Fragen an die Illustratorin Kiki Thaerigen

…Eine Illustratorin mit Bär auf e13.de

 

Für die Publikation meines neuen eBooks suchte ich lange Zeit ein Cover. Da es sich dabei um drei Geschichten für Kinder und Erwachsene handelt, wollten alle Bilder und Ideen, die ich im Web angesehen hatte, nicht so recht passen.
Zu meinem Glück hat sich die Hamburger Illustratorin Kiki Thaerigen (e13.de) bereit erklärt, mein Anliegen genauer zu betrachten und für die Erzählungen ein Buchcover nicht nur zu illustrieren, sondern auch zu entwerfen. Herausgekommen ist eine tolle Arbeit, die wunderbar zu dem kleinen Werk passt.

Wie so ein Cover entsteht und was dahintersteckt, verrät sie uns in diesem kleinen Interview.
Seid gespannt!

 

Zuerst mal eine allgemeine Frage. Wie wird man Illustratorin – was steckt da für eine Ausbildung dahinter?

Nun, viele Wege führen nach Rom bzw. zum Beruf Illustratorin, in meinem Fall war es ein klassisches Grafikdesignstudium an der Hamburger Kunstschule Alsterdamm, unter Gerd F. Setzke. Dort habe ich das Handwerk von der Pike auf gelernt, wie man so schön sagt, Typografie, Grafikdesign, Packungsdesign und natürlich Illustration und Malerei. Mein Lieblingsdozent war auch derjenige, der für den Bereich Illustration und Malerei zuständig war, der inzwischen leider verstorbene Lothar Walter, der selbst an der HBK am Lerchenfeld Schüler Alfred Mahlaus gewesen war, wie übrigens auch seine Komillitonen Horst Janssen und Vicco von Bülow, a.k.a. Loriot. Walter legte großen Wert auf ein solides zeichnerisches Fundament und das hat er bei mir ganz sicher zementiert. Man sieht und spürt immer, auch als kompletter künstlerischer Laie, ob jemand etwas zeichnerisch unorthodox löst, weil ihr oder ihm die zeichnerischen Grundlagen fehlen, oder aber weil eine künstlerische Absicht dahinter-steckt. Zeichnerisches Basiswissen in Anatomie, Perspektive, Licht und Farben ist daher unabdingbar, denke ich.
Aber es gibt natürlich auch viele IllustratorInnen, die keinerlei klassische Ausbildung haben und den-noch nicht nur sehr gute Arbeit leisten, sondern auch gut im Geschäft sind. Alles, was es braucht, ist letzten Endes Leidenschaft und Fleiß. Diese Kombination schlägt – wie wohl auf jedem anderen Berufsfeld auch – jederzeit das reine Talent.

 

Wenn Du eine Anfrage bekommst, welche Informationen brauchst Du auf jeden Fall von Deinem Kunden?

Zuallererst ist das der gewünschte Abgabetermin, denn der entscheidet darüber, ob ich mir überhaupt die Mühe machen muss, ein Angebot zu kalkulieren. Wenn der Termin unrealistisch nah ist, dann ist hier meist schon Schluss.

Für die inhaltlichen Überlegungen wüsste ich gern, worum es im Buch oder der Geschichte geht (wenn wir z.B. über eine Buchillustration sprechen), wer das angesprochene Publikum ist und welcher Zeichenstil der bzw. dem Fragenden vorschwebt. Eine Frage ist auch, ob es ein einmaliger Auftrag sein soll oder der Auftakt einer Serie (die ich dann konzeptionell und preislich anders angehe).

Für die technischen Überlegungen hätte ich dann gerne noch Informationen zu präferierten Stilen. Soll es was im Comicstil sein, wenn ja, in welchem? Mit Pastellkreiden, Aquarell-, Gouache- oder Ölfarben, Bleistift, Buntstift oder nur mit schwarzer Zeichentusche? Das muss der Kunde natürlich nicht beantworten können, aber wenn es z.B. Beispiele von Zeichnungen oder Illustrationen gibt – entweder aus meinem Portfolio oder von anderen KünstlerInnen – dann hilft mir das sehr.

Außerdem muss ich wissen, wie das fertige Produkt produziert wird – ist es ein reines E-Book, oder soll es auch gedruckt erscheinen? Wie sind die Druckvorgaben, also Farben, Format, ggf. Beschnitt etc.?

Für die preisliche Kalkulation schließlich muss ich wissen, wie hoch die Auflage sein soll und wo das Buch verkauft wird (Deutschland? Europa? Weltweit?), denn danach bemessen sich die angebotenen Nutzungsrechte. Und natürlich ist eine Budgetangabe immer gut, denn wenn ich den Preisrahmen kenne, der dem Kunden vorschwebt, kann ich ebenfalls im Vorfeld klären, ob das Gewünschte dafür überhaupt umsetzbar ist und falls nicht, Alternativvorschläge unterbreiten.

