Wie Crowdfunding bei Buchprojekten funktionieren kann

Viele werden sagen, dass diese Idee in Amerika entstanden ist und nach Europa schwappt. Doch das Sammeln von Geldern für Projekte und Erfindungen ist alt, durch das WWW lediglich einfacher geworden. Jetzt haben Privatpersonen eine weitere Möglichkeit, die eigene Idee finanziell umzusetzen oder in ein spannendes Projekt zu investieren.

Im Gegensatz zu Kreditplattformen wie auxmoney oder smava geht es aber nicht darum, einen Kredit von Privatpersonen zu erhalten, sondern Spenden für das eigene Projekt. Als Gegenleistung erhalten die Spender entweder die im Rahmen des Projektes entstandenen Güter oder besondere Geschenke, die mit dem Projekt zu tun haben. Mittlerweile sind kickstarter.com und startnext.com auch in Deutschland die zwei beliebtesten und erfolgreichsten Plattformen für unterschiedliche Projekte.

www.startnext.com

Warum Crowdfunding für ein Buchprojekt?

Seit amazon vor einigen Jahren den Markt für Self-Publisher geöffnet hat, stellt sich natürlich die Frage, wozu noch ein Crowdfunding für Bücher?

Sicherlich ist Vieles bei amazon möglich und der Konzern bietet hervorragende Tools, um ein qualitativ hochwertiges eBook oder Taschenbuch zu veröffentlichen. Was amazon aber nicht leistet, sind sämtliche Arbeiten, die vor der Publikation notwendig sind, um ein wirklich vorzeigbares Werk in Händen zu halten oder auf dem eReader zu lesen. Wenn es um Sonderformate oder gebundene Bücher geht, ist spätestens dort Ende.

Wer als Autor dem Leser ein gutes Stück Unterhaltung anbieten möchte, für das der Leser auch gewillt ist, etwas zu bezahlen, der muss als Self-Publisher in Vorleistung gehen. Folgende Kostenpunkte entstehen:

  • Professionelles Korrektorat und Lektorat (Ja, das sind zwei unterschiedliche Dinge!)
  • Cover- und Layout-Gestaltung
  • Bild-Lizenzen und Bildbearbeitung
  • Satz (Auch für eBooks kann es Sinn machen, sich Hilfe zu holen.)
  • Druckkosten (Menge, Format, Papier, Endverarbeitung, Lagerung etc.)
  • Marketing (ggf. Werbematerial)

 

Je aufwendiger das Buch werden soll, umso höher sind die Kosten für den einen oder anderen Punkt. So hängt das Lektorat und Korrektorat mit der Seitenzahl zusammen. Das Layout wird stark von dem Buchinhalt und den Vorstellungen des Autors bestimmt. Bildlizenzen kommen ebenfalls nach Menge und Verwendung hinzu. Sehr schnell bewegen sich Autoren im 4-stelligen Bereich, wenn sie eins ihrer Projekte professionell umsetzen wollen und dabei den Verkaufspreis für den Leser erschwinglich halten möchten. Wer nicht auf eigene Ersparnisse zurückgreifen kann oder einen Kredit scheut, findet im Crowdfunding eine gute Alternative. Doch damit so etwas funktioniert, ist einiges zu tun.

 

Wann ein Projekt starten?

Das fertige Manuskript ist ein Muss. Denn letztendlich will man eher die Produktion eines Buches finanzieren und nicht dessen Herstellung, zudem sollte sich das Sammeln des Geldes und die Auslieferung des Buches in einem zeitlich realistischen Rahmen bewegen. Es wird schwer, Geldgeber zu finden, die zwei oder mehr Jahre auf ihren Reward (ihr Dankeschön) warten wollen. Ein gut geplantes Konzept, das zum einen während der Sammelphase greift, aber auch danach, wenn das Projekt das Finanzierungsziel erreicht hat, ist ebenfalls notwendig.

 

Was ist zu tun?

Es macht unglaublich viel Sinn, sich erfolgreiche Projekte auf den einzelnen Plattformen anzuschauen. Hier findet man schnell heraus, was man überhaupt benötigt, um das eigene Vorhaben professionell zu präsentieren. Vor allem sollte man sich die Zeit nehmen und gut darüber nachdenken, wie man erscheinen will, wen man ansprechen und begeistern möchte.

Am Beispiel von startnext.com benötigt man gleich mehrere Dinge:

  • Vorstellungstext (Kurz und lang.),
  • Projektdaten (Was? Wann? Finanzierungsziel? Verwendungszweck? Etc.),
  • Vorstellungsvideo(s) (Von sich selbst und dem Projekt.),
  • Texte für die obligatorischen Fragen,
  • Bildmaterial, damit man zeigen kann, worum es geht,
  • Dankeschöns an die Unterstützer (Auch hier sollte man Bildmaterial haben.).

