Online Autorenmesse 2019 – einige Eindrücke

Zum zweiten Mal fand vom 26.10. bis einschließlich 03.11.2019 die ONLINE AUTORENMESSE von Jurenka Jurk [Schreibfluss – Die Romanschule] statt. Wie bereits 2017 konnten registrierte Teilnehmer in zahlreiche Interviews reinhören bzw. -sehen. Auch diesmal gab es tolle Filme mit hochinteressanten und branchenbekannten Partnern. Erfolgreich Romane schreiben ist das Leitthema der Messe, und präsentiert wurde sie von tolino media. epubli, der Self-Publishing-Day und QualiFiction sowie DramaQueen waren mit Interview-Partnern ebenfalls vertreten. Sehr erfreulich war wieder, dass alle Interviews für je 24 Stunden kostenlos angeschaut werden konnten.

Als die Messe angekündigt wurde, habe ich mich sehr auf das Event gefreut, da ich schon 2017 begeistert in die Beiträge reingehört hatte. Durch die klare Gliederung der Messe in die einzelnen Arbeitsschritte während des Schreibens eines Romans, hat jeder Autor die Möglichkeit, seinen Schwerpunkt bei den Interviews zu wählen und diese – meist 45 Minuten dauernden Filme – anzuschauen. Mein Schwerpunkt lag diesmal bei Schreibtechnik und Überarbeiten. Ich habe aber auch bei Veröffentlichen im Selfpublishing und Marketing reingeschaut. Hier also mein Bericht zu meinen absoluten Highlights.

 

Anna Basener – Von Heftromanen zum Bestsellererfolg
Eigentlich wollte sie Schauspielerin werden, aber als sie in der Schule in der entsprechenden AG war, gab es keine tollen Frauenfiguren. Das war letztendlich der Grund, warum Anna Basener zum Schreiben kam.

 

„Es gab keine geilen Frauenfiguren. Entweder Gretchen oder die Hure.“

© luebbe.de

 

Genau nach dieser Aussage wollte ich mehr von Anna Basener wissen, die sich als Arbeiterkind mit dem Schreiben von Heftromanen zumindest einen Teil ihres Studiums finanzieren konnte. Sie verriet, worauf es dabei ankommt. In diesem Genre gibt es nämlich knallharte Vorgaben nicht nur die Seitenzahl betreffend, sondern auch welche Gegenstände, Figuren und Konflikte in der Story vorkommen müssen. Dies sei für sie eine harte Schule gewesen, allerdings hatte sie dabei gelernt, schnell zu schreiben.

Dass sie richtig viel zu erzählen hatte, bewies Basener, als es um die Tipps für werdende Autoren ging: Das Ziel ist, zu schreiben, aber auch gelesen werden. Selbst schreibt die Autorin, die nebenbei auch als Lektorin tätig ist, ca. 3 bis 4 Stunden am Tag. Der Rest geht zu Lasten administrativer Arbeiten. Eine Tatsache, die viele neue Autoren ungern sehen. Sehr schön fand ich auch Baseners Gedanken zu fertigen Geschichten.

 

„Den Text will gerade keiner.“

 

Bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Text schlecht ist, sondern gerade nicht die richtige Zeit dafür ist oder nicht das richtige Publikum am Markt. Auch wenn es um das Beginnen neuer Projekte geht, erzählte sie, dass sie gerne mit einer Szene anfängt, auf die sie Lust hat, die Handlung existiert bereits in ihrem Kopf. Stephen Kings Herangehensweise erst einmal alles runterschreiben, dann erst zu recherchieren, hält sie für ebenso eine gute Idee wie zuerst ordentlich zu planen.

Lachen musste ich noch am Schluß, als Jurenka und Anna Basener über den deutschen Genie-Mythos plauderten. Beide sind der Meinung, dass man beim ersten Mal nicht alles können muss.

Fazit: Anna Basener war eine sehr authentische Interview-Partnerin mit tollen Einstellungen zum Schreiben, die mir persönlich sehr gefallen. Vor allem das Thema des Loslassens und nicht beim ersten Mal Perfekt-sein-Wollens, hat bei mir ins Schwarze getroffen.

 

„Irgendjemand wird es Scheiße finden.“

 

Anke Gasch – Die drei größten Hürden in Dialogen
Ein ausgesprochen lebendiges und fröhliches Interview führte Jurenka mit Anke Gasch, die unter anderem Chefredakteurin der Federwelt ist [Wer schon etwas länger sich in den Bereichen Schreiben, Autoren und Selfpublishing bewegt, der kennt diese Zeitschrift sehr gut].

Auf unglaublich unterhaltsame Art erklärte Anke Gasch die Aufgaben der Dialoge. Besonders gut gefallen hat mir die Aussage, dass Dialoge zwar realistisch klingen, aber nicht zwingend realistisch sein sollen. Zudem dürfen sie nicht die Stimme des Autors haben.