 

Was ist Dir lieber: ein Kunde mit ganz konkreten Vorstellungen oder jemand, der auch die Ideenentwicklung von Dir möchte?

Ein Kunde mit konkreten Vorstellungen ist immer gut, denn dann kann ich vorab schon gleich sehen, ob diese technisch, zeitlich und für das gewünschte Budget umsetzbar sind. Natürlich sind KundInnen klasse, die sagen „ich vertrau’ dir, mach mal, das wird sicher super.“ Ich habe einige solcher KundInnen, aber dieses Vertrauen ergibt sich in der Regel erst nach mehrmaliger erfolgreicher Zusammenarbeit. Wenn jemand aber überhaupt keine Vorstellung hat, was er oder sie will, dann besprechen wir mögliche Ideen im Vorfeld und es gibt ein paar Skizzen von mir, wie etwas aussehen könnte.

 

Nicht jede Illustration gibt ein gutes Buchcover ab oder? Worauf muss man bei so einem Auftrag achten?

„Du sollst ein Buch nicht nach dem Umschlag beurteilen.“ Das ist ein frommer Wunsch, der komplett unrealistisch ist. Natürlich ist der Umschlag ein Verkaufsargument und soll die Leser ansprechen, neugierig machen, sie dazu bewegen, das Buch in die Hand zu nehmen bzw. auf den Link zu klicken und mehr zu erfahren. Gerade bei E-Books ist es wichtig, dass das auch in Daumennagelgrösse funktioniert. Hat der/die Kunde/-in also konkrete Wünsche hinsichtlich der Illustration, kann gleich geklärt werden, ob diese verkaufsfördernd realisierbar sind. Es gilt gerade bei E-Books: Weniger ist mehr und je einfacher und plakativer, desto besser. Leuchtende, harmonische Farben sind super, auch ein auf dem Smartphone noch lesbarer Titel ist hilfreich. Das ist nicht immer beides machbar, z.B. wenn der Titel sehr lang ist, aber eins von beidem ist ein Muss, finde ich.

 

Woher nimmst Du die Ideen für die Illustrationen, wenn Du von den Auftraggebern keine genaue Beschreibung erhältst? Und geht das überhaupt?

Bei Büchern bitte ich um ein Vorabexemplar, wenn es sich nicht gerade um etwas in der Länge von Dostojewskis Werken handelt. Eine gute Inhaltsangabe und Schlüsselszenenbeschreibungen sind auch hilfreich. Wenn die/der Autorin/Autor mir nicht in wenigen Sätzen klar machen kann, worum es im Buch geht, wie soll ich es dann darstellen? Und dann ergibt sich alles Weitere ziemlich schnell.

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Buchcover: Wie viel Zeit sollte man als Autor oder Verlag zur Erstellung eines Covers einplanen?

Wie immer gilt: Je früher ich in die Planung mit einbezogen werde, desto besser. Mit Abstimmung, Änderungen und Korrekturen sind zwei bis drei Wochen Dauer durchaus realistisch, sofern das Kundenfeedback unmittelbar erfolgt. Es kann auch schneller gehen, gerade bei Stammkunden, wo man schon die Vorlieben kennt.

 

Wie entsteht so ein Cover? Zuerst auf Papier oder digital?

Bei mir entsteht alles zuerst auf Papier, zumindest im Skizzenstadium. Ich denke quasi mit dem Bleistift. Da schaue ich nach Proportionen und Perspektiven und eventuell Gestik oder Mimik. Das sind wirklich nur sehr grobe Skizzen. Wenn ich dann etwas gefunden habe, was mir gefällt, beginnt die eigentliche Skizze. Hier kommt es darauf an, ob ich analog oder digital arbeiten will bzw. muss. In aller Regel arbeite ich inzwischen zu 80-90% digital, also mit Grafiktablett und Photoshop oder Clip Studio Paint, aber die Vorzeichnung entsteht oft genug noch auf Papier und wird dann eingescannt und weiterbearbeitet.

Digitales Arbeiten hat den Vorteil, dass es schneller geht, Farbe nicht erst lange trocknen muss, eventuelle Fehler und Änderungswünsche („den Pulli lieber rot als blau“) rasch korrigierbar bzw. durchführbar sind. Zeit ist Geld, das ist beim Illustrieren nicht anders als bei jedem anderen Dienstleistungsberuf.

Der Nachteil ist, dass man am Ende kein physisches Produkt hat, das man ggf. noch verkaufen kann. Es kann dann höchstens eine limitierte Anzahl signierter Drucke geben. Aber da Illustration im Gegensatz zur freien Kunst zweckgebunden ist, fällt das meist nicht so ins Gewicht.

