Die Leiden des jungen Werther

Johann Wolfgang von Goethe
Vorneweg
Wie bereits bei „Die Elixiere des Teufels“ von E.T.A. Hoffmann wird dies keine Rezension, sondern nur ein kleiner Bericht und die eigene Meinung. Denn auch dieses Buch habe in erster Linie gelesen, um wieder einmal eine literarische Lücke zu schließen, umso erfreulicher, dass es mich so begeistern konnte. Auf Goethe ist einfach Verlass.

 Die Leiden des jungen Werther
Kleine Inhaltsangabe
Der junge Werther lebt in einem kleinen Örtchen in den Tag hinein. Schreibt, zeichnet und freundet sich mit den Menschen an. In Briefen an seinen Freund Wilhelm schildert er seine Erlebnisse. Ein ruhiges Leben, bis zu dem Tag, an dem er die reizende Lotte zu Tanz begleiten soll und sich sehr schnell in sie verliebt. Leider ist Lotte bereits mit Albert verlobt. So beginnt die unglückliche Liebe des Werthers zur unerreichbaren Lotte, die sich mit der Zeit in Besessenheit verwandelt. Wohlwissend, dass er diese Frau wird niemals offen lieben können, obwohl sie ihm ihre Zuneigung gesteht, sieht Werther für sich nur noch einen Ausweg: den Selbstmord.

Eigene Meinung
Eine wundervolle Erzählung, die ein Hauptthema behandelt, dass absolut zeitlos ist. Unglücklich verliebt, Dreiecksbeziehung, Flucht um zu vergessen und die Besessenheit von einer Person. Goethe lässt seinen Werther für Lotte zur Marionette und geradezu wahnsinnig werden. Dies alles in die gesellschaftlichen Regeln und Gepflogenheiten der damaligen Zeit gebettet und im christlichen Glauben verankert.
Der Konflikt des Werthers ergibt sich aus der Tatsache, dass er sich ausgerechnet in eine Frau verliebt, die bereits mit einem anderen verlobt ist. Obwohl beide sehr schnell feststellen, dass sie die gleichen Interessen teilen, sich sehr gut verstehen und ergänzen, bleibt Lotte ihrem Verlobten treu und heiratet ihn, was für Werther die Lage nur noch unerträglicher macht. Auch wenn Lotte für den jungen Mann dieselben Gefühle hegt, lässt Goethe sie immer treu und ehrlich handeln. Sie steht zu ihrem Albert, obwohl sie etwas für den anderen empfindet. Erst als der Werther seine Besuche bei dem befreundeten Ehepaar auf die Spitze treibt, bittet Albert seine Frau, den Kontakt mit dem anderen zu meiden. Hier beginnt nun die Ausweglosigkeit für Werther.
Die Situation klingt doch gar nicht so altertümlich oder? Eigentlich haben wir sie schon alle einmal so oder so ähnlich im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis gehört und erzählt bekommen. Selbstverständlich bringt sich keiner so schnell um, aber die Menschen machen sehr kuriose Dinge aus unerfüllter Liebe. Daneben behandelt Goethe die Themen Vergänglichkeit, die Nichtigkeit des menschlichen Seins und übt Kritik an der damaligen Gesellschaft (arm/reich, adelig/bürgerlich etc.), also ebenfalls viele Themen, die auch heute an Aktualität nichts eingebüßt haben. Absolut lesenswert!

„…Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, un das bisschen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden…“

„…O es ist mit der Ferne wie mit der Zukunft! ein großes dämmerndes Ganze ruht vor unserer Seele…Und ach! wenn wir hinzueilen, wenn das Dort nun Hier wird, ist alles vor wie nach und wir stehen in unserer Armut, in unserer Eingeschränktheit,…“

„…Und nun, mein Bester, sie, die unseres gleichen sind, die wir als unsere Muster ansehen sollten, behandeln wir als Untertanen. Sie sollen keinen Willen haben! Haben wir denn keinen? und wo liegt das Vorrecht?…“

„…Und kannst du von dem Unglücklichen, dessen Leben unter einer schleichenden Krankheit unaufhaltsam allmählich abstirbt, kannst du von ihm verlangen, er solle durch einen Dolchstoß der Qual auf einmal ein Ende machen? …“

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