Fragen an O’Connell Press

O'Connell Press - Logo kleinIm Oktober 2013 haben Susanne und Sean O’Connell unter http://oconnellpress.de den O’Connell Press Verlag gegründet. Mit dem Erscheinen ihrer Anthologie „Exotische Welten“ präsentieren sie den Lesern ein interessantes E-Book und haben Zeit gefunden, einige meiner neugierigen Fragen zu beantworten, die ich im Zusammenhang mit Verlagsgründung und Publikation hatte.

Ihr publiziert schon seit einer ganzen Weile Texte und Bücher. Was war der ausschlaggebende Punkt einen eigenen Verlag zu gründen?
Sean: Der Gedanke spukte eigentlich schon seit Jahren in unseren Köpfen herum, aber, wie das nun mal so ist, nie haben wir den entscheidenden Schritt unternommen. Ich glaube aber nicht, dass die Verlagsgründung der Tatsache geschuldet ist, dass wir beide Autoren sind. Zumindest haben wir keine Probleme damit, unsere Texte bei diversen Verlagen zu veröffentlichen. Aber ein eigener Verlag gibt uns absolute künstlerische Kontrolle über das jeweilige Produkt.

Susanne: Wenn dann noch hinzukommt, dass du dich manchmal eingeengt fühlst, weil viele „etablierte Verlage“ in sehr engen Mustern denken, dann ist der Schritt zur Verlagsgründung nur noch ein kleiner. Vor allem aber reizt es uns, dass wir nun unsere eigenen Ideen verwirklichen können.

Wenn Ihr ganz spontan erklären müsst, was Euren Verlag von anderen unterscheidet, wie lautet Eure Antwort?
Susanne: Gehobene Qualität im Nischen-Kleinverlag und das Handeln „pro Autor“, will heißen: Wir legen sehr viel Wert auf ein fundiertes Lektorat und Korrektorat sowie auf das Miteinander bzw. die Begegnung auf Augenhöhe mit dem jeweiligen Autor/der jeweiligen Autorin.

Zu Eurem Programm gehört Science Fiction, Historical Fantasy und Thriller. Eine interessante Mischung. Wie kam es dazu?
Sean: Das, und Fantasy, Steampunk, Horror und vielleicht auch noch ein paar andere Genresachen, wenn wir die Zeit haben das umzusetzen, was wir so im Kopf haben. Das sind die Genres, in denen wir uns auskennen.

Susanne: Wir möchten fernab aller Zwänge, die wir von Großverlagen kennen, gute Geschichten verlegen. Nahezu alles, was sich unter dem Dach der Phantastik tummelt, ist uns da willkommen – solange die Qualität stimmt.

Mit „Exotische Welten“ ist Eure erste eigene Anthologie erschienen. Worum geht es in den Geschichten?
Susanne: Jede Story entfaltet eine eigene „exotische Welt“ – die Palette ist hier recht breit gefächert. So bietet die Kurzgeschichtensammlung von beklemmenden Horrorszenarien über Douglas-Adams-Skurrilitäten bis hin zu großer Space Opera alles, was das Phantastik-Herz begehrt.

Sean: Ich habe in den letzten Jahren das »Sense of Wonder« in der deutschen Szene vermisst. Das ist in unserer Anthologie der gemeinsame Nenner.

Ihr seid noch ein ganz junger Verlag. Was könnt bzw. möchtet Ihr Euren Autoren bieten?
Sean: Ein professionelles Verlagshaus. Und die Bereitschaft, unsere Autoren ernst zu nehmen. Wir schielen nicht auf Trends von irgendwelchen Marketingfuzzis, die die Autoren wie Apotheken-Rundschau-Redakteure umzusetzen haben, sondern wir wollen, dass unsere Autoren ihre ureigenen Konzepte verwirklichen können.

