Nietzsche

Michael Tanner

Mit Sätzen wie „Gott ist tot“ oder dem Bild vom Übermenschen formulierte Friedrich Nietzsche einen Nihilismus, dessen Auswirkungen auf das 20. Jahrhundert immens waren. Als „Erdbeben“ seiner Epoche und „seit Luther das größte deutsche Sprachgenie“ bezeichnete ihn Gottfried Benn. Im Jahr 2000 jährt sich sein Todestag zum 100. Mal.

Auf nur 121 Seiten schafft es Michael Tanner die Werke von Friedrich Nietzsche kurz und prägnant vorzustellen. Dabei geht er streng chronologisch vor und beschreibt zudem unter welchen Einflüssen Nietzsche seine Werke geschrieben hat und wie die Verbindungen zu anderen Zeitgenossen waren, darunter selbstverständlich Wagner, Goethe, aber auch andere.

In insgesamt 9 Kapitel aufgeteilt, findet man die einzelnen Werke und auch entsprechende Literaturhinweise zum weiteren nachlesen. Ein hervorragendes Buch für alle, die sich einen ersten Überblick über Nietzsche und seine Arbeit verschaffen wollen, da es sich sehr gut lesen lässt. Dies liegt vor allem daran, dass Michael Tanner nicht ausschweifend schreibt, aber trotzdem die wichtigsten Informationen liefert, so dass man eine gute Orientierung bekommt, von was die einzelnen Bücher handeln. Zudem ist die Übersetzung von Andrea Bollinger sehr gut gelungen. Ein gutes Buch mit sehr angenehmem Niveau für alle Philosophieinteressierten. Wer allerdings ausführliche Beschreibungen und nähere Informationen sucht, wird mit diesem Buch nicht zufrieden sein. Dies ist bei dem Umfang auch nicht anders zu erwarten.

Das Buch ist bereits 1994 erschienen und erst 1999 ins Deutsche übersetzt worden (Herder Verlag ISBN 3-451-04740-3).

Zum Autor: Micheal Tanner ist Professor der Philosophie in Oxford und Cambridge und Autor zahlreicher philosophischer Veröffentlichungen.

 

Eigene Meinung

Eine ausführliche Besprechung der einzelnen Werke kann man auf den wenigen Seiten nicht erwarten. Diesen Anspruch hat Tanners Buch auch nicht. Es soll lediglich einen Überblick zu Nietzsche geben. Auch findet man hier keine genauen Beschreibungen zu Nietzsches Leben, obwohl der Autor auf die wichtigsten Begebenheiten, wie den Bruch zwischen Nietzsche und Wagner, eingeht. Dies ist für die Entstehung der Werke notwendig, um zu verstehen, was den Philosophen getrieben hat.

Auch schlägt Tanner vor, die Werke Nietzsches in chronologischer Reihenfolge zu lesen. Nur so hätte man eine Chance, die Gedankengänge und Entwicklungen von Nietzsche nachzuvollziehen. Dies macht durchaus Sinn.

Sehr gefallen hat mir an diesem kleinen Buch, dass der Autor dem Philosophen gegenüber in vielerlei Hinsicht sehr neutral begegnet. Hier findet man als Leser weder ein Loblied auf Nietzsche noch eine in irgendeine Richtung geartete Kritik. Dennoch schreibt Tanner an einigen Stellen skeptisch und das sei erlaubt.

 

lesezeichen nietzscheRandbemerkung: Bereits 1999 (man betrachte mein gefundenes Lesezeichen) habe ich dieses Buch von einem damals guten Freund geschenkt bekommen. Tatsächlich lag es nun 16 Jahre auf meinem SuB. Was für eine Zeitspanne! Allerdings denke ich, dass ich es gar nicht früher hätte zu lesen brauchen.  Erst jetzt macht es richtig Spaß sich mit solchen Philosophen zu beschäftigen.

a book at the bottomof your to read listDieses Häkchen in der Lese-Challenge setze ich nur zu gerne.

 

„Eine erste Breitseite feuerte schon bald der Philologenkollege Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff ab, der ihm Unwissenheit, Verdrehung der Fakten und groteske Vergleiche zwischen der griechischen Kultur und der modernen Welt vorwarf.“

 

„Und die dritte Lehre Zarathustras ist der Wille zur Macht, die der Existenz zugrundeliegende Realität. Einmal mehr verkörpert sie der Übermensch in ihrer reinsten, eindrücklichsten Weise: als Selbstüberwindung, was auch immer das bedeuten mag.“

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