Frankfurter Buchmesse 2018 – Teil III – Think Ursula

Unglaublich, aber wahr: Endlich eine Veranstaltung, die Raum für Diskussion und Gespräch im Bereich Sci-Fi bietet! dachte ich. Zwar lese ich wenig Sci-Fi, bin aber Fan diverser Serien und Dokumentationen zu allem, was Weltraumforschung und Raumfahrt angeht. Auch Dystopien gehören dazu.

 

 

„Think Ursula“ war der Titel und zu etwas späterer Messe-Stunde fand diese „Podiumsdiskussion“ im Pavillon des Messegeländes statt und war zu Beginn [Ich kam erst 30 Min. nach Beginn hinzu] gut besucht. Gemeinsam mit PAN (Phantastik-Autoren-Netzwerk e.V.) hatte der Messeveranstalter einige interessante und bekannte Autoren aus diesem Genre zum Gespräch geladen. Kein Wunder also, dass die Zuschauer sehr staunten, wie oberflächlich und improvisiert diese auf zwei Stunden angesetzte Veranstaltung verlief.

Auf dem Podium saßen Andreas Brandhorst, Dietmar Dath, Dmitry Glukhovsky, Theresa Hannig, Bernhard Hennen, Annette Juretzki, Jens Lubbadeh und Judith Vogt.

 

Ausgerechnet eine Frau als Titelgeberin für diesen Event!

Jetzt werden sicherlich wieder einige die Augen rollen und denken, es käme wieder irgendetwas mit Feminismus. Nein, ich bin davon ausgegangen, dass es in dem Zusammenhang einige Denkanstöße geben würde, die interessante Diskussionen anheizen. Tatsächlich wurde diese Autorin gewählt, da sie einen hervorragenden Weltenbau betrieben hat. Eine einleuchtende Herangehensweise an dieses Genre und an einen Gesprächsabend. Das ist allerdings beinahe der einzige positive Aspekt an dieser Veranstaltung gewesen, wenn man von der Bar absehen möchte, die stark frequentiert wurde, weil ansonsten einem das Gesicht schier eingeschlafen wäre.

 

Belangloses Geplänkel mit wenigen guten Aspekten

Anstatt Diskussionen zu führen, die wirklich mitreißen, zum Denken anregen und etwas Bezug zu der namensgebenden Autorin haben, vertrieben sich die Teilnehmer und der Moderator die Zeit damit, dem Publikum zu erklären, warum es in Sci-Fi-Welten keine Schnellkochtöpfe gab.

Die guten und durchaus leidenschaftlichen Versuche von Dmitry Glukhovsky („…Ein Feindbild ist der Eckstein unserer Gesellschaft…“) und Dietmar Dath („…Dieses Genre verdient mehr Anerkennung und Rum…“) wurden vom Moderator Jochen Dreier, der sowohl unhöflich als auch pseudolustig alle guten Gelegenheiten zur Diskussion im Keim erstickte, abgetan. Das war schon sensationell.

Erst bei der Frage, ob Sci-Fi politisch sein darf [Allein schon diese Frage zeugt davon, wie wenig Gedanken sich die Veranstalter im Vorfeld gemacht haben.], kam es zu so etwas wie einem Gedankenaustausch, bevor fast jeder der Teilnehmer wieder dazu überging von seinen eigenen Werken zu reden und warum Elfen so sind und Raumschiffe eben anders.

 

Langweilig, schlecht vorbereitet und an den Erwartungen vorbei

Dass es überhaupt zu einer Podiumsdiskussion kam, war somit eher Dath und Brandhorst zu verdanken. Glukhovsky verließ frühzeitig die Bühne, was ich vollkommen nachvollziehen konnte. Von den weiblichen Teilnehmern kam wirklich kein einziger guter Ansatz, geschweige denn eine Bereitschaft zur Diskussion, woran auch immer dies gelegen haben mag.

Es kann durchaus sein, dass die Autoren mit etwas anderem gerechnet haben. Dennoch erwarte ich von jedem, der schreibt und erzählt, genügend geistige Flexibilität, sich auf ein Gespräch mit Kollegen und Lesern einlassen zu können, vor allem dann, wenn er/sie bereits ein Buch oder mehrere publiziert hat. Denn die enthielten, hoffentlich, ebenfalls eine Botschaft. Interessante Gedanken zu Totalüberwachung, Kindererziehung, Social Media und Sexualität wurden von einzelnen Autoren angesprochen, aber von Kollegen nicht weiter aufgegriffen.

 

Fazit: Eigentlich wünscht man sich genau solche Veranstaltungen und ist dann bitter enttäuscht, wenn sie aufgrund schlechter Vorbereitung scheitern. Sehr, sehr schade. Dennoch hoffe ich, dass es einen zweiten Anlauf gibt.

Ich kann mich an dieser Stelle nur dem Eindruck von Teilzeithelden anschließen und hoffe, sehr, dass die Veranstalter entsprechendes Feedback erhalten haben.

Frankfurter Buchmesse 2018 – Teil I – Highlights

Frankfurter Buchmesse 2018 – Teil II – Downlights

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