Susanne: Wir können ihnen in vielerlei Hinsicht wertvollen Rat bieten, was die Be- und Überarbeitung ihrer Texte angeht. Daneben beziehen wir sie immer in alles mit ein, was wir tun. So fragen wir beispielsweise, wer Interesse an Lesungen/Leserunden etc. hat und organisieren dann entsprechend. Uns sind unsere Autoren wirklich wichtig, weshalb uns sehr daran gelegen ist, ein freundschaftliches Verhältnis zu ihnen aufzubauen und zu pflegen. Das ist das A und O. Daneben bewerben wir die Werke. Natürlich stehen wir noch ganz am Anfang, werden die Verlagstätigkeit aber Stück für Stück ausweiten.
Sean_und_Susanne_OConnell klein

Wie findet Ihr Eure Autoren bzw. wie finden sie Euch?
Sean: Wir kennen sehr viele deutsche Autoren. Es war eigentlich ganz leicht, eine bestimmte Gruppe oder einzelne Autorinnen und Autoren anzusprechen. Andere, neue Stimmen, haben wir durch die Ausschreibung entdeckt.

Susanne: Uns noch unbekannte Autoren finden uns entweder über die sozialen Netzwerke, in denen wir aktiv sind oder aber über diese Unterseite auf unserer Verlags-Homepage: http://oconnellpress.de/?page_id=100

Was müssen Autoren beachten, wenn sie ein Manuskript an Euch schicken möchten?
Susanne: Sie sollten zunächst die o.g. Seite beachten, denn dort haben wir hinterlegt, worauf es uns ankommt (vor allem werden die für uns interessantesten Untergenres und der gewünschte Umfang des Manuskripts genannt). Daneben erwarten wir eine gute Qualität der Texte. Die Rechtschreibung sollte beherrscht werden und die Idee gut sein.

Sean: Neben den formalen Anforderungen (Normseite und solche Dinge) wollen wir aussagekräftige Exposés und Geschichten, die mutiger sind als vieles was derzeit von den Publikumsverlagen nach „Schema F“ auf den Markt geworfen wird. Also: keine ausgelutschten Vampir-, Zwergen-, Elben-, Gargoyle-Geschichten und Teenie-Dystopie-Romane. Wir wollen Neues lesen.

Momentan gibt es bei Euch erscheinende Bücher lediglich als E-Books. Möchtet Ihr ein reiner E-Bookverlag bleiben?
Susanne: Darauf wollen wir uns nicht festlegen. Wir können uns durchaus vorstellen, den einen oder anderen Printtitel (neben dem jeweiligen eBook) zu verlegen. Im Vordergrund steht für uns allerdings die Veröffentlichung von eBooks, weil wir darin die Zukunft sehen.

Sean: Vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt ist Print ein Albtraum. Die Rendite ist jenseits von Gut und Böse. Andererseits lieben wir Bücher. Deswegen halten wir gerne die Hintertür für das eine oder andere Sonderprojekt offen.

In Eurer aktuellen Ausschreibung, die noch bis Ende Juni läuft, geht es um Selfies. Ein absoluter Trend in der heutigen Zeit. Allerdings sucht Ihr sehr ausgefallene, wieso ausgerechnet Fotos von einem Selbst?
Susanne: Wir fanden die Idee witzig. Es war eine spontane Angelegenheit. Allerdings werden wir sehen, ob dies so umsetzbar sein wird, wie wir es uns vorgestellt haben. Beiträge kommen zwar herein – doch ob diese letztlich auch den Leser/Betrachter überzeugen können, das werden wir am Ende der Ausschreibungsfrist entscheiden.

Ich bedanke mich vielmals bei Susanne und Sean für das interessante Interview. Wer noch mehr erfahren oder an der Ausschreibung teilnehmen möchte, besucht am besten die Verlagsseite und stöbert. Es lohnt sich! Ich jedenfalls werfe einen ausgiebigen Blick in „Exotische Welten“ und bin gespannt, was die nächsten Publikationen bringen.

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