Nachgefragt bei Åsa Böker

In dem noch jungen Valkyren Verlag, Berlin, erschien Anfang des Monats der Debütroman Im Glanz der Welten aus der Feder der schwedischen Autorin Åsa Böker. Bereits 2014 erschien das Werk in ihrem Heimatland. Wie schwedische Fantasy den Weg nach Deutschland fand, beantwortet sie in diesem Interview.

 

Starten wir mit der klassischen Frage: Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Ich antworte klassisch – schon als Kind habe ich viel selbst geschrieben und noch mehr gelesen. Wie das Leben so spielt, kam sehr viel dazwischen, Studium, Kinder um nur einiges zu nennen. Es folgte eine Zeit, in der mein Mann unter der Woche viel auf Geschäftsreisen war, die Kinder selbständig ins Bett gingen und so kam es, dass ich meine alte Leidenschaft wiedergefunden habe und wieder mit dem Schreiben begann.

 

Hast Du ein großes Vorbild, wenn es um das Schreiben geht?

Die Vorbilder wechseln. Sehr lange war Stephen King mein Vorbild. Ich bin immer wieder erneut fasziniert, wie es ihm gelingt, seine skurrilen Gedanken, die Personen wiederspiegeln, auf dem Papier zum Leben zu erwecken. Was mich stört ist, dass er anscheinend ohne Plot schreibt und die Geschichte nie ein finales Ende hat, sondern einfach nur aufhört. Im Moment ist es Patrick Ness der mich fesselt. Er schafft es ohne große und komplizierte Worte wunderbar Gefühle auszudrücken, sodass ich manchmal richtig sprachlos bin.

 

buchcover_im glanz der welten
Buchcover Im Glanz der Welten

Im Mai ist Dein erster deutscher Jugendroman Im Glanz der Welten im Valkyren Verlag erschienen. Was war die ausschlaggebende Grundidee für dieses Buch?

Während meines Biologiestudiums haben wir ein Moor besucht. Unser Professor, der leicht genervt war, hat uns immer wieder gesagt, wie leicht es ist, sich in einem Moor zu verirren und wie wichtig es ist, dass man einen markanten Punkt hat, den man immer wiedererkennt und an dem man sich orientieren kann. Nur kurze Zeit später hatte sich unsere Gruppe tatsächlich verlaufen. Es hat zwei Stunden gedauert, bis wir endlich die Verkehrsgeräusche hörten und so wieder zurück zur Straße fanden, die zum Bus führte. Dieses Erlebnis im Moor ist bei mir hängen geblieben. Was passiert, wenn man sich alleine verläuft? Was versteckt sich in diesen dunklen Gewässern?

 

Du schreibst eigentlich in schwedischer Sprache. Wie kam es dazu, dass Im Glanz der Welten ins Deutsche übersetzt wurde?

Ich war sehr naiv, als ich das Buch geschrieben habe. Erst als ich fast fertig war und einen Verlag gesucht habe, ist mir klar geworden, dass es kaum einen Verlag in Schweden gibt, der sich mit einheimischer Fantasy befasst. Krimis – ja, sehr viele! Aber Fantasy? Da ich das Buch in Deutschland geschrieben habe, war es für mich selbstverständlich, es in die deutsche Sprache zu übersetzen.

 

In diesem ersten Buch tauchen viele sehr unterschiedliche Charaktere in zwei getrennten Welten auf. Welcher war für Dich am einfachsten zu gestalten und gab es einen, mit dem Du Dich schwer getan hast?

Am einfachsten war Ben, ich habe ihn immer noch sehr lieb. Ich konnte ihn und seine Gedanken so gut beschreiben, als würde ich ihn schon lange kennen oder als sei er ein Klassenkamerad von früher. Unna war am schwierigsten, da die Welt, die sie kennt sehr limitiert und begrenzt ist.

autorenbild_asa boeker
Autorin Åsa Böker

 

Wenn Du die schwedischen Mythen und alten Geschichten mit ihren magischen Wesen betrachtest. Was macht sie aus und besonders?

Wenn ich die nordische Mythologie studiere, fällt mir immer wieder auf, wie unperfekt diese nordischen Götter sind. Sie machen Fehler, sind eifersüchtig, manchmal sogar dumm. Sie sind eher wie verwöhnte Superstars als wahre Götter.
Ich mag auch die skandinavischen Naturwesen sehr gern. Als ich in den Kindergarten ging, haben wir jeden Dienstag den „Tomte“ im Wald besucht, eine Art gutmütigen Wichtelmann, der tief im Wald wohnt, der uns Kekse gebracht hat. Diese Wesen waren in meiner Kindheit immer gegenwärtig und da ich viel im Wald gespielt habe (ohne elterliche Aufsicht), war es leicht für mich zu glauben, dass sie existieren.

 

Wenn Du die deutsche Fantasy-Szene anschaust und die schwedische. Gibt es da Unterschiede?

Ja und nein. Beide Länder sind sehr von der Anglo-sächsischen Fantasywelt geprägt. Aber die deutsche Fantasyszene bietet mehr Spielraum und mein Gefühl ist, dass sie vielfältiger ist. Deutschland hat ja auch Cornelia Funke, die mittlerweile weltbekannt ist.

 

Wann kommen Dir die besten Ideen für ein Buch oder eine Geschichte?

Beim Spazierengehen in der Natur. Was leider im Moment ein Problem ist, da wir mitten in einer Metropole leben. Aber ich finde meine Ruhe bei anderen Gelegenheiten.

 

Im Glanz der Welten ist nur der erste Teil der Geschichte. Was erwartet die Leser als nächstes?

Wir werden das „Kaiserreich“ und Crispin besser kennenlernen, und die Menschen um ihn herum.

 

Gibt es weitere Publikationen von Dir bzw. gibt es weitere Projekte, an denen Du bereits arbeitest?

Ich habe ein Jugendbuch geschrieben, das im Moment eine Verlagsrunde in Schweden dreht, und ich bin gerade mit einem Romantik-Action Roman fertig – diesen habe ich direkt in Englisch geschrieben, obwohl ich weiß, dass man Romane in seiner Muttersprache schreiben sollte. Aber ich bin mit dem Endergebnis sehr zufrieden.

 

Ich bedanke mich vielmals bei der Autorin für die Beantwortung der Fragen und beim Valkyren Verlag für die Bilder. Wer mehr zu ihrem Roman erfahren möchte, besucht am besten die Verlagsseiten und schaut in die wunderbar gestaltete Leseprobe mit Karte und Symbolen für die einzelnen Figuren des Romans. Das eBook findet Ihr natürlich bei amazon.

 

Für die weiteren Projekte wünsche ich Åsa Böker gutes Gelingen. Bleiben wir gespannt!

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.