Archiv September, 2010

Inspiration suchen und finden – Teil II

Sep
08

Eigentlich lautet der Spruch ja „Wer suchet, der findet.“ Wenn es um Inspiration geht, bekommt man von Zeit zu Zeit eher den Eindruck, dass es sich vielmehr um den berühmten „Schlag auf den Hinterkopf“ oder „Wink mit dem Zaunpfahl“ handelt.

Manchmal reicht ein Satz oder Wort und schon entsteht ein Bild vor dem inneren Auge, lässt einen nicht los und es entsteht der Anfang eines Textes, eine einfache Szene, ein Dialog und im besten Fall eine ganze Geschichte.

Selbstverständlich ist es wesentlich einfacher um einen ungewöhnlichen Satz einen Text zu spinnen, als um etwas Alltägliches. Vielleicht scheint das aber nur so, weil man gerade bei dem Alltäglichen nicht an Text, das Schreiben, Ideen und die Inspiration an sich denkt.

Ist dies im Grunde das ganze Geheimnis? Steckt die Muse nicht im Detail sondern im Gesamten?

„Memento moriendum esse!

„Auch du bist sterblich.“, flüsterte er leise in ihr Ohr. Er war so nahe, dass sie seinen warmen Atem auf ihrer Haut spüren konnte.

Etwas verblüfft und mit gesenktem Blick kam die Antwort.

„Ich weiß.“

Langsam wandte sie sich ihm zu und schaute in seine blauen Augen. Lächelnd saß er neben ihr und erwiderte ruhig ihren Blick.

„Warum sagst Du mir das jetzt?“, wollte sie wissen.

„Früher, im römischen Reich, wenn den siegreichen Feldherren ein Triumphzug gewährt wurde und sie mit ihren Streitwagen durch Rom fuhren, stand auf jedem Streitwagen auch ein Sklave hinter dem Krieger, der ihm ununterbrochen diese Worte ins Ohr flüsterte.“

„Und sowas merkst du dir? Du hattest eine Fünf in Latein.“, entgegnete sie überrascht.

„Ja ja, da guckst du blöd, gell.“, gab er frech zurück.

Selbst nach so vielen Jahren brachte er es immer wieder fertig, sie mit seinem Wissen zu erstaunen. Er mochte keine tiefgründigen Gespräche, lieber einfache Unterhaltung am Abend. Sprach selten darüber wie viel er wusste und worüber. Doch, er wusste viel.

Lachend gab sie ihm einen Kuss auf die unrasierte Wange.

„Mein Sklave.“

„Jepp, und jetzt gib mir die Fernbedienung, die Reportage über Julius Cäsar ist total langweilig.“

So oder ähnlich entstehen Texte und oft ist es ein Satz, der den Ausschlag gibt. In dem Fall war es „Auch Du bist sterblich.“ – ganz klar, diesen Satz gibt man nicht täglich von sich und auch nicht unbedingt zu jedem beliebigen Menschen.

Wie steht es aber mit Sätzen wie:

„Glaubst Du das wirklich?“

„Kommst Du mit?“

„Das brauche ich noch.“

„Aber da fehlt doch was.“

„Man kann es nicht ändern.“

„Ein Königreich für deine Gedanken.“

Denn letztendlich geht es doch nur darum, in welchem Zusammenhang sie gesagt oder geschrieben werden…

Inspiration suchen und finden – Teil I


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Entscheidungen

Sep
05

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Entscheidungen

Einfach tun

und einfach lassen.

Einfach lieben,

einfach hassen.

Hat mir in den Kopf geschissen

und das Herz herausgerissen.

Werde ein Geschenk ihm machen.

Er wird weinen oder lachen.

Wird mich lieben, wird mich hassen.

Wird es tun oder auch lassen.

(Für D.H.)

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Die Nachtgänger

Sep
01

Die Nachtgänger

Ivo Stourton

Die Nachtgänger – das sind vier College-Studenten, die nur ein Lebensziel kennen: grenzenlose Freiheit. Sie fühlen sich unverwundbar. Francis, James, Jessica und Lisa sind intelligent, kreativ, gerissen und haltlos. Nichts finden sie langweiliger als ein arbeitsreiches Studentenleben, und mit dem Geld von Francis‘ Vater kommen sie ohne große Anstrengung durchs Leben. Als dieser seinen Sohn nicht mehr unterstützen will, gerät ihre grenzenlose Freiheit ernsthaft in Gefahr. Da hat Francis eine ebenso geniale wie riskante Idee: Sie tauschen ein wertvolles Gemälde aus dem College gegen eine Kopie und wollen es verkaufen. Die vier stürzen sich in diesen neuen Rausch – doch das Erwachen ist alles andere als harmlos…

Letztendlich geht es bei Stourtons „Die Nachtgänger“ um James. Dieser erzählt die Geschichte seiner Collegezeit. Der Grund hierfür ist das plötzliche Auftauchen von Jessica in seiner Anwaltskanzlei nach ca. zehn Jahren ohne jeglichen Kontakt. Beide fangen an, ihre Erinnerungen an die Studienzeit Revue passieren zu lassen. Zwischen einem Wechesl aus heute und damals erzählt James Jessica seine Erinnerungen an Zeiten, wie sie sich kennen gelernt haben und wie er einer von ihnen wurde. Nein, noch viel mehr: Wie er versucht hat ihnen zu gefallen, wie er von Anfang an dazu gehören wollte, zum elitären Club um Francis, um den es eigentlich in diesem Buch geht. Denn sowohl James, als auch Jessica sind diesem Menschen verfallen gewesen, sind es scheinbar immer noch.

Stourton schreibt diese Geschichte als Ich-Erzähler aus der Sicht von James. Als Leser bekommt man neben der Handlung einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt des Protagonisten, wobei er und die Nachtgänger zum Teil zur absoluten Nebenrolle werden. Denn um das Hobby des Nachts auf Gebäude zu klettern, geht es nur am Rande. Die Erzählung entwickelt sich um die Nebenfigur Francis. Er ist für die Freunde der Mittelpunkt und mehr oder weniger ihr Leben während der Collegezeit.
Neben der etwas klischeehaften Schilderung des englischen Studenten- und Kleinbürgerlebens plätschert die Handlung manchmal ein bisschen vor sich hin. Der Schluss ist allerdings doch sehr interessant, denn hier bekommen James und Jessica die Realität zu spüren. Eine Moral und Botschaft? Ja, die hat Stourton sicherlich in sein Buch gelegt. Sie lautet wohl: Man kann mit jemandem sehr gut befreundet sein und vieles teilen, dies bedeutet aber nicht, dass man ihn auch kennt.


Wer Collegegeschichten mag, wird an diesem Buch seine Freude haben. An dieser Stelle einen lieben Dank an Soleil, von der ich das Buch bekommen habe.


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