© Anke Gasch

Auch konnte Gasch sehr plausibel erklären, was damit gemeint ist, wenn gesagt wird, dass alle Figuren ein Schriftdeutsch reden. Dazu bediente sie sich sehr einfacher und prägnanter Beispiele. Neben dem Aufzeigen von Fehlern präsentierte sie immer eine Lösung oder einen möglichen Lösungsansatz. Auch zu den Verben des Sprechens bzw. Sagens konnte sie aus der Praxis berichten.

Klare Ansagen gab es zu schlechten Dialogen. Die nämlich wiederholen die Handlung oder einen inneren Monolog. Wer als Autor das bereits beim ersten Durchgang schafft, zu vermeiden, ist verdammt gut.

Fazit: Ein hervorragend vorbereitetes und professionell gestaltetes Interview, bei dem ich unglaublich viel begriffen und gelernt habe. Dafür bin ich sogar bereit extra zu bezahlen. TOP!

 

Susanne Pavlovic – Die häufigsten Stilfehler
Ein tolles Interview zu den Basics von Stil und Stilfehlern gab es mit Susanne Pavlovic. Auf Facebook ist sie als Textehexe sehr präsent und gibt in Autorengruppe hervorragende Tipps. Mit Jurenka plauderte sie über den Begriff Stil als solchen, aber auch was das ist, wie man ihn für sich selbst findet und wie er sich im Laufe des Schreibens oder einer Schreibkarriere entwickelt.

 

„Stil hängt mit dem eigenen Denken zusammen.“

 

Besonders gut wurde bei dem Gespräch auf Stilblüten eingegangen, aber auch auf Metaphern, und wann man sie lieber nicht verwenden sollte, um ungewollte Komik zu vermeiden. Die Empfehlung einmal als Übung den Stil eines Lieblingsautors zu kopieren, war sehr interessant.

© Susanne Pavlovic

Genau wie Anke Gasch hatte auch Susanne Pavlovic Beispiele zu Fehlern und deren Lösung mitgebracht, die sehr anschaulich zeigten, wo die Stolperfallen in Texten liegen und was zur Überarbeitung gehört.

Fazit: Ein sehr gutes, praxisnahes Interview mit einer ausgesprochen sympathischen Partnerin. Auch hier konnte man viel mitnehmen.

 

Sylvia Englert – Manuskript überarbeiten – so geht‘s
In diesem Interview zeigte sich deutlich, dass hier jemand aus eigener Erfahrung berichtet und genug davon besitzt, um anderen Tipps zu geben. Neben Kinderbüchern hat Sylvia Englert bereits mehrere Sachbücher zum Schreiben veröffentlicht.

Klar war die Ansage: Ein Manuskript braucht immer mehrere Durchgänge der Überarbeitung und man solle es nach der Fertigstellung erst einmal liegen lassen. Hier fiel zum ersten Mal das Wort Check-Listen, diese Listen sollen sich für die Überarbeitungen hervorragend eignen. Seien es nun welche für Füllwörter, Lieblingsfehler oder andere Punkte, auf die man seinen Text prüfen sollte. Lautes Vorlesen helfe ebenfalls sehr gut bei der Fehlersuche.

Testleser sind wichtig! So der Appell von Englert. In diesem Bereich gab die Autorin gute Hinweise, wen man suchen und finden soll und was diese Personen bei der Textarbeit leisten können und was eher nicht.

© Sylvia Englert

Sehr schön waren auch die Tipps, wie man mit Stärken und Schwächen den Figuren mehr Tiefe geben kann und wie Dialoge die Handlung verbessern.

Fazit: Eine Autorin mit viel Erfahrung, die gerne ihr Wissen weitergibt. Ein sehr interessantes Interview auch im Hinblick auf Testleser. Hier hätte ich gerne länger zugehört.

 

Lutz Kreutzer – Ist Selfpublishing dein Weg?
Lutz Kreutzer ist nicht nur Autor, sondern auch Veranstalter des Self-Publishing Day, der in 2020 zum 7. Mal und diesmal in Düsseldorf stattfinden wird.

© Lutz Kreutzer

In seinem Interview erklärte er an erster Stelle den Begriff Selfpublishing und wie sich dieser Bereich seit 2011 entwickelt und verändert hat. Er persönlich sieht das Selfpublishing als eine alternative Vertriebsform, und damit hat er nicht Unrecht.

Hervorragend erklärt, hat Kreutzer wie es sich mit Tantiemen bei Verlagen und im Bereich Selfpublishing verhält. Wenn es ums Geld geht, treffen viele oft eine vorschnelle Entscheidung, da gerade im Selfpublishing gerne Dollarzeichen gesehen werden. Die Enttäuschungen sind hinterher umso größer. Der Grund dafür ist:

 

„Man muss ein gutes Buch schreiben!“

 

Und mit diesem Satz hatte Lutz Kreutzer alles gesagt, was es im Vorfeld zu sagen gibt. Unabhängig vom Schreiben, geht es beim Selfpublishing um vieles mehr. Selbstverwaltung, Vertrieb, Marketing seien hier genannt. Denn wo kein Buch verkauft wird, da fließen auch keine Tantiemen.

