Kinderbücher – so verschieden wie wir

Obwohl die letzten Wochen keine neue Rezension online gegangen ist, lese ich zur Zeit viel. Momentan tagsüber mit dem Junior dank Covid-19. Und wir haben zum Glück tolle Bücher Daheim. Keine Sorge, ich mache aus diesem Blog keinen Kinderbuch-Blog. Mir sind lediglich beim Vorlesen lustige und auch traurige Dinge aufgefallen, von denen ich gerne berichten möchte. Vielleicht ist es dieser seltsamen Zeit geschuldet, dass ich mich gedanklich damit beschäftige oder es liegt an den Büchern, weil sie herausstechen.

Ich liebe Kinderbücher in Reimform, und wenn sie zudem nicht ganz der Norm entsprechen, sind sie mir noch lieber.
Zwei bzw. drei haben der Junior und ich für uns entdeckt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Dass eins davon „NEINhorn“ von Marc-Uwe Kling [Hier geht’s zum Känguru] ist, liegt an mir, da ich großer Fan bin. Die anderen beiden waren ein Geschenk und wir haben uns sofort verliebt in „Wie das Kuscheln erfunden wurde“.

 

Gemeinsamkeiten – bunt, reimt sich, Waschbär

Es reimt sich. Nicht immer gut, aber immerhin. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwierig es ist, eine Geschichte in Reimform zu erzählen. Schließlich muss es sich nicht nur reimen, der Text sollte auch Sinn ergeben und die Geschichte vorantreiben. So ist es nicht verwunderlich, dass in beiden Büchern Passagen enthalten sind, die sich nicht reimen. Das ist vollkommen in Ordnung und macht die Texte mehr zu einer Erzählung.

Wirklich sehr gelungen sind die Zeichnungen in allen Büchern. Kindgerecht und einfallsreich, zudem frohe Farben und lustige Ideen bei Details. Hier sind sich die Bücher sehr ähnlich. Die Farbgebung ist anders und natürlich hat jeder Illustrator seinen Stil, dennoch gehen alle Werke in die selbe Richtung.

Was haben die Autoren nur mit dem Waschbären? Er kommt in beiden Büchern vor. Und ja, dieses Tier ist niedlich, aber es gibt doch noch andere süße Tiere. Womöglich liegt es daran, dass der Waschbär für gute Wortspiele geeignet ist. Schließlich ist der Waschbär-Bauch seit Jahrzehnten ein Running Gag.

 

Und doch unterschiedlich

Der größte Unterschied liegt sicherlich in den Botschaften und der Schreibweise. Bei Marc-Uwe Kling merkt man deutlich, dass der Schwerpunkt bei Sprache und Reim liegt. Hier wurde sehr viel Arbeit in die Texte gesteckt.
Wer die Känguru-Bücher kennt, wird auch sehr viel wiedererkennen. Auch wenn es Insider sein mögen, funktionieren sie für Leser, die das erste Mal etwas von diesem Autor in der Hand haben, sehr gut. Wahrscheinlich macht genau das Klings Erfolg aus.
Einige wenige Wortspiele sind eher für ältere Kinder und Erwachsene, dennoch gestaltet sich die Geschichte sehr schön, und was unglaublich erfrischend und erfreulich ist: Die Botschaft! Da ist nämlich nur eine versteckte. Keine Moral, keine Belehrung, keine Anleitung wie etwas oder man selbst zu sein hat. Die Geschichte endet trotzdem schlüssig. Sowas muss man erstmal hinbekommen.
Fazit: Lustig für die jüngsten Leser, die finden das Neinhorn einfach witzig, vollständig verständlich erst für ältere Kinder.

 

Bei Jeremias und Tabea liegt der Schwerpunkt ganz klar auf Niedlichkeit. Die Bücher sind voller lustiger Ideen, die selbst jüngere Kinder amüsant finden, die Witze sind gut verständlich. Allerdings haben die Geschichten Brüche, die aber nicht weiter stören. Der Reim ist nicht immer sauber, dafür die Botschaft ganz klar und warmherzig: Geht gut und liebevoll miteinander um, seid füreinander da und habt Spaß. Damit kann jedes Kind etwas anfangen und findet sich in der Kernbotschaft wieder. Was will man mehr? Ein schönes Gimmick sind außerdem die Malbücher, die es zu den Erzählungen dazu gibt.
Fazit: Für die kleinen Leser wundervolle Bücher. Bei Erwachsenen bleibt hier und da ein Fragezeichen im Gedanken zurück, aber es muss nicht immer alles schlüssig und logisch sein.

 

Vorlesen – was auffällt und eine Kunst für sich

Wer behauptet, es sei einfach Kindern vorzulesen, der hat das noch nie gemacht. Erst beim lauten Lesen und bei den Fragen der jungen Zuhörer fallen einem viele Dinge auf, die man beim schnellen Lesen für sich selbst gar nicht wahrnimmt.

Mit unterschiedlicher Stimme oder Lautstärke vorlesen, erweckt die Geschichte und ihre Figuren zum Leben. Doch wie sprechen fünf verschiedene Tiere? Wie klingt ein genervter Biber oder eine traurige Ratte? Darf ein Pirat eine hohe Stimme haben und eine kleine Maus krächzen? Vorleser erfinden erst die Akteure, machen sie authentisch, sympathisch oder verhasst und den Kindern gefällt es.

Bemerkenswert ist dabei, was Kinder alles im Gedächtnis behalten. Selbst längere Texte werden nicht vergessen. Sicherlich liegt es daran, dass beliebte Bücher sehr oft vorgelesen werden und sie die Passagen irgendwann auswendig kennen. Viel schneller jedoch merken sie sich gereimte Texte. Hier scheint es ihnen einfacher zu fallen, sich die Zeilen und Inhalte einzuprägen. Dies zumindest ist meine Erfahrung und ich muss zugeben, dass es bei mir ähnlich ist, sogar im Erwachsenenalter.

Sich reimende Geschichten vorzulesen, ist umso schwieriger, wenn es holpert oder der Rhythmus nicht ganz stimmt, denn es bringt einen sofort aus dem Lesefluss. Hut ab vor jedem Autor, der hier guten Stoff abliefert. Unter diesem Gesichtspunkt muss ich sofort an Heinz Erhardt und Wilhelm Busch denken, die Meister darin waren in Reimen zu erzählen. Mit NEINHorn ist Kling schon verdammt nahe dran an den beiden.

Nachdem ich dem Junior seit mehr als zwei Jahren vorlese, ist mir bewusst geworden, wie schlecht oder profan viele Kinderbücher geschrieben sind. Stumpfsinnig formuliert, seltsame Aussagen, bei denen man sich fragen muss, was da eigentlich vermittelt werden soll.  Unverständlich und teilweise schwer vorzulesen. Von logischen Fehlern, die selbst den Kleinen auffallen ganz zu schweigen. Doch das nur am Rande, über das Thema könnte ich einen sehr langen Blogartikel schreiben…

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