Tod – Ein Thema mit Widersprüchen und unhaltbaren Argumenten

Vorneweg: Vor einiger Zeit brachte mir eine liebe Arbeitskollegin ein Buch mit. Der Titel und das Cover machten mich neugierig. Sie hatte es angelesen, es war nicht ihres und sie dachte, es sei was für mich. Ein Buch über den Tod. Ein Interview mit dem Tod. Wieso eigentlich nicht? Von dem Autor hatte ich noch nie was gehört, doch fand ich den Namen amüsant und musste an Dracula denken. Ich las und googelte:  Jan van Helsing – Wer hat Angst vorm schwarzen Mann

 

Was kann man zu so einem Buch schreiben

Da bereits der Autor kontrovers und dementsprechend diskutiert wird, wollte ich es gerne abseits der esoterischen Szene betrachten. Ich wollte hier ursprünglich das Buch und die darin aufgestellten Thesen ansprechen und genauer beleuchten. Wie man sieht, habe ich reichlich Stellen markiert:

wer hat angst buchblätter

Doch dann habe ich mir die Kritiken auf amazon angeschaut und DIE sind um einiges spannender als eine Rezension, denn sie sprechen Punkte an, auf die wäre ich im Zusammenhang mit diesem Buch gar nicht gekommen. Dennoch eine kurze Zusammenfassung des Werkes:

Der Autor schildert in diesem Buch ein Interview mit dem Schwarzen Mann, dem Tod. Dieser stellt sich selbst als Engel des Wandels, als eine Art Transformator vor. Das Buch ist somit in Fragen und Antworten untergliedert. Die Themen reichen von der Beschreibung des Sterbevorgangs über Außerirdische bis hin zur Homoehe, also ein ziemlich weites Spektrum. Darüber hinaus gibt es eine längere Einleitung mit Bildern zum Thema Tod und ein kurzes Nachwort des Autors.

 

Ein Thema mit vielen Widersprüchen und unhaltbaren Argumenten

Auf amazon finden sie 83 Bewertungen zu diesem Buch. Davon sind 13 mit einem Stern, 5 mit zwei und 4 mit drei Sternen. Der überwiegende Rest sind fünf-Sterne Bewertungen (55) und letztendlich noch 6 mit vier Sternen.

In den schlechten Bemerkungen lassen sich die Leute hauptsächlich in ein bis zwei Sätzen über den Preis des Buches aus. Doch gibt es da auch welche, über die ich gestaunt habe. Hier einige Beispiele, die zeigen wie schwierig diese Themen auch heute noch sind. Dort schreibt jemand mit dem Pseudonym „Ein Kunde“, dass Religionen über Jahrhunderte die Angst vor dem Schwarzen Mann schürten, aber dies nur Mittel zum Zweck sei.

Diesem Buch kann man viel andichten, auch viel in die Thesen hineininterpretieren, aber sicherlich ist dieses Buch keines, das die Angst vor dem Tod und dem Sterben schürt.

Interessant sind zwei weitere Bewertungen, eine ist von einem TOP Rezensenten von amazon und die andere von einem Leser mit dem Nickname „onemanclapping“. Diese beiden attestieren dem Autor einen guten Geschäftssinn und üben zeitgleich Kritik. Zwar sei die Idee genial, aber der Autor reihe sich nur in die Rubrik „Wahrsager“ ein.

Hier stellt sich für mich die Frage, warum Autoren und Personen, die sich mit Glaubensgeschichten, Religionen und Esoterik beschäftigen und darüber schreiben oder Produkte entwerfen, immer ein guter Geschäftssinn abgesprochen wird. Das eine muss doch das andere nicht ausschließen.

Tatsächlich wurde bereits 2011 berichtet, dass in Deutschland ca. 25 Mrd. EUR Umsatz in der „Sinnesbranche“ gemacht werden. Die Nachfrage ist somit fast genauso hoch wie in der Erotikbranche und wird sie ggf. noch übersteigen. Die Käufer solcher Bücher und Produkte sind erwachsene und voll geschäftsfähige Personen. Ob und warum jemand auf eine gute Marketing-Idee eingeht, bleibt ihm/ihr selbst überlassen.

In Bezug auf dieses Buch möchte ich zwei Dinge erwähnen:

  • Es bietet keine Lebenshilfe oder Garantie wie „Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie reich, schlang und glücklich!“.
  • Es beinhaltet keine anderen Kauf-Appelle, nach dem Motto „Kaufen Sie jetzt das Pendel des Glücks und probieren Sie es gleich aus. Jetzt bei uns für EUR 99,90“.

