Die Fälscherin

Die Fälscherin
Julia Freidank

Auf dem zweiten Kreuzzug erkrankt die junge Blanka am Aussatz. Die anderen Pilger wollen sie in Jerusalem zum Sterben zurücklassen, doch Bischof Otto von Freising gibt sie nicht auf. Geheilt kehrt Blanka nach Bayern zurück, und sie schwört dem mächtigen Kirchenmann ewige Dankbarkeit. Und Otto fordert sie ein: Blanka fälscht in seinem Auftrag wichtige Urkunden. Das bringt sie in Lebensgefahr, denn von nun an kann sie niemandem mehr trauen. Nicht einmal dem Mann, den sie liebt.

Eine Frau im Mittelalter, die unter dem Einfluss von Halbbruder Rupert und einem Bischof, dem sie die Treue geschworen hat, versucht ihren Weg zu gehen. Das ist die Geschichte, die Julia Freidank vor geschichtlichem Hintergrund erzählt. Denn die im Roman vorkommenden Personen haben tatsächlich gelebt.
Nachdem Blanka geheilt aus Jerusalem zurückkehrt, wird sie vom Bischof in ein Kloster geschickt und gilt als Heilige. Dort lernt sie auch Ortolf kennen, der eines Nachts verletzt vor den Toren um Einlass bittet. Schon bald merkt Blanka, dass sie nicht für das Kloster gemacht ist. Doch als ihr Bruder sie abholen kommt, hat er schlechte Nachrichten. Ihr Vater, ein treuer Ritter des Bischofs, hat jetzt selbst den Aussatz und wird von der Gemeinde verstoßen. Die Schuld an der Erkrankung des Vaters gibt Rupert der Schwester. Er weiß, dass ihr Besitz an sie übergeht, nicht direkt an ihn. Das Lehn steht dem Recht nach Blanka zu, doch ohne Ehemann hat sie keine Chancen und das Gut will der Pfalzgraf für sich haben. Erst als ihr Verlobter von den Rittern des Pfalzgrafen bei einem Angriff getötet wird und sie herausfindet, dass Ortolf dem Feind des Bischofs die Treue geschworen hat, beginnt für Blanka eine Zeit der Entscheidungen. Sie heiratet nach Wunsch des Bischofs und steht auch zu ihrem Bruder. Doch lieben kann sie nur den einen. Gewollt oder ungewollt kreuzen sich ihre und Ortolfs Wege immer wieder.
Wer hinter diesem Buchtitel einen mittelalterlichen Krimi um die Urkundenfälschung vermutet, wird enttäuscht sein. Julia Freidank hat in diesem historischen Roman eine schöne und durchaus etwas märchenhafte Liebesgeschichte geschrieben. Die Protagonistin ist die ganze Zeit zwischen ihrer großen Liebe Ortolf und ihrer Loyalität zum Bischof und Halbbruder hin und her gerissen. Mit dem Fälschen der Urkunden lässt sie sich auf ein heikles Geschäft ein und gerät somit in die Fehden und Machenschaften der beiden machthungrigen Männer. Obwohl Freidank die Kämpfe und politischen Spiele der damaligen Zeiten sehr gut beschreibt, bleiben sie trotzdem im Hintergrund. Der Antrieb der Erzählung ist tatsächlich die heimliche Liebe zwischen Blanka und Ortolf. Allerdings kommen dafür andere Dinge etwas zu kurz. Plötzlich wird die Geschichte von Blankas Halbschwester Magdalena erzählt, einem Bastard des Vaters. Diese taucht dann urplötzlich auf und die beiden Frauen scheinen irgendwie Freundinnen zu werden. Ortolf hingegen ist der gefürchtete Ritter, der harte Mann mit weichem Kern und Blanka die entschlossene Heldin, die selbst dem Bischof die Stirn bietet und sich sogar über ihn hinwegsetzt.

„…“Ich erwarte nur eines: Du wirst meinen Anweisungen folgen, als wären sie der Meißel, derdich zur Statue formt. Wenn du das tust“, er beugte sich leicht zu ihr herab, „dann gebe ich dir eine Waffe, der deine Feinde nichts entgegenzusetzen haben.“…“

Unglaublich gut geschrieben sind die Liebesszenen, egal ob zwischen Blanka und Ortolf oder Magdalena und ihren Liebhabern. Hierfür hat Freidank ein Händchen und Gefühl. Nicht zu plump, auch nicht zu kitschig und ganz ohne seltsame Wortwahl. Diese Abschnitte lesen sich wirklich wunderbar. Ein absoluter Genuss! Lesenswert ist auch das Nachwort. Hier wird viel zu den Figuren erklärt und auch zum Thema des Romans und seinen Schauplätzen.

Eigene Meinung
Eine wirklich schöne Erzählung, auch wenn hier und da die Handlung doch sehr offensichtlich ist und manche Dinge zu einfach abgehandelt werden. Es gibt auch Stelle, an denen man sich fragt, was es eigentlich mit der Geschichte zu tun hat. Insbesondere die Figur von Magdalena und ihrem untreuen Lebensgefährten Poeta wollte mir nicht so wirklich ins Konzept passen. Die beiden kommen und verschwinden in der Handlung, wenn sie gerade benötigt werden. Dafür war aber ihre Vorgeschichte zu ausführlich erzählt, sodass man als Leser etwas mehr erwartet hätte.

Für alle Mittelalter-Fans auf jeden Fall ein Lesevergnügen.

vorabelesen.de
Ein herzliches Dankeschön geht an vorablesen.de für das Rezensionsexemplar. Ein interessanter Roman für alle Mittelalter-Fans.

Ullstein Verlage – Schroeder Verlag – ISBN-13: 978-3-547-37399-7

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