Und plötzlich merkst du, dass du alt wirst

Selten hat mich der Tod von zwei Stars so an die Vergänglichkeit erinnert wie der von Luke Perry und Keith Flint. Meine Jugend geht, andere Generationen kommen. Dieser Gedanke kam mir sofort, als ich die Nachrichten las. Beide Künstler sind mit Anfang 50 gestorben und waren damit gerade läppische 10 Jahre älter als ich. Krass!

Wieso aber beschäftigt mich das? Es ist ja nicht so, dass ich täglich Prodigy gehört habe oder immer noch Beverly Hills 90210 geschaut hätte, aber…

 

 

Wie geht es jetzt bei Riverdale weiter?

Genau das war mein zweiter Gedanke, als mein Mann die Schlagzeile zum Tod von Luke Perry vorgelesen hatte. Sind wir vielleicht doch nicht so alt, wie wir denken?

Ende letzten Jahres haben wir angefangen diese erfolgreiche Netflix-Serie zu schauen. Bereits da fühlten wir uns wieder jung. Hey, wir schauen Netflix wie all diese jungen Arbeitskollegen, die nicht andauernd auf Youtube rumhängen. Und hey, wir schauen eine Teenie-Serie, mit Anfang 40! Und hey, ich kenne sogar den einen Schauspieler aus einer anderen Serie, da war er so eine Art von Archie, jetzt spielt er dessen Vater…

 

Das war sicher der Zeitpunkt, an dem ich gemerkt habe, dass zwischen der einen und der anderen Teenie-Serie über 20 Jahre ins Land gezogen sind, nicht nur beim Darsteller, sondern auch bei mir. Heute kann ich mich für diese Art von Serien immer noch begeistern, obwohl ich mit Schule, Teenagern, ihren Problemen und allem was dazugehört, momentan überhaupt nichts am Hut habe. Es geht einzig und allein um den Unterhaltungswert.

 

Sind wir zu alt für diesen Quatsch?

Doch darf man mit 40 noch mit ruhigem Gewissen solche Serien schauen? Sollte man nicht lieber Tatort oder House of Cards schauen? Ist man nicht verpflichtet, größtenteils Reportagen oder Nachrichtensendungen zu konsumieren und als Bettlektüre Sachbücher zu aktuellen Themen oder Biografien wichtiger Persönlichkeiten der Neuzeit zu lesen? Sollte das private und ggf. berufliche Engagement nicht politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlich wichtigen Punkten gewidmet werden, damit man einer Vorbildfunktion gerecht wird? Und wenn ja, für wen?

 

Erwachsen werden und Erwachsen sein

Je älter ich werde, umso mehr frage ich mich, wer immer all diese Regeln aufstellt, wann Bücher, Filme oder Serien etwas für Jugendliche oder Erwachsene sind? Ab welchem Alter man sich mit welchen Themen zu beschäftigen oder was man gefälligst zu tun oder zu lassen hat? Die Interessen gehen bereits im Kindesalter auseinander. Was der eine mag, langweilt den anderen.
Haben wir früher als Kindern nicht immer gesagt, dass wir nur das tun werden, was wir tun wollen, wenn wir groß sind? Wenn wir in das entsprechende Alter kommen, wenn wir wirklich frei entscheiden dürfen und sollen, scheinen wir diesen Vorsatz sehr schnell zu vergessen. Jetzt, da ich es selbst bin, will ich nicht mehr diese „Erwachsenen“-Dinge tun, sondern viel lieber die, die anscheinend Kindern und Jugendlichen vorbehalten sind. Doch spätestens dann, wenn man sich dazu bekennt, wird einem oft der Unwille zum Erwachsen werden oder gar zum Erwachsen sein attestiert. Kurios!

Harry Potter oder Die unendliche Geschichte, Star Wars oder Herr der Ringe – all diese Werke verbindet eines: Sie faszinieren über Generationen hinweg. Genau das ist ein Teil ihres Erfolges.

Dass wir uns gerne an Serien wie Beverly Hills 90210 oder Buffy erinnern, liegt mitunter daran, dass wir uns gerne an die Zeit erinnern, in der wir große Fans waren und jeden Samstagnachmittag oder Mittwochabend vor der Glotze saßen, um keine Folge zu verpassen. Selbst heute kann ich mich noch daran erinnern, wann und wo mein Mann seinen ersten Harry Potter gelesen hatte, einfach deswegen, weil ihm das Buch so gut gefallen hat, dass er es in jeder „freien“ Minute in der Hand hatte und begeistert las.

Dialoge von den ersten Star Wars-Filmen mitsprechen, alle Namen der Peanuts kennen und andere Dinge mögen in Augen vieler Überbleibsel der Kindheit sein. Für mich sind sie ein Teil von mir, wie die Freude dran einen Vampir-Serien-Vergleich zu machen. All dies macht uns aber weder zu Kindern noch entziehen wir uns damit unserer Erwachsenenrolle – was auch immer das in der heutigen Zeit bedeutet –, wir vertreiben uns nur gerne angenehm die Zeit und machen das, was wir schon als Kinder gerne machten oder machen wollten.

 

Vielleicht werden wir in einigen Punkten gar nicht alt, sondern erleben viele Dingen, die wir mögen. Das mag für viele wie eine Illusion klingen. Für mich ist das ein schöner Gedanke.

 

R.I.P. Luke Perry – ich habe dich in beiden bekannten Serien sehr gemocht.

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