Die Songtexte der Band Rammstein…

…aus dem Blickfeld der Literaturwissenschaft (Studienarbeit) – von David Spisla
Nachdem ich mich mit vier Texten von Rammstein etwas genauer auseinander gesetzt habe, war ich sehr gespannt auf diese Studienarbeit.

Bänkelsang
Quelle: wikipedia.de „Das Attentat“, ein satirisches Bänkellied auf das versuchte Attentat Tschechs 1844

Sehr erstaunt hat mich gleich die erste Seite. Hier wird als Basis ein Seminar genannt: „Vom Bänkelsang zum modernen Schlager“.

Die Kurve zum Bänkelsang bekomme ich noch ganz gut, aber Schlager im Zusammenhang mit Rammstein scheint auch bei zweiter und dritter Betrachtung etwas weit her geholt.
Recht kurz wird die Band und ihre Entstehung abgehandelt, die Punkszene in der DDR wird auf einer Seite abgehandelt. Gut, es geht ja auch um die Songtexte.

Kapitel 2 beschäftigt sich mit der Rezeption in der Öffentlichkeit. Auch hier erfolgt nur eine kurze Ausführung über die allseits bekannten Vorwürfe, Rammstein sei rechtsradikal angehaucht.
Nach diesen beiden Kapiteln war ich schon ein bisschen enttäuscht, gab den letzten zwei Kapiteln trotzdem eine Chance. Im dritten Teil geht es um bewusste Provokation (…oder subtiler Transport politischer Gesinnung – wie der Titel vollständig lautet), der Vorwurf des rechtsradikalen Gedankenguts wird aufgegriffen. Hier bezieht sich Spisla ausschließlich auf „Stripped“. Die vier Seiten dieses Kapitels bestehen zu 25% aus dem Songtext. Riefenstahls Bilder im Clip zur Cover-Version von „Stripped“ und ihre werbewirksame, wenn auch polarisierende Wirkung, werden als erstes und letztes Beispiel aufgeführt. Über andere gesellschaftskritische Themen geht der Verfasser ohne eine Erwähnung hinweg. Dies erscheint umso seltsamer, da Spisla ausgerechnet die Songtexte „Mutter“ und „Amerika“ für seine Analyse heranzieht. Zwei Lieder, die sich zum einen mit den wissenschaftlichen, zum anderen politischen und beide mit ethischen Problemen unserer Gesellschaft auseinandersetzen.

Höchstwahrscheinlich wollte Spisla anhand des Videos zu „Stripped“ die fälschliche Einordnung Rammsteins in die rechte Szene erklären. Doch dieser Versuch wirkt unvollständig und im Kontext mit dem Titel der Studienarbeit falsch, da die Bilder Riefenstahls keinen Zusammenhang zum Songtext von Depeche Mode haben. Hier wäre ein Transport der Gesinnung ausschließlich der Bilderwahl und eben nicht den Lyrics zuzuschreiben. Was einer literaturwissenschaftlichen Betrachtung zwangsläufig entbehrt. Als Reaktion auf die Vorwürfe rechtsradikaler Themen veröffentlichte Rammstein den Song „Links 2, 3, 4“. Dies bleibt völlig unerwähnt, obwohl es ebenfalls aus dem Album „Mutter“ stammt, aus dem ein Lied zur Analyse in Kapitel 4 gewählt wird.
Studienarbeit Die Songtexte der Band Rammstein...
Kapitel 4 setzt sich endlich mit drei Songtexten auseinander. Auf den ersten zwei Seiten findet man endlich eine wissenschaftliche Erklärung des Vorgehens zur Analyse der Texte. Eine kurze Differenzierung zwischen den Literaturstufen (Hoch- bis Trivial) und die Betrachtung der Texte anhand formaler und inhaltlicher Aspekte, sowie einer Gesamtinterpretation versprachen viel.
Die erste Analyse beschäftigt sich mit dem Lied „Seemann“ aus Rammsteins ersten Album „Herzeleid“. Auf die formale Auffälligkeit der Strukturlosigkeit wird genauso flach eingegangen, wie auf den Inhalt, der mit Begriffen wie „apokalyptische Grundstimmung“ und „expressiven Metaphorik“ kurz abgehandelt wird. Etwas gelungener sind die Analysen zu „Mutter“ und „Amerika“. Leider geht der Autor weder auf Einflüsse noch Entwicklung der Band und ihre Erfolgsgeschichte ein, die durchaus erklärend für Themenwahl und Umsetzung sein können.
Sich andauernd wiederholende Aspekte und Ausführungen (das rollende „r“ des Sängers) lassen diese Arbeit etwas herzlos wirken. Gute Idee, leider hier und da nicht besonders ausführlich umgesetzt. Sehr schade.

Fazit: Kann, muss man aber nicht.

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