Silber – Das erste Buch der Träume

Kerstin Gier

Zögernd sah ich mich um. Ich war in einem Korridor gelandet, einem schier unendlich langen, mit zahllosen Türen rechts und links. Die Tür, durch die ich gekommen war, hatte einen Anstrich aus sattem Grün, dunkle, altmodische Metallbeschläge, einen Briefschlitz aus dem gleichen Material und einen hübschen Messing-Türknauf in Form einer gekrümmten Eidechse…

Als Liv und ihre jüngere Schwester im Flieger sitzen, freuen sie sich riesig auf ihr neues Zuhause in England, ein altes Cottage. Kein Wunder also das die Enttäuschung groß ist, als ihre Mutter ihnen am Flughafen eröffnet, dass daraus nichts wird und sie gemeinsam mit ihrem Kindermädchen Lotti und dem Hund Butter in einer kitschig eingerichteten Wohnung in London wohnen werden. Hier lernen sie auch den neuen Lebensgefährten ihrer Mutter kennen. Er heißt Ernest Spencer, hat ne Glatze und zu allem Überfluss zwei eigene Kinder. Welch seltsamer Zufall, dass ausgerechnet Ernests Sohn Grayson zu den beliebtesten Jungs an der Frognal Academy gehört, der Schule an der nun auch Liv und Mia eingeschrieben sind. Viel seltsamer wird es allerdings, als Livs und Mias Mutter ihnen beim ersten gemeinsamen Essen mit den Spencers mitteilt, dass sie allesamt zusammenziehen werden. Als wäre das nicht schlimm genug, findet sich Liv plötzlich in den Träumen von Grayson und seinen Freunden wieder und die sind so real, dass man sie für echt halten könnte. Das ist zwar sehr verwirrend, aber nun interessieren sich plötzlich die vier begehrtesten Jungs der Frognal Academy für Liv und sie wissen Dinge, die sie gar nicht wissen können. Denn schließlich hatte sie das doch nur geträumt oder? Und was hat es eigentlich mit diesem Tittle-Tattle Blog auf sich, in dem alle Geheimnisse der Schüler gelüftet werden?

Silber – das erste Buch der Träume
Kerstin Gier hat mit diesem Buch wieder einmal einen schönen ersten Teil zu ihrer neuen Trilogie abgeliefert. Zwar ist der Anfang ein bisschen zäh und die Handlung scheint wie bereits bei der Edelstein-Trilogie sehr seicht und simpel, doch so ab Seite 100 entwickelt sich die Geschichte richtig gut. Auch hat sich Gier bei dieser neuen Reihe etwas Neues einfallen lassen. Lediglich ihre Protagonistinnen haben kleine Gemeinsamkeiten mit der Edelstein-Trilogie, aber das sei ihr verziehen. Spannend hingegen bleibt bis zum Schluss, wer eigentlich der Gute und der Böse ist. Das ist wirklich hervorragend eingefädelt. Bei dem leichten Schreibstil sieht man gleich, dass es sich um einen Jugendroman handelt, aber das tut dem Unterhaltungswert keinen Abbruch. Auch diesmal ist das Buch mit schönen Zeichnungen geschmückt. Hier macht Print noch wirklich Spaß!

Eigene Meinung
Auf den ersten Seiten waren mir die beiden Schwestern Liv und Mia nicht wirklich sympathisch, die Mutter und das Kindermädchen Lotti viel zu überspitzt dargestellt und die Handlung zu flach. Doch wie bereits erwähnt: ab Seite 100 wird es deutlich besser und die Charaktere müssen genau so sein wie sie sind. Denn ab da, geht die Story um Liv, die so realen Träume und die vier Jungs erst so richtig los und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Liv wundert sich, warum ihr kommender Stiefbruder sie mit aller Gewalt von seinen Freunden und deren Geheimnissen fernhalten will. Doch genau das weckt erst recht ihre Neugier. Kein Wunder, dass die fast 16-Jährige in einem mystischen Abenteuer landet, das ihr im wahrsten Sinne des Wortes den Schlaf raubt und den Leser fesselt.

Kerstin Gier hat es auch diesmal geschafft eine gut durchdachte Geschichte zu präsentieren, die zwar für Jugendliche gedacht ist, in ihren Verstrickungen und Wendungen aber auch Erwachsene fesseln kann. Trotzdem hat die Story für mich eine klitzekleine Schwäche, denn eine Sache würde ein taffes Mädchen trotz allem nicht so leicht irgendwelchen Jungs preisgeben. Nichtsdestotrotz absolut unterhaltsam, spannend und lesenswert. Ich bin gespannt auf den nächsten Teil, der bereits diesen Monat erscheinen wird.

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