Feminismus – ein explosiver Begriff

Vorneweg: Kaum weibliche Vorbilder ab 30 oder 40 in Büchern und der realen Welt. Game of Thrones mit einer Menge kontrovers diskutierter weiblicher Charaktere. Das eigene Charakter-Building in den Geschichten hinterfragen. Seltsame weibliche Protagonisten in den Bestsellerlisten für Fantasy. Diskussionen und Streit, wenn das Wort Feminismus fällt.

Ich komme nicht herum, mich mit diesem Begriff auseinanderzusetzen. Das Verständnis für Gleichberechtigung und Frausein wandeln sich gerade stark oder zumindest kontinuierlich. Deswegen möchte ich mich in diesem Jahr ein bisschen mehr mit diesem Thema beschäftigen.

 

Ich schlage mich mit diesem Begriff herum und stelle mir selbst die Frage, ob ich eine Feministin bin. Bei jeder Aktion, die durch die Presse gejagt wird, durchlaufe ich ein Wechselbad der Gefühle. Das letzte Mal bei dieser #metoo-Sache.

Am liebsten hätte ich losgeschrien: „Was für eine mediengeile Kackscheiße!“

Und gleichzeitig dachte ich: „Na endlich trauen sich die Frauen etwas!“

Was stimmt nicht mit mir? Oder stimmt etwas mit dem Begriff nicht? Oder mit der Art, wie er wahrgenommen bzw. interpretiert wird? Ist irgendetwas schief gelaufen mit dem Feminismus?

Vielleicht ist Feminismus zu pink geworden, zu schrill, zu nervig, zu kurzhaarig, zu unrasiert, zu homo, zu peinlich, zu laut, zu nackt, zu Mainstream oder gar zu unnötig.

 

Anerkennung und Achtung der Menschenwürde von Frauen

Das ist das Hauptziel des Feminismus‘, nachzulesen bei Wikipedia.

Wenn ich mir den Alltag anschaue, komme ich in Versuchung anzunehmen, dass der Feminismus eigentlich bereits das erreicht hat, was es zu erreichen galt und tatsächlich all diese Aktionen, die man so rechts und links von den sozialen Medien und dem klassischen Fernsehen serviert bekommt, wirklich nur Effekthascherei oder Clickbaits sind.

Zudem haben wir doch das Wahlrecht, keinen Heiratszwang, können fast jeden Beruf ausüben, den wir wollen, sogar die Bundeswehr steht uns frei. Autofahren, eigenes Konto, Urlaub mit Freundinnen, Kreditaufnahme, Hauskauf, Selbständigkeit. Vergewaltigung in der Ehe als Straftat, Abtreibung möglich, Scheidung, Frauenhäuser. Uns Frauen in Deutschland geht es verdammt gut. Was wollen wir mehr?

 

Also ist der Feminismus heute doch zu pink

Anscheinend herrscht die Meinung vor, er ist eine Modeerscheinung für die jungen Frauen und Mädchen geworden, die in ihren YouTube-Videos erklären, wie sehr sie als Frau unterdrückt werden. Oder eben ein Thema für frustrierte Studentinnen, damit die auch etwas zum Festhalten und Abkämpfen haben, zumindest für ihre Bachelor-Arbeit. Anscheinend. Er ist wohl Ausrede und vorgeschobener Grund für gescheiterte Karriereträume, verpfuschte Lebensläufe und kaputte Beziehungen. So wird es uns gerade verkauft.

Und wollen wir doch mal ganz ehrlich sein: Übertreiben die Frauen sogar mit ihrem andauernden Genörgel nach Gleichberechtigung? Ist das der Grund, warum die Leute mittlerweile die Augen verdrehen, wenn man das Wort Feminismus ausspricht? Weil wir nie zufrieden sind, mit dem was erreicht wurde? Weil wir immer mehr wollen? Nicht die Klappe halten und es gut sein lassen? Die Antwort ist einfach: NEIN, aber…

 

…er ist wohl zu poppig geworden

Denn liest man Artikel wie die auf bento, dann wird einem schon sehr komisch zumute. Nicht nur die Fragen der Autorin sind lächerlich, nein viele andere Dinge in diesem Artikel ebenso. Jetzt ist bento nicht das Vorzeigeportal für Niveau und guten Online-Journalismus, aber es zeigt, wie dieses Thema gerade und besonders von jungen Frauen gesehen wird bzw. werden möchte.

Ebenso wie solche Bilder, die es zuhauf im Internet gibt:

Quelle: Irgend ne Witzeseite. Das Bild findet man überall im Web

 

Nervt’s oder ist es mittlerweile eher ein Witz?

Was haben Feministinnen gemacht, dass sie plötzlich eher belächelt, anstatt ernst genommen werden? Schließlich geht es bei diesen Überzeugungen weder um eine Automarke oder eine Ernährungsidee, sondern um Menschen und ihre Rechte.

Klar, eine Frau als Feministin ernst zu nehmen, die sich ein teures T-Shirt kauft, mutet vielleicht im ersten Augenblick seltsam an, aber warum sollten reiche und/oder erfolgreiche Frauen billige Klamotten tragen, um eine Überzeugung zu vertreten? Auch passt eine gutaussehende und erfolgreiche Frau nicht ganz ins Klischee der Feministin. Aber in wessen Augen? Der anderen Frauen? Solche „Auswüchse“ nerven wohl die Gesellschaft. Vor allem aber nervt eine Feministin, weil sie Sachen sagt, über die gerne geschwiegen und hinweggesehen wird.

Und was noch viel mehr nervt, ist die Tatsache, dass man es selbst weiß, es trotzdem im Alltag toleriert und sich irgendwie ertappt fühlt, wenn es einer endlich sagt.

Doch dann kommen solche Frauen wie Ronja von Rönne und kacken auch noch die Headline „Warum mich der Feminismus anekelt“ ins Web und schreiben tatsächlich über das, was ich denke:

 

„Frauenrechte sind zur Performance geworden, Entrüstung zu Hashtags.“

 

Und da sind sie wieder, die zwei Seelen in meiner Brust, wie bei der #metoo-Sache! Endlich sagt es jemand, aber auch nur, weil er ‚ne Clickbait produzieren wollte.

Oder?

 

Da ist noch diese eine Sache

Ich denke kurz nach und gehe in mich. Und dann fällt mir wieder ein, warum mir immer diese zwiegespaltenen Gedanken kommen, wenn es um Feminismus geht:

  • Frauen sind einfach unsolidarisch! Nie würde ein Mann so herablassend über Männer schreiben, wie es Frauen über ihresgleichen tun.
  • Solange bento und Die Welt lieber darüber schreiben, was am Feminismus nervt und ekelig ist, anstatt sich dafür einzusetzen, dass z.B. Frauenärztinnen nicht vor Gericht gestellt werden, weil sie über Abtreibung informieren und Hebammen so unwürdig für ihre Arbeit vergütet werden, schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

 

Fortsetzung folgt!

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