Fazit: Ein sehr klares und gutes Interview, das sicherlich einigen die Augen geöffnet hat.

 

Jasmin Zipperling – Netzwerken im Literaturbetrieb
Was es mit dem Netzwerken auf sich hat, erklärte Jasmin Zipperling ausführlich und ganz von Anfang an. Hierbei war Social Media durchaus Hauptthema, –  Jasmin Zipperling kenne ich selbst von Twitter, – aber auch der Punkt, warum es wichtig ist, sich überhaupt mit Menschen aus derselben Branche auszutauschen bzw. mit Personen, die damit in welcher Form auch immer zu tun haben.

© Jasmin Zipperling

Im Bereich Online sprach Zipperling den wichtigen Aspekt Auffindbarkeit an, erklärte weiterhin Begriffe wie Hashtag und ihre Funktion.

Fazit: Ein kurzweiliges Interview, dass besonders für Personen, die sich mehr vernetzen wollen, sehr spannend und lehrreich war.

 

Katrin Hill – Facebook Marketing für Autoren
Einfach und sehr verständlich erklärte Katrin Hill, warum ausgerechnet Facebook eine gute Plattform für Autoren darstellt. Sie verdeutlichte die Unterschiede zwischen Profil und Seite und wann es sich lohnt, sein Profil in eine Seite umzuwandeln sowie welche Möglichkeiten sich damit eröffnen.

Zum Inhalt gab Hill zu verstehen: Beiträge müssen immer eine Interaktion auslösen. Persönliche Berichte über Messen, Vorträge und Events kommen gut an, auch Videos oder die Story-Funktion von Facebook. Der Tipp, dass man zu Beginn keine Werbeanzeigen schalten sollte und warum, war einleuchtend. Das Thema Freunde bei Facebook wurde gut angerissen. Jeder müsse sich fragen: Sind meine Freunde auch Fans? Werden sie mich weiterempfehlen, wenn ich aus dem Profil eine Seite mache?

© Katrin Hill

Katrin Hill kam im Interview sehr sympathisch rüber und ging vor allem auf die Basics ein.

Fazit: Sehr gut vorbereitetes Interview. Für Anfänger sehr lehrreich! Mich persönlich hat es zudem sehr gefreut, denn mir war Katrin Hill bisher kein Begriff, aber man lernt nie aus. Ihre Seite schaue ich mir sehr gerne genauer an.

 

Und zum Schluß
Die Online Autorenmesse war 2019 wieder ein wunderbares Event. Ich hoffe sehr, dass Jurenka 2021 diese Veranstaltung erneut auf die Beine stellt. Ich bin auf jeden Fall dabei! Vielen Dank an Jurenka Jurk und die tollen Interview-Partner! Habe für mich viel mitgenommen und gelernt.

Diese Online Veranstaltung ist eine TOP-Empfehlung für alle, die neu in den Bereich Schreiben und Selfpublishing kommen. Hier bekommt man hervorragend Einblick in die Themen und Bereiche der Branche, lernt zugleich Profis kennen und kann sofort mit den Tipps arbeiten.

 

Frank Rösner – Steuern: Ein Überblick für Autoren
Auch wenn dieses Interview fachlich absolut korrekt war, gehört es zu meinem persönlichen Downlight.

Ich hätte mir sehr gewünscht, dass ausgerechnet dieses Thema, was so vielen Autoren unter den Nägeln brennt, ordentlich und auf Augenhöhe mit dem Gegenüber behandelt wird.

Jeder der selbständig ist, braucht einen Steuerberater. Kann man als Steuerberater so sehen und propagieren, muss man aber nicht. Es wäre besser gewesen, zu erklären, was eigentlich der Unterschied zwischen freiberuflich und selbständig ist. Auch dieses Rumreiten auf dem Kleinunternehmern war kaum zu ertragen. Ich kenne Verlage, die als Kleinunternehmer angefangen haben und das ging prima. Es wäre wünschenswert, zu hören, dass man eigentlich erst mit dem Verkauf der eigenen Bücher ein Gewerbe anmelden muss. Vorher kann man die Tantiemen, die man von den Plattformen erhält, einfach mal als Einkommen versteuern. Damit wäre auch die Frage mit dem Angestelltenverhältnis geklärt. DAS sind nämlich die Punkte, die die Neulinge umtreiben.

Nach zwanzig Minuten mit der Vorsteuerberechnung und -anmeldung um die Ecke zu kommen, war schon krass. Dass da viele verwirrt und verängstigt aussteigen, braucht nicht erklärt werden. Sehr schade!

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