Drachen Fliegen – Ein fast realistisches Märchen

Matthias Czarnetzki

Ferris ist ein Prinz alter Schule: um seine Prinzessin zu beeindrucken, muss er für sie einen Drachen töten. Das wird schwierig, denn es gibt nur noch ein einziges Exemplar .Mariam ist eine moderne Prinzessin: emanzipiert, karrierebewusst und im Tierschutz engagiert. Wozu besonders der Schutz von Drachen gehört, von denen es nur noch ein einziges Exemplar gibt. Bedauerlicherweise halten ihre Eltern die Beiden für das ideale zukünftige Regentenpaar.

Drachen Fliegen
Miriam ist außer sich, als sie erfährt, dass ihr Vater sie mit einem dahergelaufenen Prinzen verheiraten will. Schließlich stellt sie sich ihre Zukunft anders vor. Wie es der Zufall so will, trifft sie ausgerechnet und völlig unverhofft auf den letzten Drachen der Welt, als sie wütend in ihrem Zimmer sitzt und die Welt verflucht. Ein längerer Ausflug mit der Echse kommt da sehr gelegen, vor allem weil Brutus nicht nur sehr höflich, sondern auch charmant ist. Kein Wunder also, dass König Gregor davon ausgehen muss, dass seine Tochter entführt wurde. Das ist auch die Chance für Ferris, sich als zukünftiger Schwiegersohn und Anwärter auf das halbe Königreich zu beweisen. Doch wäre dieses Märchen kein Märchen, wenn bei der Rettungsaktion nicht einige Dinge schief gehen. Wie in allen Märchen darf auch die Hexe, ein unbeholfener Hofbeamter und andere „magische“ Wesen nicht fehlen.

Matthias Czarnetzki liefert in einem Mix aus altertümlicher und moderner Erzählung ein durchaus witziges Märchen ab, das sich angenehm lesen lässt und die gerade richtige Portion Humor enthält. Dabei stellt er die klassische Rollenverteilung der Märchen ein bisschen auf den Kopf. Seine Prinzessin Mariam ist selbstbewusst und stur, der Prinz zwar ein netter Kerl, der gerne ein bisschen mehr wäre, vor allem aber Everybodys Darling. Dann hätten wir da noch den Drachen, der auch kein klassischer Drache ist, sondern eher ein zuvorkommendes Reptil mit einer Schwäche für Salat. Die Hexe ist nicht das, was sie zu sein scheint und der Küchenjunge ist in Wirklichkeit nur auf das schnelle Geld aus. Man kann sich also gut vorstellen, dass dieses Märchen gar nicht so verlaufen kann, wie die Erzählungen, die wir so kennen.

„… Die Panik krempelte die Ärmel hoch, spuckte in die Hände und wollte sich an die Arbeit machen…“

„…Den besah er sich eine halbe Sekunde später aus der Froschperspektive. Der Stock war wohl ehemals ein Wegweiser gewesen, aber jemand hatte es vorgezogen, ihn als Fackel zu benutzen…“

„…In einem seltenen Kab’el-Dialekt gibt es ein Wort, das sich mit Mann, der Drachen mit Keulen angreift übersetzen lässt. Es wird normalerweise in der Bedeutung „Idiot“ verwendet…“

Eigene Meinung
Eine schöne Idee, die hier vom Autor umgesetzt wurde. Die umgedrehten Stereotype machen sie interessant und es hat Spaß gemacht herauszufinden, wie es weitergeht. Hier und da kommt die Handlung allerdings etwas zu schnell in Gang, das geht zu Kosten der Charaktere. Trotzdem gefällt mir der Witz sehr gut, vor allem aber das Ende ist gelungen.
Die Geschichte ist eine schöne Lektüre für alle Fans von Märchen mit Humor. Sie ist aber wirklich für Erwachsene gedacht. Viele gesellschaftliche Anspielungen bleiben Kindern unverständlich, auch das Ende ist wohl für jüngere Leser eher seltsam.

Mehr über Matthias Carnetzki und seine Bücher findet man unter http://wordpress.mczarnetzki.de/

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