Besonders bei den Dankeschöns/Rewards sollte man sich als Projektinhaber gut überlegen, was man anbieten möchte. Klar darf das Dankeschön auch das Buch sein, das finanziert wird. Das ist sogar unglaublich sinnvoll, doch auch darüber hinaus sind gute Ideen wichtig. Eine persönliche Widmung, Namensnennung oder sogar eine eigene Figur (falls es das Projekt hergibt) sind oft Rewards bei solchen Projekten.

 

Was sind Faktoren für den Erfolg?

Ein Plan, viel Fleiß und ein gut ausgearbeitetes Marketing-Konzept sind zwingend für das Gelingen solch eines Projektes. Wer bereits eine Fan-Base hat, genießt einen großen Vorteil, denn auch hier gilt: Es reicht nicht, die Idee auf der Plattform einzustellen, man muss publik machen, dass es dort dieses Projekt gibt und Unterstützer gesucht werden.

Dennoch gibt es einige Sachen, die sich bei erfolgreichen Projekten wiederholen:

  • professionelles Auftreten,
  • originelle Idee (Besonders im Bereich Literatur.),
  • bereits etwas Vorzeigbares (Zeichnungen, Cover, begleitende Geschichten, Karten und Erklärungen zum Weltenbau bzw. Bildmaterial. Natürlich schon publizierte Arbeiten, die man im Web finden und begutachten kann.),
  • keine Scheu vor Medien und Eigenwerbung,
  • Ausdauer und Zeit, um im Finanzierungszeitraum auch Fragen und Vorschläge beantworten bzw. aufgreifen zu können.

 

Erfolgreiche Projekte

Bisher habe ich drei erfolgreiche Crowdfunding-Projekte aus dem Bereich Bücher/Literatur kennengelernt. Folgendes sei zu diesen Projekten angemerkt:

  • Alle drei Personen haben bereits etwas mit Büchern, Publikationen und Veröffentlichungen gemacht, besitzen also eine gewisse Erfahrung.
  • Zwei der Projekte kommen aus bestimmten Bereichen/Genre.

 

Mit „Oma Heidis Kochbuch“ hat Christine Schmid ein Funding-Ziel von über 16.000 EUR erreicht. Das Kochbuch enthält spezielle Formate und kein Verlag wollte die Produktion übernehmen. Durch das Crowdfunding ist ein wundervolles und sehr persönliches Buch entstanden. Das Interview mit Christine könnt Ihr hier nachlesen:

Fragen an Christina Schmid

 

Das zweite Projekt ist ein Bilderbuch und stammt aus der Hand von Brian Kesinger, einem Comiczeichner, der für sehr große Filmproduktionen arbeitet und gearbeitet hat. Das Funding-Ziel auf kickstarter.com ist durch die Decke gegangen und es entstanden nicht nur zwei wunderbare Bildbände seiner Meerjungfrauen und Drachen, er war auch in der Lage sehr viele andere Gimmicks an seine Unterstützer zu verteilen. Die Qualität des Buches ist außerdem ungewöhnlich hoch. Ich bin sehr froh, dieses Projekt unterstützt zu haben.

Zeichner: Brian Kesinger

Wer mehr von Kesinger sehen möchte folgt ihm auf Twitter.

 

Es sei ein drittes, diesmal aus Deutschland und dem Genre Fantasy stammendes Projekt, genannt. Das Buch war fertiggeschrieben, als Benjamin Spang sein Projekt bei startnext eingestellt hat. Auch hier muss gesagt werden, dass bei diesem Projekt sehr viel Zeit und Arbeit den Erfolg gebracht haben. Vor allem aber Marketing. Bei einer Frage in Facebook-Gruppen zum Thema Crowdfunding wurde mir das Projekt von Benjamin Spang gleich zweimal als Beispiel genannt und genau so muss es laufen. Mehr Infos zu diesem Projekt findet Ihr unter www.doppelmond-saga.de

 

Anmerkungen

Wer mit dem Gedanken spielt, sein Buch über Crowdfunding zu finanzieren, sollte sich im Vorfeld sehr gut informieren. Es gibt Unterstützer, die gerade in Bereich Bücher schon schlechte Erfahrungen gemacht haben, weil Projekte, die finanziert wurden, nicht zustande kamen, besonders aus dem Bereich Rollenspiel.

Ebenfalls sollte man sich genau überlegen, ob das Genre eine Chance auf einer dieser Plattformen hat, d.h. wie sieht die Konkurrenz aus? Gibt es überhaupt eine und wenn nicht, warum? Falls doch, wer sind die Konkurrenten?

Über eins muss man sich auf jeden Fall im Klaren sein: Die Plattformen haben mittlerweile viele Besucher und Unterstützer und bringen somit genügend Traffic, aber es gibt noch mehr Projekte, die um diese Leute buhlen, also auch hier heißt das Motto: Auffallen und professionell sein, sonst läuft nichts.

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