Der Liebhaber

Marguerite Duras

Alt ist sie geworden, die französische Schriftstellerin. Zu viel Alkohol hat ihr Gesicht ruiniert. Dabei war sie früher einmal so wunderschön, so verführerisch. Wie war das damals gewesen, vor vielen Jahren, die exotische Affäre mit dem Asiaten? Sie träumt sich zurück nach Indochina, an die Ufer des Mekongs…

 

Noch einmal erinnert sich die Schriftstellerin an ihre Jugend. Wie all ihre Träume begannen, vom Schriftstellerin werden wollen und vom Erwachsenwerden.

Die junge Marguerite lernt auf der Fähre des Mekongs einen reichen Chinesen kennen. Sie ist gerade in dem Alter, wo sie kein Mädchen mehr ist, aber noch nicht ganz Frau und dennoch trägt sie ein weit ausgeschnittenes Kleid und Schuhe mit Absätzen, dazu einen beinahe unmöglichen Hut. Ihre Lippen schminkt sie auffallend rot und das alles als Weiße in der französischen Kolonie. Einem Ort, wo sich alles herumspricht. Genau dort, auf dieser Fähre, lernt sie den älteren und reichen Chinesen kennen, der sie eigentlich unerhörterweise anspricht und ihr verfällt. Sie lässt sich auf eine Affäre ein, die gesellschaftlich das Aus für sie und ihre Familie bedeutet, dafür aber eine finanzielle Sicherheit garantiert. Denn nach dem Tod des Vaters schafft die Mutter es nicht, den drei Kindern das Leben zu ermöglichen, was sie sich gerne wünscht. Und so durchlebt das Mädchen ihre ersten Erfahrungen mit einem älteren Mann, der sie liebt, aber nie wird heiraten können. Denn am Schluss kehrt sie mit Familie nach Frankreich zurück.

In diesem Roman erzählt die Autorin von einer unmöglichen Liebe, die von Leidenschaft nur so sprüht. Vom Verlangen und Verzehren der beiden Personen, die sie leben. Von Lüge und Sehnsucht. Als Erinnerung zeigt sie dem Leser einzelne Erlebnisse und deren Folgen. Hinzukommt die Geschichte der Familie, des brutalen älteren Bruders, dessen Spielsucht, die Krankheit der Mutter, die Schwäche des jüngeren Bruders, ihre eigene Stärke und Schwäche gegenüber den dreien. Das alles in kurzen und unglaublich kraftvollen Abschnitten von nur wenigen Sätzen. In diesen ist so viel Inhalt komprimiert, dass man nicht selten das Gefühl hat, man habe mehrere hundert Seiten hinter sich.

Eine sehr nüchterne, aber starke Sprache zieht Duras konsequent durch diesen Roman. Gewaltig, treffend und zuweilen sehr hart. Dann wieder voller Gefühl und Erotik. Dass dieses Buch zu den Klassikern zählt, erschließt sich beim Lesen.

Solche Geschichten passieren sicherlich oft, aber nur selten werden sie so hervorragend erzählt. Sehr empfehlenswert!

Eigene Meinung

Es ist schon sehr lange her, dass mich ein Buch so unglaublich umgehauen hat. Diese Geschichte tut richtig weh, an manchen Passagen sogar körperlich. Duras erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte, sie berichtet von Ängsten und Gefühlen. Vom Aufwachsen in einer kaputten Familie, in der es sowas wie Liebe nicht zu geben scheint und dann doch. Sie schreibt über Sehnsucht und die Realität, über das Hinwegsehen.

Ein Buch, dass man in Ruhe lesen sollte und sicherlich mehr als einmal. Die Sprache ist, wie schon erwähnt, nüchtern, aber nicht einfach. Duras schafft es, in einem Satz so viel zu transportieren, dass ich das Buch oft nach zwei Seiten weggelegt habe, um nachzudenken oder kurz Pause zu machen.

Und was unglaublich angenehm und zugleich bewundernswert ist: Sie schafft es, so viel Erotik in die Geschichte selbst zu legen, ohne auf plumpe Art den Akt an sich zu beschreiben. Noch in keinem Buch habe ich das erste Mal eines Mädchens so schön und ehrlich geschildert gelesen, wie in diesem. Dabei spreche ich nicht vom Romantik, sondern tatsächlich von dem Akt.

Doch da ist viel mehr, nicht nur diese Liebe zwischen einem jungen Mädchen und einem älteren Mann. Die Erzählungen über die Familie und Umstände erklären das Handeln der Protagonisten, lassen den Leser mitleiden und verstehen, so dass man selbst glaubt, dabei zu sein.

 

Fazit: Auf jeden Fall lesen und wirken lassen. Dieses Buch lohnt sich, gelesen zu werden! Ich bin begeistert.

 

„…Oft sagt man mir, sie seien das Schönste, was ich habe, und das bedeutet für mich, dass ich nicht schön bin…“

 

 „…Manchmal weiß ich: wenn das Schreiben nicht, alle Dinge vereinend, ein flüchtiges Sprechen in den Wind ist, so ist es nichts…“

 

„…Ich habe nie geschrieben, wenn ich zu schreiben glaubte, ich habe nie geliebt, wenn ich zu lieben glaubte, ich habe nie etwas anderes getan, als zu warten vor verschlossener Tür…“

 

„…Das Klopfen des Herzens hat sich dorthin verlagert, in die empfindliche frische Wunde, die er mir zugefügt hat, er, der da zu mir spricht, der mir die Lust verschafft hat an diesem Nachmittag…“

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.