Eine weitere Bewertung hat mich sehr amüsiert. Da verweist wieder „Ein Kunde“ auf ein anderes Buch. Auch nicht schlecht. Hier nachzulesen. Dort steht unter anderem, dass man lieber dieses oder jenes Buch lesen sollte, um wirklich etwas über den Tod zu erfahren. Das ist dann Werbung durch Kritik? Okay, ohne das andere Buch zu kennen, frage ich mich, wer nun tatsächlich DIE Wahrheiten bezüglich Leben und Tod für sich beanspruchen kann. Schließlich beschäftigen wir uns hier doch sehr stark mit einem Henne/Ei-Problem oder der berühmten Frage „Gibt es Gott?“. Eine kühne These, die der Rezensent hier aufstellt.

Eine etwas ausführlichere Bewertung findet man vom User Neptikom. Dieser schreibt einiges an Text und nimmt auch auf Stellen des Buches Bezug. Doch eingeleitet wird sein Text mit einem Absatz, der dem Autor Voreingenommenheit attestiert.
Achso? Das kann man durchaus so stehen lassen, aber auch hier fehlt nun der Gegenbeweis, dass es anders ist. Zumindest wird es allen Wissenschaftlern unglaublich schwer fallen, zu beweisen, dass es doch einen Himmel im biblischen/koranischen Sinne gibt. Die Anhänger des jüdischen Glaubens warten zudem auf das jüngste Gericht. Hier ist also noch alles offen. So behaupten doch alle Lehren, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben. Diese Aussage ist somit völlig sinnlos. Und fragt der Rezensent weiter, warum Gott ausgerechnet mit dem Autor sprechen wolle. Berechtigte Frage, aber wieso denn auch nicht? Tja, nun gut, aber warum wollte Gott mit Mose und all den anderen Propheten sprechen? Warum ausgerechnet mit diesen Männern? Der eine wollte sogar seinen Sohn für diesen Gott opfern. Ob das so verantwortungsvoll war?

Es ist anscheinend gar nicht so einfach in unserer heutigen, doch recht aufgeklärten Zeit, einen neuen Glauben bzw. eine Überzeugung zu säen. Wir sind in unserem Denken sehr von dem geprägt, was bereits gesellschaftlich anerkannt ist und uns seit frühester Kindheit erzählt wurde. Doch wie war es denn damals? Ab wann hat man die Geschichte mit Mose und Gott geglaubt oder waren die 10 Gebote nahe genug an der Realität und Vernunft, dass man bereit war, auch das Göttliche darin zu erkennen und anzuerkennen?

Und dann gibt es unter all diesen Bewertungen doch tatsächlich eine, die zwar nur einen Stern vergibt, aber zumindest begründet, warum dieses Buch schlecht sein soll und zwar ohne Beschimpfung, Neid und unhaltbare Argumentation. Es ist die Bemerkung von Schnellwelz. Er wirft interessante Aspekte auf, die sich darauf beziehen, wie van Helsing sicher stellen will, dass er überhaupt mit dem Tod gesprochen hat? Denn schließlich bediente er sich unterschiedlicher Medien. Schummeln könnten sowohl die Medien als auch das Wesen dahinter, wenn den existent. Eine verdammt gute Frage. Denn diesen Beweis zu führen, ist genauso müßig, wie den nach der Existenz Gottes. Hier hat sich jemand wenigstens die Mühe gemacht, sich mit den Buch als Ganzes auseinanderzusetzen.

 

Einen Ruf hat van Helsing weg

Googelt man den Autorennamen, erhält man viele interessante Links. Wer Zeit genug hat, genauer hinzuschauen, wird schnell feststellen, dass Jan von Helsing ein Pseudonym ist, dessen Ursprünge wirklich in Bram Stokers Werk Dracula liegen. Der Autor ist zudem Eigentümer eines eigenen Verlags – der Amadeus Verlag Gmbh & Co. KG – und heißt mit bürgerlichem Namen Jan Udo Holey. Berühmt berüchtigt wurde er mit seinen Büchern „Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20.Jahrhundert“ Teil 1 und 2, die beide auf dem Index gelandet sind. Sie sollen volksverhetzend sein. Wer mehr dazu erfahren will, der möge selbst googeln und sich durch den doch recht umfangreichen Wikipedia-Artikel lesen.

 

Was ist nun mit dem Tod?

Ist Holey mit dem Thema des Buches ein guter Verkaufstrick gelungen, weil er tatsächlich eine tiefsitzende Angst vieler Menschen anspricht? Hat er wirklich mit dem Tod gesprochen? Und falls ja, warum sollte sich der Tod nicht ausgerechnet mit Holey einen Spaß erlaubt haben? Wie könnte denn so ein Interview noch aussehen?

Bereits in 2005 habe ich mir darüber Gedanken gemacht und hierzu einen Kurztext geschrieben. Wer Lust hat, kann hier Schreibe nicht über mich als PDF downloaden. Es sind knapp zwei Seiten. Ich wünsche ein unterhaltsame Lektüre.

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