure Antworten lese ich sehr gerne.

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