 

Gibt es unter Illustratoren eine Sache oder einen Gegenstand, den sie sehr ungern zeichnen? Was hat es damit auf sich?

Ich kann natürlich nur für mich sprechen, aber ich zeichne ungern technische und statische Dinge wie Züge, Autos, ganz besonders Raumschiffe, Mechas/Roboter etc. Nicht, weil ich es nicht könnte, aber ich finde sie einfach uninteressant. Ich zeichne gern lebendige Wesen, Maschinen langweilen mich. Ausnahme: Wenn ich total überdrehen darf, also z.B. ein Auto mit Ballonreifen wie das von Donald Duck, oder so ähnlich. Das lebt dann quasi. Aber ich bewundere Leute wie François Schuiten oder natürlich Möbius, die ganze architektonische und technische Welten entworfen haben. Ich denke, ich wäre zu ungeduldig dafür.

 

 

Dein persönliches Erkennungszeichen ist der Bär. Wer hat Dir den eigentlich aufgebunden?

Haha, der Bär ist mein bester und ältester Freund und mir als Kind zugelaufen. In vielen Sagen, Religionen oder Erzählungen existiert z.B. der Glaube an ein spirituelles Begleittier oder -wesen. Ob man es nun wie in der nordischen Mythologie Fylgja oder Luonto nennt, oder wie bei den nordamerikanischen Indianern Totem oder wie bei Harry Potter einen Patronus  – meins ist der Bär: Freundlich, genusssüchtig, starrsinnig… wir haben viel gemeinsam. Nur trinkt er lieber Martinis und ich lieber Gin & Tonics. 😀

 

 

Was entwirfst Du noch, wenn Du nicht gerade einen neuen Bären ins Leben zeichnest?

Beruflich gesehen, ist die Illustration nur ein Teil meiner Arbeit, wenn auch zugegebenermaßen derjenige, der mir am meisten Freude macht. Aber ich habe auch reine Grafikdesignaufträge, z.B. für Logos, Geschäftsbroschüren, Geschäftspapier-/Visitenkarten, Flyer etc. Zusammen mit klassischem Webdesign sind das die Brot- und Butteraufträge, die aktuell den Löwenanteil meiner Arbeit ausmachen. Manchmal kommen Kunden, die Präsentationsvorlagen gestaltet haben wollen, also nicht inhaltlich, aber Vorlagen für Powerpoint oder Apple Keynote. Und viele Kunden schätzen mein Gesamtangebot und möchten gern alles aus einer Hand und von einem Guss gestaltet haben.
Im vergangenen Frühling habe ich außerdem die sogenannten Avatoons entwickelt, ein Kunstwort aus Avatar + Cartoons. Leute, die nicht gerne mit einem eigenen Foto von sich in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, können bei mir eine persönliche Zeichnung im Comicstil von sich bestellen. Das ist auch super für Eltern, deren Kinder schon im Netz unterwegs sind, aber von denen sie halt auch nicht möchten, dass sie ihre echten Fotos dort zeigen. Oder natürlich auch ein schönes Geschenk für Leute, die schon alles haben. Das ist wirklich sehr gut angelaufen und ich habe das Angebot inzwischen um sogenannte Headerbilder erweitert, also für Facebook, Twitter, YouTube etc. oder auch die eigene Website bzw. das eigene Blog. Auf avatoons.de gibt’s mehr Infos dazu.
Ein Buch mit dem Bären ist ebenfalls in Arbeit. Und wenn ich ab und zu die Zeit habe, mache ich kurze Videos vom Bären, bzw. davon, wie ich ihn zeichne. Davon möchte ich gern noch mehr machen, aber die sind halt recht zeitaufwendig.
Generell möchte ich die Menschen gern dazu anspornen, selbst mehr und häufiger kreativ zu werden und zu zeichnen. Man muss nicht sehr gut zeichnen können, um eine Geschichte zu erzählen (auch wenn es natürlich hilft). Zu diesem Thema gebe ich dieses Jahr auch einen Workshop auf der re:publica 2016 (https://re-publica.de/16/session/binge-creating-statt-binge-watching) und freue mich über jedes Gesicht!

 

Ich bedanke mich recht herzlich bei Kiki für die so ausführliche Beantwortung der Fragen, die hoffentlich einigen von Euch bei der Suche nach einem professionellen Illustrator für Eure Bücher und Buchcover weiterhelfen.

Wer mehr über Kiki Thaerigen erfahren möchte, der besucht am besten ihre Seite unter www.e13.de – hier finden sich Bilder zum Bären und einige andere Referenzen.  Auch Informationen zu den Avatoons. Einen Besuch ist ihre Seite allemal wert!

Ich persönlich bin auf das erste Bärenbuch gespannt, da würde ich mir sogar einen Gin zu gönnen.

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